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Hawaiische Götter, Pele und die Geisterwelt Hawaiis

Die polynesischen Bewohner Hawaiis, vermutlich ab dem 11. bis 13. Jahrhundert von den Gesellschaftsinseln und Marquesas aus besiedelt, entwickelten mit dem Kapu-Regelsystem, der Vulkangöttin Pele und den Schutzgeistern der Familien, den Aumakua, eine eigenständige religiöse Tradition. Nach dem Sturz des Kapu-Systems 1819 und der Missionierung ab 1820 erlebt sie seit der Hawaiian Renaissance der 1970er Jahre eine anhaltende kulturelle Wiederbelebung.

Die hawaiische Geisterwelt ist eng mit Vulkan, Meer und den Ahnen der Familien verbunden.

Beaivi - Götter aus der Sami-Tradition, historisch-illustrativ

Die hawaiische Aumakua-Verehrung bildet neben dem Kult der großen Akua-Götter das Rückgrat der hawaiischen Religion.

Die hawaiischen Götter gliedern sich in die vier Hauptgötter um Kū, Kāne, Lono und Kanaloa, die Pele-Familie der Vulkan- und Schneegöttinnen sowie Wind- und Meeresgottheiten wie Kamohoaliʻi. Noch heute werden sie in Hawaii lebendig gepflegt.

Hawaiische Sprache und Besiedlungsgeschichte

Hawaiisch (ʻŌlelo Hawaiʻi) gehört zum polynesischen Zweig der austronesischen Sprachfamilie. Nach aktueller archäologischer Forschung wurde Hawaii frühestens um 1000 bis 1200 n. Chr. von Seefahrern aus dem zentralen Ost-Polynesien, vermutlich den Gesellschaftsinseln und Marquesas, besiedelt, deutlich später als früher angenommen.

Die Inselgesellschaft gliederte sich in erbliche Häuptlingsränge (Aliʻi), deren Status eng mit dem Kapu-Regelsystem und dem Konzept des Mana, einer übernatürlichen Kraft, verbunden war. 1778 erreichte der britische Seefahrer James Cook die Inseln, 1819 hoben König Kamehameha II. (Liholiho) und die Regentin Kaʻahumanu das Kapu-System auf (ʻAi Noa), 1820 begannen protestantische Missionare aus den USA mit systematischer Christianisierung.

Vulkan und Meer ordnen die Götterwelt Hawaiis, in der Erde und den Kratern die Feuergöttin Pele, im Wasser Gottheiten wie Kamohoaliʻi. Die Hawaiian Renaissance hält dieses Wissen bis heute lebendig.

Akua und Aumakua, Götter und Ahnengeister

Akua bezeichnet die Götter im engeren Sinn, allen voran die vier Hauptgottheiten Kū (Krieg und Politik), Kāne (Leben und Schöpfung), Lono (Fruchtbarkeit und Frieden) und Kanaloa (Meer). ʻAumākua dagegen sind vergöttlichte Ahnengeister einzelner Familien, die häufig in Tiergestalt erscheinen, etwa als Hai, als Pueo-Eule oder als Oktopus, und als Mittler zwischen Familie und den großen Akua gelten.

ʻAumākua warnen der Überlieferung nach vor Gefahr, erscheinen in Träumen und ahnden Fehlverhalten, gelten aber vor allem als persönliche und familiäre Schutzmächte im Alltag. Diese Vorstellung bleibt bis heute Teil hawaiischer Identität und Erzähltradition.

Das Kapu-System und seine Aufhebung 1819

Kapu bezeichnete ein umfassendes Tabu- und Verbotssystem, das rituelle Reinheit, soziale Ordnung und den Status der Aliʻi regelte. Bekannt ist vor allem das ʻAi Kapu, die getrennte Einnahme von Mahlzeiten durch Männer und Frauen sowie das Verbot bestimmter Speisen, etwa Schweinefleisch oder Bananen, für Frauen. Verstöße konnten mit dem Tod geahndet werden.

1819 hoben König Kamehameha II. und die einflussreiche Regentin Kaʻahumanu das Kapu-System durch das demonstrative gemeinsame Essen von Männern und Frauen auf, bekannt als ʻAi Noa, „freies Essen“. Konservative Kräfte leisteten in der Schlacht von Kuamoʻo Widerstand, unterlagen jedoch. Die formale Aufhebung wirkte sozial und religiös noch lange nach.

