Shisa sind löwenartige Figuren von der japanischen Inselgruppe Okinawa. Paarweise auf Dächern, an Toren und vor Häusern aufgestellt, gelten sie als Wächter, die Unheil abwehren und das Gute am Haus festhalten sollen.
Die Shisa sind paarweisen Löwenfiguren, die als Hauswächter über Okinawas Dächer wachen.
Shisa sind Wächterfiguren von Okinawa, einer Inselgruppe im Süden von Japan. Sie haben die Gestalt eines löwenartigen Wesens, das zwischen Löwe und Hund steht.
Shisa treten fast immer als Paar auf. Zwei Figuren bewachen gemeinsam ein Haus, ein Tor oder ein Dach. Die eine Figur hat ein geöffnetes, die andere ein geschlossenes Maul.
Okinawa hat eine eigene Geschichte und eine eigene Kultur. Die Inselgruppe gehörte lange zu einem eigenen Königreich und steht zwischen den Einflüssen Japans und Chinas. Die Shisa gehören zu dieser eigenständigen Kultur Okinawas.
Als Wächter sollen die Shisa das Unheil abwehren und das Gute bewahren. Sie werden an erhöhten und an schwellenartigen Stellen aufgestellt, von wo aus sie das Haus überblicken.
In der Religionswissenschaft sind die Shisa ein gutes Beispiel für paarweise Wächterfiguren. Sie gehören zu einer weit verbreiteten Familie von Löwenwächtern, die in vielen Kulturen Ostasiens vorkommen.
Diese Seite behandelt die Shisa als Schutzfiguren. Sie stehen neben anderen Hauswächtern, etwa den löwenartigen Steinfiguren an japanischen Schreinen und den koreanischen Wächterwesen.
Die Shisa haben die Gestalt eines löwenartigen Wesens. Es ist kein genaues Abbild eines Löwen, sondern ein eigenes Mischwesen mit löwenhaften und hundeartigen Zügen.
Kennzeichnend sind die kräftige, gedrungene Gestalt, eine üppige Mähne, ein breites Maul und große, aufmerksame Augen. Der Ausdruck der Shisa ist meist wuchtig und entschlossen, manchmal auch heiter.
Die Shisa werden aus verschiedenen Stoffen gefertigt. Verbreitet sind Figuren aus gebranntem Ton, aus Stein und aus glasiertem Steingut. Die Färbung reicht von schlichtem Erdton bis zu kräftigen Farben.
Das wichtigste Merkmal eines Shisa-Paares ist die unterschiedliche Stellung der Mäuler. Eine Figur hat das Maul weit geöffnet, die andere hält es geschlossen.
Diese unterschiedlichen Mäuler werden auf verschiedene Weise gedeutet. Eine verbreitete Deutung sagt, die offene Figur wehre das Unheil ab, während die geschlossene Figur das Gute und das Glück im Haus festhalte.
Die beiden Figuren ergänzen einander damit. Erst gemeinsam, die abwehrende und die bewahrende, bilden sie das vollständige Wächterpaar. Eine einzelne Figur gilt als unvollständig.
Das Auftreten als Paar ist für die Shisa wesentlich. Sie werden fast nie einzeln, sondern stets zu zweit aufgestellt.
Die beiden Figuren eines Paares unterscheiden sich vor allem im Maul. Häufig wird die Figur mit offenem Maul als die männliche, die mit geschlossenem Maul als die weibliche gedeutet, doch die Deutungen sind nicht überall gleich.
Wichtiger als die genaue Zuordnung ist der Gedanke der Ergänzung. Die beiden Figuren erfüllen zwei verschiedene, einander ergänzende Aufgaben. Die eine wehrt ab, die andere bewahrt.
Der Gedanke des sich ergänzenden Paares ist in Ostasien weit verbreitet. Er steht in einem Zusammenhang mit der Vorstellung von zwei einander entgegengesetzten und doch zusammengehörigen Kräften, die gemeinsam das Ganze bilden.
Auch das offene und das geschlossene Maul werden in diesem Sinne gedeutet. Sie sollen einen Anfangs- und einen Schlusslaut darstellen und damit das Ganze zwischen Anfang und Ende umfassen.
