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Tane Mahuta - Maori-Gott der Wälder, Vögel und der lichtbringenden Trennung

Tane Mahuta, oft kurz Tane, gilt in der Religion der Maori als Gott der Wälder, der Vögel und aller bewaldeten Lebenswelten.

Zugleich ist er derjenige, der nach dem zentralen Schöpfungsmythos den Himmelvater Ranginui von der Erdmutter Papatuanuku trennte und damit Licht und Lebensraum in die Welt brachte. Die folgende Darstellung beschreibt seine religionswissenschaftliche Stellung im polynesischen Pantheon, seine ikonografischen Spuren und seine Rolle im rituellen Leben.

GottPolynesien / MaoriWald- und Schöpfungsgottheit

Inhaltsverzeichnis

Tane Mahuta - Götter aus der Polynesisch-maori-Tradition, historisch-illustrativ

Tāne Mahuta ist der Maori-Gott der Wälder und Vögel.

Tāne Mahuta, der Maori-Waldgott, trennte in der Schöpfungserzählung Himmel und Erde und brachte das Licht in die Welt.

Einordnung im polynesischen Pantheon

Tane Mahuta gehört zu den zentralen Atua (Göttern) der Maori-Kosmologie und entspricht in seiner Funktion polynesischen Parallelgestalten wie Kane auf Hawai’i oder Tane in Tahiti und auf den Cookinseln.

Er ist einer der Söhne von Ranginui (Himmelvater) und Papatuanuku (Erdmutter) und gilt als Bruder von Tangaroa, Tu Matauenga, Rongo, Tawhirimatea (Sturmgott) und Haumia-tiketike (Gott der wildwachsenden Nahrung).

Anders als in monotheistischen Konzeptionen ist Tane keine über allem stehende Hochgottheit, sondern Teil eines polyzentrischen Göttergefüges, in dem jeder Atua einen klar umrissenen Zuständigkeitsbereich abdeckt.

Margaret Orbell hebt in ihrem Standardwerk The Illustrated Encyclopedia of Maori Myth and Legend (1995) hervor, dass die Maori-Theologie nicht als geschlossenes System überliefert ist, sondern in regionalen Varianten und Stammestraditionen jeweils eigene Akzente erhält.

Tane selbst tritt unter Beinamen wie Tane-mahuta, Tane-te-wananga, Tane-nui-a-Rangi oder Tane-matua auf, je nach Funktionsschwerpunkt. Religionswissenschaftlich ist diese Vielnamigkeit Ausdruck einer Theologie, kein Widerspruch: Sie definiert einen Gott über Beziehungen, Handlungen und Genealogien (whakapapa) statt über ein einziges Attribut.

Patrick Kirch (On the Road of the Winds, 2000) zeigt, dass dieses Prinzip in der gesamten austronesischen Religionsfamilie wirksam ist und bis in die proto-austronesische Religionsgeschichte vor mehreren tausend Jahren zurückverfolgt werden kann.

Wissenschaftlich ist Tangaroa damit eine Figur, deren Bedeutung sich nur im Kontext der jeweiligen Inselgesellschaft erschließt. In Aotearoa, einer Insel mit dichten Wäldern und ausgedehnter Küste, dominiert die Konkurrenz zwischen Wald (Tane) und Meer (Tangaroa); in Tahiti, einer vulkanischen Inselgruppe mit ausgeprägter Marae-Religion, ist Tangaroa Schöpfer.

Tu ist damit innerhalb der Maori-Theologie der Atua, durch den sich der menschliche Anteil am göttlichen Geflecht artikuliert. Ohne Tu gäbe es keinen ‚Mensch-als-Handelnden‘, der mit anderen Atua interagieren kann. Diese kosmologische Stellung ist seit Te Rangikahekes Aufzeichnungen überliefert und in der modernen Maori-Religionsphilosophie zentral.

