Phi Pop, der gestaltlose Fresser im lebenden Wirt
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Phi Pop ist ein Dämon der thailändischen Tradition.
Unsichtbar im Wirt verborgen, frisst er dessen Organe von innen. Im Zentrum steht der gestaltlose Fresser, der seinen Wirt von innen zehrt.
Phi Pop ist ein thailändischer Besessenheitsgeist, der in einem lebenden Wirt haust und dessen Organe von innen frisst, bis der Wirt stirbt. Anders als körperliche Geister besitzt er kein eigenes Erscheinungsbild: Er ist unsichtbar und besitzergreifend.
Der Name verbindet phi, Geist, mit pop. Meist geht die Besessenheit auf missbrauchte schwarze Magie zurück: Ein Zauberer, der dunkle Formeln missbraucht oder verbotene Riten wagt, wird der Überlieferung nach selbst vom Phi Pop befallen und mit unstillbarem Hunger nach rohen Innereien geschlagen. Der Glaube ist besonders im ländlichen Nordosten Thailands, im Isaan, lebendig und hatte reale gesellschaftliche Folgen.
Typ: Besessenheitsgeist ohne eigenes Körperbild
Herkunft: Thailändischer Glaube an missbrauchte schwarze Magie
Texte: Volksüberlieferung, besonders im ländlichen Isaan, dokumentiert unter anderem bei Anuman Rajadhon
Zeitraum: traditionell bis heute lebendig
Erscheinung: kein Körperbild, ein Geist im Inneren des besessenen Wirts
Quellenkontext
Zeitraum der Texte
Volksüberlieferung, die im ländlichen Nordosten Thailands besonders lebendig geblieben ist und bis heute gesellschaftliche Wirkung entfaltet.
Verbreitungsraum
Thailand, mit besonderer Dichte in der Isaan-Region im Nordosten des Landes.
Belegdichte
Mittel bis gut: McDaniels Studie zu Geistern und Mönchen sowie Anuman Rajadhons Sammlungen zum thailändischen Volksglauben dokumentieren die Vorstellung.
Name und Varianten
Thailändisch: Der Name verbindet phi, Geist, mit pop. Anders als andere thailändische Dorfgeister hat die Gestalt kein eigenes Erscheinungsbild und wird ausschließlich über ihre besetzende Wirkung im lebenden Wirt beschrieben.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Der Phi Pop hat kein eigenes Körperbild. Er ist ein Geist, der in einem lebenden Wirt haust, unsichtbar und ohne eigene Gestalt. Er verkörpert die Angst vor verborgener Besessenheit im Nachbarn und vor dem Missbrauch magischer Kräfte, die sich gegen den Zauberer selbst wenden.
Wirkung
Der Phi Pop besetzt Menschen und frisst deren Organe wie Darm, Nieren und Leber von innen, bis der Wirt stirbt, und sucht dann den nächsten. Symptome der Besessenheit sind erratisches Verhalten, plötzliche Aggression und Gier nach rohem Fleisch. In ländlichen Gebieten führten Verdächtigungen, jemand beherberge einen Phi Pop, zu Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen.
Steckbrief: Phi Pop
Die wichtigsten Aspekte des Besessenheitsgeistes auf einen Blick.
Besessenheitsglaube des ländlichen Isaan, verknüpft mit der Vorstellung missbrauchter schwarzer Magie.
Der besessene Wirt und dessen Umfeld, das dem erratischen Verhalten und dem Verdacht der Besessenheit ausgesetzt ist.
Kein eigenes Körperbild: ein unsichtbarer Geist, erkennbar nur an Verhalten und Symptomen des besetzten Wirts.
Frisst die Organe des Wirts von innen, bis dieser stirbt, und wechselt danach zum nächsten Wirt über.
Der Geisterdoktor Mor Phi bannt den Geist; volkstümlich sollen Chilirauch oder das Erschrecken des Betroffenen helfen.