Das Shisa-Paar bewacht ein Haus damit von zwei Seiten. Es wehrt das Unheil ab und hält zugleich das Gute fest. In dieser doppelten, einander ergänzenden Aufgabe liegt der Sinn des Paares.
Die wichtigste Aufgabe der Shisa ist die Bewachung des Hauses. Sie sind Wächterfiguren, die das Haus und seine Bewohner schützen sollen.
Ihren bekanntesten Platz haben die Shisa auf dem Dach. Dort, am höchsten Punkt des Hauses, überblicken sie die Umgebung und wehren das Unheil ab, das sich dem Haus nähern könnte.
Häufig stehen Shisa auch paarweise an den Toren und an den Eingängen. An dieser Schwelle, dem Übergang vom Außen ins Innen, bewachen sie den wichtigsten Zugang zum Haus.
Größere Shisa-Figuren finden sich vor öffentlichen Gebäuden und an den Eingängen von Ortschaften. Sie bewachen dann nicht ein einzelnes Haus, sondern einen größeren Bereich.
Der Schutz der Shisa richtet sich gegen Unheil und schädliche Mächte aller Art. Auf einer Inselgruppe, die immer wieder von Stürmen heimgesucht wird, wurden sie auch gegen Feuer und gegen Unwetter angerufen.
Die Shisa sind damit umfassende Hauswächter. Vom Dach und vom Tor aus halten sie Wache, wehren das Unheil ab und stellen das Haus unter ihren ständigen Schutz.
Die Shisa haben eine lange Geschichte, die in das Königreich zurückreicht, das auf Okinawa bestand, bevor die Inselgruppe zu Japan kam.
Dieses Königreich unterhielt rege Verbindungen mit China und mit anderen Ländern Ostasiens. Über diese Verbindungen gelangte die Vorstellung des löwenartigen Wächters nach Okinawa.
Der Löwe ist in weiten Teilen Asiens als Wächterfigur bekannt, obwohl es dort keine Löwen gab. Das Bild des Löwen wanderte über Handelswege und über die Religion und wurde überall zu einem Wächter umgedeutet.
Auf Okinawa wurde aus diesem Bild der eigenständige Shisa. Er nahm die Züge eines Wächters an, der auf den Schutz der Häuser und der Ortschaften der Inselgruppe ausgerichtet war.
Anfangs waren große steinerne Shisa-Figuren verbreitet, die ganze Ortschaften und Bauwerke bewachten. Erst mit der Zeit kamen die kleineren Figuren auf, die einzelne Häuser und ihre Dächer bewachen.
Die Geschichte der Shisa zeigt damit eine Wanderung. Das Bild des Löwenwächters wanderte aus der Ferne nach Okinawa und wurde dort zu einer eigenständigen, fest mit der Inselkultur verbundenen Figur.
Die Shisa gehören zu einer großen Familie. In ganz Ostasien sind löwenartige Wächterfiguren verbreitet, und die Shisa sind ihre Ausprägung auf Okinawa.
In China stehen löwenartige Figuren als Paar vor Tempeln, vor Toren und vor Gebäuden. Auch sie treten zu zweit auf, und auch bei ihnen werden die Figuren auf verschiedene Weise unterschieden.
In Japan stehen vor den Schreinen häufig löwenartige Steinfiguren. Auch sie bilden ein Paar mit offenem und geschlossenem Maul und bewachen den Zugang zum heiligen Bereich.
Korea kennt ebenfalls löwenartige Wächterwesen, die Unheil und besonders Feuer abwehren sollen. Auf der Seite zum koreanischen Haetae ist ein solches Wesen näher dargestellt.
Allen diesen Figuren liegt derselbe Grundgedanke zugrunde. Der Löwe, das mächtige, furchtgebietende Tier, wird zum Wächter, der das Unheil abschreckt und den Zugang zu einem Haus oder einem heiligen Ort bewacht.
Die Shisa sind die Ausprägung dieses Gedankens auf Okinawa. Ihre Besonderheit ist der Platz auf dem Dach des Wohnhauses und die enge Verbindung mit der eigenständigen Kultur der Inselgruppe.
Die Shisa sind ohne den besonderen Rang des Löwen nicht zu verstehen. Der Löwe gilt in vielen Kulturen als ein machtvolles, schützendes Tier.
