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Buddha Gautama, Begründer des Buddhismus

Siddhartha Gautama ist als historische Person der Begründer des Buddhismus. Religionswissenschaftlich ist zwischen der biographisch greifbaren Lehrgestalt und der späteren mytho-religiösen Überformung zu unterscheiden.

Während sich Eckpunkte seines Wirkens im Nordostindien des 5. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung verorten lassen, ist seine Lebensbeschreibung in den kanonischen Texten bereits stark hagiographisch durchformt. Die heutige Forschung folgt daher einer doppelten Lesart, die historische Plausibilität und religiöse Bedeutungszuschreibung getrennt behandelt.

Inhaltsverzeichnis

Buddha Gautama - Götter aus der Buddhismus-Tradition, historisch-illustrativ

Historische Person und Datierung

Lange galt die sogenannte «lange Chronologie» mit den Eckdaten 563 bis 483 vor unserer Zeitrechnung als Standard.

Heinz Bechert hat ab den 1980er Jahren in mehreren Bänden («Die Datierung des historischen Buddha», Göttingen 1991 bis 1997) die Quellen kritisch neu gewichtet und die Hinweise auf eine «kurze Chronologie» mit Lebensdaten um 480 bis 400 vor unserer Zeitrechnung verstärkt.

Die internationale Forschung tendiert seither zu einem Sterbedatum zwischen 410 und 380 vor unserer Zeitrechnung. Hans Wolfgang Schumann («Der historische Buddha», Köln 1982) hatte zuvor noch die längeren Daten verteidigt.

Diese Diskussion ist nicht abgeschlossen, sie hat aber methodisch gezeigt, dass die Datierung von der Chronologie der Maurya-Könige, insbesondere Ashokas, abhängt und damit relativ und nicht absolut gesichert ist.

Als biographischer Kern gilt: Siddhartha wurde im Stammesgebiet der Shakya in Lumbini am Südrand des Himalaya geboren, sein Vater Suddhodana war ein Aristokrat oder gewählter Stammesfürst, keine erbliche Königswürde im späteren Sinn. Lumbini liegt im heutigen Nepal nahe der indischen Grenze.

Die Identifikation des Ortes geht auf die Ashoka-Säule von Lumbini zurück, die im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung errichtet wurde und den Geburtsort namentlich bezeichnet. Klaus-Josef Notz («Buddhismus», Stuttgart 2002) bewertet diese Inschrift als das früheste archäologische Zeugnis, das den Buddha mit einem konkreten Ort verbindet.

Die Lebensbeschreibung im Pali-Kanon

Die ausführlichste kanonische Quelle zum Lebensende ist das Mahaparinibbana-Sutta (Digha Nikaya 16). Es schildert die letzten Monate, die Reise von Rajagriha nach Kushinagara und das Sterben zwischen zwei Sala-Bäumen. Der Text gilt als kompositorisch komplex, er verbindet eine Wanderchronik mit Lehrreden und einer Beschreibung der Bestattungsriten.

Andere Texte wie das Ariyapariyesana-Sutta (Majjhima Nikaya 26) berichten in der Ich-Form über die Suche nach Erkenntnis, den Auszug aus dem Elternhaus und den Bruch mit den asketischen Lehrern Alara Kalama und Uddaka Ramaputta.

Der Lalitavistara, ein Sanskrit-Text aus dem 3. bis 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, baut diese Berichte zu einer ausgeschmückten Hagiographie mit kosmischen Wundern aus.

Die berühmten «vier Ausfahrten», bei denen der junge Siddhartha einen Greis, einen Kranken, einen Toten und einen wandernden Asketen sieht, sind im ältesten Schichtenmaterial des Kanons nicht in dieser geschlossenen Form belegt.

Sie verdichten ein theologisches Motiv, das die Konfrontation mit der Vergänglichkeit als Auslöser des Hinausziehens deutet. Edward Conze («Der Buddhismus», Stuttgart 1953) hat darauf hingewiesen, dass es sich um eine narrative Komposition handelt, die ältere Erzählmuster aus der vorbuddhistischen Asketenliteratur aufnimmt.

