Die Lamaschtu-Plakette ist eine mesopotamische Schutztafel. Sie zeigt, wie die gefürchtete Kindbettdämonin Lamaschtu in die Unterwelt zurückgedrängt wird, und sollte über dem Bett von Müttern und Kindern das Unheil abwehren.
Die Lamaschtu-Plakette ist ein Schutzobjekt aus dem Alten Orient. Es handelt sich um eine kleine Tafel aus Bronze oder Stein, die mit Bildern und Texten bedeckt ist. Sie war in Mesopotamien verbreitet.
Die Plakette richtet sich gegen ein bestimmtes Wesen, gegen die Dämonin Lamaschtu. Lamaschtu galt als gefährlichste Bedrohung für Schwangere, für Wöchnerinnen und für neugeborene Kinder.
Anders als ein getragenes Amulett wurde die Plakette aufgehängt oder aufgestellt. Ihr Platz war der Wohnraum, vor allem die Nähe des Bettes, an dem Mutter und Kind ruhten.
Die Lamaschtu-Plakette ist eng mit dem Pazuzu-Amulett verbunden. Auf vielen Plaketten erscheint ein Pazuzu-Kopf, denn Pazuzu war die Macht, die der Lamaschtu entgegengestellt wurde. Auf der Seite zum Pazuzu-Amulett ist dieser Zusammenhang näher dargestellt.
In der Religionswissenschaft ist die Lamaschtu-Plakette ein gutes Beispiel für ein Schutzobjekt, das eine ganze Szene zeigt. Es ist nicht ein einzelnes Zeichen, sondern ein Bild, das einen Vorgang darstellt, nämlich die Verbannung der Dämonin.
Die Plakette gehört zu den am besten erforschten Schutzobjekten Mesopotamiens. Zahlreiche Stücke sind erhalten, und sie lassen sich mit den überlieferten Beschwörungstexten verbinden.
Um die Plakette zu verstehen, muss man die Dämonin Lamaschtu kennen. Lamaschtu war in der mesopotamischen Vorstellung ein furchtbares Wesen, das sich gegen Mütter und Kinder richtete.
Lamaschtu wurde als Tochter des Himmelsgottes Anu vorgestellt. Anders als die übrigen Dämonen handelte sie nach manchen Texten aus eigenem Antrieb, nicht im Auftrag der Götter. Das machte sie besonders gefährlich.
Man schrieb Lamaschtu die schlimmsten Übel zu, die Mutter und Kind treffen konnten. Sie galt als Ursache von Fehlgeburten, vom Fieber des Kindbetts und vom frühen Tod der Säuglinge.
Lamaschtu verkörperte damit eine sehr reale Gefahr. Geburt und früheste Kindheit waren in der antiken Welt für Mutter und Kind hochriskant. Lamaschtu war die dämonische Gestalt dieser allgegenwärtigen Bedrohung.
Eine ausführlichere Darstellung der Dämonin findet sich auf der Seite zu Lamaschtu im Wesenslexikon. Für die Plakette ist vor allem wichtig, dass Lamaschtu der Gegner war, gegen den sich das ganze Objekt richtete.
Die Lamaschtu-Plakette ist damit das Schutzobjekt gegen eine benannte Dämonin. Sie ist auf eine bestimmte Gefahr ausgerichtet und nicht ein allgemeines Abwehrzeichen.
Die Lamaschtu-Plakette ist meist eine rechteckige Tafel. Ihre Oberfläche ist in mehrere übereinanderliegende Bildstreifen gegliedert, die in der Forschung Register genannt werden.
In diesen Registern ist eine ganze Szene dargestellt. Sie zeigt die Dämonin Lamaschtu und den Vorgang ihrer Verbannung. Das Bild erzählt damit gleichsam eine Geschichte in mehreren Abschnitten.
Lamaschtu selbst wird furchterregend dargestellt. Sie erscheint mit dem Kopf eines Raubtiers oder eines Vogels, oft kniend und säugende Tiere haltend. Diese Bildelemente kennzeichnen sie als das gefährliche, widernatürliche Wesen.
In den unteren Registern ist häufig die Unterwelt angedeutet, der Ort, an den Lamaschtu zurückgedrängt werden soll. Die Plakette zeigt damit nicht nur die Dämonin, sondern auch das Ziel ihrer Verbannung.
Über den oberen Rand der Plakette ragt häufig ein Kopf hinaus, der auf die Szene herabblickt. Es ist der Kopf des Pazuzu, der die Verbannung der Lamaschtu überwacht.
