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Der Brakteat – das goldene Schutzmedaillon der Völkerwanderungszeit

Brakteaten sind dünne goldene Anhänger der Völkerwanderungszeit. Mit ihren geprägten Bildern und ihren Runeninschriften gehören sie zu den eindrucksvollsten Schutzobjekten des frühen germanischen Nordens.

Der Brakteat ist ein goldenes Schutzmedaillon der germanischen Völkerwanderungszeit.

SchutzsymbolGermanischApotropäikon
Brakteat - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der Brakteat ist ein dünner, einseitig geprägter Anhänger aus Gold. Solche Brakteaten waren in der Völkerwanderungszeit verbreitet, also in den Jahrhunderten um das Ende der Antike, vor allem im germanischen Norden Europas.

Brakteaten wurden als Schmuck am Körper getragen. Sie hingen an einer Schnur oder Kette und lagen dem Träger auf der Brust. Damit gehören sie zu den getragenen Objekten.

Über den Schmuck hinaus werden die Brakteaten als Schutzobjekte verstanden. Ihre Bilder und ihre Runeninschriften deuten darauf hin, dass ihnen eine schützende und heilende Wirkung zugeschrieben wurde.

Anders als manche Schutzzeichen, deren Alter umstritten ist, sind die Brakteaten genau datierbar. Sie sind echte Funde aus einer bestimmten Epoche und damit ein gut gesichertes Zeugnis.

In der Forschung sind die Brakteaten ein wichtiges und intensiv untersuchtes Gebiet. Eine große Zahl von Stücken ist erhalten und in umfangreichen Werken erfasst und gedeutet worden.

Der Brakteat ist damit ein gut belegtes Schutzobjekt des frühen germanischen Nordens. Er verbindet die Goldschmiedekunst, die Bildkunst und die Runenschrift seiner Zeit zu einem einzigen, getragenen Gegenstand.

Gestalt und Herstellung

Der Brakteat ist eine dünne, runde Scheibe aus Gold. Sein Kennzeichen ist die einseitige Prägung. Nur die Vorderseite trägt ein Bild, die Rückseite bleibt glatt oder zeigt nur den Abdruck der Vorderseite.

Hergestellt wurde der Brakteat, indem ein dünnes Goldblech über ein geschnittenes Model gedrückt oder geprägt wurde. So entstand das erhabene Bild auf der Vorderseite.

Am Rand wurde der Brakteat häufig mit einer kunstvoll gestalteten Einfassung versehen. Diese Randzone konnte aus mehreren Zonen von Mustern und Verzierungen bestehen.

Zum Tragen wurde am Brakteaten eine Öse angebracht. Durch diese Öse lief die Schnur oder die Kette. Der Brakteat war damit von vornherein als Anhänger gestaltet.

Das Material war Gold, ein kostbarer Stoff. Brakteaten waren damit keine billige Massenware, sondern wertvolle Stücke. Sie wurden von Menschen getragen, die sich solchen Schmuck leisten konnten.

Die Brakteaten sind damit Erzeugnisse einer hochentwickelten Goldschmiedekunst. Ihre feine Prägung und ihre kunstvollen Ränder zeugen vom hohen Können der Handwerker der Völkerwanderungszeit.

Vorbild und eigene Bildwelt

Die Brakteaten gingen aus einem Vorbild hervor, das aus der römischen Welt stammte. Die spätrömischen Kaiser ließen goldene Medaillons prägen, die als Zeichen der Auszeichnung und der Verbindung verschenkt wurden.

Solche kaiserlichen Medaillons gelangten in den germanischen Norden. Dort wurden sie als kostbar und bedeutungsvoll empfunden und nachgeahmt.

Doch die germanischen Goldschmiede ahmten das Vorbild nicht einfach nach. Sie verwandelten es. Aus dem kaiserlichen Medaillon mit dem Bild des Herrschers wurde der einseitige Brakteat mit einer eigenen Bildwelt.

Diese eigene Bildwelt löste sich vom römischen Vorbild. Das Kaiserbild wurde umgedeutet und in neue Zusammenhänge gestellt. Es entstanden Bildtypen, die der germanischen Vorstellungswelt entsprachen.

Der Brakteat ist damit ein gutes Beispiel für eine schöpferische Übernahme. Ein fremdes Vorbild wurde aufgegriffen, doch es wurde nicht kopiert, sondern in etwas Eigenes verwandelt.

In dieser Verwandlung zeigt sich die Eigenständigkeit der germanischen Kunst der Völkerwanderungszeit. Sie nahm Anregungen auf und formte daraus eine eigene, unverwechselbare Bildsprache.