Lehre und Vier Edle Wahrheiten

Die Predigt von Sarnath, das Dhammacakkappavattana-Sutta (Samyutta Nikaya 56.11), formuliert die vier «Edlen Wahrheiten»: das Dasein ist durch Leiden gekennzeichnet (dukkha), das Leiden hat eine Ursache im Begehren (tanha), das Aufhören des Leidens ist möglich (nirodha), es gibt einen Weg dorthin, den achtgliedrigen Pfad (atthangika-magga).

Die acht Glieder sind rechte Anschauung, rechter Entschluss, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung. Diese Gliederung ist mehrfach im Kanon belegt und gilt als ältester systematischer Lehrkern, der dem historischen Buddha plausibel zugeschrieben werden kann.

Volker Zotz («Geschichte der buddhistischen Philosophie», Reinbek 1996) ordnet die Vier Wahrheiten in die altindische Diagnostik der Heilkunde ein: Symptom, Ursache, Heilbarkeit, Therapie. Dieser medizinische Hintergrund ist im Pali-Kanon mehrfach explizit gemacht, etwa wenn der Buddha sich selbst als «Arzt» bezeichnet. Die Lehre ist damit nicht spekulativ angelegt, sondern auf praktische Befreiung gerichtet.

Sangha und Lehrtätigkeit

Nach der Erleuchtung in Bodh Gaya begann eine Lehrtätigkeit von 45 Jahren, die sich auf das Gebiet von Magadha, Kosala und Videha konzentrierte. Die ältesten Mönchsgemeinschaften entstanden in Sarnath, Rajagriha (Veluvana-Hain) und Shravasti (Jetavana-Hain). Letzteres soll der Kaufmann Anathapindika dem Orden gestiftet haben.

Der Sangha gliederte sich in vier Gruppen: Mönche (bhikkhu), Nonnen (bhikkhuni), männliche und weibliche Laienanhänger. Die Zulassung von Frauen, vermittelt durch Ananda und die Ziehmutter Mahapajapati, ist im Cullavagga (Vinaya-Pitaka) überliefert. Die Forschung sieht darin einen für die altindische Religionsgeschichte ungewöhnlichen Schritt, dessen historische Verlässlichkeit aber umstritten ist.

Symbole, Ikonographie und Reliquien

Die früheste buddhistische Kunst, etwa die Reliefs von Sanchi und Bharhut (2. bis 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung), kennt keine anthropomorphe Buddha-Darstellung.

Symbolisiert wird der Lehrer durch leere Throne, Fußabdrücke, das Rad der Lehre (dharmacakra), den Bodhi-Baum und den Stupa. Erst die Gandhara-Schule im 1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, beeinflusst von hellenistischer Bildhauerei, entwickelt die menschengestaltige Ikonographie.

Die zweiunddreissig «Hauptmerkmale» (mahapurusalaksana) der späteren Texte, darunter die Ushnisha (Schädelwölbung), die Urna (Stirnhaar), verlängerte Ohrläppchen und Lotusabdrücke auf den Fußsohlen, formalisieren die Darstellung. Die Handgesten (mudra) kodieren Lehrsituationen: die Berührung der Erde (bhumisparsha), die Geste der Furchtlosigkeit (abhaya), die der Lehre (dharmacakra) und die der Versenkung (dhyana).

Nach dem Parinirvana wurden die Asche und Knochenreste auf acht Königreiche aufgeteilt und in Stupas beigesetzt. Ashoka soll diese Stupas im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wieder geöffnet und die Reliquien auf 84.000 neue Bauwerke verteilt haben.

Diese Zahl ist symbolisch, der archäologische Befund weist aber auf eine erhebliche Ausweitung des Stupa-Kults unter den Maurya hin.