Pele, die Vulkangöttin, und ihre Familie

Pele, Göttin des Vulkans, gilt als Bewohnerin des Kraters Halemaʻumaʻu am Kīlauea. Der Wanderungsmythos erzählt von ihrer Flucht aus der mythischen Heimat Kahiki, verfolgt von ihrer älteren Schwester, der Meeresgöttin Nāmaka, mit der sie in Rivalität steht; mehrere gescheiterte Versuche, auf anderen Inseln Feuer zu entfachen, gehen dieser Überlieferung nach der endgültigen Ansiedlung auf Hawaii voraus.

Zu Peles Geschwistern zählen die für Hula und Heilkunst bekannte Hiʻiaka sowie der Hai-Gott Kamohoaliʻi. Als ihre Rivalin gilt Poliahu, die Schneegöttin des Mauna Kea, in deren Mythos ein Schlittenwettkampf endet, bei dem Pele Lava freisetzt und Poliahu sie mit Schnee und Eis eindämmt, gedeutet als Sinnbild des Gegensatzes von Feuer und Schnee.

Häufige Fragen zur hawaiischen Tradition

Wer ist Pele?

Pele ist die Vulkangöttin Hawaiis, die der Überlieferung nach im Krater Halemaʻumaʻu am Kīlauea wohnt. Sie gilt als mächtige, launische Gestalt und ist bis heute fester Bestandteil hawaiischer Erzähltradition und Kunst.

Was ist der Unterschied zwischen Akua und Aumakua?

Akua sind Götter im engeren Sinn, etwa die vier Hauptgötter Kū, Kāne, Lono und Kanaloa. ʻAumākua sind dagegen vergöttlichte Ahnengeister einzelner Familien, die oft in Tiergestalt erscheinen und als persönliche Schutzmächte gelten.

Was waren die Night Marchers?

Die Night Marchers, Huakaʻi Pō, sind Geisterprozessionen verstorbener Krieger und Häuptlinge, die der Überlieferung nach nachts auf alten Pfaden ziehen. Der Volksglaube rät, sich bei einer Begegnung flach auf den Boden zu legen und keinen Blickkontakt zu suchen.

Was war das Kapu-System?

Kapu war ein umfassendes Tabu-System, das rituelle Reinheit und soziale Ordnung regelte, unter anderem die getrennte Nahrungsaufnahme von Männern und Frauen. Es wurde 1819 unter König Kamehameha II. und der Regentin Kaʻahumanu offiziell aufgehoben.

Night Marchers, die Geisterprozessionen der Krieger

Die Night Marchers, Huakaʻi Pō, sind Geisterprozessionen verstorbener Krieger und Häuptlinge, die der Überlieferung nach vor allem in Nächten bestimmter Götter, etwa Kū, Kāne, Lono oder Kanaloa, auf alten Pfaden ziehen, begleitet von Fackeln, Trommeln und Muschelhörnern.

Der Volksglaube rät bei einer Begegnung dringend zu Respekt, Blickkontakt gilt als gefährlich, empfohlen wird, sich flach mit dem Gesicht zum Boden hinzulegen; Rettung ist der Überlieferung nach möglich, wenn ein anwesender Ahne den Betroffenen als Nachfahren erkennt. Die Night Marchers bleiben bis heute lebendiger Bestandteil hawaiischer Erzähltradition.

Poliahu, Waiau, Lilinoe und die Schwestern des Mauna Kea

Poliahu, Göttin des Schnees auf dem Mauna Kea, gilt als Rivalin Peles und wird gemeinsam mit weiteren Schwestern verehrt. Waiau, die jüngste dieser Gestalten, verkörpert den hoch gelegenen Kratersee Lake Waiau und wacht der Überlieferung nach über Poliahu, Lilinoe verkörpert den Nebel des Berges, oft als Peles Haar aus Nebel gedeutet, Kahoupokāne wird ebenfalls zu diesem Kreis der Bergschwestern gezählt und mit dem Berg Hualālai in Verbindung gebracht.

Diese Gruppe von Schneegöttinnen des Mauna Kea steht in der mündlichen Überlieferung im Gegensatz zur Feuergöttin Pele des Südens der Insel Hawaii, ein Motiv, das den geografischen Gegensatz von Schnee und Lava auf derselben Insel widerspiegelt.

Missionierung, Verdrängung und Hawaiian Renaissance

Nach der Aufhebung des Kapu-Systems 1819 setzte ab 1820 eine intensive protestantische Mission ein, die traditionelle Götterverehrung wurde zurückgedrängt, die hawaiische Sprache im öffentlichen Leben und Schulwesen im späteren 19. und 20. Jahrhundert stark verdrängt, verstärkt nach dem Sturz des Königreichs Hawaii 1893.

