Mul Gwishin und der Griff aus der Tiefe
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Mul Gwishin ist ein Geist der koreanischen Tradition.
Er zieht Badende als Ersatz für sein eigenes Sterben hinab. Der Griff aus der Tiefe steht sinnbildlich für das Schicksal, das Mul Gwishin seinen Opfern zudenkt. Mul Gwishin gehört zu den gefürchteten Wassergeistern der koreanischen Sagen.
Mul Gwishin ist der Wassergeist der koreanischen Überlieferung, die ruhelose Seele eines Ertrunkenen. Wer isoliert stirbt und ohne jesa-Riten bleibt, wird als Gwisin zurückgelassen und zieht aus Einsamkeit Badende in die Tiefe, wobei er vertraute Stimmen nachahmt.
Typ: Ertrunkenengeist der Gwisin
Herkunft: koreanische Volksüberlieferung
Texte: breit dokumentiert
Zeitraum: bis heute lebendig
Erscheinung: nasse weiße Kleider, lange Arme
Überlieferungskontext
Zeitraum der Texte
Von der älteren Volksüberlieferung bis heute ununterbrochen als Warnfigur präsent.
Verbreitungsraum
Ganz Korea, gebunden an den jeweiligen Ort des Ertrinkens, besonders am Han-Fluss.
Quellenlage
Breit als Gwisin-Typus dokumentiert; eine eigenständige Monografie liegt nicht vor.
Name und Varianten
Koreanisch: mul Wasser, gwishin Geist: wörtlich Wassergeist. Wer isoliert und ohne jesa-Riten stirbt, wird der Überlieferung nach zu ihm.
Erscheinungsbild
Erscheinung
Nasse weiße Trauerkleider, lange Arme, nasses Haar: der einsame, unbefriedete Tote.
Wirkung
Zieht Lebende in die Tiefe und ahmt Stimmen nach, um auch Retter zu locken.
Steckbrief: Mul Gwishin
Die wichtigsten Aspekte des Wassergeists auf einen Blick.
Koreanischer Gwisin-Typus: unbefriedete Tote gestörter Totenriten.
Badende, die allein und nachts an gefährlich geltenden Gewässern schwimmen.
Nasse weiße Kleider, lange Greifarme, nasses Haar über dem Gesicht, blasse Haut.
Sucht Gesellschaft im Tod; lockt mit nachgeahmten Stimmen auch Retter in die Tiefe.
Ordentliche Totenriten, die jesa, und das Meiden einsamen Nachtbadens.
Zwischen gestörten Riten und ruheloser Seele
Totenrituale, die jesa, sichern den Übergang der Toten; wer isoliert stirbt und dessen Leichnam nie geborgen wird, bleibt als ruheloser Mul Gwishin zurück.
Aus den nachgeahmten Stimmen stammt die Redewendung mul gwishin jakjeon, die Wassergeist-Taktik.
Horrorfilm, Webtoon und Mutprobe
Fester Bestandteil der koreanischen Horror- und Mutprobenkultur, Warnfigur gegen einsames Baden in Filmen und Webtoons.
Religionswissenschaftlich ein klassischer Gwisin: ein unbefriedeter Toter gestörter Totenriten.
Riten statt Bann
Totenriten, die jesa, befrieden den Geist; praktisch gilt das Meiden einsamen Nachtbadens. Weihwasser, Salz und Amulett gelten als Schutz.
Ertrunkenengeister im Vergleich
Als Ertrunkenengeist der slawischen Rusalka und dem japanischen Kappa verwandt; die Inuit-Meeresherrin Sedna berührt denselben Kreis. Näher steht der japanische Funayūrei.
Häufige Fragen zum Mul Gwishin
Wie entsteht ein Mul Gwishin?
Durch Ertrinken ohne Bergung und ohne jesa-Riten.
Wie schützt man sich?
Durch Totenriten und Meiden einsamen Nachtbadens.
Literatur (Auswahl)
Mehr im Literaturverzeichnis.
Als Mul Gwishin Wassergeist bekannt, gilt er als Ertrunkenengeist Koreas: ein Toter, der sein Sterben nicht allein ertrug, eine Warnung an nächtliche Alleinschwimmer.