Wirkung und religiöse Überformung

Im Mahayana-Buddhismus, der ab dem 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entsteht, tritt neben den historischen Buddha eine «dreikörperliche» Lehre (trikaya): der Verwandlungsleib (nirmanakaya), in dem Siddhartha als geschichtliche Person erschien, der Genussleib (sambhogakaya) und der Dharma-Leib (dharmakaya) als zeitlose Wahrheit.

Im Saddharmapundarika-Sutra (Lotus-Sutra, ca. 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) ist Shakyamuni nur eine Erscheinungsform eines vor unermesslichen Zeiten erleuchteten Wesens. Donald Lopez («The Story of Buddhism», San Francisco 2001) zeichnet diese Verschiebung als religionsgeschichtliche Verallgemeinerung nach, in der die einzelne Person zur kosmischen Funktion wird.

Robert Buswell und Donald Lopez («Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014) zeigen, dass die historisch-kritische Buddha-Forschung und die religiöse Buddha-Verehrung im modernen asiatischen Buddhismus weitgehend parallel verlaufen.

Westliche akademische Datierungsdiskussionen wie die von Bechert haben in den traditionellen Klöstern Sri Lankas, Thailands oder Tibets bisher kaum Resonanz gefunden. Wissenschaftlich ist diese Spannung selbst Gegenstand der Forschung, sie führt zur Frage, wie biographische Realität und religiöse Bedeutung in der Tradierung zueinander stehen.

Rezeption in Europa

Die europäische Buddhakenntnis beginnt mit Übersetzungen aus dem Pali und Sanskrit im 19. Jahrhundert. Eugène Burnouf legte mit «Introduction à l’histoire du buddhisme indien» (Paris 1844) das Fundament. Hermann Oldenberg verband mit «Buddha. Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde» (Berlin 1881) Philologie und Religionsgeschichte.

Schopenhauer rezipierte buddhistische Motive über zweite Hand und beeinflusste so weit über die akademische Indologie hinaus. Im 20. Jahrhundert prägt der theravadische Mönch Nyanatiloka (Anton Gueth) die deutschsprachige Buddha-Lehre durch systematische Pali-Übersetzungen. Diese Linie wirkt bis in die heutige akademische und meditationspraktische Auseinandersetzung fort.

Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen: Mahaparinibbana-Sutta (Digha Nikaya 16); Ariyapariyesana-Sutta (Majjhima Nikaya 26); Dhammacakkappavattana-Sutta (Samyutta Nikaya 56.11); Vinaya-Pitaka, Cullavagga; Lalitavistara; Saddharmapundarika-Sutra (Lotus-Sutra).

Sekundärliteratur:

  • Heinz Bechert (Hg.), «Die Datierung des historischen Buddha», 3 Bände, Göttingen 1991 bis 1997.
  • Hans Wolfgang Schumann, «Der historische Buddha», Köln 1982.
  • Klaus-Josef Notz, «Buddhismus», Stuttgart 2002.
  • Volker Zotz, «Geschichte der buddhistischen Philosophie», Reinbek 1996.
  • Edward Conze, «Der Buddhismus», Stuttgart 1953.
  • Donald Lopez, «The Story of Buddhism», San Francisco 2001.
  • Robert Buswell und Donald Lopez, «Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014.
  • Hermann Oldenberg, «Buddha.

Sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde», Berlin 1881.

Frühe Mönchsgemeinschaft und Schulbildung

Die Lehrtätigkeit des Buddha führte bereits zu Lebzeiten zur Bildung einer relativ heterogenen Gemeinschaft. Schon innerhalb der ersten Generation nach dem Parinirvana zeichneten sich unterschiedliche Auslegungspraxen ab, die im sogenannten zweiten Konzil von Vaishali (etwa 100 Jahre nach dem Parinirvana) zu einer ersten Spaltung führten.

Die Theravadins («Lehrer der Älteren») und die Mahasanghikas («Große Gemeinschaft») trennten sich, die Streitpunkte betrafen zehn Disziplinarfragen, darunter den Umgang mit Geld und die Auslegung der Vinaya-Regeln.

