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Krasue, die Frau, die nachts zum schwebenden Kopf wird

Krasue ist Dämonin der thailändischen Überlieferung.

Nachts ein Kopf mit hängenden Eingeweiden auf Blutsuche. Krasue tritt als schwebende Frauenkopfgestalt auf, und der Text erläutert, wie diese Erscheinung überliefert und gedeutet wird.

DämonThailand

Inhaltsverzeichnis

Krasue, Dämon der thailändischenÜberlieferung
Krasue

Krasue ist ein weiblicher Dämon Thailands: Tagsüber lebt sie unauffällig als Frau, nachts erscheint sie als schwebender Frauenkopf mit herabhängenden Innereien, umgeben von einem irrlichtartigen Leuchten. Sie sucht Blut, Aas und Ungeborene und ist besonders für Schwangere und Neugeborene eine Gefahr.

Der Name Krasue ist thailändisch, verwandte Formen sind das laotische Kasue und das kambodschanische Ahp. Die Krasue steht im buddhistisch-animistischen Mischsystem Thailands, in dem gewaltsame oder verfluchte Tote kein ordentliches Weiterwandern finden.

Im Überblick: Krasue

Typ: Nächtlicher Blut- und Raubgeist in Gestalt eines schwebenden Frauenkopfes
Herkunft: Buddhistisch-animistischer Volksglaube Thailands
Texte: ethnografisch gut dokumentiert, unter anderem bei Anuman Rajadhon
Zeitraum: alte, festland-südostasiatische Überlieferung, bis heute lebendig
Erscheinung: schwebender Frauenkopf mit herabhängenden Innereien und irrlichtartigem Leuchten

Herkunftsraum und Quellen

Zeitraum der Texte

Alte, festland-südostasiatische Volksüberlieferung: Der Glaube an die Krasue ist ethnografisch gut dokumentiert und bis heute lebendig.

Verbreitungsraum

Thailand und das übrige Festland-Südostasien, mit dem laotischen Kasue und dem kambodschanischen Ahp als regionalen Entsprechungen.

Quellenlage

Gut: dokumentiert unter anderem in den Studien Phraya Anuman Rajadhons zum thailändischen Volksglauben.

Name und Varianten

Thailändisch: Der Name Krasue bezeichnet den nächtlichen Kopfgeist; verwandte Formen sind das laotische Kasue und das kambodschanische Ahp, dieselbe Vorstellung unter anderem Namen.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Der abgetrennte, leuchtende Kopf mit heraushängendem Verdauungstrakt symbolisiert unstillbare Gier und die Übertretung der sozialen und moralischen Ordnung. Tagsüber lebt die Trägerin unauffällig als Frau, was die Bedrohung besonders unheimlich macht.

Wirkung

Nachts sucht die Krasue Blut und Aas und gilt als Bedrohung besonders für Schwangere und Neugeborene; ihr Schleim und ihr Leuchten sollen zudem Ernten verderben. Ihr langer, heraushängender Darm betont die Gefräßigkeit, die ihrem Wesen zugrunde liegt.

Steckbrief: Krasue

Die wichtigsten Aspekte des Kopfgeists auf einen Blick.

Kulturkontext

Buddhistisch-animistisches Mischsystem Thailands, in dem gewaltsame oder verfluchte Tote kein ordentliches Weiterwandern finden.

Bezogen auf

Schwangere und Neugeborene als bevorzugte Ziele, daneben Aas und rohes Fleisch, das die Krasue anlockt.

Darstellung

Schwebender Kopf einer jungen Frau mit langem Haar und herabhängenden, leuchtenden Innereien, begleitet von irrlichtartigem Schein.

Wirkungsbereich

Nächtliche Blut- und Aasgier, dazu die Bedrohung von Ernten durch Schleim und Leuchten der vorbeiziehenden Krasue.

Umgang

Dornengewächse und Bambusdickicht ums Haus, dazu Sak-Yant-Schutztätowierungen und die Formeln der buddhistischen Mönche.

