Afanc, das Untier der walisischen Bergseen
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Afanc ist ein Dämon der walisischen Tradition.
Seeungeheuer der Bergseen, das Fluten und Tod bringt.
Der Afanc ist das Seeungeheuer der walisischen Bergseen: uneinheitlich als riesiger Biber, Krokodil oder Dämon geschildert, frisst er, wer in sein Gewässer gerät, und löst durch sein Toben Überschwemmungen aus. Sein Name lebt bis heute im See Llyn yr Afanc fort.
Typ: Seeungeheuer, uneinheitlich als Biber, Krokodil oder Dämon
Herkunft: walisischer Sagenkreis
Texte: Peredur im Mabinogion
Zeitraum: Peredur (12. bis 13. Jahrhundert) bis heute
Erscheinung: uneinheitlich, teils unsichtbar
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Früh belegt arthurisch im Peredur (12. bis 13. Jahrhundert), später bei Lewys Glyn Cothi im 15. Jahrhundert.
Verbreitungsraum
Wales: Bergseen und Flüsse, vor allem Llyn yr Afanc und der Fluss Conwy.
Quellenlage
Mittel: Mabinogion-Texte und Sammlungen des 19. Jahrhunderts, dazu die unsichere Iolo-Tradition.
Name und Varianten
Walisisch: afanc bedeutet heute Biber, die mittelwalisische Form addanc bezeichnete das Seeungeheuer.
Gestalt ohne festes Bild
Erscheinung
Kein festes Bild: riesiger Biber mit Klauen und Zähnen, krokodilartiges Untier, im Peredur sogar unsichtbar.
Wirkung
Er frisst, wer in seinen See fällt, und macht das Gewässer tödlich; sein Toben lässt Wasser über die Ufer treten.
Steckbrief: Afanc
Die wichtigsten Merkmale des walisischen Seeungeheuers auf einen Blick.
Walisischer Sagenkreis, früh belegt arthurisch im Peredur (12. bis 13. Jahrhundert).
Schwimmer und Anwohner walisischer Bergseen und Flüsse.
Uneinheitlich: riesiger Biber, Krokodil oder unsichtbarer Dämon.
Frisst Hineingeratene, löst Überschwemmungen aus.
Aus dem Wasser ziehen, im Schlaf fesseln, mit Zauberstein sichtbar machen.
Ceffyl Dŵr und Llamhigyn y Dŵr, weitere walisische Wasserwesen.
Vom Nager zur Sintflutsage
Die mittelwalisische Form avanc oder addanc bezeichnete das Untier, wohl eine Erinnerung an große, seebewohnende Nagetiere. Im Peredur macht ein Zauberstein den unsichtbaren Addanc sichtbar, ehe Peredur ihn enthauptet. Eine Jungfrau fesselt ihn im Schlaf, Ochsen ziehen ihn an Land. Die Flutfassung geht auf die als teils erfunden geltende Iolo-Tradition zurück.
Vom Bergsee zum Fantasy-Ungeheuer
Der Afanc gab dem See Llyn yr Afanc seinen Namen. China Miéville lässt in The Scar einen avanc eine Stadt ziehen, auch die Serie Merlin zeigte ihn.
Religionswissenschaftlich ist er die personifizierte Naturgefahr des tiefen Wassers, seine Flutversion ähnelt weitverbreiteten Sintflutsagen.
Aus dem Wasser ziehen statt bannen
Die Sagen kennen keine Anrufung, nur Listen und Kraftakte: den Afanc aus dem Wasser ziehen, denn an Land ist er machtlos. Als Schutzmittel gelten geschmiedetes Eisen, ein Schutzkreis am Ufer und Salz gegen Wasserdämonen.
Ein walisisches Loch-Ness-Motiv
Als walisisches Seeungeheuer wird der Afanc oft mit dem Ungeheuer von Loch Ness verglichen. Nahe steht ihm aus dem heimischen Wasserpferd-Umfeld der Each-uisge. Anders als dieser bleibt der Afanc an wechselnde Seen gebunden und ohne jede Verehrung.
Häufige Fragen zum Afanc
Wo lebt der Afanc?
Verschieden verortet, unter anderem in Llyn yr Afanc, Llyn Llion und im Fluss Conwy. Der schwankende Wohnort ist Teil der Überlieferung.
Wie wurde er besiegt?
Ochsen zogen ihn an Land; im Mabinogion tötet Peredur ihn, nachdem ein Zauberstein ihn sichtbar gemacht hat.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Afanc walisischer Sagen bekannt, bleibt das Wesen ein walisisches Seeungeheuer der Bergseen, dem an Land jede Macht verlässt.