Aus den Mahasanghikas gingen über mehrere Jahrhunderte die Vorformen des Mahayana hervor, während die Theravada-Linie sich vor allem in Sri Lanka konsolidierte. Heinz Bechert hat in mehreren Aufsätzen dargestellt, dass diese frühe Schulspaltung methodisch das wichtigste Datierungsproblem der frühen buddhistischen Geschichte berührt, denn sie gibt einen relativen Bezugspunkt für die Lebensdaten des Buddha.

Die Ashoka-Säulen als historische Marker

Die Inschriften des Maurya-Kaisers Ashoka (regierte etwa 268 bis 232 vor unserer Zeitrechnung) sind die ältesten unbestrittenen historischen Zeugnisse der buddhistischen Geschichte.

Sie nennen den Buddha namentlich, beschreiben Pilgerreisen zu seinen Geburts- und Lehrstätten, und sie dokumentieren die kaiserliche Förderung des Sangha. Die Säule von Lumbini (Rummindei-Inschrift, 250 vor unserer Zeitrechnung) markiert den Geburtsort.

Eine weitere Inschrift in Nigali Sagar bezieht sich auf einen früheren Buddha namens Konagamana, was zeigt, dass Ashoka bereits an einer Buddha-Reihe interessiert war, in die Shakyamuni eingebettet ist.

Diese Inschriften sind methodisch zentral, weil sie die Existenz einer organisierten buddhistischen Gemeinschaft und einer Buddha-Geographie im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sicher belegen. Damit ist auch die Existenz der Person Buddha vor diesem Datum gesichert, allerdings ohne dass die genaue Lebensspanne dadurch festgelegt wäre.

Buddhas Lehre über die Götter

Eine in der modernen Forschung oft unterschätzte Frage betrifft Buddhas Haltung zu den Göttern (deva) der vedischen Tradition. Der Pali-Kanon stellt die Götter nicht als nicht-existent dar, sie werden vielmehr in einem hierarchisch gegliederten Kosmos eingeordnet, in dem auch sie der Wiedergeburt und damit dem Leiden unterworfen sind.

Indra (im Pali Sakka), Brahma, die niederen Gottheiten und die Wesen der höheren Welten erscheinen mehrfach im Kanon als Gesprächspartner des Buddha.

Sie sind ihm nicht überlegen, sondern erkennen ihn als ihren Lehrer an. Dieses Verhältnis ist religionsphänomenologisch eigentümlich, der Buddhismus ist weder atheistisch noch theistisch im üblichen Sinn. Klaus-Josef Notz hat diese Konstellation in «Buddhismus» als «atheistische Religion mit Götterwelt» beschrieben. Die Götter haben Funktionen, sie sind aber keine letzten Bezugsgrößen.

Vinaya und Mönchsordnung

Die Disziplinar-Regeln (Vinaya), die das tägliche Leben der Mönche und Nonnen ordnen, werden auf den Buddha selbst zurückgeführt. Tatsächlich ist die Vinaya-Pitaka eine schichtweise gewachsene Sammlung, deren ältester Kern auf die Lehrzeit des Buddha zurückreicht. Die 227 Patimokkha-Regeln für Mönche (311 für Nonnen) regeln Kleidung, Nahrungsaufnahme, Wohnsituation, sexuelle Enthaltsamkeit und das Verhältnis zur Laienschaft.

Sie werden zweimal monatlich in der Uposatha-Versammlung verlesen, was eine kontinuierliche Bewusstseinsbildung über die Disziplin sicherstellt. Diese Praxis ist seit dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung kontinuierlich belegt und stellt damit eine der ältesten religiösen Diziplinarformen der Welt dar.

Die ersten Konzile und die Kodifizierung der Lehre

Unmittelbar nach dem Parinirvana fand der Überlieferung nach in Rajagriha das erste buddhistische Konzil statt, einberufen von Mahakassapa. Ananda rezitierte die Lehrreden (Sutta-Pitaka), Upali die Disziplinarregeln (Vinaya-Pitaka).

