Die Meliai sind Geister der griechischen Tradition.
Eschennymphen aus dem Blut des Uranos.
Die Meliai sind die Eschennymphen der griechischen Mythologie. Nach Hesiod entstanden sie aus den Blutstropfen des entmannten Himmelsgottes Uranos und gehören damit zur ältesten Wesensschicht des griechischen Mythos.
Ihr Name verbindet den Baum, griechisch melia, die Esche, mit einem auffallend düsteren Ursprung: Aus demselben Blut gingen die Erinyen und die Giganten hervor. Von den Dryaden der Eichen unterscheidet die Meliai damit nicht nur der Baum, sondern der Stammbaum.
Typ: Eschennymphen, an ihren Baum gebundene Geistwesen
Herkunft: Griechenland, besonders Böotien und Kreta
Texte: Hesiods Theogonie und Werke und Tage, Kallimachos, Pindar, Scholien
Zeitraum: ca. 700 v. Chr. bis Spätantike
Erscheinung: Frauengestalten, an Eschen gebunden
Die früheste und maßgebliche Quelle ist Hesiods Theogonie um 700 v. Chr.; die Überlieferung reicht über Pindar und Kallimachos bis in die Spätantike.
Griechenland, besonders Böotien und Kreta: Kallimachos nennt die diktäischen Meliai auf Kreta, Theben kennt eine einzelne Nymphe Melia.
Gut belegt: Hesiod, Kallimachos, Pindar und die antiken Scholien; die Mythographie seit Roscher sichert den Befund der Stellen.
Griechisch: meliai, Plural zu melia, die Esche; bei Homer bezeichnet das Wort auch die Lanze aus Eschenholz. Im Zeus-Hymnos des Kallimachos klingt zudem das Wortspiel mit meli, Honig, an, zumal die Manna-Esche einen süßen Saft absondert.
Erscheinung
Bildliche Darstellungen, die sich sicher auf Meliai beziehen, sind selten; die Literatur beschreibt sie als jugendliche Frauengestalten, die zu ihrem Baum gehören wie die Dryaden zur Eiche. Die Vorstellung, dass das Leben einer Baumnymphe mit ihrem Baum beginnt und endet, wurde auf sie übertragen.
Wirkung
Die Meliai tragen eine Doppelnatur. Auf der einen Seite stehen Nahrung und Süße: Honig, Manna-Esche, das Ammenamt beim Zeuskind. Auf der anderen Seite stehen Krieg und Strafe, denn ihr Holz liefert Speere, ihre Schwestern sind die Erinyen, ihre Brüder die Giganten. Eine ausgearbeitete Schreckgestalt sind sie nicht; die Warnung gilt dem Baumfrevel, der göttliche Strafe nach sich zieht.
Die wichtigsten Aspekte der Eschennymphen auf einen Blick.
Älteste Wesensschicht des griechischen Mythos: Kinder eines Gewaltakts und Schwestern der Rachegöttinnen, noch vor den olympischen Göttern entstanden.
Hirten, Bauern und Holznutzer; im Mythos zudem das Zeuskind, das die diktäischen Meliai auf Kreta mit Ziegenmilch und Honig nähren.
Jugendliche Frauengestalten, an Eschen gebunden; gesicherte Bildzeugnisse sind selten, die Literatur trägt die Vorstellung.
Nährende und Bewahrende, Ammen des Zeus; zugleich Stammmütter des ehernen Geschlechts, das Hesiod aus Eschen entstehen lässt.
Opfergaben an Nymphenheiligtümern: Milch, Honig, Öl und Kuchen, vielfach ausdrücklich weinlose Spenden (nephalia), dazu Votivgaben und Weihreliefs.
Dryaden und Hamadryaden der Eichen stehen den Meliai innerhalb Griechenlands am nächsten.
Die früheste und maßgebliche Quelle ist Hesiods Theogonie: Als Kronos den Uranos entmannt, fallen Blutstropfen auf die Erdgöttin Gaia; aus ihnen gehen die Erinyen, die Giganten und die Nymphen hervor, die man Meliai nennt auf der unendlichen Erde. Die Eschennymphen sind demnach keine lieblichen Randfiguren, sondern Kinder eines Gewaltakts und Schwestern der Rachegöttinnen. In den Werken und Tagen lässt Hesiod das dritte Menschengeschlecht, das eherne, aus Eschen entstehen; antike wie moderne Ausleger beziehen das auf die Meliai. Dahinter steht ein handfester Zusammenhang, denn Eschenholz war das bevorzugte Material für Speerschäfte.