Die Bilder der Brakteaten

Die Bilder auf den Brakteaten sind vielfältig, und ihre Deutung gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Forschung. Häufig erscheint ein menschlicher Kopf, daneben treten Tiere und weitere Bildelemente auf.

Ein verbreiteter Bildtyp zeigt einen Kopf über einem vierbeinigen Tier, oft begleitet von einem Vogel. Dieser Bildtyp wird in der Forschung vielfach mit dem Gott Odin in Verbindung gebracht.

Die Deutung stützt sich auf die nordische Überlieferung. Odin ist mit Pferden, mit Vögeln und mit der Heilkunst verbunden. Eine Szene mit Kopf, Pferd und Vogel lässt sich darum auf Odin und sein heilendes Wirken beziehen.

Diese Deutung verbindet die Brakteaten mit einer bekannten Überlieferung. Es gibt einen alten germanischen Zauberspruch, der von der Heilung eines verletzten Pferdes durch göttliches Eingreifen erzählt. Manche Brakteatenbilder lassen sich mit diesem Heilungsgedanken verbinden.

Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass solche Deutungen nicht in jedem Punkt gesichert sind. Die Brakteaten zeigen Bilder ohne erklärenden Text. Vieles muss aus der Überlieferung und aus dem Vergleich erschlossen werden.

Sicher ist, dass die Bilder der Brakteaten bedeutungsvoll waren. Sie waren keine bloße Verzierung, sondern trugen einen Sinn, der mit den Göttern, mit der Heilung und mit dem Schutz zu tun hatte.

Runeninschriften auf Brakteaten

Viele Brakteaten tragen neben dem Bild auch eine Runeninschrift. Diese Inschriften sind für das Verständnis der Brakteaten von großer Bedeutung.

Ein Teil dieser Runeninschriften ist gut lesbar und verständlich. Es werden Namen genannt, etwa der Name des Herstellers oder des Besitzers. Solche Inschriften verbinden den Brakteaten mit einer bestimmten Person.

Andere Inschriften sind kürzer und schwerer zu deuten. Verbreitet ist eine kurze Runenfolge, die auf mehreren Brakteaten und auch auf anderen Gegenständen erscheint. Sie wird mit dem Bereich des Schutzes und der Abwehr in Verbindung gebracht.

Manche Inschriften wirken wie Formeln, deren genaue Bedeutung sich nicht erschließen lässt. Es ist möglich, dass ihnen gerade als Formel, unabhängig vom wörtlichen Sinn, eine schützende Kraft zugeschrieben wurde.

Die Runeninschriften verbinden den Brakteaten mit der Welt der Schutzrunen. Auf der Seite zu den Schutzrunen ist die schützende Verwendung von Runen näher dargestellt.

Bild und Runeninschrift bilden auf dem Brakteaten eine Einheit. Beide trugen zur Bedeutung des Anhängers bei. Der Brakteat war damit ein Schutzobjekt, das die Kraft des Bildes und die Kraft des geschriebenen Wortes verband.

Schutz und Heilung

Die Brakteaten werden als Schutzobjekte verstanden. Ihre Bilder, ihre Runen und ihre getragene Form deuten darauf hin, dass ihnen eine schützende und heilende Wirkung zugeschrieben wurde.

Die Verbindung mehrerer Bildtypen mit dem Gott Odin und mit dem Gedanken der Heilung legt nahe, dass die Brakteaten besonders mit dem Bereich der Heilung verbunden waren. Sie sollten ihren Träger gesund erhalten oder seine Genesung fördern.

Daneben kommt der allgemeine Schutzgedanke in Betracht. Ein getragener goldener Anhänger mit göttlichen Bildern und schützenden Runen sollte seinen Träger vor Unheil bewahren.

Die Brakteaten waren damit nicht nur kostbarer Schmuck. Sie waren Schmuck und Schutzobjekt zugleich. Der hohe Wert des Goldes und die schützende Bedeutung schlossen einander nicht aus.

Diese Verbindung von Schmuck und Schutz ist bei getragenen Objekten häufig. Auch das mesopotamische Zylindersiegel war Werkzeug und Amulett zugleich. Der Brakteat ist Schmuck und Schutzobjekt zugleich.

Der Brakteat zeigt damit, dass die germanische Welt der Völkerwanderungszeit eine reiche Schutzpraxis kannte. Diese Praxis verband die Goldschmiedekunst, die Bildwelt der Götter und die Runenschrift zu einem getragenen Schutzobjekt.

Fundkontexte und Verbreitung

Brakteaten sind in großer Zahl gefunden worden. Ihre Fundorte verteilen sich über Skandinavien und den germanisch besiedelten Norden Europas. Auch in weiteren Gebieten sind Brakteaten zutage gekommen.