Diese Tradition ist im Cullavagga überliefert. Étienne Lamotte («Histoire du bouddhisme indien», Louvain 1958) bewertet die Konzilstradition als nachträgliche Legitimationserzählung, die jedoch einen historisch plausiblen Kern enthält: die Sicherung der mündlich tradierten Lehre durch standardisierte Rezitationen.

Das zweite Konzil in Vaishali (etwa 380 vor unserer Zeitrechnung) behandelte zehn umstrittene Disziplinarpunkte. Das dritte Konzil in Pataliputra unter Ashoka (etwa 250 vor unserer Zeitrechnung) gilt in der Theravada-Tradition als Abschluss der Kanonisierung des Tipitaka.

Die Mahasanghika-Linie kennt diese dritte Versammlung in dieser Form nicht, was die schultypische Geschichtsschreibung bereits in der frühen Phase belegt.

Die endgültige schriftliche Fixierung des Pali-Kanons erfolgte erst auf Sri Lanka unter dem König Vattagamani Abhaya im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Auf dem vierten Konzil in Aluvihara wurden die Texte erstmals auf Palmblättern niedergeschrieben.

Diese Zäsur ist religionshistorisch bedeutend, sie markiert den Übergang von einer reinen Memorialkultur zu einer Schriftkultur. Bis dahin hatten spezialisierte Mönchsgruppen (bhanaka) einzelne Textgruppen auswendig tradiert.

Der Buddha im Vergleich zu zeitgenössischen Lehrern

Der Buddha lebte und wirkte in einer religiös pluralen Phase, die im Pali-Kanon als Zeit der «sechs anderen Lehrer» beschrieben wird. Zu ihnen zählten Mahavira, der Begründer des Jainismus, Makkhali Gosala (Ajivika), Purana Kassapa, Pakudha Kaccayana, Ajita Kesakambali und Sanjaya Belatthiputta. Das Samannaphala-Sutta (Digha Nikaya 2) gibt eine vergleichende Darstellung ihrer Lehren.

Die Forschung hat diese Quellen ausgewertet, um das geistesgeschichtliche Profil der Achsenzeit Indiens zu rekonstruieren. Karl Jaspers ordnete diese Konstellation in seiner «Vom Ursprung und Ziel der Geschichte» (1949) der globalen Achsenzeit zu, in der gleichzeitig in China, Indien, Iran und Griechenland neue philosophische Bewegungen entstanden.

Die Nähe zu Mahavira ist besonders auffällig. Beide lehrten in derselben Region, beide rekrutierten Anhänger aus der Kshatriya-Aristokratie, beide kritisierten den vedischen Opferkult. Padmanabh Jaini («The Jaina Path of Purification», Berkeley 1979) hat die Gemeinsamkeiten und Unterschiede systematisch herausgearbeitet.

Während die Jainas eine strikte Askese und eine quasi-materielle Karmalehre vertraten, formulierte Buddha einen «mittleren Weg» zwischen Sinnenfreude und Selbstkasteiung und ersetzte die substanzielle Seelenlehre durch das anatta-Prinzip.

Die zwölf Hauptmotive der Buddha-Hagiographie

Die spätere Hagiographie kondensierte das Leben des Buddha in zwölf normative Hauptereignisse, die als «zwölf Taten» (mdzad pa bcu gnyis) besonders in der tibetischen Tradition kodifiziert sind.

Sie umfassen den Abstieg aus dem Tushita-Himmel, die Empfängnis, die Geburt, die Kunstfertigkeiten der Jugend, das Heiraten und Reichtum, das Hinausziehen, die Askese, den Sieg über Mara, das Erlangen der Erleuchtung, die Lehrtätigkeit und das Parinirvana.

