Shiqq, das gespaltene Wesen der Einöde
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Der Shiqq ist ein Dämon der arabischen Tradition.
Ein Auge, ein Arm, ein Bein: der längs gespaltene Wüstendämon. Der Steckbrief siedelt den Shiqq in der Einöde der arabischen Wüstenüberlieferung an.
Der Shiqq ist ein halbgestaltiger Dämon der vorislamischen arabischen Überlieferung: ein längs gespaltenes Wesen mit einem Auge, einem Arm und einem Bein. Als Wüstendämon bedroht er einsame Reisende und ist mit Ghul, Si’lat und Nasnas verwandt.
Sein Name kommt von der Wurzel sh-q-q, spalten oder halbieren, und bedeutet die Hälfte, das Gespaltene. Von diesem Dämonwesen zu trennen ist der legendäre vorislamische Wahrsager Shiqq al-Kahin, der selbst als halbgestaltig beschrieben wird; beide gehören der vorislamischen Zeit an.
Typ: Halbgestaltiger Wüstendämon, niedere dämonische Djinn-Form
Herkunft: Vorislamisches Arabien
Texte: Klassische Kosmografie, Sagentradition um den Wahrsager Shiqq
Zeitraum: vorislamisch
Erscheinung: längs halbierter Körper, ein Auge, ein Arm, ein Bein
Herkunftsraum und Quellen
Zeitraum der Texte
Der Shiqq gehört der vorislamischen Zeit an; die klassischen Belege liefert die kosmografische Literatur, dazu die Sagentradition um den gleichnamigen Wahrsager.
Verbreitungsraum
Arabien: Die Wüsten der Halbinsel, in denen einsame Reisende dem Shiqq begegnen sollen.
Belegdichte
Mittlere Quellenlage: Der Shiqq ist in der klassischen Kosmografie bezeugt, ausgeschmückte Angriffsszenarien sind dagegen populäre Zutat.
Name und Varianten
Arabisch: shiqq, von der Wurzel sh-q-q, spalten oder halbieren: die Hälfte, das Gespaltene. Der Name benennt also genau das, was den Dämon ausmacht, den längs geteilten Körper.
Wesen und Wirkung
Erscheinung
Das Dämonwesen Shiqq hat einen längs gespaltenen Halbkörper: ein halber Mensch mit einem Auge, einem Arm und einem Bein.
Wirkung
Der Shiqq ist eine niedere dämonische Djinn-Form in der Verwandtschaft von Ghul, Si’lat und Nasnas und eine Gefahr für einsame Reisende in der Wüste, ein Grundmotiv, das er mit dem Ghul teilt. Der Nasnas gilt als Nachkomme eines Shiqq und eines Menschen.
Steckbrief: Shiqq
Die wichtigsten Aspekte des halben Dämons auf einen Blick.
Vorislamischer Motivkreis der halbierten Wüstendämonen, in der klassischen Kosmografie fortgeschrieben.
Einsame Reisende in der Wüste: Wer allein unterwegs ist, gilt als gefährdet, dasselbe Grundmotiv wie beim Ghul.
Ein längs halbierter Mensch: ein Auge, ein Arm, ein Bein, ein Körper, dem die zweite Hälfte fehlt.
Bedrohung einsamer Wanderer; genealogisch gilt der Nasnas als Nachkomme eines Shiqq und eines Menschen.
Die allgemeine Djinn-Abwehr durch Koranrezitation und Gottesgedenken; eine spezifische Formel gegen den Shiqq ist nicht bezeugt.
Dämon und Wahrsager: ein Name, zwei Gestalten
Der Name Shiqq kommt von der Wurzel sh-q-q, spalten oder halbieren, und bedeutet die Hälfte, das Gespaltene. Wichtig ist die Trennung zweier Dinge, die populär vermischt werden: das Dämonwesen Shiqq und der legendäre vorislamische Wahrsager Shiqq al-Kahin, der selbst als halbgestaltig beschrieben wird. Beide gehören der vorislamischen Zeit an, sind aber verschiedene Gestalten.
Der Wahrsager Shiqq deutete berühmt den Traum des jemenitischen Königs Rabi’a ibn Nasr; in der Sagentradition steht er neben seinem Gegenpart Satih. Das Dämonwesen dagegen lebt in der kosmografischen Literatur fort, als niedere dämonische Djinn-Form in der Verwandtschaft von Ghul, Si’lat und Nasnas.
Nachleben in Kosmografie und Sage
Der Shiqq lebt vor allem in der kosmografischen Literatur und in der Sagentradition um den Wahrsager Shiqq und seinen Gegenpart Satih fort.
Religionswissenschaftlich gehört der Shiqq zum Motivkreis der halbierten Wüstendämonen. Wichtige Klarstellungen: Dämonwesen und Wahrsager teilen nur Name und Halbgestalt-Motiv und sind zu trennen; die Formel, der Shiqq zeuge mit einem Ghul den Nasnas, ist nicht seriös gedeckt, belegt ist Shiqq und Mensch; und ausgeschmückte Angriffsszenarien sind populär.
Abwehr nach allgemeinem Djinn-Muster
Gegen das Dämonwesen Shiqq gilt die allgemeine Djinn-Abwehr: Koranrezitation und Gottesgedenken. Eine spezifische überlieferte Formel ist nicht bezeugt, der halbe Dämon hat keinen eigenen Bannspruch erhalten. Das unterscheidet ihn von prominenteren Gestalten der Wüstenüberlieferung und zeigt seinen Rang: gefürchtet genug, um erzählt zu werden, aber nicht bedeutend genug für ein eigenes Ritual.
Halbierte Wesen: der Monopoden-Motivkreis
Der Shiqq gehört zum Motivkreis der halbierten Monopoden-Dämonen der Wüste, neben dem Nasnas, dem Ghul und der Si’lat. Ein schiitischer Sonderstrang verbindet den Nasnas mit der Exegese zu Sure 2,30. Innerhalb dieses Kreises ist der Shiqq die Grundform des Gespaltenen: das Wesen, dessen Name selbst nichts anderes als die Hälfte bedeutet.
Häufige Fragen zum Shiqq
Was ist ein Shiqq?
Ein halbgestaltiger Wüstendämon mit einem Auge, einem Arm und einem Bein.
Ist der Shiqq derselbe wie der Wahrsager Shiqq?
Nein, Dämonwesen und Wahrsager teilen nur Name und Halbgestalt; sie sind zu trennen.
Wie entsteht der Nasnas?
Als Nachkomme eines Shiqq und eines Menschen, nicht eines Shiqq und eines Ghuls.
Weiterführende Verlinkungen
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als halbgestaltiger Dämon verkörpert der Shiqq das Prinzip des Unvollständigen: ein Wüstendämon, der buchstäblich nur zur Hälfte existiert und einsame Reisende gerade dadurch verstört.