Die Plakette ist außerdem mit Texten bedeckt. Diese Texte sind Beschwörungen gegen Lamaschtu. Bild und Text bilden zusammen das wirksame Schutzobjekt.
Das Bild auf der Lamaschtu-Plakette zeigt keinen ruhenden Zustand, sondern einen Vorgang. Es stellt dar, wie die Dämonin Lamaschtu beschworen und in die Unterwelt zurückgedrängt wird.
In den Bildregistern erscheinen die Mittel dieser Verbannung. Es werden Gaben für Lamaschtu gezeigt, mit denen sie besänftigt und zum Rückzug bewegt werden soll. Dazu gehören etwa Tiere, Speisen und Gegenstände für ihre Reise.
Die Vorstellung dahinter ist, dass Lamaschtu mit Gaben ausgestattet und so dazu gebracht wird, in die Unterwelt zurückzukehren. Sie wird gleichsam für ihre Reise versorgt und fortgeschickt.
Häufig ist Lamaschtu auf einem Esel oder in einem Boot dargestellt, dem Mittel ihrer Rückreise. Sie verlässt die Welt der Menschen und kehrt dorthin zurück, woher sie gekommen ist.
Das Bild zeigt damit den erwünschten Ausgang. Es stellt nicht die Bedrohung dar, sondern ihre Überwindung. Die Plakette vergegenwärtigt den Augenblick, in dem die Dämonin weicht.
Diese Darstellung des erwünschten Ausgangs ist der Kern der Schutzwirkung. Indem die Plakette die Verbannung der Lamaschtu zeigt, soll sie diese Verbannung herbeiführen. Das Bild des Sieges soll den Sieg bewirken.
Ein auffälliges Merkmal vieler Lamaschtu-Plaketten ist der Kopf, der über den oberen Rand hinausragt. Es ist der Kopf des Dämons Pazuzu, der von oben auf die Szene herabblickt.
Pazuzu war selbst ein gefürchteter Dämon, der Herr der bösen Winddämonen. Doch gerade als gefährliches Wesen konnte er gegen Lamaschtu eingesetzt werden. Pazuzu war die Gegenmacht, die der Lamaschtu standhielt.
Auf der Plakette überwacht Pazuzu die Verbannung. Sein Kopf am oberen Rand zeigt, dass er über dem ganzen Vorgang steht. Er ist die Macht, die dafür sorgt, dass Lamaschtu tatsächlich weicht.
Diese Anordnung verbindet die Plakette eng mit dem Pazuzu-Amulett. Beide Objekte gehören zusammen und folgen demselben Gedanken, dass eine gefürchtete Macht gegen eine noch gefährlichere eingesetzt wird.
Der Pazuzu-Kopf auf der Plakette ist damit kein Schmuck, sondern ein wesentliches Element. Er macht sichtbar, wer die Verbannung der Lamaschtu durchsetzt.
In der Verbindung von Lamaschtu-Plakette und Pazuzu zeigt sich ein durchdachtes System der mesopotamischen Schutzpraxis. Die Dämonin, die Gegenmacht und der Vorgang der Verbannung sind in einem einzigen Objekt zusammengefügt.
Die Lamaschtu-Plakette folgt demselben Wirkprinzip wie das Pazuzu-Amulett. Die Religionswissenschaft beschreibt es als Abwehr durch eine verbündete Schreckmacht.
Statt allein eine wohlwollende Gottheit anzurufen, band die mesopotamische Schutzpraxis die Kraft eines gefürchteten Wesens. Pazuzu, selbst ein Dämon, wurde gegen die Dämonin Lamaschtu gerichtet.
Auf der Plakette wird dieses Prinzip in einer ganzen Szene entfaltet. Die Dämonin wird gezeigt, ihre Gegenmacht wird gezeigt, und der Vorgang ihrer Verbannung wird dargestellt.
Die Beschwörungstexte auf der Plakette unterstützen diesen Vorgang. Sie nennen Lamaschtu beim Namen, sie schildern ihre Verbannung und sie befehlen ihr, in die Unterwelt zurückzukehren.
Bild und Text wirken damit in dieselbe Richtung. Das Bild zeigt die Verbannung, der Text spricht sie aus. Gemeinsam sollen sie bewirken, dass die Dämonin tatsächlich weicht.