Name und Etymologie

Der Name Tane bedeutet im Maori (te reo Maori) und in verwandten polynesischen Sprachen schlicht ‚Mann‘ oder ‚männliches Wesen‘. Der häufige Beiname Mahuta wird mit ‚aufspringen‘, ’sich erheben‘ übersetzt und verweist auf den Akt, mit dem er den Himmel von der Erde stemmte.

Die Variante Tane-nui-a-Rangi lässt sich als ‚Tane, der Große, der Sohn des Rangi‘ wiedergeben. Tane-te-wananga bedeutet ‚Tane des heiligen Lehrens‘, Tane-mahuta ‚Tane des Aufrichtens‘.

Bruce Biggs (The Complete English-Maori Dictionary, 1981) zeigt, dass das Lexem tane sowohl mythologisch als auch alltagsprachlich gebraucht wird. In rituellen Kontexten erscheint es häufig im verschmolzenen Ausdruck Tane-te-wananga – Tane als Bewahrer der gesammelten Wissensbestände, des wananga. Die Mehrfachbedeutung (‚Mann‘ als Gattungsname und ‚Tane‘ als Gott) macht den Namen ungewöhnlich produktiv.

Die polynesische Sprachgemeinschaft kennt Verwandte des Theonyms auf weit entfernten Inseln: Kane in Hawai’i, Tane in Tahiti, Kane oder Tane auf den Marquesas.

Diese sprachliche Verbreitung gilt linguistisch als einer der Belege für eine gemeinsame protopolynesische Mythentradition, deren Wurzel in das späte erste Jahrtausend zurückreichen dürfte. Die Lautgesetze des Maori (bewahrtes t-) und des Hawaiianischen (Wandel t- zu k-) erklären die regionale Variation.

Anne Salmond betont in Aphrodite’s Island (2009), dass die englischsprachige Forschung des 19. Jahrhunderts oft die regionalen Variationen verdrückte und ein einheitliches ‚polynesisches Pantheon‚ konstruierte, das in dieser Form nie existierte. Die linguistische Forschung der letzten 50 Jahre hat dies korrigiert.

Die genealogische Bezeichnung ‚Nga uri o Tu‘ (‚Nachkommen Tus‘) ist heute in der öffentlichen Maori-Sprache lebendig: Sie taucht in Reden bei Hui (Versammlungen), in Tangihanga (Trauerzeremonien) und in politischen Auseinandersetzungen auf und drückt die Selbstidentifikation der Maori als handelnde, kämpfende, überlebende Gemeinschaft aus.

Beschreibung und Ikonografie

In der bildenden Kunst der Maori tritt Tane Mahuta nicht in einer einheitlich fixierten Gestalt auf. Im Unterschied zur klassischen griechisch-römischen Bildtradition kennt die polynesische Religion keine stehende anthropomorphe Statuarik, die einen Gott in einer kanonischen Form festlegt.

Stattdessen sind Schnitzwerke (whakairo) an Versammlungshäusern (whare whakairo), an Bug- und Heckpfosten von Kanus und an Außenanlagen der Marae symbolische Verdichtungen.

Tane wird in solchen Schnitzereien häufig durch große, geöffnete Augen, eine vorgestreckte Zunge und stilisierte spiralförmige Glieder angedeutet, die seine Position zwischen Himmel und Erde anzeigen.

Roger Neich (Painted Histories, 1993) beschreibt, wie regionale Werkstätten unterschiedliche Codes verwendeten. Im weiteren Sinn gilt jeder große Baum, insbesondere die monumentale Kauri-Fichte (Agathis australis), als sichtbarer Körper Tanes.

Der berühmte Kauri-Baum im Waipoua-Wald, dessen Eigenname genau ‚Tane Mahuta‘ lautet, ist die ikonografische Materialisation des Gottes selbst. Er ist über 50 Meter hoch, mehr als 13 Meter im Stammumfang, und sein Alter wird auf 1500 bis 2500 Jahre geschätzt.