Die Krasue teilt die Logik der Organgier, ist aber körperlich und nicht besitzergreifend; verwandt sind zudem Phi Tai Hong und Phi Krahang.
Wenn der eigene Zauber den Zauberer verschlingt
Der Name Phi Pop verbindet phi, Geist, mit pop und wird meist mit missbrauchter schwarzer Magie in Verbindung gebracht: Ein Zauberer, der dunkle Formeln missbraucht oder verbotene Riten wagt, wird der Überlieferung nach vom Phi Pop selbst besessen und mit unstillbarem Hunger nach rohen Innereien geschlagen. Anders als andere Geister hat er kein eigenes Körperbild, sondern haust unsichtbar in einem lebenden Wirt.
Besonders lebendig ist der Glaube im ländlichen Nordosten Thailands, im Isaan, wo er reale gesellschaftliche Folgen hatte. Der Phi Pop besetzt Menschen und frisst deren Organe, Darm, Nieren und Leber, von innen, bis der Wirt stirbt, und sucht dann den nächsten. Erratisches Verhalten, plötzliche Aggression und Gier nach rohem Fleisch galten als Symptome der Besessenheit.
Horrorfilm und dörfliche Wirklichkeit
Der Phi Pop ist im thailändischen Horrorfilm sehr populär, oft mit komischem Einschlag, und Gegenstand zahlreicher Filme. Er gehört zu den bekanntesten Geistern der Isaan-Region.
Religionswissenschaftlich verbindet der Phi Pop den Glauben an unrein oder vorzeitig Verstorbene und die Besessenheit mit der Vorstellung missbrauchter Magie. Sozialgeschichtlich diente er als Erklärungsmuster, das reale Verdächtigungen und Gewalt in Dorfgemeinschaften auslöste.
Der Geisterdoktor und die Austreibung
Die Bannung liegt traditionell beim Geisterdoktor, dem Mor Phi. Volkstümlich soll auch das Einatmen des Rauchs gerösteter Chilis oder das gezielte Erschrecken des Betroffenen helfen. Allgemein gelten Mönchsriten, Weihwasser und Amulette als Schutz, dazu das Räuchern, das auch in Form des Chilirauchs zur Austreibung gehört.
Organgier mit und ohne Körper
Der Phi Pop gehört zu den Besessenheits- und Menschenfresser-Geistern Südostasiens. Er teilt die Logik der Organgier mit der Krasue, ist aber körperlos und besitzergreifend. Verwandt ist er zudem mit anderen Geistern missbrauchter Magie im thailändisch-laotischen Raum, etwa dem ebenfalls durch misslungene Zauberei entstandenen Phi Krahang und dem Phi Tai Hong. Von der berühmten Mae Nak unterscheidet ihn, dass in seinem Fall nicht eine einzelne Liebesgeschichte, sondern Besessenheit und Hunger im Mittelpunkt stehen.
Häufige Fragen zum Phi Pop
Wie entsteht ein Phi Pop?
Meist durch missbrauchte schwarze Magie: Ein Zauberer, der verbotene Formeln oder Riten missbraucht, wird der Überlieferung nach selbst besessen und von unstillbarem Hunger nach Innereien geplagt.
Wie wird er ausgetrieben?
Durch den Geisterdoktor Mor Phi, volkstümlich auch durch das Einatmen von Chilirauch oder das gezielte Erschrecken des Betroffenen.
Warum gilt er als sozial gefährlich?
Weil die bloße Verdächtigung, jemand beherberge einen Phi Pop, in ländlichen Gebieten zu Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen führte.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Krasue – teilt die Logik der Organgier
- Phi Krahang, Phi Tai Hong – weitere Geister missbrauchter Magie
- Mae Nak – berühmte Geistergestalt Thailands
- Amulett, Weihwasser, Räuchern – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Besessenheitsgeist und Eingeweide-Fresser Thailands bleibt der Phi Pop eine prägende Schreckgestalt des Isaan: unsichtbar, bis er im nächsten Wirt einen neuen Körper gefunden hat.




