Varuna, Wächter der Wahrheit und Herr der Gewässer
Von Ralf Ittermann · zuletzt geprüft am
Varuna ist ein Gott der hinduistischen Tradition.
Hüter des Eides, dessen Schlinge Lug und Meineid bindet. Als Wächter der Wahrheit bindet Varuna mit seiner Schlinge alle, die Eid und Wahrheit brechen. H1 und Titel heben Varuna als vedischen Hüter der kosmischen Ordnung hervor.
Varuna zählt zu den ältesten Göttern Indiens, ein Aditya, Sohn der Göttin Aditi. Im Rigveda wacht er über das Rta, die kosmische Ordnung. Seine Schlinge bindet Eidbrüchige, doch wer seine Schuld bekennt, dem vergibt er.
Mit Indras, Vishnus und Shivas Aufstieg wurde er zum Lokapala des Westens und Herrn der Gewässer.
Typ: Vedischer Ordnungsgott, später Gott der Gewässer
Herkunft: Adityas-Geschlecht
Texte: Rigveda bis Puranas
Zeitraum: ca. 1500 v. Chr. bis heute
Erscheinung: königliche Gestalt mit Schlinge, auf einem Seewesen reitend
Herkunftsraum und Quellen
Zeitraum der Texte
Rigveda bis in die Puranas, der Küstenkult ist bis heute lebendig.
Verbreitungsraum
Der indische Subkontinent, heute vor allem Küsten- und Fischergemeinden.
Belegdichte
Sehr gut: Veden, Epen, Puranas und eine dichte Forschungsliteratur.
Name und Varianten
Sanskrit: Varuna gehört zu den Adityas und trägt den Beinamen Lokapala des Westens. Eine frühere Gleichsetzung mit dem griechischen Uranos gilt heute als unsicher.
Erscheinung und Symbolik
Erscheinung
Varuna thront als König mit goldenem Mantel, sein Zeichen ist die Schlinge Pasha; vierarmig reitet er auf dem Makara.
Wirkung
Meineid zieht seine Fesseln nach sich, doch Bekenntnis löst sie; als Herr der Gewässer schenkt er Regen und Fahrt.
Steckbrief: Varuna
Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick.
Vedischer Hochgott der Adityas.
Eid, kosmische Ordnung, Ozean und Regen.
Königsgestalt mit Schlinge, auf einem Seewesen reitend.
Richter über Eid, Spender von Regen und Fahrt.
Bekenntnis, Tarpana-Opfer, Kokosgabe bei Narali Purnima.
Die Flussgöttin Yamuna, ferner der griechische Poseidon.
Die Schlinge des Eides und der Weg zum Wasser
Die Hymnen des Sehers Vasishtha zeigen Varuna als Richter, der Vergehen kennt, bevor sie ausgesprochen werden: Seine Schlinge bindet den Eidbrüchigen, die Brahmana-Texte nennen die Wassersucht als Strafe.
Mit Indras, Vishnus und Shivas Aufstieg verlor er seinen Rang als Himmelskönig. Lüders sah seinen Sitz von jeher im Wasser, weil dort Eid und Wahrheit wohnen.
Vom Tempelkult zum Motto der Marine
Aus dem Tempelalltag ist Varuna fast verschwunden: Die indische Marine führt das Motto „Sham No Varunah“, an der Konkan-Küste lebt sein Kult im Fest Narali Purnima fort. Populäre Nacherzählungen machen ihn schlicht zum Meeresgott, was seine ältere Rolle als Ordnungshüter verkürzt.
Die Forschung sieht in ihm einen verdrängten Hochgott, der Befund bleibt umstritten.
Bekenntnis, Opfer und die Gabe ans Meer
Die Schutzformen richten sich gegen Varunas Strafe, nicht gegen ihn: Bekenntnis und die Bitte um Lösung der Schlingen, Wasserspenden und die Anrufung vor Seereisen. Bis heute gilt an den Küsten die Kokosgabe bei Narali Purnima, dazu Amulett, Weihwasser und Salz als altes Reinigungsmittel.
Meeresherrscher im Kulturvergleich
Auch der griechische Poseidon beantwortet Frevel mit Sturm, Japans Kappa kennt eigene Regeln am Wasser. Varuna steht als Herr aller Gewässer neben der Flussgöttin Ganga.
Häufige Fragen zu Varuna
Ist Varuna ein Meeresgott?
Erst in zweiter Linie: Im Rigveda ist er vor allem Hüter der Ordnung und des Eides, die Gewässer treten erst später hinzu.
Wird er noch verehrt?
Ja, an Indiens Küsten bei Narali Purnima und als Jhulelal der Sindhi-Hindus.
Weiterführende Verlinkungen
Weiterlesen:
- Hinduismus
- Yamuna, Ganga, Makara – verwandte Wesen
- Amulett, Weihwasser, Salz – Schutzmittel
Literatur (Auswahl)
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Ob als vedischer Gott Varuna gesucht oder als Varuna Gott des Wassers: Gemeint ist derselbe Hüter der Ordnung, dessen Schlinge einst den Eidbrüchigen band.





