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Boreas, der stürmische Schwiegersohn Athens

Boreas ist Gott der griechischen Tradition.

Der Nordwind, der die Perserflotte bei Kap Sepias zerschlug. Die Überlieferung zeichnet ihn als stürmische Gestalt, die sich mit Athen verschwägerte.

Inhaltsverzeichnis

Boreas, der Nordwind der Griechen
Boreas

Boreas, römisch Aquilo, ist der griechische Gott des kalten, stürmischen Nordwinds und einer der vier Hauptwinde. Aus Thrakien bringt er Winterkälte und Sturm; zugleich ist er zeugende Kraft und Vater unsterblicher Pferde.

Den Athenern galt er als Schwiegersohn, weil er die Athenerin Oreithyia geraubt und zur Gattin genommen hatte. Als solcher zerstörte er nach Überlieferung einen Großteil der Perserflotte und erhielt in Athen einen eigenen Kult.

Auf einen Blick: Boreas

Typ: Gott des kalten Nordwinds, einer der vier Hauptwinde
Herkunft: Griechische Mythologie, Sohn des Astraios und der Eos
Texte: Hesiod, Theogonie; Homer, Ilias; Herodot, Historien
Zeitraum: Hesiod und Homer bis in die Kaiserzeit
Erscheinung: bärtiger, kräftiger, oft purpurflügeliger Gott

Historischer Hintergrund

Zeitraum der Texte

Bezeugt von Hesiod und Homer bis in die Kaiserzeit; der Athener Kult setzt mit den Perserkriegen des 5. Jahrhunderts v. Chr. ein.

Verbreitungsraum

Der griechische Kulturraum, besonders Athen und Thrakien: Aus dem thrakischen Norden kommen seine Kälte und seine Stürme.

Quellenlage

Gut: mehrfach bezeugt mit Kult, von der Theogonie über die Ilias bis zu Herodots Bericht über die Perserflotte.

Name und Varianten

Griechisch: Boréas, Nordwind; die genaue Ableitung des Namens ist umstritten. Römisch entspricht ihm Aquilo.

Wesen und Wirkung

Erscheinung

Boreas wird als bärtiger, kräftiger, oft purpurflügeliger Gott dargestellt; auf der Kypselos-Lade hat er Schlangenschwänze statt Beine, volkstümlich erscheint er auch pferdegestaltig.

Wirkung

Als Gott des Winterwindes bringt Boreas Winterkälte und Stürme aus Thrakien, so Hesiod. Er zerstört feindliche Flotten und ist zugleich zeugende Kraft: In der Ilias zeugt er als Hengst zwölf unsterbliche Fohlen, mit Oreithyia die Boreaden.

Steckbrief: Boreas

Die wichtigsten Aspekte des Nordwinds auf einen Blick.

Tradition

Einer der vier Hauptwinde der Griechen, Sohn des Astraios und der Eos, mit eigenem Heiligtum in Athen.

Bezogen auf

Athener und Seefahrer: Den einen war er Schwiegersohn und Retter, den anderen ein Flottenzerstörer.

Darstellung

Bärtig, kräftig und oft purpurflügelig; auf der Kypselos-Lade mit Schlangenschwänzen statt Beinen.

Wirkungsbereich

Winterkälte und Stürme aus Thrakien; dazu zeugende Kraft als Hengst und als Vater der Boreaden.

Kult

Heiligtum am Ilissos nach dem Perserkrieg, ein Altar dort auch bei Platon bezeugt, jährliche Feste in Megalopolis.

Pendants

Der römische Aquilo; typologisch der vedische Vayu, der lakotanische Nordwind-Riese Waziya und der Seneca-Bär Ya-o-gah.

Der Raub der Oreithyia und die Boreaden

Boreas ist Sohn des Astraios und der Eos, so Hesiod, Theogonie 378. Sein zentraler Mythos ist der Raub der Oreithyia: Er entführte die Tochter des Erechtheus nach Thrakien und nahm sie zur Gattin. Ihre Söhne sind die Boreaden Zetes und Kalais, die als Argonauten fahren.

Daneben steht die pferdegestaltige Seite des Nordwinds: In der Ilias zeugt Boreas als Hengst zwölf unsterbliche Fohlen. Durch die Ehe mit Oreithyia wurde der Sturmgott zum Verwandten der Athener, und genau diese Verwandtschaft wurde im Perserkrieg politisch bedeutsam.

Vom Vasenbild bis Waterhouse

Der Raub der Oreithyia war ein beliebtes Thema der attischen Vasenmalerei; in der Neuzeit malte John William Waterhouse einen Boreas. In der Meteorologie lebt der Name fort.

Religionswissenschaftlich ist Boreas ein Musterbeispiel für einen Windgott mit echtem Kult, der zugleich gewaltsam und athenfreundlich ist. Zwei Klarstellungen: Das Opfer für Boreas in Thurioi steht nicht bei Herodot, sondern bei Aelian; und die zwölf Pferde der Ilias sind die des Erichthonios von Troja, nicht des attischen Erechtheus.

Der Schwiegersohn Athens und sein Heiligtum

Der Athener Kult ist gut bezeugt: Nach Herodot riefen die Athener auf Orakelrat ihren Schwiegersohn Boreas an, worauf der Nordwind einen Großteil der Perserflotte bei Kap Sepias zerstörte. Danach errichteten sie ihm ein Heiligtum am Ilissos; ein Altar dort erscheint auch bei Platon. In Megalopolis fanden jährliche Feste für Boreas statt.

Nordwinde anderer Völker

Boreas ist der Bruder von Zephyros, Notos und Euros und entspricht dem römischen Aquilo. Als zeugungskräftiger Sturmgott ist er dem vedischen Vayu vergleichbar; als Personifikation des Nordwinds steht er dem lakotanischen Nordwind-Riesen Waziya und dem Seneca-Bären Ya-o-gah typologisch nahe. Den Überblick über die Windgötterfamilie gibt die Seite der Anemoi.

Häufige Fragen zu Boreas

Warum galt Boreas den Athenern als Schwiegersohn?

Weil er die Athenerin Oreithyia raubte und zur Gattin nahm; deshalb riefen die Athener ihn als Verwandten an.

Was tat er gegen die Perser?

Nach Überlieferung zerstörte der Nordwind auf Anrufung einen Großteil der Perserflotte bei Kap Sepias.

Welcher Wind ist Boreas?

Der Nordwind, römisch Aquilo, kalt und stürmisch.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Hesiod: Theogonie. 8. Jahrhundert v. Chr.
  • Herodot: Historien, Buch 7. 5. Jahrhundert v. Chr.
  • Gantz, Timothy: Early Greek Myth. Baltimore 1993.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Boreas vereint als griechischer Nordwind zwei Gesichter: den Räuber, der Oreithyia nach Thrakien trägt, und den Verbündeten, der Athens Feinde zerschlägt. Diese Doppelrolle verschaffte dem Gott des Winterwindes seinen eigenen Kult am Ilissos.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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