Der Löwe steht für Stärke, für Macht und für Furchtlosigkeit. Als König unter den Tieren ist er ein Sinnbild der überlegenen Kraft. Diese Kraft macht ihn zu einem geeigneten Wächter.
Bemerkenswert ist, dass der Löwe in Ostasien als Wächter verehrt wurde, obwohl es dort keine wilden Löwen gab. Das Bild des Löwen war ein wanderndes Bild, das über die Handelswege und über die Religion verbreitet wurde.
Weil der wirkliche Löwe unbekannt war, entstanden eigene, abgewandelte Löwengestalten. Die Shisa sind eine solche Gestalt, ein löwenartiges Wesen, das die Vorstellung eines Wächterlöwen verkörpert.
Der Gedanke dahinter ist die abschreckende Wirkung. Ein mächtiges, furchtgebietendes Tier soll das Unheil schon durch seinen bloßen Anblick fernhalten. Die Shisa wehren ab, indem sie Stärke und Wachsamkeit ausstrahlen.
Die Shisa gehören damit zu den Schutzfiguren, die durch das Bild eines mächtigen Tieres wirken. Der Löwe, der furchtlose König der Tiere, leiht ihnen seine abschreckende Kraft.
Über ihre Aufgabe als Wächter hinaus sind die Shisa zu einem Zeichen Okinawas selbst geworden. Sie gehören untrennbar zum Bild der Inselgruppe.
Auf Okinawa sind Shisa fast überall zu sehen. Sie stehen auf den Dächern der Häuser, an den Toren, vor Gebäuden und an den Eingängen der Ortschaften. Sie prägen das Bild der Inseln.
Die Herstellung der Shisa ist ein eigenes Handwerk Okinawas. In den Werkstätten der Inselgruppe werden die Figuren aus Ton und Stein gefertigt, und jeder Handwerker gibt ihnen seinen eigenen Ausdruck.
Die Shisa sind damit zugleich Schutzfigur und Ausdruck der örtlichen Kunst. In ihnen verbindet sich der alte Gedanke des Wächters mit der handwerklichen Tradition Okinawas.
Als Zeichen Okinawas haben die Shisa auch eine verbindende Bedeutung. Sie stehen für die eigene Geschichte und die eigene Kultur der Inselgruppe, die sich von der des japanischen Hauptlandes unterscheidet.
Die Shisa sind damit mehr als Wächterfiguren. Sie sind ein Zeichen der Zugehörigkeit und der Eigenständigkeit Okinawas, und ihr Schutz ist mit dieser örtlichen Verwurzelung verbunden.
Die Shisa sind im heutigen Okinawa allgegenwärtig. Auf den Dächern, an den Toren und vor den Häusern bewachen sie unverändert die Wohnstätten der Menschen.
Über Okinawa hinaus sind die Shisa zu einem bekannten Zeichen geworden. Als Andenken, als Figur und als Schmuck werden sie auch außerhalb der Inselgruppe geschätzt und gesammelt.
Für viele Menschen verbindet sich mit den Shisa heute weniger ein streng durchdachter Glaube als vielmehr eine gepflegte Tradition und eine Verbundenheit mit Okinawa. Ein Shisa-Paar am Haus gehört zum vertrauten Bild.
Die Herstellung der Shisa ist ein lebendiges Handwerk geblieben. In den Werkstätten der Inselgruppe entstehen weiterhin Figuren, von kleinen Andenken bis zu großen Wächtern für Dächer und Tore.
Eine sachliche Darstellung benennt die Shisa als das, was sie sind, paarweise Wächterfiguren in Löwengestalt, die das Unheil abwehren und das Gute bewahren sollen. Eine darüber hinausgehende Wirkung lässt sich nicht nachweisen.
Die Shisa bleiben damit ein lebendiges Zeichen Okinawas. In ihnen verbinden sich das wandernde Bild des Löwenwächters, der Gedanke des sich ergänzenden Paares und der Wunsch, das eigene Haus von Dach und Tor aus zu bewachen.
Verwandte Schlüsselbegriffe: Shisa Dachwaechter Okinawa Loewenfigur Hauswaechter Waechterpaar Schutzfigur Haetae Japan Loewe.
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