In oralen Bildern wird Tane oft als hoch aufgerichteter Mann beschrieben, der mit Schultern und Beinen Himmel und Erde auseinanderdrückt, während Ranginui blutige Risswunden zurückbehält und Papatuanuku unter ihm trauert. Solche Bilder finden sich in den überlieferten Karakia und in der modernen Maori-Dichtung gleichermaßen.

Symbolisch wird Tangaroa auch durch das Nautilus-Schalen-Muster und durch bestimmte Spiralformen (koru) in der Maori-Kunst angedeutet. Die koru-Spirale verweist auf das Rollen der Welle und das Aufrollen des Tang. In modernen Maori-Schmuckarbeiten und Tatauierungen sind diese Motive nach wie vor lebendig und tragen die Tangaroa-Referenz in den Alltag.

In modernen Tatauierungen (ta moko) sind Tu-Motive häufig: Spirale (koru) in dichten Anordnungen, scharfe Linien, betonte Augen-Symbolik. Die Tradition des ta moko, die im 19. Jahrhundert fast erloschen war, lebt seit den 1990er Jahren wieder auf und enthält explizit Tu-Bezüge.

Der Mythos der Trennung von Himmel und Erde

Die zentrale Erzählung um Tane Mahuta ist die Trennung der Welteltern.

Nach der Darstellung, wie sie der Maori-Historiker Te Rangikaheke im 19. Jahrhundert aufzeichnete und wie sie durch Sir George Grey in Polynesian Mythology (1854) in den europäischen Diskurs gelangte, lagen Ranginui und Papatuanuku zunächst in enger Umklammerung. Ihre Kinder mussten in vollständiger Dunkelheit zwischen ihnen leben.

Die Söhne berieten, ob sie ihre Eltern töten oder trennen sollten. Tu Matauenga, Gott des Krieges, sprach für das Töten. Tane Mahuta sprach dagegen und setzte sich durch.

Mehrere Söhne versuchten erfolglos, den Himmel von der Erde zu heben. Erst Tane gelang es: Er stellte sich auf den Kopf, stemmte die Füße gegen den Himmel und drückte ihn empor. So entstand Te Ao Marama, die Welt des Lichts.

Wissenschaftlich ist dieser Mythos ein klassischer Trennungsmythos, wie ihn Mircea Eliade in Die Schöpfungsmythen (1976) als Typus beschreibt. Er erklärt die Welt und legitimiert zugleich die Existenz von Wissen und Erkenntnis. Erst die Trennung schafft den Raum, in dem die folgenden Schöpfungsakte stattfinden können.

Die Eltern bleiben nicht unbehelligt: Ranginui weint bis heute – der Regen ist seine Tränen, der Morgennebel der Atem Papatuanukus, die zu ihm aufsteigt. Diese poetische Verbindung zwischen Wettererscheinung und Mythos ist in der Maori-Sprache lebendig verankert.

Tane als Schöpfer der ersten Frau und der Menschheit

Eine zweite zentrale Tane-Erzählung berichtet, wie Tane die erste Frau formt. Nach mehreren erfolglosen Verbindungen mit nicht-menschlichen Wesen – Quellen, Steinen, Bäumen – formt Tane aus rotem Lehm (one) am Strand von Kurawaka die erste Frau, Hineahuone (‚aus Erde geformte Frau‘).

Aus ihrer Verbindung mit Tane geht Hinetitama hervor, die Morgendämmerungsgestalt, die nach Entdeckung ihrer Herkunft in die Unterwelt geht und dort zu Hine-nui-te-po, der großen Frau der Nacht, wird.

Te Rangihiroa (Sir Peter Buck) interpretiert in The Coming of the Maori (1949) diese Sequenz als rituelle Etablierung der Geschlechterordnung und der Sterblichkeit.

Tane stellt einen Schöpfungsakt dar und verankert darüber hinaus die Spannung zwischen Tag und Nacht, Leben und Tod, in der Anthropologie der Maori. Der Lehm von Kurawaka ist in vielen Iwi bis heute ein erinnerter Ort.

