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Berufkraut – Schutz vor Beschreien und Gegenzauber

SchutzkrautSchutzkräuter

Berufkraut ist der Sammelname für mehrere Pflanzen, denen der Volksglaube eine besondere Kraft gegen das sogenannte Beschreien und Berufen zuschreibt: eine Form des bösen Blicks, bei der übertriebenes Loben oder Bestaunen, meist von Kindern oder jungen Tieren, als gefährlich galt. Als Hauptpflanze zählt hierzu das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus), daneben werden auch Rittersporn-Arten, im Volksmund Konsolidenkraut genannt, in derselben Rolle überliefert.

Die Gegenmaßnahme war ebenso konkret wie der vermeintliche Schaden: Kräuter wurden in die Wiege gelegt, dem Kind ins Badewasser gegeben oder an die Stalltür gebunden, um die Wirkung des Beschreiens zu brechen, dem sogenannten Gegenzauber.

Berufkraut wird im Volksglauben gegen Beschreien und als Gegenzauber eingesetzt.

Wacholder – Räucherpflanze und Schutzstrauch, historisch-illustrativ

Schnellübersicht

Als Berufkraut oder Beschreikraut bezeichnet die volkskundliche Überlieferung eine Gruppe von Pflanzen, deren Namen unmittelbar auf ihre Schutzfunktion verweisen: Sie sollten gegen das „Berufen“ und „Beschreien“ wirken. Dazu zählen neben dem Einjährigen Berufkraut auch Frauenflachs, Ziest, Eisenkraut, Thymian sowie Zweige von Wacholder und Beifuß.

Gemeinsam ist diesen Pflanzen ihre Rolle im Schutz von Kindern und Jungvieh, die als besonders empfänglich für den bösen Blick galten.

Herkunft und Überlieferung

„Berufen“ bezeichnete im älteren deutschen Sprachgebrauch die Vorstellung, dass ein Unglück durch das bloße Aussprechen einer Erwartung heraufbeschworen werden konnte, etwa wenn jemand ein Kind überschwänglich für seine Gesundheit lobte und es kurz darauf erkrankte. „Beschreien“ meinte eng verwandt die schädigende Wirkung eines bewundernden Blicks oder lauten Ausrufs, verwandt mit dem allgemeineren Glauben an den bösen Blick.

Kinder in der Wiege und junges Vieh galten als besonders gefährdet, weil sie sich selbst nicht schützen konnten. Deshalb wurde Berufkraut in die Wiege gelegt, unter das Kopfkissen geschoben oder dem Kind in Form eines Kräuterbades verabreicht, wenn der Verdacht bestand, es sei bereits beschrien worden. An der Stalltür befestigt, sollte dasselbe Kraut Kälber und Fohlen vor derselben Gefahr bewahren.

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verzeichnet für Beruf- und Beschreikräuter zahlreiche regionale Varianten, was auf eine im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitete Praxis hinweist.

Wirkprinzip laut Überlieferung

Das Wirkprinzip des Berufkrauts beruht auf dem Gedanken des Gegenzaubers: Ein bereits geschehener Schaden, das Beschreien, soll durch eine zweite Handlung rückgängig gemacht werden. Die Überlieferung verbindet damit oft schon den Namen der Pflanze selbst mit ihrer Aufgabe: Was „berufen“ heißt, soll auch das Berufene wieder aufheben.

Anders als vorbeugende Schutzkräuter, die dauerhaft angebracht werden, wirkt Berufkraut in der Überlieferung häufig anlassbezogen: als Reaktion auf ein bereits eingetretenes, dem Beschreien zugeschriebenes Leiden, etwa ständiges Weinen eines Säuglings oder ausbleibende Milch bei einer Kuh.

Kulturübergreifende Verbreitung

Der Glaube an den bösen Blick und die damit verbundene Schutzpraxis ist weit über den deutschsprachigen Raum hinaus verbreitet, etwa im mediterranen Raum unter dem Namen malocchio oder mati. Die konkreten Berufkräuter der deutschen Überlieferung, allen voran das Einjährige Berufkraut, sind dagegen vor allem in Mitteleuropa gebräuchlich.

Gemeinsam ist den verschiedenen Kulturen die Grundidee, dass Kinder und Jungtiere besonderen Schutzes bedürfen und dass ein durch Worte oder Blicke verursachter Schaden durch gezielte Gegenmaßnahmen aufgehoben werden kann.

Wogegen es eingesetzt wird

Berufkraut wird in der Überlieferung gezielt gegen das Beschreien und Berufen eingesetzt, also gegen Schäden, die durch übertriebenes Loben, neidische Blicke oder unbedachte Aussprüche über Kinder und Jungvieh entstanden sein sollen.

Als Gegenzauber wird es zudem bei bereits eingetretenen, dem bösen Blick zugeschriebenen Beschwerden angewendet, etwa bei anhaltendem Unwohlsein eines Kindes ohne erkennbare Ursache. Der Schutz-Kompass ordnet Berufkraut in die Gruppe der Kräuter gegen den bösen Blick ein.

Anwendung und Grenzen

Überliefert sind mehrere Anwendungsformen: das Kraut in die Wiege oder unter das Kopfkissen des Kindes legen, ein Aufguss als Badezusatz sowie ein Büschel an der Stalltür. In manchen Regionen wurde das Kraut auch beim Verdacht auf Beschreien verbrannt und der Rauch über das betroffene Kind oder Tier geleitet.

Die Überlieferung selbst setzt Grenzen: Berufkraut galt als Reaktion auf einen vermuteten, nicht als Beweis für einen tatsächlichen Schaden. Es wurde als Teil eines größeren Schutzverhaltens verstanden, das auch Schutzgebete und Amulette einschloss, nicht als deren Ersatz.

Literatur (Auswahl)

  • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli. Berlin: de Gruyter, 1927-1942.
  • Siegfried Seligmann: Der böse Blick und Verwandtes. Berlin: Barsdorf, 1910.
  • Heinrich Marzell (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann): Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Leipzig/Stuttgart: Hirzel, 1943-1979.
  • Will-Erich Peuckert: Deutscher Volksglaube des Spätmittelalters. Stuttgart: Kohlhammer, 1942.
  • Max Höfler: Volksmedizin und Aberglaube in Oberbayerns Gegenwart und Vergangenheit. München: Piloty & Loehle, 1888.

Verwandte Schlüsselbegriffe: berufkraut beschreien beruf boeser blick kinderschutz.

iWell Guard und Schutztraditionen

Der Glaube an das Beschreien zeigt, wie sehr Schutz im Volksglauben mit Verletzlichkeit verbunden war, besonders bei Kindern, die sich selbst nicht schützen konnten. Der Wunsch, diese Schutzlosigkeit durch ein greifbares Mittel auszugleichen, ist der gedankliche Kern, den auch der iWell Guard aufgreift.

Wo früher ein Kraut in die Wiege gelegt wurde, steht heute ein Anhänger, der dieselbe Grundidee eines mitgeführten, persönlichen Schutzes in eine zeitgemäße Form überträgt.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.