Seit den 1970er Jahren trägt die Hawaiian Renaissance zu einer sichtbaren kulturellen und sprachlichen Wiederbelebung bei, mit hawaiischsprachigen Immersionsschulen, der Pflege von Hula und traditioneller Navigation sowie einem erneuerten öffentlichen Interesse an Pele, den Aumakua und weiteren Gestalten der Überlieferung. Grundlegende wissenschaftliche Werke stammen von Martha Warren Beckwith, Mary Kawena Pukui sowie den hawaiischen Gelehrten David Malo und Samuel Kamakau im 19. Jahrhundert.

Ein Inselreich mit vielfältigen lokalen Traditionen

Hawaii besteht aus mehreren großen und zahlreichen kleineren Inseln, die vor der politischen Einigung durch Kamehameha I. um 1810 über Jahrhunderte eigenständige Häuptlingstümer bildeten. Diese politische Vielfalt spiegelte sich in unterschiedlichen lokalen Ausprägungen der Götterverehrung, etwa in der besonderen Bedeutung Peles und ihrer Familie auf der Insel Hawaii mit ihren aktiven Vulkanen.

Auch die Schwestern des Mauna Kea, Poliahu, Waiau, Lilinoe und Kahoupokāne, sind vor allem mit dieser einen Insel und ihrem höchsten Berg verbunden, während andere Gestalten, etwa der Windgott-Komplex um Lāʻamaomao und ihren Nachfahren Pākaʻa, in Erzählungen verortet sind, die sich über mehrere Inseln erstrecken.

Die genealogische Tiefe des hawaiischen Adels, der Aliʻi, band religiöse Autorität eng an einzelne Familien und Orte, sodass auch die Verehrung der familiären Aumakua von Ort zu Ort und Abstammungslinie zu Abstammungslinie unterschiedlich ausgeprägt war. Pauschale Aussagen über „die hawaiische Religion“ verdecken deshalb eine erhebliche innere Vielfalt.

Gemeinsam war den Inseln jedoch die Verehrung der vier Hauptgötter Kū, Kāne, Lono und Kanaloa, das Kapu-Ordnungssystem und die Vorstellung persönlicher, familiärer Schutzgeister, der Aumakua. Auch diese gemeinsamen Elemente sind in den Quellen regional unterschiedlich bezeugt.

Akua, Aumakua und die Mächte des hawaiischen Weltbildes

Im Zentrum der hawaiischen Götterwelt stehen die vier Hauptgötter Kū, zuständig für Krieg und Politik, Kāne für Leben und Schöpfung, Lono für Fruchtbarkeit und Frieden, sowie Kanaloa für das Meer. Ihnen zur Seite stehen zahlreiche weitere Akua sowie halbgöttliche Heldenfiguren, die in einzelnen Familien- oder Ortsüberlieferungen eine wichtige Rolle spielen.

Eine eigene Kategorie bilden die ʻAumākua, vergöttlichte Ahnengeister, die häufig in Tiergestalt erscheinen, etwa als Hai, Eule oder Oktopus, und als persönliche Schutzmächte einzelner Familien gelten. Sie warnen der Überlieferung nach vor Gefahr, erscheinen in Träumen und ahnden respektloses Verhalten.

Die Pele-Familie nimmt eine besondere Stellung ein, die Vulkangöttin Pele mit ihren Geschwistern, darunter der Hai-Gott Kamohoaliʻi und die Meeresgöttin Nāmaka, sowie ihre Rivalin Poliahu mit den Schwestern des Mauna Kea, Waiau, Lilinoe und Kahoupokāne. Wind und Meer haben eigene Gottheiten, etwa Lāʻamaomao mit ihrer legendären Wind-Kalebasse und der Held Pākaʻa als deren Nachfahre.

Die Toten und die Ahnen haben in den Night Marchers, den nächtlichen Geisterprozessionen verstorbener Krieger, ihren eigenen, bis heute in der mündlichen Überlieferung präsenten Platz.

Über die genaue Systematik dieses Pantheons besteht keine vollständige Einigkeit, weil die vorkoloniale Religion nur mündlich überliefert war und schriftliche Aufzeichnungen erst mit hawaiischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts wie David Malo und Samuel Kamakau sowie mit der vergleichenden Forschung Martha Warren Beckwiths im 20. Jahrhundert einsetzten.

Die Quellen: hawaiische Chronisten und vergleichende Mythenforschung

Die früheste schriftliche Überlieferung zur hawaiischen Religion stammt in wesentlichen Teilen von hawaiischen Gelehrten selbst, die im 19. Jahrhundert nach der Einführung der Schrift durch amerikanische Missionare ihr eigenes Wissen aufzeichneten, nicht allein von außenstehenden Beobachtern.