Kallimachos nennt im Zeus-Hymnos die diktäischen Meliai auf Kreta als Ammen des Zeuskindes, das sie mit der Milch der Ziege Amaltheia und mit Honig nähren; hier klingt das Wortspiel mit meli, Honig, an. Daneben kennt Theben eine einzelne Nymphe Melia, die bei Pindar als Geliebte des Apollon und Mutter des Sehers Teneros erscheint. So wurden aus dem Blut des Himmels zugleich Ammen des Zeus.
Die Meliai blieben gegenüber Dryaden und Najaden stets die weniger bekannten Nymphen. Die Mythographie des 19. Jahrhunderts, etwa Roschers Lexikon, sicherte den Befund der antiken Stellen; Wilhelm Mannhardts Wald- und Feldkulte machte die Baumseelen-Vorstellung zum Ausgangspunkt der vergleichenden Volkskunde. In moderner Fantasy-Literatur und in Spielen erscheinen Eschennymphen gelegentlich unter dem antiken Namen, meist jedoch ohne den düsteren Ursprung aus dem Uranos-Blut. In der Altertumswissenschaft werden die Meliai bis heute diskutiert, wenn es um die hesiodische Abfolge der Menschengeschlechter geht.
Religionswissenschaftlich verbinden die Meliai zwei Schichten: den weit verbreiteten Typus der Baumseele, wie ihn Mannhardt und später James Frazer beschrieben, und eine genealogische Mythologie, die Vegetationsgeister an kosmische Gewalt zurückbindet. Jennifer Larson hat gezeigt, dass Nymphen im griechischen Alltag keine literarische Zierde waren, sondern Empfängerinnen realer Kultpraxis an Quellen, Grotten und Bäumen. Die Verknüpfung von Esche, Speer und drittem Menschengeschlecht deutet die Forschung als Aitiologie: Der Mythos erklärt die kriegerische Härte einer Epoche aus ihrem Werkstoff. Eine Dämonisierung hat bei den Meliai zu keiner Zeit stattgefunden.
Der antike Umgang mit Baumnymphen war Kultpflege, nicht Abwehr. Quellenfest sind Opfergaben an Nymphenheiligtümern, üblich waren Milch, Honig, Öl und Kuchen, vielfach ausdrücklich weinlose Spenden (nephalia). Hinzu kamen Votivgaben und Weihreliefs sowie die Schonung heiliger Bäume und Haine, deren Verletzung als strafwürdiger Frevel galt, wie die Erysichthon-Erzählung des Kallimachos zeigt. Wollbinden und Bänder an heiligen Bäumen sind für den griechischen Baumkult ebenfalls bezeugt. Ein Amulett- oder Bannbrauch speziell gegen Meliai ist nicht überliefert und wäre dem antiken Verständnis nach auch unnötig gewesen: Geschützt werden musste der Baum vor dem Menschen, nicht der Mensch vor dem Baum.
Baumgebundene Geistwesen kennen viele Traditionen. Innerhalb Griechenlands stehen die Dryaden und Hamadryaden der Eichen den Meliai am nächsten. In der slawischen Überlieferung wacht der Leshy als Herr des Waldes über Bäume und Wild und straft Übergriffe. Die japanische Tradition kennt Baumseelen in alten Stämmen; einen Überblick gibt die Kulturseite Japan. In der germanischen Mythologie trägt die Weltesche Yggdrasil den Kosmos; siehe die Kulturseite Germanisch.
Woher stammen die Meliai?
Nach Hesiods Theogonie entstanden sie aus den Blutstropfen des entmannten Uranos, die auf die Erdgöttin Gaia fielen. Aus demselben Blut gingen die Erinyen und die Giganten hervor. Die Meliai gehören damit zur ältesten Wesensschicht der griechischen Mythologie.
Sind Meliai gefährlich?
Eine Schadenstradition ist nicht überliefert; im Mythos treten sie als Ammen und Nährende auf. Ernst zu nehmen war aus antiker Sicht allein der Baumfrevel: Wer heilige Bäume fällte, beging ein religiöses Vergehen und musste mit Strafe rechnen.
Was verbindet die Meliai mit dem ehernen Menschengeschlecht?
Hesiod lässt das dritte, eherne Geschlecht aus Eschen entstehen, was seit der Antike auf die Eschennymphen bezogen wird. Eschenholz lieferte die Speerschäfte der griechischen Kriegsführung; der Mythos leitet den kriegerischen Charakter dieses Geschlechts von seinen Stammmüttern ab.
Empfohlene interne Links:
Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.
Als Eschennymphen aus dem Blut des Uranos sind die Meliai die dunkelsten unter den Baumnymphen Griechenlands: Nymphen der Esche, deren Stammbaum bis zu den Erinyen zurückreicht und deren Holz die Speere einer ganzen Epoche lieferte.
Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:
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