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Der Davidstern – der Magen David, der Schild Davids

Der Davidstern, hebräisch Magen David, ist heute das bekannteste Zeichen des Judentums. Sein Name bedeutet Schild Davids, und damit trägt er den Gedanken des Schutzes bereits im Namen. Seine Geschichte als jüdisches Zeichen ist jedoch jünger, als viele annehmen.

SchutzsymbolJudentumSchutzzeichen
Davidstern - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der Davidstern ist ein sechszackiger Stern, der aus zwei ineinandergelegten gleichseitigen Dreiecken besteht. Ein Dreieck weist mit der Spitze nach oben, das andere nach unten. Diese Figur wird als Hexagramm bezeichnet. Im Judentum trägt sie den Namen Magen David.

Heute ist der Davidstern das bekannteste Zeichen des Judentums überhaupt. Er steht auf Synagogen, auf religiösen Gegenständen und auf der Flagge des Staates Israel. Wer das Zeichen sieht, verbindet es unmittelbar mit dem Judentum. Diese eindeutige Zuordnung ist allgemein bekannt.

Weniger bekannt ist, dass diese enge Verbindung von Hexagramm und Judentum erst im Lauf der Geschichte entstanden ist. Das Sechseck als Figur ist sehr alt und war lange kein besonderes jüdisches Zeichen. Erst über mehrere Jahrhunderte wurde es zu dem, was es heute ist.

Der Name Magen David, der Schild Davids, verweist auf den Gedanken des Schutzes. Ein Schild ist ein Gegenstand der Abwehr, und so gehört der Davidstern auch in den Zusammenhang der Schutzzeichen. Seine Geschichte verbindet die Bedeutung als Glaubenszeichen mit einer älteren Verwendung im Bereich des Schutzes.

Magen David: der Schild Davids

Der hebräische Name des Zeichens lautet Magen David. Das Wort Magen bedeutet Schild, David ist der Name des biblischen Königs. Wörtlich übersetzt heißt das Zeichen also Schild Davids. Schon im Namen ist damit der Gedanke des Schutzes enthalten.

König David ist eine zentrale Gestalt der hebräischen Bibel. Er gilt als Stammvater einer Königslinie, und an seinen Namen knüpfen sich große Hoffnungen der jüdischen Überlieferung. Warum das Hexagramm gerade mit David verbunden wurde, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Quellen geben darüber keine klare Auskunft.

Der Ausdruck Schild Davids ist in der jüdischen Überlieferung zunächst nicht an das Hexagramm gebunden. Er begegnet als Wendung im Gebet, wo Gott als Schild Davids angerufen wird. Die Übertragung des Namens auf die geometrische Figur ist ein späterer Vorgang.

Für das Verständnis des Davidsterns als Schutzzeichen ist der Name dennoch wichtig. Ein Zeichen, das Schild heißt, trägt die Vorstellung der Abwehr in sich. Diese Bedeutung wurde im Lauf der Geschichte besonders in der Verwendung des Hexagramms als Amulett wirksam.

Das Hexagramm vor seiner jüdischen Bedeutung

Die Figur des Hexagramms ist sehr viel älter als ihre Bedeutung als jüdisches Zeichen. Das aus zwei Dreiecken gebildete Sechseck ist eine einfache, klare geometrische Form. Solche Formen entstehen leicht und sind in vielen Kulturen unabhängig voneinander verwendet worden.

In der Antike und im Mittelalter erscheint das Hexagramm als Verzierung und als Zeichen in ganz verschiedenen Zusammenhängen. Es findet sich in der christlichen, in der islamischen und in der jüdischen Welt. Dabei war es zunächst kein Zeichen, das einer einzelnen Religion eindeutig zugeordnet gewesen wäre.

Eine wichtige Rolle spielte das Hexagramm in der Magie und im Amulettwesen. Hier begegnet es häufig zusammen mit dem fünfzackigen Stern. Beide Figuren galten als kraftvolle Zeichen, denen man eine schützende oder bindende Wirkung zuschrieb. In diesem Zusammenhang wurde das Hexagramm über Kulturgrenzen hinweg verwendet.

Daraus folgt eine wichtige Feststellung. Das Hexagramm war über lange Zeit ein allgemein verbreitetes Zeichen und kein besonderes Erkennungszeichen des Judentums. Seine spätere, eindeutige Zuordnung zum Judentum ist das Ergebnis einer geschichtlichen Entwicklung, nicht ein ursprünglicher Zustand.

