Tmolos, Richter zwischen Apollon und Pan
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Tmolos ist ein Gott der griechischen Überlieferung, ein Berggott aus Lydien.
Der greise, eichenbekränzte Schiedsrichter der Götter. Der Beitragstitel führt Tmolos als Berggott Lydiens ein.
Tmolos ist ein lydischer, anatolischer Berggott, die Personifikation des Berges Tmolos, des heutigen Bozdağ in Westanatolien. Bekannt ist er als Richter im musikalischen Wettstreit zwischen Apollon und Pan, den er zugunsten Apollons entscheidet.
Hauptbeleg ist Ovid in den Metamorphosen; dort widerspricht König Midas dem Urteil und erhält dafür Eselsohren. Als benannte Bergpersonifikation gehört Tmolos zu den einzelnen Ourea der griechischen Überlieferung.
Typ: Berggott, Personifikation des Berges Tmolos
Herkunft: Lydien in Anatolien, griechisch-römisch überliefert
Texte: Ovid, Metamorphosen Buch 11; Pseudo-Apollodor
Zeitraum: Ovid und spätere Mythografie
Erscheinung: greiser Berggott mit Eichenkranz
Historische Einordnung
Zeitraum der Texte
Die Belege gehören Ovid und der späteren Mythografie an; die Hauptquelle stammt damit aus dem 1. Jahrhundert, ergänzt durch Pseudo-Apollodor.
Verbreitungsraum
Lydien in Westanatolien: Der Berg Tmolos, der heutige Bozdağ, erhebt sich über dem lydischen Kernland.
Quellenlage
Mäßig: Die Überlieferung stützt sich vor allem auf Ovid; Pseudo-Apollodor und die Mythografie steuern verstreute Angaben bei.
Name und Varianten
Anatolisch-griechisch: Tmōlos ist ein vorgriechisch-anatolischer Bergname in Lydien; die Gottheit ist dessen Personifikation. Der Name bezeichnet also zuerst den Berg und erst von dort aus den Gott.
Gestalt und Wirken
Erscheinung
Bei Ovid ist Tmolos ein greiser Berggott mit Eichenkranz, das Ohr von Bäumen befreit, um besser zu hören, ganz Personifikation seines bewaldeten Gipfels.
Wirkung
Tmolos ist ein unparteiischer göttlicher Preisrichter und Schiedsrichter, das Motiv der Berg-Autorität: Der Berg selbst sitzt zu Gericht über den Streit der Götter.
Steckbrief: Tmolos
Die wichtigsten Aspekte des Berggottes auf einen Blick.
Anatolische Bergpersonifikation im Umfeld der lydischen Muttergöttin Kybele, in griechischer Überlieferung den benannten Ourea zugeordnet.
Die mythografische Überlieferung: Tmolos handelt als Schiedsrichter im Götterwettstreit, nicht als Adressat eines breiten Kultes.
Greis und eichenbekränzt, auf dem eigenen Gipfel sitzend, das Ohr von Bäumen befreit, um besser zu hören.
Unparteiischer Preisrichter und Schiedsrichter; sein Urteil im Wettstreit steht für die Autorität des Berges.
Am Berg Tmolos waren der Kult der Kybele und ein Zeus-Bezug wichtig; ein eigener Kult des personifizierten Tmolos ist dünn bezeugt.
Die richtenden Berggötter Nysos und Kithairon; als Gruppe die Ourea, denen Tmolos als benannter Einzelberg zugeordnet ist.
Die Ovid-Episode: Eselsohren für Midas
Hauptbeleg ist Ovid, Metamorphosen, Buch 11: Tmolos, ein alter, eichenbekränzter Berggott, sitzt auf seinem Gipfel und entscheidet den Wettstreit zwischen Apollon mit der Leier und Pan mit der Syrinx zugunsten Apollons. Midas widerspricht dem Urteil und erhält dafür Eselsohren.
Wichtig zur Korrektur: Ovid setzt hier Pan gegen Apollon; der Wettstreit mit Marsyas ist eine separate lydisch-phrygische Sage. Hinter der Episode steht ein vorgriechisch-anatolischer Bergname, dessen Personifikation die Gottheit ist; so verbindet Tmolos anatolische Landschaft und griechisch-römische Dichtung.
Rezeption und Einordnung
Tmolos ist fester Bestandteil der Midas- und Eselsohren-Ikonografie in Kunst und Literatur seit der Renaissance, über die Ovid-Rezeption.
Religionswissenschaftlich ist Tmolos eine wohlwollende, gerechte Richtergestalt. Zwei Klarstellungen: Bei Ovid ist der Gegner Apollons Pan, nicht Marsyas. Und Pseudo-Apollodor kennt einen König Tmolos von Lydien, Gemahl der Omphale, doch ob dieser sagenhafte König mit dem Berggott identisch ist, bleibt unsicher, da die Quellen Berggott und König nicht sauber auseinanderhalten.
Kybele, Zeus und der heilige Berg
Am Berg Tmolos war vor allem der Kult der lydischen Muttergöttin Kybele wichtig, dazu ein Bezug zu Zeus; ein eigenständiger, breit belegter Kult des personifizierten Tmolos ist dagegen dünn bezeugt. Das ist ehrlich festzuhalten. Die religiöse Bedeutung des Ortes lag bei den etablierten Gottheiten, während die Bergperson vor allem in der Dichtung lebte.
Richtende Berge und benannte Ourea
Häufige Fragen zu Tmolos
Wer ist Tmolos?
Ein lydischer Berggott, die Personifikation des Berges Tmolos, des heutigen Bozdağ, und Richter im Musikwettstreit.
Wer trat gegen Apollon an?
Bei Ovid ist es Pan, nicht Marsyas; der Marsyas-Wettstreit ist eine separate lydisch-phrygische Sage.
Ist der Berggott der Gemahl der Omphale?
Das ist unsicher; die Quellen halten den Berggott und den sagenhaften König Tmolos nicht sauber auseinander.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Griechenland – alle Wesen des griechischen Kulturraums
- Ourea – die Urgötter der Berge, zu denen Tmolos zählt
- Oreaden – die Bergnymphen der griechischen Tradition
- Amulett, Schutzkerze, Salbei – überlieferte Schutzmittel
- Schutz-Kompass – Schutzmittel im Überblick
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als lydischer Berggott in griechischer Überlieferung und als Richter im Musikwettstreit zwischen Apollon und Pan steht Tmolos für die ruhige Autorität des Berges, dessen Urteil selbst ein Gott annimmt.