Die Lamaschtu-Plakette ist damit ein besonders ausführliches Beispiel für das mesopotamische Schutzdenken. Sie zeigt nicht nur ein abwehrendes Zeichen, sondern den ganzen Vorgang der Abwehr.
Der Platz der Lamaschtu-Plakette war der Wohnraum, und zwar die Nähe des Bettes. Dort, wo Mutter und Kind ruhten, sollte die Plakette das Unheil abwehren.
Die Plakette wurde an der Wand angebracht oder aufgehängt. Von dort aus überwachte sie den Raum. Ihre Szene der Verbannung war ständig gegenwärtig und sollte Lamaschtu fernhalten.
Diese Anbringung am Bett ist aufschlussreich. Sie zeigt, dass die Plakette genau dort eingesetzt wurde, wo die Gefahr am größten war. Lamaschtu bedrohte Wöchnerin und Säugling, und genau an deren Lager stand die Plakette.
Neben der aufgehängten Plakette trugen schwangere Frauen und kleine Kinder häufig auch das Pazuzu-Kopf-Amulett unmittelbar am Körper. Aufgehängter und getragener Schutz ergänzten einander.
Damit deckte die mesopotamische Schutzpraxis beide Ebenen ab. Die Plakette sicherte den Raum, das getragene Amulett begleitete die Person. Zusammen bildeten sie einen umfassenden Schutz.
Die Lamaschtu-Plakette ist damit ein Schutzobjekt, das eng auf eine Lebenslage bezogen war. Sie gehörte in den Raum der Geburt und der frühen Kindheit, in die als gefährlichste empfundene Zeit des Lebens.
Die Texte auf der Lamaschtu-Plakette gehören zu einem größeren Zusammenhang. In Mesopotamien gab es eine ganze Sammlung von Beschwörungen gegen Lamaschtu, die über lange Zeit überliefert und geordnet wurde.
Diese Beschwörungssammlung beschreibt das Wesen der Lamaschtu, ihre Gefährlichkeit und die Mittel, mit denen sie abgewehrt werden kann. Sie ist eine wichtige Quelle für das Wissen über die Dämonin.
Die Texte auf den Plaketten sind Auszüge oder Verdichtungen dieser Beschwörungen. Sie bringen das Wissen über die Verbannung der Lamaschtu in eine knappe, auf der Tafel festgehaltene Form.
Die Beschwörungen folgten festen Regeln. Sie mussten richtig gesprochen und richtig angewendet werden. Häufig waren sie mit Handlungen verbunden, etwa mit der Herstellung von Figuren oder mit Gaben.
Die Beschwörung wurde von einem kundigen Fachmann ausgeführt, einem Beschwörungspriester. Dieser kannte die Texte und die Handlungen, die die Verbannung der Lamaschtu herbeiführen sollten.
Die Plakette steht damit nicht allein. Sie ist Teil einer ausgearbeiteten Schutzpraxis, zu der Texte, Handlungen und kundige Fachleute gehörten. Das Objekt und das Wissen um seine Verwendung gehören zusammen.
Die Lamaschtu-Plakette ist heute vor allem Kennern des Alten Orients bekannt. Sie gehört nicht zu den weithin geläufigen Zeichen, ist aber in der Altorientalistik ein gut erforschter Gegenstand.
In den Sammlungen mehrerer großer Museen sind Lamaschtu-Plaketten erhalten. Sie bezeugen, wie verbreitet dieses Schutzobjekt in Mesopotamien war und wie ernst die Bedrohung durch Lamaschtu genommen wurde.
Für die Erforschung der altorientalischen Religion sind die Plaketten von großem Wert. Gemeinsam mit den Beschwörungstexten geben sie einen genauen Einblick in die mesopotamische Schutzpraxis.
Die Lamaschtu-Plakette zeigt, dass der Schutz von Mutter und Kind im Alten Orient ein zentrales Anliegen war. Eine ganze Schutzpraxis aus Plaketten, Amuletten, Texten und Handlungen war diesem Anliegen gewidmet.
Damit gehört die Lamaschtu-Plakette zu den eindrücklichsten Schutzobjekten des Alten Orients. Sie ist eng mit dem Pazuzu-Amulett verbunden und zeigt das mesopotamische Schutzdenken in besonders ausführlicher Form.
In ihr wird sichtbar, wie eine alte Kultur auf die großen Gefahren des Lebens antwortete. Die Lamaschtu-Plakette ist das Bild eines Sieges, das diesen Sieg herbeiführen sollte, des Sieges über die Dämonin, die Mutter und Kind bedrohte.
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