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Dharmachakra – das Rad der Lehre als Zeichen des Buddhismus

Dharmachakra ist der Name für das Rad der Lehre, das wichtigste Zeichen des Buddhismus. Sein achtspeichiges Rad steht für den achtfachen Pfad, den der Buddha als Weg zur Erkenntnis lehrte. Als Zeichen der Lehre selbst hat es einen schützenden und einen orientierenden Sinn.

SchutzsymbolBuddhismusLehrsymbol
Dharmachakra - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Dharmachakra ist der aus dem Sanskrit stammende Name für das Rad der Lehre. Es ist das wichtigste und das bekannteste Zeichen des Buddhismus.

Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil bezeichnet die Lehre des Buddha, der zweite Teil bedeutet Rad. Das Dharmachakra ist also das Rad der buddhistischen Lehre.

Dargestellt wird das Zeichen als ein Rad mit einer Nabe, einem Reif und einer Zahl von Speichen. In seiner bekanntesten Form besitzt das Rad acht Speichen.

Das Dharmachakra steht für die Lehre des Buddha als Ganzes. Wo es erscheint, ist die Lehre selbst gegenwärtig. Es ist damit das umfassendste Zeichen des Buddhismus.

Innerhalb der acht glückverheißenden Symbole, der Ashtamangala, ist das Rad der Lehre das achte und zugleich das bedeutendste Zeichen. Auf der Seite zur Ashtamangala ist diese Gruppe dargestellt.

In der Religionswissenschaft ist das Dharmachakra ein gutes Beispiel für ein Zeichen, das eine ganze Lehre verkörpert. Es schützt und leitet, indem es an den Weg zur Erkenntnis erinnert.

Das Rad als altes Symbol

Das Rad ist ein altes Zeichen, das schon vor dem Buddhismus in der indischen Welt eine Bedeutung trug. Der Buddhismus übernahm es und gab ihm einen neuen Sinn.

In der älteren indischen Vorstellung war das Rad ein Zeichen des gerechten Herrschers. Ein vorbildlicher Weltenherrscher wurde mit einem Rad verbunden, das seine Herrschaft über die Welt anzeigte.

Dieses Rad des Herrschers stand für die rechte Ordnung. Es bewegte sich, ohne auf Widerstand zu treffen, und brachte überall, wohin es gelangte, Recht und Ordnung.

Der Buddhismus griff dieses Bild auf. Aus dem Rad der weltlichen Herrschaft wurde das Rad der Lehre. Statt eines Reiches breitete sich nun die Lehre des Buddha aus.

Der Buddha selbst wurde in diesem Bild zu einem geistigen Weltenherrscher. Er herrscht nicht über ein Land, sondern setzt mit seiner Lehre ein Rad in Bewegung, das den Menschen den Weg weist.

Die Herkunft des Dharmachakra zeigt damit einen verbreiteten Vorgang. Ein älteres Zeichen der weltlichen Macht wurde aufgenommen und in ein Zeichen der geistigen Lehre verwandelt.

Das Drehen des Rades der Lehre

Mit dem Dharmachakra ist eine bildliche Wendung verbunden, die in den buddhistischen Texten häufig begegnet. Es ist die Rede vom Drehen oder vom Ingangsetzen des Rades der Lehre.

Diese Wendung bezieht sich auf einen entscheidenden Augenblick im Leben des Buddha. Nachdem er die Erkenntnis erlangt hatte, hielt er seine erste Predigt und verkündete zum ersten Mal die Lehre.

Dieser Augenblick der ersten Predigt wird als das erste Drehen des Rades der Lehre bezeichnet. Mit dieser Predigt setzte der Buddha die Lehre gleichsam in Bewegung.

Das Bild ist treffend gewählt. Wie ein Rad, einmal angestoßen, weiterrollt, so breitet sich die Lehre, einmal verkündet, immer weiter aus und gelangt zu immer neuen Menschen.

Die buddhistische Überlieferung spricht von mehreren solchen Drehungen des Rades. Sie bezeichnet damit verschiedene Stufen oder Abschnitte, in denen die Lehre entfaltet wurde.

Das Dharmachakra als Zeichen ist von dieser Wendung untrennbar. Das Rad ist nicht ein ruhendes Bild, sondern ein bewegtes. Es steht für eine Lehre, die in Bewegung ist und sich ausbreitet.

