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Mistel – Schutzpflanze gegen Dämonen

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Die Mistel wächst nicht aus der Erde, sondern auf fremden Ästen, ohne eigenen Wurzelkontakt zum Boden. Diese Sonderstellung zwischen Baum und Himmel machte sie in fast allen europäischen Kulturen zu einer Pflanze mit besonderer Bedeutung: Sie blieb grün, wenn ihr Wirtsbaum im Winter kahl stand, und schien so den Jahreslauf zu durchbrechen.

Von den Druiden, die sie nach Plinius mit einer goldenen Sichel ernteten, bis zum bäuerlichen Brauch, Mistelzweige über Tür und Stall zu hängen, zieht sich eine lange Überlieferung, die der Pflanze eine Kraft gegen Dämonen und schädigende Mächte zuschreibt.

Die Mistel gilt im Volksglauben als Schutzpflanze gegen Dämonen.

Eisenkraut – Schutz- und Ritualpflanze, historisch-illustrativ

Schnellübersicht

Die Mistel (Viscum album) ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der auf Laub- und Nadelbäumen wächst und dort kugelige, gelbgrüne Büsche mit weißen Beeren bildet. Da sie weder im Boden wurzelt noch mit den Jahreszeiten ihr Laub wechselt, erschien sie den Menschen früherer Zeiten als eine Pflanze zwischen den Welten.

Im Volksglauben ist diese Zwischenstellung der Grund für ihre Schutzkraft: Als Gewächs, das an keinem festen Ort verwurzelt ist, sollte sie auch Dämonen und umherirrenden Geistern die feste Angriffsfläche nehmen.

Herkunft und Überlieferung

Die bekannteste Quelle zur Mistel stammt vom römischen Gelehrten Plinius dem Älteren. Er berichtet, dass die Druiden Galliens die Mistel, besonders wenn sie auf einer Eiche wuchs, als heiligste Pflanze verehrten. Ein weiß gekleideter Priester schnitt sie am sechsten Mondtag mit einer goldenen Sichel ab, ein zweiter fing die Zweige in einem weißen Tuch auf, damit sie den Boden nicht berührten. Der Kontakt mit Eisen und Erde hätte, so die Deutung, ihre Kraft gemindert.

Im deutschsprachigen und nordeuropäischen Volksglauben löste sich die Mistel von der keltischen Priesterhandlung und wurde zum bäuerlichen Hausmittel: Ein Zweig über dem Türsturz oder im Stall aufgehängt sollte Haus und Vieh vor Blitzschlag, Feuer, Hexerei und dämonischer Einwirkung schützen. Regional wird der Beiname „Donnerbesen“ mit der Mistel in Verbindung gebracht, wobei dieser Name in anderen Gegenden auch für büschelartige Zweigverwachsungen an Bäumen steht, die durch Pilzbefall entstehen; beide Erscheinungen wurden in der Überlieferung teils vermischt, teils bewusst unterschieden.

Zur Wintersonnwende und im Julfest der nordischen Länder gehörte das Aufhängen eines Mistelzweigs im Haus zum festen Brauch. Diese Sitte lebt im heutigen Weihnachtsbrauch des Kusses unter dem Mistelzweig fort, dessen Ursprung in der Vorstellung liegt, dass unter einem Schutzzeichen kein Streit und keine Feindschaft geduldet werden durfte.

Wirkprinzip laut Überlieferung

Die Mistel gilt in der Überlieferung als Pflanze ohne festen Platz: Sie wurzelt nicht im Boden, sondern lebt vom Baum, der sie trägt, und bleibt grün, während die übrige Natur im Winter ruht. Diese Widernatürlichkeit wurde als Zeichen einer besonderen, außerhalb der gewöhnlichen Ordnung stehenden Kraft gedeutet.

Wie bei anderen Schutzpflanzen der Überlieferung gilt: Was selbst zwischen den Welten steht, wird zum wirksamen Mittler gegen Wesen, die ebenfalls an Grenzen und Übergängen wirken, etwa nächtliche Dämonen und umherziehende Geister. Das rituelle Ernteverbot von Eisen und Erdkontakt bei den Druiden weist in dieselbe Richtung: Die Kraft der Pflanze sollte durch nichts Irdisches oder Metallenes geschwächt werden.