Die Erzählung wurde durch Anne Salmond (Two Worlds, 1991) und Judith Binney (Encircled Lands, 2009) ausführlich aus stammesgeschichtlicher Sicht aufgearbeitet.

Sie weisen darauf hin, dass die Tane-Hineahuone-Erzählung nicht als ‚paganer Sündenfall-Mythos‚ missverstanden werden darf, wie es christliche Missionare des 19. Jahrhunderts versuchten. Sie ist eine eigenständige theologische Aussage über die Beziehung der Menschen zur Erde, aus der sie buchstäblich geformt sind.

Tane als Bringer der drei Körbe des Wissens

Eine weitere Erzählung beschreibt, wie Tane die drei Körbe des Wissens (nga kete o te wananga) vom obersten Himmel holt.

Er steigt durch die zwölf Himmel auf, überwindet Wachen und Prüfungen und kehrt mit dem Wissen zurück: te kete tuauri (das heilige Wissen), te kete tuatea (das weltliche Wissen) und te kete aronui (das sichtbare Alltagswissen). Hinzu kommen zwei Steine, die die Funktion eines Siegels übernehmen.

Diese Erzählung verankert eine Theologie des Wissens und legitimiert zugleich die historische Institution des wananga, der Lehrschule. Maori-Universitäten wie Te Whare Wananga o Awanuiarangi nehmen den Begriff bis heute in ihren Namen auf.

Wissenschaftlich entspricht das Motiv dem weit verbreiteten Mythos vom Kulturbringer, der himmlisches Wissen auf die Erde holt – vergleichbar Prometheus oder dem germanischen Odin.

Die kosmologische Tiefe dieses Motivs liegt darin, dass Wissen in ritualisierter Vermittlung weitergegeben wird und gerade nicht beliebig zugänglich ist. Wer in das wananga eingeweiht wurde, unterstand strengen Tapu-Regeln.

Elsdon Best (The Maori School of Learning, 1923) beschreibt diese Strukturen detailliert. Auch hier zeigt sich der charakteristische Zug der Maori-Theologie: Erkenntnis ist eingebettet in Beziehung, nicht in abstrakte Theorie.

Kult, Rituale und Tapu

Der Kult Tanes ist nicht durch zentrale Tempel oder ein Priesterkollegium geprägt, wie es die polynesische Inselwelt im engeren Sinne (Tahiti, Hawai’i) zum Teil entwickelte. In Aotearoa (Neuseeland) findet Tanes Verehrung primär in Verbindung mit dem Wald, der Vogelwelt und dem Bau von Bauwerken statt.

Wer einen Baum fällte – etwa für ein Kanu (waka), ein Versammlungshaus oder einen Pfosten – musste vorher die nötigen Karakia (Gebete) und Rituale durchführen, um Tane um Erlaubnis zu bitten und das Tabu (tapu) über den Baum aufzuheben.

Elsdon Best beschreibt in Forest Lore of the Maori (1942) detailliert die Vogel- und Baumrituale. Vogelfänger reinigten sich und sprachen Karakia, um die Vogelwelt Tanes nicht zu beleidigen.

Bei der Eröffnung eines neuen Versammlungshauses bleibt bis heute ein Karakia an Tane bestandteil der Zeremonie. Diese Praxis überlebte trotz Missionierung des 19. Jahrhunderts und wurde im Zuge der Maori-Renaissance ab den 1970er Jahren neu gestärkt.

Im modernen öffentlichen Leben Aotearoas sind Tane-Karakia bei Baumpflanzungen, bei der Eröffnung neuer Gebäude und bei Naturschutzaktivitäten regelmäßig präsent. Sie werden von Tohunga (Spezialisten) oder von Kaumatua (älteren Würdenträgern) gesprochen und sind weder folkloristische Beigabe noch antiquarische Praxis, sondern lebendige Religion.