Der Weg zum jüdischen Zeichen

Der Weg des Hexagramms zum eindeutigen Zeichen des Judentums verlief über mehrere Jahrhunderte. Eine wichtige Station war die jüdische Gemeinde von Prag. Dort wurde das Hexagramm seit dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit als Zeichen der Gemeinde verwendet.

Die Prager Gemeinde führte das Zeichen auf einer Fahne und in ihrem Siegel. Damit wurde das Hexagramm zu einem Erkennungszeichen einer bestimmten jüdischen Gemeinschaft. Von Prag aus verbreitete sich diese Verwendung allmählich weiter, und andere Gemeinden übernahmen das Zeichen.

Auf diese Weise wurde das Hexagramm Schritt für Schritt zu einem jüdischen Zeichen. Es war zunächst das Zeichen einzelner Gemeinden, dann das Zeichen jüdischer Gemeinschaften allgemein. Dieser Vorgang erstreckte sich über lange Zeit und war kein einmaliger Beschluss.

Der entscheidende Schritt zur eindeutigen Zuordnung erfolgte im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit suchte das Judentum nach einem allgemein verständlichen Zeichen, vergleichbar dem Kreuz des Christentums. Das Hexagramm bot sich an, weil es bereits weithin als jüdisches Zeichen bekannt war. So wurde der Magen David zum Zeichen des Judentums insgesamt.

Der Davidstern in Amuletten

Eine wichtige Wurzel des Davidsterns liegt im Amulettwesen. Das Hexagramm wurde über lange Zeit als Schutzzeichen auf Amuletten verwendet. In dieser Verwendung steht es dem Gedanken des Schildes besonders nahe, der ja im Namen Magen David anklingt.

In der jüdischen Tradition gibt es eine reiche Überlieferung von Schutzamuletten. Solche Amulette trugen Gottesnamen, Verse und Zeichen, und unter diesen Zeichen findet sich auch das Hexagramm. Es galt als kraftvolles Zeichen, das Unheil abwehren konnte. Besonders der Schutz von Mutter und Kind bei der Geburt war ein häufiges Anliegen solcher Amulette.

Das Hexagramm war in dieser amuletthaften Verwendung nicht auf das Judentum beschränkt. Es wurde auch mit dem Namen des Königs Salomo verbunden, dem eine besondere Macht über Geister zugeschrieben wurde. Das sogenannte Siegel Salomos konnte sowohl den fünf- als auch den sechszackigen Stern bezeichnen. Hier berühren sich verschiedene Traditionen.

Diese amuletthafte Vergangenheit ist für das Verständnis des Davidsterns aufschlussreich. Sie zeigt, dass das Hexagramm schon lange mit Schutz verbunden war, bevor es zum allgemeinen Zeichen des Judentums wurde. Der Gedanke des Schildes, der Abwehr, gehört damit zur älteren Geschichte des Zeichens.

Das Zeichen des Judentums

Mit dem 19. Jahrhundert wurde der Davidstern endgültig zum Zeichen des Judentums. In dieser Zeit veränderte sich die Stellung der Juden in vielen Ländern Europas. Jüdische Gemeinschaften traten stärker in das öffentliche Leben, und damit wuchs das Bedürfnis nach einem klaren, allgemein verständlichen Zeichen.

Der Davidstern erfüllte dieses Bedürfnis. Er wurde an Synagogen angebracht, die nun oft als sichtbare Gebäude im Stadtbild errichtet wurden. Er erschien auf religiösen Gegenständen, auf Büchern und auf Gemeindesiegeln. Auf diese Weise wurde der Davidstern zum festen, sichtbaren Zeichen jüdischer Gemeinschaften.

Eine besondere Bedeutung erhielt der Davidstern in der zionistischen Bewegung, die im späten 19. Jahrhundert entstand. Diese Bewegung wählte das Hexagramm als ihr Zeichen. Damit wurde der Davidstern über das religiöse Zeichen hinaus auch zu einem Zeichen jüdischer nationaler Hoffnung.

Aus dieser Entwicklung erklärt sich, dass der Davidstern heute auf der Flagge des Staates Israel steht. Das Zeichen, das einst die Prager Gemeinde führte, wurde so zum Zeichen einer weltweiten Gemeinschaft und schließlich eines Staates. Diese Geschichte zeigt, wie ein Zeichen über die Jahrhunderte an Bedeutung gewinnen kann.

Der Davidstern in der neueren Geschichte

Die Geschichte des Davidsterns im 20. Jahrhundert ist von zwei sehr unterschiedlichen Kapiteln geprägt. Das eine ist eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte überhaupt. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurden Jüdinnen und Juden gezwungen, einen gelben Stern in der Form des Davidsterns zu tragen.

