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Dali, goldhaarige Herrin der Steinböcke

Dali ist Göttin der georgischen Tradition.

Herrin der Bergtiere, gnädig zu Jägern, tödlich bei Tabubruch.

GöttinGeorgien

Inhaltsverzeichnis

Dali, die Jagdgöttin des Kaukasus
Dali

Dali, swanisch Dæl, ist die südkaukasische Göttin der Jagd und der Bergtiere, besonders der Steinböcke und Gemsen. Sie ist eine schöne, goldhaarige Berggöttin, die in Höhlen und Felswänden des Hochgebirges wohnt.

Jägern gewährt sie Erfolg, wenn diese ihre Tabus achten; Übertretung straft sie hart, bis zum Tod. Am dichtesten bezeugt ist sie in der mündlichen Überlieferung der Swanen im Nordwesten Georgiens, mit verwandten Figuren im übrigen Georgien und Kaukasus.

Im Überblick: Dali

Typ: Jagdgöttin, Hüterin und Besitzerin der Huftierherden
Herkunft: Swanetien, Georgien, Südkaukasus
Texte: Mündliche Überlieferung, ethnografisch erschlossen
Zeitraum: mündliche Überlieferung bis zur modernen Folklore-Sammlung
Erscheinung: schöne goldhaarige Frau in Höhlen und Felsklippen

Herkunft und Quellenlage

Zeitraum der Texte

Dalis Überlieferung ist mündlich und ethnografisch erschlossen; sie reicht von der swanischen Erzähltradition bis in die georgische Folklore-Sammlung der Gegenwart.

Verbreitungsraum

Swanetien im Nordwesten Georgiens als Kernraum, dazu verwandte Figuren im übrigen Georgien und im Kaukasus.

Quellenlage

Gut erschlossen: Die Überlieferung ist vor allem über Kevin Tuite und Elene Virsaladze zugänglich.

Name und Varianten

Georgisch: Dali, swanisch Dæl. Kevin Tuite verbindet den Namen mit einer Wurzel für Dämmerung oder Morgenstern, mit Bezug zur Venus als Grenzgestirn; diese Deutung bleibt sprachwissenschaftlich diskutiert.

Gestalt und Erscheinung

Erscheinung

Dali ist meist eine wunderschöne, nackte Frau mit langem goldenem Haar und leuchtender Haut, die in Höhlen und Felswänden im Hochgebirge wohnt. Sie kann Tiergestalt annehmen, als Steinbock oder Gemse, oft mit einem Erkennungsmerkmal wie goldenen Hörnern.

Wirkung

Dali ist Hüterin und Besitzerin der Huftierherden, der Steinböcke und Hirsche. Sie gewährt Jägern Erfolg bei Achtung ihrer Tabus und straft Übertretung bis zum Tod. Zentral ist die Erzählung von der Liebe zwischen Dali und einem Jäger; der Bruch der Tabus, Untreue, Verrat oder rituelle Unreinheit, führt in den Absturz oder Tod.

Steckbrief: Dali

Die wichtigsten Aspekte der Jagdgöttin auf einen Blick.

Tradition

Südkaukasische Göttin, am dichtesten in der mündlichen Überlieferung der Swanen bezeugt, mit verwandten Figuren im übrigen Georgien und Kaukasus.

Bezogen auf

Jäger und Bergbewohner: Ihnen gewährt Dali Jagderfolg oder verweigert ihn, je nachdem, ob sie ihre Tabus achten.

Darstellung

Wunderschöne Frau mit langem goldenem Haar und leuchtender Haut; in Tiergestalt als Steinbock oder Gemse, oft mit goldenen Hörnern.

Funktion

Hüterin und Besitzerin der Huftierherden, der Steinböcke und Hirsche; sie vergibt das Jagdglück und wacht über die Regeln der Jagd.

Umgang

Kein Tempelkult, sondern Jagdtabus und Reinheitsvorschriften: kein Jagen bei Menstruation oder Geburt im Haushalt, keine Übertötung, kein Schuss auf gezeichnete Tiere.