Schutztraditionen und apotropäische Bezüge

In der Maori-Religion gibt es kein scharf umrissenes apotropäisches System wie das mittelmeerische bose-Augen-Konzept. Schutzhandlungen sind eingebettet in das umfassende System von tapu (Tabu), noa (frei, weltlich), mauri (Lebenskraft) und mana (geistig-soziale Autorität).

Tane wird in solchen Handlungen angerufen, wenn es um Schutz im Wald, beim Reisen durch unbekannte Landstriche oder bei der Errichtung von Bauten geht.

Schutzobjekte sind oft Holzfiguren (tiki), Schnitzereien an Pfosten oder am Eingang eines Hauses sowie Amulette aus Pounamu (Greenstone), die mit dem Namen Tanes geweiht sind.

Hirini Moko Mead beschreibt in Tikanga Maori (2003) die Kategorisierung solcher Praktiken. Wesentlich ist: Es handelt sich um die rituelle Pflege einer als lebendig verstandenen Beziehung zwischen Mensch und Atua, nicht um Magie im modernen Sinn.

Wer in den Wald geht – zum Jagen, zum Holzsammeln, zum Wandern – kann ein kurzes Karakia an Tane sprechen, das die Erlaubnis erbittet und gleichzeitig die eigene Wachsamkeit schärft. Diese Praxis ist heute auch unter nicht-religiös orientierten Aotearoa-Einwohnern verbreitet, oft eher als kulturelle Praxis denn als religiöses Bekenntnis.

Parallelen in anderen Kulturen

Tane Mahuta lässt sich religionsvergleichend mit mehreren Figuren in Beziehung setzen. Innerhalb des polynesischen Raums entspricht er dem hawaiianischen Kane, mit dem er auch im Schöpfungsmythos übereinstimmt. Beckwiths Hawaiian Mythology (1940) stellt die Parallelen detailliert dar. In Tahiti ist Tane Bruder von Ta’aroa und teilt sich Funktionen mit Atea.

Religionsphänomenologisch lässt sich Tane mit Trennungsgöttern wie dem ägyptischen Schu vergleichen, der ebenfalls Himmel (Nut) und Erde (Geb) auseinanderdrückt. Auch das babylonische Enuma Elisch kennt einen ähnlichen Trennungsakt, wenn Marduk Tiamat zerteilt.

Statt als historische Abhängigkeiten sind solche Parallelen als unabhängig entstandene Antworten auf die gleiche kosmologische Frage zu lesen: Wie konnte aus undifferenzierter Urwelt eine geordnete Welt entstehen?

Vergleicht man Tane als Wald- und Baumgott, ergeben sich Parallelen zum keltischen Cernunnos, zum slawischen Veles, zum nordamerikanischen Indianer-Konzept des ‚Tree People‘ und zu Yggdrasil in der nordischen Mythologie. Eliade und später Joseph Campbell haben solche Parallelen als ‚Weltbaum-Motiv‚ systematisiert.

Wichtig ist allerdings die polynesische Spezifik: Tane ist der Gott, der den Weltbaum aufrichtet und pflegt, nicht der Weltbaum selbst.

Rezeption, Forschung und heutige Bedeutung

Tane Mahuta ist heute Teil der Maori-Renaissance, die seit den 1970er Jahren das öffentliche Leben Aotearoas mitprägt. Der Kauri-Baum ‚Tane Mahuta‘ im Waipoua-Wald ist ein national bedeutender Pilgerort.

Naturschutzkampagnen gegen die Pflanzenkrankheit Kauri-Dieback berufen sich auf den Schutz Tanes als religiösen und ökologischen Imperativ. Anne Salmond zeigt in Tears of Rangi (2017), wie Tane in zeitgenössischen ökopolitischen Debatten als kosmologische Referenz wirkt.