Abgrenzung

Nahezu identisch mit der malaiischen Penanggalan, verwandt mit der philippinischen Manananggal, die den ganzen Oberkörper statt nur den Kopf abtrennt.

Fluch, Ansteckung und Vererbung

Der Name Krasue ist thailändisch, regionale Namen sind das laotische Kasue und das kambodschanische Ahp. Die Ursprungssagen sind uneindeutig, deuten die Verwandlung aber häufig als Strafe oder Fluch, etwa für die Beteiligung an schwarzer Magie, für Abtreibung oder für Mord in einem früheren Leben.

Daneben werden Ansteckung durch Speichel oder Fleisch einer Krasue und die Vererbung in Familien von Hexen genannt. Die Krasue steht damit im buddhistisch-animistischen Mischsystem Thailands, in dem gewaltsame oder verfluchte Tote keinen ordentlichen Übergang finden und stattdessen an ihre Gier gebunden bleiben.

Fester Bestand des thailändischen Horrorkinos

Die Krasue ist im thailändischen Horrorkino, in Comics und im Fernsehen extrem präsent und gehört zu den festen Gestalten der populären Geisterikonografie Thailands.

Religionswissenschaftlich ist die Krasue die Verkörperung moralischer Übertretung, von schwarzer Magie und Karma, und der Gefahr für Fortpflanzung und Geburt. Sie ist ein klassischer gefräßiger, ansteckend und vererbbar gedachter Fluchgeist.

Dornen, Amulette und die Wache bei Wöchnerinnen

Buddhistisch-animistisch gilt ein Amulett oder eine Sak-Yant-Schutztätowierung als Schutz, dazu Weihwasser und die Schutzformeln der Mönche. Volkstümlich pflanzt man dornige Gewächse und Kräuter wie Beifuß oder legt ein Bambusdickicht rings ums Haus an, in denen sich die heraushängenden Eingeweide verfangen sollen. Besonders bei Wöchnerinnen wird deshalb nachts gewacht, denn Schwangere und Neugeborene gelten als bevorzugte Ziele der Krasue.

Kopfgeister Südostasiens im Vergleich

Die Krasue ist nahezu identisch mit der malaiischen Penanggalan, dem schwebenden Frauenkopf mit heraushängenden Organen, und verwandt mit der philippinischen Manananggal, die statt nur des Kopfes den ganzen Oberkörper abtrennt. Forscher vermuten eine gemeinsame austronesische Wurzel; die Krasue gilt als deren Festland-Variante. Loser verwandt ist die malaiische Langsuir, die vor allem als Frau mit langem Haar erscheint und nur in vermischten Überlieferungen zum schwebenden Kopf wird, ihrem eigentlichen Wesen nach aber der Muttergeist einer im Kindbett Verstorbenen bleibt.

Häufige Fragen zur Krasue

Ist die Krasue mit der Penanggalan identisch?

Nein, aber beide sind sehr eng verwandt. Die Krasue gilt als die Festland-Variante, die Penanggalan als die malaiische Form desselben Kopfgeists.

Warum Dornen und Bambus ums Haus?

Die heraushängenden Eingeweide der Krasue sollen sich darin verfangen und sie so am Eindringen hindern.

Wodurch wird man zur Krasue?

Die Sagen nennen Fluch, schwarze Magie, schwere frühere Schuld oder auch Ansteckung und Vererbung in Familien von Hexen als Ursache.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • McDaniel, Justin Thomas: The Lovelorn Ghost and the Magical Monk. New York 2011.
  • Anuman Rajadhon, Phraya: Life and Ritual in Old Siam. New Haven 1961.
  • Anuman Rajadhon, Phraya: Essays on Thai Folklore. Bangkok 1968.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Die Krasue ist ein thailändischer Geist, der als schwebender Frauenkopf mit heraushängenden Eingeweiden durch die Nacht zieht: tagsüber eine unauffällige Frau, nachts eine Warnung an jede Wöchnerin, ihr Haus mit Dornengewächsen und Amuletten zu sichern.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

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