Waziya, der eisige Riese des Nordens
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Waziya ist ein Geist der Lakota-Überlieferung.
Der Nordwind-Riese, der Kälte, Schnee und Hunger bringt. Der Steckbrief beleuchtet seine eisige Herkunft aus dem Norden.
Waziya ist bei den Lakota der Nordwind-Riese, der Wächter des Nordlichts. Er bringt Kälte, Schnee, Eis und Hunger und ist eine Personifikation von Norden und Winter.
Zwei Ebenen sind zu unterscheiden: Der Richtungsbegriff ist alt und unabhängig belegt, bereits 1852 im Wörterbuch von Riggs. Die ausgestaltete Familiengeschichte, die Waziya zum Schwiegervater des Windvaters Tate macht, ist dagegen von Walkers Zyklus abhängig.
Typ: Nordwind-Riese, Personifikation von Norden und Winter
Herkunft: Lakota und Dakota, nördliche Plains
Texte: Riggs 1852, Systematik bei Walker
Zeitraum: Sprachbeleg seit 1852, mythische Überlieferung
Erscheinung: riesenhafter, greisenhafter Alter, der Kälte bläst
Historische Einordnung
Zeitraum der Texte
Der Richtungsbegriff ist seit 1852 bei Riggs belegt; die systematische Genealogie stammt aus Walkers Aufzeichnungen um 1900.
Verbreitungsraum
Lakota und Dakota der nördlichen Plains; Waziya dient der mythischen Überlieferung als Erklärfigur für die Härte des Winters.
Quellenlage
Geteilt: Der Richtungs- und Nordwind-Begriff ist alt und unabhängig belegt, die ausgestaltete Genealogie dagegen Walker-bedingt.
Name und Varianten
Lakota: Waziyata bedeutet Norden oder nach Norden und ist bereits bei Riggs 1852 belegt; Waziya wird volksetymologisch mit wazí, der Kiefer, verknüpft.
Gestalt und Wirken
Erscheinung
Waziya ist riesenhaft und greisenhaft und bläst Kälte aus dem Mund. Er verkörpert den Norden, den Winter und das Nordlicht, die Aurora, die er bewacht.
Wirkung
Waziya bringt Nordwind, Schnee, Eis und Winter; er kämpft gegen die Südwinde und sendet Hunger und Krankheit. Als Wächter der Aurora ist er mit dem Nordlicht verbunden.
Steckbrief: Waziya
Die wichtigsten Aspekte des Nordwind-Riesen auf einen Blick.
Winter- und Nordgestalt der Lakota und Dakota: sprachlich alt belegter Richtungsbegriff, später von Walker in eine Genealogie eingebaut.
Der Winter der nördlichen Plains: Waziya erklärt Kälte, Schnee und Eis und die Not, die der Nordwind über die Menschen bringt.
Ein riesenhafter, greisenhafter Alter, der Kälte aus dem Mund bläst; im hohen Norden bewacht er das Nordlicht, die Aurora.
Nordwind, Schnee, Eis und Winter; dazu Hunger und Krankheit, die er sendet, und der Kampf gegen die Südwinde.
Eine gesicherte eigenständige Schutzpraxis ist nicht überliefert; Waziya ist vor allem eine Erklärfigur für die Härte des Winters.
Zwei Waziya: alter Begriff und Walkers Genealogie
Waziyata bedeutet Norden oder nach Norden und ist bereits bei Riggs 1852 belegt; Waziya wird volksetymologisch mit wazí, der Kiefer, verknüpft. Der ältere, primäre Waziya ist der Nordwind-Riese: sprachlich alt und unabhängig von Walker bezeugt.
Daneben steht der spätere, von Walker systematisierte Waziya als erster Mann, der mit seiner Frau Wakanka auf die Erde verbannt wurde, weil beide ihrer Tochter Anog Ite halfen; dadurch ist er Schwiegervater Tates und Großvater der Winde. Diese Genealogie ist Walker-abhängig und darf nicht mit dem älteren Richtungsbegriff vermischt werden.
Nachleben und Einordnung
Waziya lebt unter anderem im Ortsnamen Wayzata in Minnesota fort. In der Überlieferung ist er die klassische Gestalt des harten Nordwinters.
Religionswissenschaftlich zeigt Waziya die Personifikation von Norden und Winter als bedrohlichen Riesen. Wichtige Klarstellung: Der alte Richtungs- und Nordwind-Begriff waziyata ist nicht mit der ausgearbeiteten Verbannungs- und Familiengeschichte zu vermischen; letztere ist wesentlich Walkers Zyklus, ersterer älter und unabhängig belegt.
Erklärfigur statt Schutzritual
Eine gesicherte eigenständige Schutzpraxis gegen Waziya ist nicht überliefert; das ist ehrlich festzuhalten. Waziya ist vor allem eine Erklärfigur für die Härte des Winters: Der Riese, der Kälte aus dem Mund bläst und Hunger und Krankheit sendet, gibt der Wintersnot der nördlichen Plains ein Gesicht, ohne dass die Quellen ein eigenes Abwehrritual nennen.
Frostriesen und Nordwinde im Vergleich
Waziya ist ein Winter- und Nordwind-Alter vom Typ des Frostriesen oder Alten Winters, ein weit verbreitetes Motiv ohne genetische Ableitung. Als Nordwind steht er dem griechischen Boreas und dem Seneca-Bären Ya-o-gah typologisch nahe. Innerhalb der Lakota-Überlieferung ist er vom Windvater Tate und dessen Söhnen zu unterscheiden: Waziya ist keine der vier Richtungsgestalten, sondern ein eigenständiger Winterriese.
Häufige Fragen zu Waziya
Wer ist Waziya?
Der Nordwind-Riese der Lakota, der Kälte, Schnee und Winter bringt und das Nordlicht bewacht.
Ist die Familiengeschichte alt?
Nein. Die ausgearbeitete Verbannungs- und Schwiegervater-Geschichte ist wesentlich Walkers Zyklus; der Richtungsbegriff waziyata ist älter und unabhängig belegt.
Was bewacht er?
Das Nordlicht, die Aurora, im hohen Norden.
Weiterführende Verlinkungen
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Der Lakota-Nordwind hat in Waziya Gestalt angenommen: Er gilt als Alter Mann des Nordens, der Kälte aus dem Mund bläst und das Nordlicht bewacht, eine der eindrücklichsten Winterfiguren der nördlichen Plains.