Wissenschaftliche Forschung (Orbell, Salmond, Mead, Best) hat den Mythos systematisch dokumentiert. Gleichzeitig betonen Maori-Gelehrte wie Hirini Mead die Notwendigkeit, dass Iwi und Hapu über ihre Traditionen selbst sprechen, statt nur Objekt akademischer Beschreibung zu sein. Tane Mahuta ist damit ein Beispiel für eine lebendige Religion, die zugleich Gegenstand und Subjekt der Forschung ist.

Verbindungen zum polynesisch-maorischen Pantheon insgesamt bleiben dabei zentral. Die Forschung hat sich von der früheren Sammler- und Kategorisierungslogik (Best, Grey) zu einer dialogischen Religionsethnographie weiterentwickelt, die Maori-Autoritäten als gleichberechtigte Gesprächspartner anerkennt. In diesem Kontext bleibt Tane Mahuta ein lebendiger Bezugspunkt für Religion, Ökologie und kulturelle Identität in Aotearoa.

Die Trennung von Rangi und Papa

Die zentrale Erzählung, in der Tāne eine entscheidende Rolle spielt, ist die Trennung der Urwelteltern in der Māori-Kosmogonie. Ranginui, der Himmelsvater, und Papatūānuku, die Erdmutter, liegen in fester Umarmung, und zwischen ihren Körpern eingeschlossen leben ihre Kinder in Dunkelheit und Enge.

Die Söhne beraten, wie sie diesem Zustand entkommen können. Einige wollen die Eltern töten, doch Tāne setzt sich mit dem Vorschlag durch, sie zu trennen.

Mehrere der Brüder versuchen vergeblich, Himmel und Erde auseinanderzudrücken. Tāne gelingt es schließlich: Er legt sich auf den Rücken statt auf seine Arme und stemmt mit den Beinen.

Langsam weicht Ranginui nach oben, Papatūānuku bleibt unten, und in den so entstandenen Raum strömt das Licht, das te ao mārama, die Welt des Lichts. Dieser Akt macht Tāne zu der Gestalt, die den Lebensraum der Menschen überhaupt erst eröffnet.

Die Erzählung wurde im 19. Jahrhundert von mehreren Sammlern festgehalten, am einflussreichsten von George Grey in Nga Mahi a nga Tupuna und in der englischen Fassung Polynesian Mythology (1855), sowie später in den Aufzeichnungen, die auf den Tohunga Te Matorohanga zurückgehen und durch S. Percy Smith herausgegeben wurden. Wissenschaftlich ist bemerkenswert, dass die Trennung nicht als reine Befreiung erzählt wird: Ranginui und Papatūānuku trauern einander nach, der Tau gilt als die Tränen des Himmels, der aufsteigende Nebel als die Sehnsucht der Erde. Tānes Tat ist damit zugleich Schöpfung und ein unwiderruflicher Bruch. Sein Bruder Tangaroa zieht sich in das Meer zurück, womit der Mythos die großen Naturbereiche unter die Geschwister verteilt.

Tāne holt die drei Körbe des Wissens

Eine weitere bedeutende Tāne-Erzählung, die vor allem in der Überlieferung der Ostküste der Nordinsel ausgeprägt ist, schildert seinen Aufstieg in den höchsten Himmel, um die ngā kete o te wānanga, die Körbe des Wissens, zu holen.

Nach dieser Tradition, die mit dem Lehrkreis um Te Matorohanga und der Schrift The Lore of the Whare-wānanga verbunden ist, steigt Tāne durch die übereinanderliegenden Himmel empor bis zur höchsten Ebene, wo das höchste Wesen Io wohnt.

Dort empfängt er drei Körbe: te kete tuauri, te kete tuatea und te kete aronui, denen unterschiedliche Bereiche des Wissens zugeordnet werden, von rituellem und kosmischem Wissen über schädliches Wissen bis zu dem, was den Menschen im Alltag dient.

Tāne bringt die Körbe herab, und mit ihnen gelangt geordnetes Wissen in die Welt. Manche Fassungen verbinden damit zusätzlich zwei heilige Steine.