Die acht Speichen und der achtfache Pfad

In seiner bekanntesten Gestalt hat das Dharmachakra acht Speichen. Diese Zahl ist nicht zufällig gewählt, sondern hat eine genaue Bedeutung.

Die acht Speichen stehen für den achtfachen Pfad. Dieser Pfad ist ein zentraler Inhalt der buddhistischen Lehre und beschreibt den Weg, der aus dem Leid herausführt.

Der achtfache Pfad gliedert sich in acht Glieder. Sie betreffen die rechte Einsicht, das rechte Denken, das rechte Reden, das rechte Handeln, den rechten Lebenserwerb, das rechte Bemühen, die rechte Achtsamkeit und die rechte Sammlung.

Jede der acht Speichen des Rades steht für eines dieser acht Glieder. Das Rad fasst damit den ganzen Weg in einem einzigen Bild zusammen.

Die Speichen tragen den Reif des Rades, und nur gemeinsam halten sie das Rad. Ebenso gehören die acht Glieder des Pfades zusammen und ergeben erst gemeinsam den vollständigen Weg.

Das achtspeichige Dharmachakra ist damit ein Zeichen von hoher gedanklicher Dichte. In einer einfachen Form, einem Rad mit acht Speichen, ist der gesamte Weg des Buddhismus zur Erkenntnis enthalten.

Nabe, Speichen und Reif

Das Dharmachakra besteht aus drei Teilen, der Nabe in der Mitte, den Speichen und dem äußeren Reif. Jeder dieser Teile wird gedeutet und trägt eine eigene Bedeutung.

Die Nabe in der Mitte ist der ruhende Kern des Rades. Sie wird mit der geistigen Schulung und mit der inneren Sammlung verbunden, die den festen Mittelpunkt des Weges bilden.

Die Speichen werden, je nach ihrer Zahl, verschieden gedeutet. Acht Speichen stehen für den achtfachen Pfad. Andere Zahlen verweisen auf weitere Gliederungen der Lehre.

Der Reif, der äußere Ring des Rades, hält die Speichen zusammen. Er wird mit der Achtsamkeit und mit der Sammlung verbunden, die den Weg zusammenhalten und vollständig machen.

Manche Darstellungen geben dem Rad zusätzlichen Schmuck. Bänder, ein Sockel oder ein Paar von Tieren können das Rad begleiten und seine Würde anzeigen.

Diese gegliederte Gestalt macht das Dharmachakra zu einem durchdachten Zeichen. Schon sein Aufbau, die Mitte, die Speichen und der haltende Reif, spiegelt den Aufbau der Lehre wider.

Das Rad in der buddhistischen Kunst

Das Dharmachakra gehört zu den ältesten Zeichen der buddhistischen Kunst. Es erscheint schon in einer Zeit, in der der Buddha noch nicht in menschlicher Gestalt dargestellt wurde.

In der frühen buddhistischen Kunst wurde der Buddha durch Zeichen angedeutet, nicht durch sein Bild. Ein leerer Thron, ein Baum, ein Fußabdruck oder eben ein Rad standen für seine Gegenwart.

Das Rad stand in dieser frühen Zeit für den Buddha als Lehrer und für seine erste Predigt. Wo das Rad erschien, war der Augenblick der Verkündung der Lehre gemeint.

Auch nachdem der Buddha in menschlicher Gestalt dargestellt wurde, blieb das Rad bedeutsam. Es erscheint auf Toren, auf Säulen, auf Tempeln und in den Händen von Buddha-Gestalten.

Eine besonders bekannte Darstellung zeigt das Rad zwischen zwei Hirschen oder Gazellen. Diese Darstellung erinnert an den Ort der ersten Predigt, einen Park, in dem Hirsche lebten.

In der gesamten buddhistischen Kunst von Indien bis Ostasien ist das Dharmachakra damit ein durchgehendes Zeichen. Es begleitet die Kunst des Buddhismus durch ihre ganze lange Geschichte.

Das Rad als schützendes Zeichen

Das Dharmachakra ist in erster Linie ein Lehrsymbol. Seine schützende Bedeutung ergibt sich aus dem, wofür es steht, nämlich aus der Lehre des Buddha selbst.

