Kelpie, das klebrige Pferd der Furten
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Kelpie ist ein Dämon der schottischen Tradition.
Schönes Pferd am Fluss, das Reiter in die Tiefe zieht. Die Überschrift bezeichnet Kelpie als gestaltwandelndes Wasserpferd Schottlands.
Der Kelpie ist Schottlands bekanntester Wassergeist: ein zahmes Pferd, das an Furten wartet, Wanderer aufsitzen lässt und ertränkt. Seine Haut haftet wie Leim, vor allem der eigene Zaum bändigt ihn. Schottische Flüsse schwellen nach Regen rasch gefährlich an.
Typ: Wasserpferd der Flüsse und Furten
Herkunft: gälisch-schottischer Sagenkreis
Texte: Gregor 1881, Campbell 1900
Zeitraum: 18. Jh. bis heute
Erscheinung: schwarzes Pferd, selten Mann mit Sand im Haar
Textgeschichte
Zeitraum der Texte
Schriftlich seit dem 18. Jahrhundert: Collins 1749, gedruckt 1788, Burns 1786, gesammelt im 19. Jahrhundert durch Gregor und Campbell.
Verbreitungsraum
Schottland: Flüsse und Furten des Hochlands; fast jeder größere Fluss hatte sein Wasserpferd.
Quellenlage
Reich: Sammlungen des 19. Jahrhunderts von Gregor und Campbell, dazu frühe Belege bei Collins und Burns.
Name und Varianten
Gälisch: Die Herkunft von kelpie ist ungeklärt; erwogen wird eine Ableitung vom gälischen calpa, Färse, oder cailpeach, Fohlen.
Erscheinung und Symbolik
Erscheinung
Schwarzes oder graues Pferd, zahm am Wasser, nasse Mähne, klebrige Haut. Wirkung: Wer aufsitzt, kommt nicht mehr los und wird ertränkt; der Rücken dehnt sich für eine ganze Kinderschar.
Steckbrief: Kelpie
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick.
Gälisch-schottischer Sagenkreis, Flussverwandter des Each-uisge.
Wanderer und Kinder an Furten, besonders in Dämmerung und bei Hochwasser.
Schwarzes, seltener graues Pferd von unnatürlicher Schönheit, klebrige Haut, nasse Mähne.
Ertränkt und verschlingt Reiter, warnt Kinder vor Furten und Dunkelheit.
Misstrauen gegen zahme Pferde am Wasser, der Zaum als Bannmittel, die Silberkugel als letztes Mittel.
Nächster Verwandter: der gälische Each-uisge, gefährlicher als der Kelpie; walisisches Gegenstück ist Ceffyl Dŵr.
Vom Zaum-Motiv zu Graham of Morphie
Campbell trennte den Fluss-Kelpie vom gälischen, mordlustigeren Each-uisge der Seen. Ein menschengefertigter Zaum zwingt den Kelpie in den Dienst.
Bekannt: Graham of Morphie bezwang einen Kelpie, ließ Steine schleppen und wurde verflucht.
Von Burns bis zu den Kelpies von Falkirk
Seit Burns gehört der Kelpie zur schottischen Literatur, die Harry-Potter-Bücher deuten Loch Ness als sein größtes Exemplar; sichtbarstes Zeichen sind die 2013 errichteten Kelpies von Falkirk.
Er personifiziert die Ertrinkungsgefahr an Furten.
Der Zaum als wichtigstes Mittel
Die Überlieferung kennt keine Anrufung, nur Regeln: Misstrauen gegen zahme Pferde am Wasser, kein Aufsitzen an Furten bei Dämmerung. Der Zaum aus Eisen verschafft Macht, das Hufeisen nimmt das Motiv auf; Kelpie-Zäume galten als heilkräftige Amulette.
Wasserpferde der keltischen und nordischen Welt
Verwandt: Each-uisge (Seen, gefährlicher), Ceffyl Dŵr (Wales), Nuckelavee (Pferd-Reiter-Leib), Bäckahäst (reines Pferd).
Häufige Fragen zum Kelpie
Worin unterscheiden sich Kelpie und Each-uisge?
Der Kelpie gehört zu Flüssen, der Each-uisge zu Seen und gilt als gefährlicher.
Kann man einen Kelpie bezwingen?
Ja, mit einem menschengefertigten Zaum, wie Graham of Morphie zeigt.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Wer nach dem Kelpie Wasserpferd sucht, findet die Sagengestalt, die als Kelpie Schottland bis heute prägt: schön am Ufer, tödlich in der Strömung, vor allem durch den eigenen Zaum zu bändigen.