Diese Standardisierung erfolgte im Mahayana und Vajrayana erst nach dem 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Der Lalitavistara liefert die ausführlichste Vorlage. Steven Collins («Selfless Persons», Cambridge 1982) hat dargelegt, dass diese Kodifizierung eine religionssoziologische Funktion erfüllt: sie schafft ein meditatives Visualisierungsraster, das in Liturgie und Klosterunterricht reproduziert werden kann.

Der Buddha als Lehrer der Götter und Menschen

Im Pali-Kanon trägt der Buddha den Titel «satthadevamanussanam», «Lehrer der Götter und Menschen». Dieser Titel reflektiert die kosmologische Position des Erleuchteten innerhalb des indischen Sechs-Bereiche-Modells (Götter, Halbgötter, Menschen, Tiere, hungrige Geister, Höllenwesen). Auch Indra (Sakka), Brahma Sahampati und niedere Gottheiten gelten als Schüler des Buddha.

Diese Hierarchisierung dient nicht der Polemik gegen den vedischen Götterhimmel, sondern seiner Eingliederung in das buddhistische Schema. Lambert Schmithausen («Buddhism and Nature», Tokyo 1991) verweist auf die «Inklusivismus»-Strategie, die typisch für frühindische religiöse Konkurrenz war.

Auch Mara, der versucherische Antagonist unter dem Bodhi-Baum, wird nicht als ontologisch böses Wesen, sondern als psychisch-kosmische Personifikation der Verstrickung in das Werden gelesen.

Buddhas Sterben und die Cunda-Frage

Das Mahaparinibbana-Sutta berichtet, dass Buddha vor dem Tod eine Speise bei dem Schmied Cunda zu sich nahm, die als «sukara-maddava» bezeichnet wird.

Die Übersetzung ist umstritten: «zartes Schweinefleisch» (Rhys Davids), «Pilze, die Schweine ausgraben» (Walpola Rahula), «junge Bambussprossen». Die Forschung ist sich einig, dass der Buddha nach dieser Mahlzeit eine schwere Bauchkrise erlitt, vermutlich eine bakterielle Lebensmittelvergiftung oder eine Mesenterialinfarkt-Episode.

Der Buddha verteidigte Cunda öffentlich, indem er sagte, dass das Spendenmahl, das einer Erleuchtung vorausgehe, und das Mahl vor dem Parinirvana zwei höchste Verdienste seien.

Diese Geste hat in der Forschung breite Beachtung gefunden, weil sie die Verantwortung für das Sterben des Lehrers symbolisch verschiebt und die Schuldfrage entlastet. Hellmuth Hecker hat in mehreren Aufsätzen zu Cunda den medizinischen und religionsphänomenologischen Aspekt herausgearbeitet.

Häufig gestellte Fragen

Wann hat der historische Buddha gelebt? Die ältere Forschung datierte ihn auf 563 bis 483 vor unserer Zeitrechnung.

Die Untersuchungen von Heinz Bechert haben gezeigt, dass die «kurze Chronologie» mit Lebensdaten um 480 bis 400 vor unserer Zeitrechnung besser zur Quellenlage passt. Die internationale Forschung tendiert heute zu einem Sterbedatum zwischen 410 und 380 vor unserer Zeitrechnung.

Wo ist Buddha geboren? In Lumbini im heutigen südlichen Nepal. Der Ort ist durch eine Ashoka-Säule aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung namentlich identifiziert.

Was ist der Unterschied zwischen historischem Buddha und Buddha im Mahayana? Im Theravada-Buddhismus ist Shakyamuni der historische Lehrer dieses Weltzeitalters. Im Mahayana ist er eine von vielen Manifestationen eines kosmisch verstandenen Buddha-Prinzips. Beide Konzeptionen existieren parallel und werden in der wissenschaftlichen Forschung getrennt diskutiert.

Welche Sprache hat Buddha gesprochen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit eine altindoarische Volkssprache, vermutlich nahe verwandt zum heutigen Magadhi. Das Pali, in dem der älteste Kanon überliefert ist, ist eine literarisch geglättete Form, die mit Magadhi nicht identisch, aber verwandt ist.