Diese Erzählung ist quellenkritisch besonders heikel. Die Io-Tradition und die Körbe-Episode sind erst spät und in begrenztem regionalem Rahmen schriftlich fixiert worden, und seit den Arbeiten von Jonathan Z. Smith und in der neuseeländischen Forschung bei Bronwyn Elsmore und anderen wird diskutiert, wie stark christlicher Einfluss diese Überlieferung mitgeprägt hat. Eine Hochgottheit Io, die über den anderen Göttern steht, könnte teils eine Reaktion auf das Christentum sein, teils eine ältere esoterische Lehre der Tohunga. Wissenschaftlich ist die Episode dennoch wichtig, weil sie Tāne über die Rolle des Trenners hinaus zum Vermittler des Wissens macht und ihn in den Mittelpunkt der Bildungstradition der whare wānanga, der Lehrhäuser, rückt.

Der Kauri-Baum Tāne Mahuta im Waipoua-Wald

Der Beiname Mahuta verbindet den Gott eng mit dem Wald und seinen Bäumen, und in der Gegenwart hat sich diese Verbindung an einem konkreten Ort verdichtet.

Im Waipoua-Wald im Norden der Nordinsel steht ein gewaltiger Kauribaum, Agathis australis, der den Namen Tāne Mahuta trägt und als der größte bekannte lebende Kauri gilt. Sein Alter wird auf viele Jahrhunderte geschätzt, genaue Angaben sind mangels zerstörungsfreier Datierung unsicher.

Für die Māori, insbesondere für die örtliche Iwi Te Roroa, ist der Baum weit mehr als ein bloßes Naturdenkmal: Er ist Ausdruck der fortdauernden Gegenwart Tānes als atua des Waldes und aller seiner Lebewesen.

In der Kosmogonie ist Tāne der Vater der Bäume, Vögel und Insekten; ein einzelner alter Kauri verkörpert diese Verwandtschaft sinnfällig. Besucher werden gebeten, dem Baum mit Respekt zu begegnen, und rituelle Begrüßungen sind üblich.

In den letzten Jahren ist Tāne Mahuta zugleich zum Symbol einer ökologischen Krise geworden. Die Kauri-Dieback-Krankheit, ausgelöst durch den Erreger Phytophthora agathidicida, bedroht die Kauribestände Neuseelands. Zum Schutz wurden Wege im Waipoua-Wald mit Reinigungsstationen ausgestattet, und Te Roroa sowie staatliche Stellen arbeiten an Schutzmaßnahmen. Der Baum verbindet damit drei Ebenen: die mythische Gestalt des Waldgottes, die kulturelle Bindung einer bestimmten Iwi an einen bestimmten Ort, und eine gegenwärtige Naturschutzdebatte. Wissenschaftlich zeigt sich hier, wie ein kosmogonischer Gott in der Gegenwart an einem realen, gefährdeten Lebewesen erfahrbar bleibt und wie traditionelle Vorstellungen von kaitiakitanga, der Hüterschaft über die Natur, in den modernen Umweltschutz hineinwirken.

Literatur (Auswahl)

  • Margaret Orbell: The Illustrated Encyclopedia of Maori Myth and Legend (1995)
  • Sir George Grey: Polynesian Mythology (1854)
  • Elsdon Best: Forest Lore of the Maori (1942)
  • Te Rangihiroa (Peter Buck): The Coming of the Maori (1949)
  • Anne Salmond: Tears of Rangi (2017)
  • Hirini Moko Mead: Tikanga Maori (2003)
  • Roger Neich: Painted Histories (1993)

In der Maori-Überlieferung steht Tane Mahuta für die lichtbringenden Trennung von Himmelsvater Ranginui und Erdmutter Papatuanuku, durch die erst Tageslicht, Wald und Vogelwelt entstehen konnten.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Tane Mahuta Maori Waldgott Kauri Waipoua wananga Ranginui Papatuanuku.

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