Dieser gelbe Stern war ein Zeichen der Ausgrenzung und der Entrechtung. Er kennzeichnete Menschen, um sie der Verfolgung preiszugeben. Damit wurde ein Zeichen, das für die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft stand, gegen die Menschen gewendet, die es trugen. Diese Geschichte ist Teil der Bedeutung des Davidsterns und darf nicht übergangen werden.

Nach der Schoah erhielt der Davidstern eine andere, würdige Stellung zurück. Mit der Gründung des Staates Israel wurde er Bestandteil der Staatsflagge. Aus dem aufgezwungenen Zeichen der Verfolgung wurde wieder ein selbstgewähltes Zeichen der Zugehörigkeit, des Selbstbewusstseins und der Hoffnung.

Der Davidstern trägt damit eine besonders ernste Geschichte. Er ist ein Zeichen des Glaubens und der Gemeinschaft, und er ist zugleich mit der Erinnerung an Verfolgung verbunden. Eine sachliche Darstellung benennt beide Seiten. Sie zeigt den Davidstern als das, was er ist, ein Zeichen von großer Würde und von tiefem geschichtlichem Gewicht.

Bedeutung und Deutung der Form

Die Form des Davidsterns hat im Lauf der Zeit viele Deutungen erhalten. Die beiden ineinandergelegten Dreiecke laden zu solchen Deutungen ein, weil sie ein Zusammenwirken zweier gleicher Teile zeigen. Keine dieser Deutungen ist allerdings als die ursprüngliche und allein gültige belegt.

Eine verbreitete Deutung sieht in den beiden Dreiecken das Zusammenwirken von Himmel und Erde oder von Gott und Mensch. Das nach oben weisende Dreieck steht dann für das eine, das nach unten weisende für das andere. Ihr Ineinandergreifen drückt die Verbindung beider Bereiche aus.

Andere Deutungen heben die sechs Zacken und den mittleren Bereich hervor und ordnen ihnen jeweils eine Bedeutung zu. Auch eine Verbindung mit den Stämmen Israels oder mit Eigenschaften Gottes ist vorgeschlagen worden. Diese Deutungen sind reich und vielfältig, doch sie sind nachträgliche Auslegungen.

Für eine genaue Darstellung ist wichtig, diese Deutungen als das zu kennzeichnen, was sie sind. Sie sind Auslegungen, die der Form einen Sinn geben, nicht ein von Anfang an feststehender Inhalt. Der Davidstern erhielt seine Bedeutung vor allem durch seine Geschichte und seine Verwendung, weniger durch eine einzelne ursprüngliche Deutung der Form.

Heutige Rezeption

Der Davidstern ist heute weltweit als Zeichen des Judentums bekannt. Er steht auf Synagogen, auf der Flagge des Staates Israel und auf zahllosen religiösen und kulturellen Gegenständen. Seine Zuordnung ist eindeutig und allgemein verstanden.

Als getragenes Zeichen ist der Davidstern weit verbreitet. Viele Menschen tragen ihn als Anhänger, als Bekenntnis zu ihrem Glauben, zu ihrer Herkunft und zu ihrer Zugehörigkeit. In dieser Verwendung knüpft das Zeichen an seine alte Bedeutung als Schild Davids an, denn es drückt Verbundenheit und Selbstvergewisserung aus.

Der Davidstern gehört zugleich zu den Zeichen, die mit besonderem Ernst zu behandeln sind. Seine Geschichte umfasst Verfolgung und Hoffnung, Leid und Würde. Wer das Zeichen darstellt, sollte sich dieses Gewichts bewusst sein und ihm mit Respekt begegnen.

Innerhalb der großen Familie der Schutzzeichen nimmt der Davidstern damit eine eigene Stellung ein. Sein Name, der Schild Davids, verbindet ihn mit dem Gedanken des Schutzes, und seine amuletthafte Vergangenheit bestätigt diese Verbindung. Zugleich ist er weit mehr als ein Schutzzeichen geworden, nämlich das umfassende Zeichen einer Religion und einer Gemeinschaft.

Literatur (Auswahl)

  • Gershom Scholem: Das Davidschild. Geschichte eines Symbols (1963)
  • Gerbern Oegema: The History of the Shield of David (1996)
  • Hans Biedermann: Knaurs Lexikon der Symbole (1989)
  • Joseph Gutmann: The Jewish Sanctuary (1983)
  • Lexikon des Judentums, Artikel Magen David

Verwandte Schlüsselbegriffe: Davidstern Magen David Hexagramm Judentum Prag Siegel Salomos Amulett Schild.

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