Nach buddhistischem Verständnis ist es die Lehre, die den Menschen vor dem Leid bewahrt. Sie zeigt den Weg, der aus der Verstrickung herausführt. Das Rad, das diese Lehre verkörpert, trägt damit einen schützenden Sinn.

Wer das Dharmachakra trägt oder betrachtet, wird an die Lehre und an den achtfachen Pfad erinnert. Diese Erinnerung soll den Menschen auf dem rechten Weg halten.

Der Schutz des Dharmachakra liegt damit nicht in einer Abwehr von außen. Er liegt in der Ausrichtung des Menschen, in seiner Hinwendung zur Lehre und zum Weg.

Darin unterscheidet sich das Rad von abwehrenden Schutzzeichen. Es wehrt kein Übel ab, sondern weist eine Richtung. Sein Schutz ist die rechte Orientierung des Lebens.

Das Dharmachakra ist damit ein gutes Beispiel für einen Schutz durch Orientierung. Es bewahrt den Menschen, indem es ihm den Weg vor Augen stellt, den der Buddhismus als Weg aus dem Leid lehrt.

Das Rad als Zeichen des ganzen Buddhismus

Unter allen Zeichen des Buddhismus nimmt das Dharmachakra eine besondere Stellung ein. Es ist nicht ein Zeichen unter vielen, sondern das Zeichen des Buddhismus überhaupt.

Andere buddhistische Symbole stehen für einzelne Inhalte, für eine Tugend, für einen Segen oder für eine bestimmte Gestalt. Das Dharmachakra hingegen steht für die Lehre als Ganzes.

Aus dieser umfassenden Bedeutung erklärt sich seine weite Verbreitung. Über alle Schulen und alle Regionen des Buddhismus hinweg ist das Rad der Lehre ein gemeinsames Zeichen.

Das Dharmachakra ist darum auch zum allgemein anerkannten Sinnbild des Buddhismus geworden. Wo es erscheint, ist die buddhistische Lehre gemeint, unabhängig von der einzelnen Schule.

In dieser Stellung gleicht das Dharmachakra den großen Zeichen anderer Religionen. Wie das Kreuz für das Christentum, so steht das Rad der Lehre für den Buddhismus.

Das Dharmachakra ist damit das Hauptzeichen einer ganzen Religion. In einem einzigen, einfachen Bild ist die Lehre des Buddha und der Weg zur Erkenntnis zusammengefasst.

Heutige Rezeption

Das Dharmachakra ist in der buddhistischen Welt bis heute allgegenwärtig. In Tempeln, in Klöstern und in der Kunst ist das Rad der Lehre ein vertrauter Anblick.

Als Schmuck und als Anhänger wird das Dharmachakra von vielen Menschen getragen. In dieser Form ist es ein Bekenntnis zum Buddhismus und eine Erinnerung an seine Lehre.

Über die religiöse Verwendung hinaus ist das Rad der Lehre zu einem weithin anerkannten Zeichen geworden. Es erscheint auf Flaggen, auf Wappen und auf staatlichen Zeichen in Ländern mit buddhistischer Geschichte.

Auch im Westen ist das Dharmachakra mit dem Interesse am Buddhismus bekannt geworden. Es wird dort als Zeichen des Buddhismus verstanden und als Schmuck- und Sinnbild verwendet.

In dieser weiteren Verwendung kann die genaue Bedeutung der acht Speichen in den Hintergrund treten. Das Rad wird dann allgemein als Zeichen des Buddhismus aufgefasst.

In seinem Kern bleibt das Dharmachakra jedoch das, was es seit der ersten Predigt des Buddha war, das Rad der Lehre, das den achtfachen Pfad und den Weg zur Erkenntnis verkörpert.

Literatur (Auswahl)

  • Robert Beer: Die Symbole des tibetischen Buddhismus (2003)
  • Hans Wolfgang Schumann: Der historische Buddha (1982)
  • Heinz Bechert und Richard Gombrich (Hrsg.): Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart (1984)
  • Dietrich Seckel: Kunst des Buddhismus. Werden, Wanderung und Wandlung (1962)
  • Volker Zotz: Geschichte der buddhistischen Philosophie (1996)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Dharmachakra Rad der Lehre achtspeichiges Rad achtfacher Pfad Buddhismus Buddha erste Predigt Lehrsymbol.

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