Kulturübergreifende Verbreitung

Neben der keltischen Überlieferung der Druiden kennt auch die nordische Mythologie die Mistel als besondere Pflanze. In der Erzählung um den Gott Baldr ist die Mistel die einzige Pflanze, die keinen Eid geschworen hatte, ihm nicht zu schaden, und wird deshalb zur einzigen Waffe, die ihn verwunden kann. Diese Erzählung unterstreicht die Sonderstellung der Pflanze außerhalb aller gewöhnlichen Bindungen.

In England und weiten Teilen Nordeuropas ist der winterliche Brauch, Mistelzweige im Haus aufzuhängen, bis heute lebendig, wenn auch der ursprüngliche Schutzgedanke gegenüber dem Liebes- und Glücksbrauch in den Hintergrund getreten ist. Im alpenländischen Raum blieb dagegen die ältere Schutzfunktion über Tür und Stall stärker erhalten.

Wogegen es eingesetzt wird

Im Zentrum der Überlieferung steht der Schutz vor Dämonen und umherirrenden Geistern, die besonders in den dunklen Wintermonaten als bedrohlich galten. Daneben wird die Mistel gegen Blitzschlag und Feuer eingesetzt, wenn sie am First oder über dem Stalleingang hängt, sowie gegen Hexerei, die sich gegen Haus und Vieh richtet.

In einigen Regionen wird ihr zusätzlich eine abwehrende Wirkung gegen den bösen Blick zugeschrieben. Der Schutz-Kompass ordnet die Mistel neben Pflanzen wie Wacholder und Eberesche den Wesenstypen zu, gegen die sie in den Quellen belegt ist.

Anwendung und Grenzen

Traditionell wurde die Mistel um die Wintersonnwende oder zum Julfest geschnitten und als ganzer Zweig über der Haustür, dem Stalleingang oder im Wohnraum befestigt. Ein jährlicher Austausch des Zweigs zur gleichen Zeit galt als übliche Praxis, um die Schutzwirkung über das Jahr aufrechtzuerhalten.

Zu beachten ist, dass die Beeren der Mistel giftig sind; ein unbedachter Umgang, etwa in Haushalten mit kleinen Kindern oder Tieren, ist entsprechend zu vermeiden. Eine Grenze der Überlieferung liegt zudem darin, dass die Mistel allein selten als ausreichend galt. In der bäuerlichen Praxis wurde sie mit anderen Mitteln wie Salz, Eisen am Türbeschlag oder dem Aufsagen von Schutzgebeten kombiniert.

Literatur (Auswahl)

  • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli. Berlin: de Gruyter, 1927-1942.
  • Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch XVI (Ausgabe: Sammlung Tusculum, Düsseldorf: Artemis & Winkler, 2007).
  • Heinrich Marzell: Geschichte und Volkskunde der deutschen Heilpflanzen. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1938 (Neudruck Hildesheim: Olms, 2002).
  • Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Göttingen: Dieterichsche Buchhandlung, 1835.
  • Adolf Wuttke: Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart. Berlin: Wiegandt & Grieben, 1900 (3. Auflage).

Verwandte Schlüsselbegriffe: mistel daemonenabwehr donnerbesen julbrauch mistelzweig.

iWell Guard und Schutztraditionen

Die Mistel steht in der Überlieferung für eine Kraft, die sich keiner festen Ordnung unterwirft, weder dem Boden noch dem Jahreslauf. Genau diese Eigenständigkeit, ein Schutz, der nicht an einen Ort gebunden ist, sondern mitgeführt werden kann, greift der Gedanke des iWell Guard auf.

Was frühere Generationen mit dem Zweig über der Tür erreichen wollten, einen das ganze Jahr über wirksamen Schutz, überträgt der Anhänger auf die einzelne Person. Die Form hat sich gewandelt, die zugrunde liegende Idee der Grenzziehung bleibt bestehen.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.