Vergleichbares

Artemis und Diana als Herrinnen der Tiere; strukturell verwandt ist Tkashi-Mapa, die Waldherrin der georgischen Überlieferung.

Dæl in der swanischen Überlieferung

Georgisch Dali, swanisch Dæl, ist am dichtesten in der mündlichen Überlieferung der Swanen im Nordwesten Georgiens bezeugt, mit verwandten Figuren im übrigen Georgien und Kaukasus. Kevin Tuite verbindet den Namen mit einer Wurzel für Dämmerung oder Morgenstern, mit Bezug zur Venus als Grenzgestirn; diese Deutung bleibt sprachwissenschaftlich diskutiert.

Im Zentrum der Erzählungen steht die Liebe zwischen Dali und einem Jäger: Wer von der Göttin erwählt wird, erhält Jagdglück, doch der Bruch ihrer Tabus, Untreue, Verrat oder rituelle Unreinheit, führt in den Absturz oder Tod. Die Jagd im Hochgebirge ist damit in ein enges Netz von Regeln gebunden, über das die Göttin selbst wacht.

Folklore, Kunst und Einordnung

Dali ist prominent in der georgischen Folklore-Sammlung und in moderner Kunst; ihre Überlieferung ist vor allem über Kevin Tuite und Elene Virsaladze erschlossen. Tuite zieht zudem einen Vergleich zum Achilleus-Stoff und zu kaukasischen Jägerhelden.

Religionswissenschaftlich ist Dali wohlgesinnt gegenüber respektvollen Jägern und tödlich gegenüber Tabubrechern. Eine wichtige Klarstellung: Sie wird populär zur Liebesgöttin verkürzt, ist folkloristisch aber primär Herrin der Wildtiere und Jagdgöttin, deren Liebschaften an die Jagd- und Reinheitslogik gebunden sind; die Morgenstern-Etymologie ist eine Hypothese.

Jagdtabus statt Tempelkult

Für Dali gibt es keinen Tempelkult, sondern Jagdtabus und Reinheitsvorschriften: kein Jagen bei Menstruation oder Geburt im Haushalt, keine Übertötung, kein Schuss auf besonders gezeichnete, göttliche Tiere. Diese Regeln sind die eigentliche Kultform; wer sie achtet, dem gewährt die Göttin Erfolg, wer sie bricht, riskiert Absturz und Tod im Hochgebirge.

Von Artemis bis zur Waldherrin

Dali entspricht der Artemis und der Diana sowie der Herrin der Tiere, der Potnia Theron; Tuite zieht einen Vergleich zum Achilleus-Stoff und zu kaukasischen Jägerhelden. Strukturell ist sie mit Tkashi-Mapa, der Waldherrin, verwandt, die in der mingrelischen Überlieferung vom Ochokochi begehrt und verfolgt wird.

Häufige Fragen zu Dali

Wer ist Dali?

Die swanisch-georgische Göttin der Jagd und Herrin der Bergtiere, besonders der Steinböcke und Gemsen. Sie wohnt in Höhlen und Felswänden des Hochgebirges.

Warum straft sie Jäger?

Bei Bruch ihrer Tabus wie Untreue, Verrat oder ritueller Unreinheit; wer sie achtet, dem gewährt sie Jagderfolg.

Ist Dali eine Liebesgöttin?

Sie wird populär so verkürzt, ist aber primär Jagdgöttin und Herrin der Wildtiere; ihre Liebschaften folgen der Jagd- und Reinheitslogik.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Tuite, Kevin: The Meaning of Dæl. In: Language, Culture and the Individual. Montreal 2006.
  • Virsaladze, Elene: Gruzinskij ochotnichij mif i poezija. Moskau 1976.
  • Tuite, Kevin: Achilles and the Caucasus. In: Journal of Indo-European Studies 26. 1998.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als georgische Jagdgöttin und Herrin der Bergtiere verkörpert Dali die Ordnung der Hochgebirgsjagd: Sie gibt und nimmt das Jagdglück, und ihre Tabus ziehen die Grenze zwischen Gunst und Tod.

Einordnung & Schutz

IIISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe III zu – Belastende Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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