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Schwarzer Faden – das schwarze Schutzband gegen den bösen Blick

Der schwarze Faden ist ein schlichtes Schutzband, das in Indien vielen Menschen, besonders kleinen Kindern, um Handgelenk, Hüfte oder Knöchel gelegt wird. Er soll vor dem bösen Blick und vor Unheil bewahren und gehört zu den verbreitetsten Schutzmitteln des Alltags.

SchutzsymbolHinduismusSchutzband
Schwarzer Faden - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der schwarze Faden ist ein einfaches Schutzband aus der Lebenswelt des Hinduismus und des indischen Alltags. Es handelt sich um eine schlichte schwarze Schnur, die um eine Körperstelle gebunden wird.

Getragen wird der schwarze Faden am Handgelenk, am Knöchel oder um die Hüfte. Besonders häufig wird er kleinen Kindern angelegt, die nach verbreiteter Vorstellung als besonders gefährdet gelten.

Die Aufgabe des schwarzen Fadens ist der Schutz. Er soll vor dem bösen Blick bewahren und allgemein Unheil und schädliche Einflüsse vom Träger fernhalten.

Der schwarze Faden steht in enger Verwandtschaft zu anderen Schutzbändern Indiens, vor allem zu farbigen und gesegneten Fäden, die im rituellen Zusammenhang gebunden werden. Im Unterschied zu diesen ist der schwarze Faden meist schlicht und ohne besondere Zeremonie.

Verbreitet ist der schwarze Faden über religiöse Grenzen hinweg. Er wird von hinduistischen Familien getragen, begegnet aber auch in anderen Bevölkerungsgruppen Indiens und gilt dort als allgemeines Schutzmittel.

In der Religionswissenschaft ist der schwarze Faden ein gutes Beispiel für ein einfaches Alltagsschutzmittel. Seine Wirkung beruht weniger auf einer ausgeführten Lehre als auf einer breit geteilten Vorstellung vom Schutz durch das Band und durch die Farbe Schwarz.

Das Band als Schutzmittel

Der schwarze Faden gehört zu den Schutzbändern. Das gebundene Band ist ein Schutzmittel, das in vielen Kulturen begegnet und auch in Indien weit verbreitet ist.

Ein Band wird um eine Körperstelle gelegt und dort geknotet. Dieses Binden ist sinnbildlich gemeint. Es schließt den Träger gleichsam ein und stellt eine geschützte Grenze um ihn her.

Der Knoten spielt dabei eine eigene Rolle. In vielen Vorstellungen gilt der Knoten als ein Mittel, etwas festzuhalten oder etwas abzuwehren. Ein geknotetes Band ist darum mehr als nur eine Schnur.

Das Band wird häufig am Handgelenk getragen, weil diese Stelle sichtbar und leicht zugänglich ist. Bei Kindern wird das Band auch um die Hüfte oder den Knöchel gelegt, wo es unter der Kleidung verborgen bleibt.

Schutzbänder sind in Indien zahlreich. Es gibt gesegnete Fäden, die ein Priester bindet, farbige Bänder zu bestimmten Festen und Bänder, die an Wallfahrtsorten angelegt werden. Der schwarze Faden ist die schlichteste unter diesen Formen.

Der schwarze Faden teilt mit den anderen Schutzbändern den Grundgedanken. Das gebundene Band umschließt den Träger und soll ihn vor schädlichen Einflüssen bewahren. Seine Besonderheit liegt in der Farbe und in seiner schlichten, alltäglichen Verwendung.

Die Bedeutung der Farbe Schwarz

Das auffälligste Merkmal dieses Schutzbandes ist seine Farbe. Anders als die roten oder die gelben Schutzfäden Indiens ist dieser Faden bewusst schwarz.

Die Farbe Schwarz trägt im indischen Zusammenhang eine besondere Bedeutung im Hinblick auf den bösen Blick. Schwarz gilt als die Farbe, die den schädlichen Blick auf sich zieht und ablenkt.

Der Gedanke dahinter ist eine Umlenkung. Der böse Blick richtet sich nach dieser Vorstellung zuerst auf das auffällige schwarze Zeichen und nicht auf das geschützte Kind. Das schwarze Band fängt den Blick gleichsam ab.

Aus demselben Grund wird kleinen Kindern in Indien häufig auch ein schwarzer Punkt aufgetragen, meist an der Wange oder an der Stirn. Auch dieser schwarze Punkt soll den Blick ablenken und den makellosen Eindruck des Kindes leicht stören.

Hinter beidem steht eine gemeinsame Vorstellung. Ein vollkommen schönes, gesundes Kind gilt als besonders gefährdet, weil es Bewunderung und Neid auf sich zieht. Ein kleiner schwarzer Makel lenkt den Blick ab und mindert die Gefahr.

