Der Wassermann, Herr der Flüsse, Seen und Mühlenteiche. Der Wodjanoi gilt als Geist der slawischen Tradition und herrscht über Flüsse, Seen und Mühlenteiche.
Der Wodjanoi (russisch Водяной, von woda, „Wasser“) ist der männliche Wassergeist der slawischen Folklore und das Gegenstück zur weiblichen Rusalka. Er gilt als Herr eines bestimmten Gewässers, eines Flussabschnitts, Sees, Sumpfes oder vor allem eines Mühlenteichs, und duldet dort kein unachtsames Verhalten.
Wer ohne Kreuz badet, zur Mittags- oder Mitternachtsstunde schwimmt oder sein Gewässer verschmutzt, riskiert, von ihm in die Tiefe gezogen zu werden.
In der ostslawischen Tradition steht der Wodjanoi in einem besonderen Verhältnis zu den Müllern: Volksglauben zufolge unterhielten Müller einen Pakt mit ihm, opferten ihm Tiere oder die erste Handvoll Mehl und sicherten sich so das Funktionieren des Mühlrads.
Der Wodjanoi ist damit weniger ein reiner Schreckgeist als eine ambivalente Ortsmacht: gefährlich für den Sorglosen, aber berechenbar und besänftigbar für den, der die Regeln des Wassers achtet.
Typ: männlicher Wassergeist, Ortsherr eines Gewässers
Herkunft: vorchristlicher slawischer Naturglaube, christlich überlagert
Texte: ost- und westslawische Volkserzählungen, Ethnografien des 19. Jh.
Zeitraum: vorchristlich bis Gegenwart
Wohnort: Flüsse, Seen, Sümpfe, besonders Mühlenteiche
Vorchristliche slawische Tradition, reich überliefert als Volksglauben nach der Christianisierung. Dichte Sammlungsphase im 19. Jahrhundert durch Afanasjew und die russische sowie ukrainische Ethnografie; bis heute in folkloristischen Archiven dokumentiert.
Ostslawisch (russ. Водяной, ukr. Водяник) als Kerngebiet, westslawisch als Wodnik (polnisch) und Vodník (tschechisch). Regional variiert die Betonung, mal Mühlenteich-Herr, mal Sumpf- und Flussgeist, die Grundfigur des männlichen Wasserherrn bleibt erkennbar.
Russische Volkserzählungen (Afanasjew), ukrainische und belarussische Ethnografien, tschechische Sammlungen (K. J. Erben), moderne slawistische Folkloristik (Pomeranceva, Toporkow).
Russisch: Wodjanoi (Водяной), auch Wodjanik.
Ukrainisch: Wodjanyk. Polnisch: Wodnik. Tschechisch/Slowakisch: Vodník.
Etymologie: durchsichtig abgeleitet von urslawisch voda („Wasser“), wörtlich „der zum Wasser Gehörige“.
Der tschechische Vodník hat in der Literatur eine eigene Prägung erhalten: K. J. Erben widmet ihm in der Balladensammlung Kytice (1853) das Gedicht „Vodník“, Dvořák vertont es 1896 als sinfonische Dichtung. Dort erscheint er als grünlich gekleideter Wassermann, der die Seelen Ertrunkener in Tassen unter Wasser aufbewahrt.
Meist ein alter Mann mit grünem Bart und grünen Haaren, der Körper aufgequollen, mit Schuppen, Algen oder Schlamm bedeckt, zuweilen mit Fischzügen oder Schwimmhäuten. Er kann die Gestalt wechseln und als Fisch, Baumstamm oder Tier erscheinen.
Er zieht unvorsichtige Schwimmer, Vieh und Wäscherinnen in die Tiefe, zerstört Dämme und Mühlräder, wenn man ihn missachtet. Wird er jedoch durch Opfer und Respekt besänftigt, lässt er Fischfang und Mühle gedeihen.
Ein fest umrissenes Gewässer: Flussabschnitt, See, Sumpf oder Mühlenteich. Seine Macht ist an diesen Ort gebunden; an Land ist er kraftlos. Mittag, Mitternacht und die Zeit nach Sonnenuntergang gelten als seine gefährlichsten Stunden.
Der Wodjanoi gehört zur Gruppe der ortsgebundenen Naturgeister (neben Leshy für den Wald und dem Hausgeist Domovoi). Er verkörpert das Wasser als ambivalente Macht, lebensnotwendig und tödlich zugleich, und ist Teil eines Systems gegenseitiger Verpflichtungen zwischen Mensch und Ort.
Die wichtigsten Aspekte des Wodjanoi auf einen Blick.
Männlicher Wassergeist der slawischen Volksreligion, Ortsherr eines Gewässers. Gegenstück zur weiblichen Rusalka, verwandt mit Leschij und Domovoi.
Schwimmer, Müller, Fischer und Vieh am Wasser, besonders, wer ohne Kreuz, zur Mittags- oder Mitternachtsstunde badet oder das Gewässer verschmutzt.
Alter Mann mit grünem Bart, aufgequollener Körper, mit Schuppen, Algen und Schlamm bedeckt; gestaltwandelnd als Fisch oder Baumstamm.
Zieht Unachtsame in die Tiefe, zerstört Mühlräder und Dämme. Besänftigt durch Opfer lässt er Fischfang und Mühle gedeihen.
Kreuz beim Baden tragen, gefährliche Stunden meiden, das Gewässer rein halten. Müller opferten ihm Mehl oder Tiere. Eberntalg und Tabak galten als Gaben.
Nach dem Eisgang galt der Wodjanoi als hungrig und besonders reizbar. In manchen Regionen brachten Müller und Fischer ihm zum Frühjahrsbeginn ein Opfer, ein altes Pferd, Brot oder Tabak, um ihn für die kommende Saison günstig zu stimmen.
Das Kreuzzeichen und ein am Körper getragenes Kreuz galten nach der Christianisierung als wichtigster Schutz. Daneben: nicht allein und nicht zu den gefährlichen Stunden baden, das Wasser nicht beschmutzen, kein Vieh unbeaufsichtigt tränken.
Der Volksglaube kannte ein geregeltes Geben und Nehmen: Wer dem Wodjanoi die erste Handvoll Mehl, etwas Tabak oder Schmalz überließ, durfte mit ruhigem Wasser und vollen Netzen rechnen. Der Wassermann war damit weniger zu bekämpfen als zu achten.
Tschechische Literatur und Musik: K. J. Erben gibt dem Vodník in der Balladensammlung Kytice (1853) literarische Gestalt; Antonín Dvořák vertont den Stoff 1896 als sinfonische Dichtung Vodník.
Ost- und südslawische Tradition: In der russischen und ukrainischen Folklore bleibt der Wodjanoi bis ins 20. Jahrhundert lebendiger Volksglauben. Ethnografische Sammlungen halten zahlreiche regionale Varianten fest.
Der Wassermann ist in osteuropäischer Kinder- und Fantasyliteratur, in Film und Spiel präsent. In Neopaganismus und Esoterik wird er als Symbol des Wassers als ambivalenter Lebensmacht rezipiert.
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Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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