Häufig wurden Brakteaten in Hortfunden entdeckt. Ein Hort ist eine Ansammlung von Wertgegenständen, die in der Erde niedergelegt wurde. Brakteaten gehören oft zu solchen vergrabenen Schätzen.

Warum die Horte niedergelegt wurden, ist nicht in jedem Fall klar. Manche wurden in unsicheren Zeiten zur Sicherung vergraben, andere können als Gabe an die Götter niedergelegt worden sein.

Auch in Gräbern sind Brakteaten gefunden worden. Im Grab begleitete der goldene Anhänger den Verstorbenen. Damit zeigt sich, dass der Brakteat auch über den Tod hinaus von Bedeutung war.

Die Völkerwanderungszeit, in der die Brakteaten entstanden, war eine Zeit großer Bewegungen und Umbrüche. Die weite Verbreitung der Brakteaten und ihrer Bildtypen spiegelt die Verbindungen dieser bewegten Epoche.

Die Fundkontexte machen die Brakteaten zu einer wertvollen Quelle. Gemeinsam mit ihren Bildern und Inschriften geben sie Einblick in die Kultur, die Religion und die Schutzvorstellungen des frühen germanischen Nordens.

Die Brakteaten in der Forschung

Die Brakteaten gehören zu den am gründlichsten erforschten Objektgruppen der germanischen Frühgeschichte. Eine große Zahl von Stücken ist in umfangreichen wissenschaftlichen Werken erfasst und beschrieben worden.

Diese gründliche Erfassung erlaubt es, die Brakteaten zu ordnen. Die Forschung unterscheidet verschiedene Bildtypen und kann die Stücke zeitlich und räumlich einordnen.

Die Deutung der Brakteatenbilder ist ein eigenes, lebhaftes Forschungsfeld. Über die genaue Bedeutung einzelner Bilder und Inschriften wird diskutiert, und nicht jede Frage ist abschließend geklärt.

Diese Diskussionen sind kein Mangel, sondern Ausdruck der Sorgfalt. Die Brakteaten zeigen Bilder ohne erklärenden Text, und so muss die Deutung mit Bedacht und mit dem Vergleich vieler Stücke erfolgen.

Was als gesichert gelten kann, ist die Grundbestimmung. Die Brakteaten sind getragene Goldanhänger der Völkerwanderungszeit, sie tragen bedeutungsvolle Bilder und oft Runeninschriften, und ihnen wurde eine schützende Bedeutung zugeschrieben.

Die Brakteaten sind damit ein Beispiel für ein gut erforschtes, sicher datiertes Schutzobjekt. Anders als bei manchen Zeichen, deren Alter umstritten ist, steht bei den Brakteaten die Zeitstellung fest.

Heutige Rezeption

Die Brakteaten sind heute vor allem Kennern der germanischen Frühgeschichte bekannt. In der Forschung sind sie ein wichtiges Gebiet, in der breiten Öffentlichkeit sind sie weniger geläufig als etwa der Thorshammer.

In den Sammlungen mehrerer Museen, besonders in Skandinavien, sind Brakteaten zu sehen. Ihre feine Goldarbeit und ihre rätselhaften Bilder machen sie zu eindrucksvollen Ausstellungsstücken.

Für die Erforschung der germanischen Religion und Kunst sind die Brakteaten von großem Wert. Sie gehören zu den wichtigsten Bildquellen für die Zeit, bevor die nordische Mythologie schriftlich festgehalten wurde.

Die Brakteaten zeigen, dass der germanische Norden lange vor der Wikingerzeit eine reiche Schutz- und Bildkultur besaß. Sie sind ein Zeugnis aus einer frühen, oft wenig bekannten Epoche.

Als Schmuck werden Nachbildungen von Brakteaten gelegentlich getragen, meist von Menschen mit einem besonderen Interesse an der germanischen Frühgeschichte.

Der Brakteat bleibt damit ein eindrückliches Beispiel für ein frühes germanisches Schutzobjekt. Er verbindet das kostbare Gold, die Bildwelt der Götter und die Runenschrift und gehört zu den am besten bezeugten Schutzanhängern des alten Nordens.

Literatur (Auswahl)

  • Wilhelm Heizmann, Morten Axboe (Hrsg.): Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit (2011)
  • Karl Hauck: Goldbrakteaten aus Sievern (1970)
  • Klaus Düwel: Runenkunde (2008)
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (2006)
  • Morten Axboe: Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit. Herstellungsprobleme und Chronologie (2004)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Brakteat Goldbrakteat Völkerwanderungszeit Odin Runeninschrift Hortfund Goldanhänger germanisch.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der Brakteat gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.