Yamuna, die reinigende Schwester des Todesgottes Yama
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Yamuna ist eine Göttin der hinduistischen Tradition.
Reinigender Fluss und Schwester des Todesgottes Yama.
Yamuna, vedisch Yami, später auch Kalindi genannt, ist die Personifikation des Yamuna-Stroms und Zwillingsschwester des Todesgottes Yama; beide sind Kinder des Sonnengottes Surya. Der Rigveda überliefert ihren Dialog, in dem Yama ihr Werben um Nachkommenschaft als Inzest zurückweist.
Als Kalindi zählt sie zu Krishnas acht Hauptgemahlinnen und öffnete der Sage nach Vasudeva einen Weg durch ihr Wasser. Bis heute wird sie an ihren Ufern als reinigende Göttin verehrt.
Typ: Personifizierter Fluss, Flussgöttin des Hinduismus
Herkunft: Tochter des Sonnengottes Surya
Texte: Rigveda, Brahmana-Texte, Puranas
Zeitraum: vedisch bis heute
Erscheinung: dunkle Göttin auf einer Schildkröte, mit Wassergefäß
Textgeschichte
Zeitraum der Texte
Vedisch als Yami bezeugt, in Epen und Puranas zur Flussgöttin entfaltet.
Verbreitungsraum
Nordindien im Einzugsgebiet des Yamuna-Stroms, mit Pilgerzentren bis Prayag.
Quellenlage
Reich: Rigveda, Brahmana-Texte, Puranas und eine lebendige Pilgertradition.
Name und Varianten
Sanskrit: Der Name Kalindi, die Dunkle, verweist auf das tiefe Flusswasser und die Nähe zum dunkelhäutigen Krishna. In frühen Texten heißt die Göttin Yami.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Nach dem Agni Purana ist Yamuna dunkelhäutig, steht auf der Schildkröte und hält ein Wassergefäß; die Farbe verweist auf ihren Namen Kalindi, die Dunkle.
Wirkung
Als Fluss spendet sie Leben und Reinigung und schützt der Überlieferung nach vor der Strafe ihres Bruders Yama.
Steckbrief: Yamuna
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick.
Vedische Zwillingsgestalt, in Epen und Puranas zur Göttin entfaltet.
Reinigung, Fruchtbarkeit und Schutz vor der Strafe des Yama.
Dunkle Göttin auf der Schildkröte, mit Wassergefäß in der Hand.
Lebensspendender Fluss, Schauplatz der Kindheitsspiele Krishnas.
Aarti an den Ghats, Pilgerfahrt zum Yamunotri-Tempel, Fest Yamuna Chhath.
Schwester-Flussgöttin Ganga, mit der sie am Zusammenfluss von Prayag verehrt wird.
Die Zwillinge Yama und Yami im Rigveda
Ein Brahmana-Text erzählt, dass Yami nach Yamas Tod so lange trauerte, dass die Götter die Nacht schufen, damit sie den Lauf der Zeit begreifen und ihren Schmerz überwinden konnte.
Als Kalindi zählt Yamuna zu Krishnas acht Hauptgemahlinnen; der Sage nach öffnete sie Vasudeva einen Weg, als dieser den neugeborenen Krishna vor dem Tyrannen Kamsa in Sicherheit brachte.
Heiliger Strom zwischen Andacht und Umweltsorge
Yamuna ist stark mit dem Umweltdiskurs verknüpft: Religiöse Heiligkeit und massive Verschmutzung prägen Reinigungsprogramme und öffentliche Debatten. Gefährlich ist dabei nicht die Göttin, sondern der Zustand ihres Flusses; viele Gläubige weichen wegen der Verschmutzung in Delhi auf Flaschenwasser aus, während Priester in Mathura und Vrindavan die spirituelle Reinheit als unberührt ansehen.
Religionswissenschaftlich verbindet Yamuna die vedische Zwillingsgestalt, den realen Strom und die Krishna-Göttin.
Bad, Aarti und die Wallfahrt an den Fluss
Zentral sind Flussverehrung und Pilgerfahrt: der Yamunotri-Tempel an der Quelle, die Ghats von Mathura und Vrindavan mit morgendlicher und abendlicher Aarti, dazu Feste wie Yamuna Chhath. Geweihtes Weihwasser knüpft an ihre reinigende Kraft an, ein Amulett gilt als Bitte um ihren Segen, und Räuchern gehört zu den Aarti-Riten.
Heilige Flüsse und ihre Göttinnen
Häufige Fragen zu Yamuna
Wie ist sie mit dem Todesgott verbunden?
Sie ist Yamas Zwillingsschwester, beide Kinder des Sonnengottes Surya; das begründet ihre schützende Wirkung.
Warum baden viele heute nicht mehr im Fluss?
Wegen starker Verschmutzung unterhalb der Wehre in Delhi.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Hinduismus – Kultur-Hub
- Ganga, Varuna, Apsara – verwandte Wesen
- Weihwasser, Amulett, Räuchern – Schutzmittel
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Ob als Yamuna Göttin des heiligen Stroms verehrt oder als Flussgöttin Yamuna neben Ganga genannt: Gemeint ist dieselbe reinigende Macht, die Krishna nahestand und bis heute an den Ghats Verehrung erfährt.





