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Tmolos, Richter zwischen Apollon und Pan

Tmolos ist Gott der griechischen Überlieferung, ein Berggott aus Lydien.

Der greise, eichenbekränzte Schiedsrichter der Götter. Der Beitragstitel führt Tmolos als Berggott Lydiens ein.

Inhaltsverzeichnis

Tmolos, der Berggott Lydiens
Tmolos

Tmolos ist ein lydischer, anatolischer Berggott, die Personifikation des Berges Tmolos, des heutigen Bozdağ in Westanatolien. Bekannt ist er als Richter im musikalischen Wettstreit zwischen Apollon und Pan, den er zugunsten Apollons entscheidet.

Hauptbeleg ist Ovid in den Metamorphosen; dort widerspricht König Midas dem Urteil und erhält dafür Eselsohren. Als benannte Bergpersonifikation gehört Tmolos zu den einzelnen Ourea der griechischen Überlieferung.

Auf einen Blick: Tmolos

Typ: Berggott, Personifikation des Berges Tmolos
Herkunft: Lydien in Anatolien, griechisch-römisch überliefert
Texte: Ovid, Metamorphosen Buch 11; Pseudo-Apollodor
Zeitraum: Ovid und spätere Mythografie
Erscheinung: greiser Berggott mit Eichenkranz

Historische Einordnung

Zeitraum der Texte

Die Belege gehören Ovid und der späteren Mythografie an; die Hauptquelle stammt damit aus dem 1. Jahrhundert, ergänzt durch Pseudo-Apollodor.

Verbreitungsraum

Lydien in Westanatolien: Der Berg Tmolos, der heutige Bozdağ, erhebt sich über dem lydischen Kernland.

Quellenlage

Mäßig: Die Überlieferung stützt sich vor allem auf Ovid; Pseudo-Apollodor und die Mythografie steuern verstreute Angaben bei.

Name und Varianten

Anatolisch-griechisch: Tmōlos ist ein vorgriechisch-anatolischer Bergname in Lydien; die Gottheit ist dessen Personifikation. Der Name bezeichnet also zuerst den Berg und erst von dort aus den Gott.

Gestalt und Wirken

Erscheinung

Bei Ovid ist Tmolos ein greiser Berggott mit Eichenkranz, das Ohr von Bäumen befreit, um besser zu hören, ganz Personifikation seines bewaldeten Gipfels.

Wirkung

Tmolos ist ein unparteiischer göttlicher Preisrichter und Schiedsrichter, das Motiv der Berg-Autorität: Der Berg selbst sitzt zu Gericht über den Streit der Götter.

Steckbrief: Tmolos

Die wichtigsten Aspekte des Berggottes auf einen Blick.

Kulturkontext

Anatolische Bergpersonifikation im Umfeld der lydischen Muttergöttin Kybele, in griechischer Überlieferung den benannten Ourea zugeordnet.

Bezogen auf

Die mythografische Überlieferung: Tmolos handelt als Schiedsrichter im Götterwettstreit, nicht als Adressat eines breiten Kultes.

Darstellung

Greis und eichenbekränzt, auf dem eigenen Gipfel sitzend, das Ohr von Bäumen befreit, um besser zu hören.

Funktion

Unparteiischer Preisrichter und Schiedsrichter; sein Urteil im Wettstreit steht für die Autorität des Berges.

Kult

Am Berg Tmolos waren der Kult der Kybele und ein Zeus-Bezug wichtig; ein eigener Kult des personifizierten Tmolos ist dünn bezeugt.

Vergleichbares

Die richtenden Berggötter Nysos und Kithairon; als Gruppe die Ourea, denen Tmolos als benannter Einzelberg zugeordnet ist.

Die Ovid-Episode: Eselsohren für Midas

Hauptbeleg ist Ovid, Metamorphosen, Buch 11: Tmolos, ein alter, eichenbekränzter Berggott, sitzt auf seinem Gipfel und entscheidet den Wettstreit zwischen Apollon mit der Leier und Pan mit der Syrinx zugunsten Apollons. Midas widerspricht dem Urteil und erhält dafür Eselsohren.

Wichtig zur Korrektur: Ovid setzt hier Pan gegen Apollon; der Wettstreit mit Marsyas ist eine separate lydisch-phrygische Sage. Hinter der Episode steht ein vorgriechisch-anatolischer Bergname, dessen Personifikation die Gottheit ist; so verbindet Tmolos anatolische Landschaft und griechisch-römische Dichtung.

Rezeption und Einordnung

Tmolos ist fester Bestandteil der Midas- und Eselsohren-Ikonografie in Kunst und Literatur seit der Renaissance, über die Ovid-Rezeption.

Religionswissenschaftlich ist Tmolos eine wohlwollende, gerechte Richtergestalt. Zwei Klarstellungen: Bei Ovid ist der Gegner Apollons Pan, nicht Marsyas. Und Pseudo-Apollodor kennt einen König Tmolos von Lydien, Gemahl der Omphale, doch ob dieser sagenhafte König mit dem Berggott identisch ist, bleibt unsicher, da die Quellen Berggott und König nicht sauber auseinanderhalten.

Kybele, Zeus und der heilige Berg

Am Berg Tmolos war vor allem der Kult der lydischen Muttergöttin Kybele wichtig, dazu ein Bezug zu Zeus; ein eigenständiger, breit belegter Kult des personifizierten Tmolos ist dagegen dünn bezeugt. Das ist ehrlich festzuhalten. Die religiöse Bedeutung des Ortes lag bei den etablierten Gottheiten, während die Bergperson vor allem in der Dichtung lebte.

Richtende Berge und benannte Ourea

Als richtender Berggott ist Tmolos den Berggöttern Nysos und Kithairon vergleichbar; als anatolische Bergpersonifikation steht er im Umfeld der Kybele. Er gehört zu den einzelnen benannten Ourea; die Oreaden, die Bergnymphen, sind das weibliche Gegenstück derselben Gebirgswelt.

Häufige Fragen zu Tmolos

Wer ist Tmolos?

Ein lydischer Berggott, die Personifikation des Berges Tmolos, des heutigen Bozdağ, und Richter im Musikwettstreit.

Wer trat gegen Apollon an?

Bei Ovid ist es Pan, nicht Marsyas; der Marsyas-Wettstreit ist eine separate lydisch-phrygische Sage.

Ist der Berggott der Gemahl der Omphale?

Das ist unsicher; die Quellen halten den Berggott und den sagenhaften König Tmolos nicht sauber auseinander.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Ovid: Metamorphosen, Buch 11. 1. Jahrhundert.
  • Pseudo-Apollodor: Bibliotheke. 1. bis 2. Jahrhundert.
  • Gantz, Timothy: Early Greek Myth. Baltimore 1993.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als lydischer Berggott in griechischer Überlieferung und als Richter im Musikwettstreit zwischen Apollon und Pan steht Tmolos für die ruhige Autorität des Berges, dessen Urteil selbst ein Gott annimmt.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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