Zentral ist David Malo mit seinem Werk Moʻolelo Hawaiʻi, englisch Hawaiian Antiquities, das als eine der wichtigsten hawaiischen Innenperspektiven auf die vorkoloniale Gesellschaft gilt. Der Historiker Samuel Kamakau ergänzte dies um umfangreiche Aufzeichnungen zur vorkolonialen Geschichte und Gesellschaft.

Im 20. Jahrhundert leistete die Ethnologin Martha Warren Beckwith mit ihrem 1940 erschienenen Standardwerk Hawaiian Mythology eine systematische, vergleichend polynesische Einordnung der überlieferten Mythen. Die Sprachwissenschaftlerin und Kulturbewahrerin Mary Kawena Pukui trug mit sprachlicher und ethnografischer Forschung, unter anderem einem grundlegenden hawaiisch-englischen Wörterbuch, wesentlich zum Erhalt des Wissens bei.

Eine eigene Quellengattung bilden mündlich überlieferte Heldenerzählungen (moʻolelo) wie die um Pākaʻa und die Wind-Kalebasse seiner Verwandten Lāʻamaomao, die erst spät schriftlich fixiert wurden und deren mündliche Varianten sich teils erheblich unterscheiden.

Forschende betonen, dass die Rekonstruktion der vorkolonialen hawaiischen Religion auf einem Zusammenspiel hawaiischer Innenperspektiven und späterer vergleichender Forschung beruht und deshalb ein differenzierteres Quellenbild bietet als in vielen anderen kolonisierten Regionen, in denen überwiegend Außenperspektiven überliefert sind.

Kapu-Sturz, Mission und Hawaiian Renaissance

Nach der Ankunft des britischen Seefahrers James Cook 1778 intensivierte sich der Kontakt Hawaiis mit dem Westen rasch, verbunden mit eingeschleppten Krankheiten, die die einheimische Bevölkerung stark dezimierten. 1819 hoben König Kamehameha II. und die Regentin Kaʻahumanu das Kapu-System durch das ʻAi Noa auf, konservative Kräfte unterlagen in der Schlacht von Kuamoʻo.

Bereits 1820 trafen die ersten protestantischen Missionare aus den USA ein und begannen mit systematischer Christianisierung, Verschriftlichung der hawaiischen Sprache und dem Aufbau eines Schulwesens. Die traditionelle Götterverehrung wurde zurückgedrängt, blieb aber in Familientraditionen, mündlicher Erzählung und im Volksglauben, etwa um Pele oder die Night Marchers, in Teilen erhalten.

1893 wurde das Königreich Hawaii gestürzt, 1898 annektierten die USA die Inseln, im 20. Jahrhundert wurde die hawaiische Sprache im öffentlichen Leben und in Schulen zeitweise stark unterdrückt, die Sprecherzahl sank drastisch.

Seit den 1970er Jahren trägt die als Hawaiian Renaissance bekannte Bewegung zu einer breiten kulturellen und sprachlichen Wiederbelebung bei, sichtbar in hawaiischsprachigen Immersionsschulen, der Pflege von Hula und traditioneller Navigation, etwa durch die Fahrten des Doppelrumpfkanus Hōkūleʻa, sowie einem erneuerten öffentlichen und wissenschaftlichen Interesse an Pele, den Aumakua und weiteren Gestalten der Überlieferung.

Diese Wiederbelebung ist eng mit einer politischen Souveränitätsbewegung verbunden. Gleichzeitig bleibt die hawaiische Religion für viele Menschen auf den Inseln Teil einer gelebten, sich wandelnden kulturellen und teils religiösen Identität, nicht allein Gegenstand historischer Betrachtung.

Die Pele-Familie verbindet Vulkan, Schnee und Meer zu einer bis heute lebendigen Erzähl- und Schutztradition, in der die als Aumakua-Ahnengeister bekannten Familienschutzgeister im Alltag Warnung und Beistand bieten.

Verwandte Schlüsselbegriffe: Pele Aumakua Akua Kapu Kāne Kanaloa Kū Lono Mauna Kea Hawaii.

Schutzobjekte in dieser Kulturtradition

Die hawaiische Tradition kennt geflochtene Lei als Zeichen von Respekt und Segen, den Kapu-geprägten Umgang mit heiligen Orten und Objekten sowie die Vorstellung familiärer Aumakua-Schutzgeister; tragbare Amulette im europäischen Sinn sind seltener bezeugt als diese rituellen, orts- und familiengebundenen Schutzformen, vergleichbar allenfalls mit Gebeten oder Talismanen anderer Kulturen. Einen Überblick über Schutzobjekte verschiedener Traditionen bietet der Schutz-Kompass.

iWell Guard fügt sich in diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte ein, in zeitgenössischer Materialarchitektur, gefertigt in Deutschland. 41 Ebenen, Echtgold, Platin, Silber. 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.