Die Farbe Schwarz ist beim schwarzen Faden also nicht zufällig gewählt. Sie ist Teil des Schutzgedankens. Das Band wirkt nicht nur als gebundenes Band, sondern auch durch seine ablenkende, den Blick auffangende Farbe.

Der schwarze Faden und der böse Blick

Die wichtigste Aufgabe des schwarzen Fadens ist der Schutz vor dem bösen Blick. Dieser Glaube ist in Indien wie in vielen Teilen der Welt verbreitet.

Nach der Vorstellung vom bösen Blick kann ein Blick Schaden verursachen. Häufig wird er mit Neid und mit Missgunst verbunden. Wer etwas mit verletzendem Neid betrachtet, kann ihm nach dieser Vorstellung schaden.

Besonders gefährdet gelten Kinder. Ein gesundes, schönes Kind zieht Bewunderung auf sich, und gerade diese Bewunderung kann nach der Vorstellung in einen schädlichen Blick umschlagen, selbst ohne böse Absicht.

Hier setzt der schwarze Faden an. Er wird Kindern angelegt, um sie vor diesem Blick zu bewahren. Das auffällige schwarze Band soll den Blick ablenken und das Kind unauffälliger erscheinen lassen.

Der Glaube an den bösen Blick und die Mittel gegen ihn bilden ein eigenes, weit verbreitetes Feld der Schutzvorstellungen. Der schwarze Faden gehört in dieses Feld, das auf der Seite zum bösen Blick ausführlicher dargestellt ist.

Der schwarze Faden ist damit eines der einfachsten und zugleich verbreitetsten Mittel gegen den bösen Blick in Indien. Er erfordert keinen Aufwand und keine Zeremonie und steht jeder Familie zur Verfügung.

Der schwarze Faden bei Kindern

Der häufigste Träger des schwarzen Fadens ist das kleine Kind. Vielen Säuglingen und Kleinkindern in Indien wird kurz nach der Geburt ein solches Band angelegt.

Der Grund liegt in der besonderen Verletzlichkeit, die kleinen Kindern zugeschrieben wird. Sie gelten als noch nicht gefestigt und darum als besonders empfänglich für schädliche Einflüsse und für den bösen Blick.

Das Band wird dem Kind meist um das Handgelenk, den Knöchel oder die Hüfte gebunden. An der Hüfte bleibt es unter der Kleidung verborgen und begleitet das Kind unauffällig durch den Tag.

Häufig wird der schwarze Faden mit weiteren Schutzmaßnahmen verbunden. Dazu gehört der erwähnte schwarze Punkt an der Wange oder an der Stirn des Kindes, der ebenfalls den Blick ablenken soll.

Das Anlegen des Bandes ist meist eine Sache der Familie, oft der Mutter oder der Großmutter. Es ist kein Priesteramt erforderlich. Der schwarze Faden gehört damit zur häuslichen, familiären Schutzpraxis.

In dieser Verwendung zeigt sich, dass der schwarze Faden vor allem ein Zeichen der Fürsorge ist. Er drückt die Sorge der Familie um das Wohl des Kindes aus und gibt dieser Sorge eine sichtbare, handgreifliche Gestalt.

Der schwarze Faden und der rote Faden

Der schwarze Faden lässt sich gut im Vergleich mit dem roten Faden verstehen. Beide sind Schutzbänder, doch sie unterscheiden sich in Farbe und in Bedeutung.

Der rote Faden ist in Indien das verbreitete gesegnete Schutzband. Er wird häufig von einem Priester gebunden, an Wallfahrtsorten angelegt oder zu bestimmten Festen vergeben. Rot gilt als günstige, kraftvolle Farbe.

Der rote Faden steht damit eher für den Segen und für die Bindung an das Heilige. Er trägt eine günstige Kraft auf den Träger über. Häufig ist er mit einer Zeremonie und mit einer gesprochenen Formel verbunden.

Der schwarze Faden hingegen ist meist schlicht und ohne Zeremonie. Seine Farbe richtet sich nicht auf den Segen, sondern auf die Abwehr. Schwarz lenkt den bösen Blick ab und fängt ihn auf.

Beide Fäden ergänzen einander. Der eine wirkt durch günstigen Segen, der andere durch abwehrenden Schutz. Manche Kinder tragen darum beide Bänder, das rote und das schwarze, zugleich.

Der Vergleich zeigt, dass die Farbe eines Schutzbandes seine Bedeutung mitbestimmt. Rot und Schwarz stehen für zwei verschiedene Weisen des Schutzes, für den anziehenden Segen und für die ablenkende Abwehr.

Schwarze Schutzbänder über die Kulturen hinweg

Der schwarze Faden lässt sich im größeren Zusammenhang der Schutzbänder betrachten. Das gebundene Band ist ein Schutzmittel, das in vielen Kulturen begegnet.

In zahlreichen Traditionen wird ein Band um Handgelenk oder Knöchel gebunden, um den Träger zu schützen. Die Farben unterscheiden sich, doch der Grundgedanke ist verwandt, der Schutz durch das umschließende, geknotete Band.

Auch die schwarze Farbe als Mittel gegen den bösen Blick ist nicht auf Indien beschränkt. In verschiedenen Kulturen des Mittelmeerraums und des Vorderen Orients gelten dunkle oder auffällige Zeichen als Mittel, den schädlichen Blick abzulenken.

Verwandt ist auch das blaue Augenamulett, das im türkischen und im Mittelmeerraum verbreitet ist. Es wehrt den bösen Blick ab, indem es ihn auffängt. Auf der Seite zum Nazar Boncuğu ist dieses Mittel näher dargestellt.

Der schwarze Faden Indiens und das blaue Auge des Mittelmeerraums folgen einem ähnlichen Gedanken. Ein auffälliges Zeichen zieht den schädlichen Blick auf sich und lenkt ihn vom geschützten Menschen ab.

Der schwarze Faden ist damit die indische Ausprägung eines weltweit verbreiteten Gedankens. Das Schutzband und die ablenkende Farbe verbinden sich in ihm zu einem einfachen, im Alltag fest verankerten Schutzmittel.

Ehrliche Einordnung von Herkunft und Deutung

Bei einem so schlichten und alltäglichen Schutzmittel wie dem schwarzen Faden ist eine ehrliche Einordnung wichtig. Vieles an ihm beruht auf weit verbreiteter Vorstellung, nicht auf festgelegter Lehre.

Der schwarze Faden gehört zur volkstümlichen Schutzpraxis. Er ist nicht in den gelehrten religiösen Texten des Hinduismus festgeschrieben, sondern wird in den Familien überliefert und weitergegeben.

Sein Alter lässt sich nicht genau bestimmen. Das Binden von Schutzbändern ist in Indien sehr alt, doch der schlichte schwarze Faden in seiner heutigen Form ist als einzelner Brauch kaum genau datierbar.

Auch die Deutung der schwarzen Farbe ist nicht streng festgelegt. Die Erklärung, dass Schwarz den Blick ablenkt, ist verbreitet und einleuchtend, doch sie ist eine Deutung des Brauchs und nicht seine einzig mögliche Erklärung.

Der schwarze Faden ist außerdem kein rein hinduistisches Zeichen. Er wird über religiöse Grenzen hinweg verwendet und gehört zur gemeinsamen Schutzkultur des indischen Alltags.

Eine redliche Darstellung benennt den schwarzen Faden darum als das, was er ist, ein einfaches, weit verbreitetes Schutzband des indischen Alltags, dessen Bedeutung in der gelebten Praxis liegt und nicht in einer festgelegten Lehre.

Heutige Rezeption

Der schwarze Faden ist in Indien bis heute außerordentlich gegenwärtig. An vielen Handgelenken und an vielen Kindern ist das schlichte schwarze Band zu sehen.

Gerade weil er einfach und kostengünstig ist, hat sich der schwarze Faden über alle Schichten hinweg gehalten. Er erfordert weder Aufwand noch Zeremonie und steht jeder Familie zur Verfügung.

Auch in der indischen Auswanderung und in den indischen Gemeinschaften außerhalb Indiens wird der schwarze Faden weitergetragen. Er gehört zu den Bräuchen, die mit der Familie über Ländergrenzen hinweg wandern.

In der Gegenwart wird der schwarze Faden teils als bewusste religiöse Schutzpraxis verstanden, teils als selbstverständlicher Brauch, dessen genaue Deutung in den Hintergrund tritt. Beide Haltungen bestehen nebeneinander.

Eine sachliche Darstellung benennt den schwarzen Faden als ein einfaches Schutzband, das vor dem bösen Blick bewahren soll und das vor allem aus Fürsorge für die Kinder angelegt wird.

Der schwarze Faden ist damit ein eindrückliches Beispiel für ein schlichtes Alltagsschutzmittel. In ihm verbinden sich der Schutz durch das gebundene Band, die ablenkende Bedeutung der Farbe Schwarz und die Sorge der Familie um das Wohl des Kindes.

Literatur (Auswahl)

  • Axel Michaels: Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart (1998)
  • Alan Dundes (Hrsg.): The Evil Eye. A Casebook (1981)
  • William Crooke: Religion and Folklore of Northern India (1926)
  • Heinrich von Stietencron: Der Hinduismus (2001)
  • Lawrence A. Babb: The Divine Hierarchy. Popular Hinduism in Central India (1975)

Verwandte Schlüsselbegriffe: schwarzer Faden Schutzband böser Blick Kinder Handgelenk Knoten Farbe Schwarz Hinduismus.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der schwarze Faden gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.