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Henkhisesui und der Ostwind des Totenbuchs

Henkhisesui ist Gott der ägyptischen Tradition.

Der geflügelte Ostwind, Lebensatem für die Toten.

Inhaltsverzeichnis

Henkhisesui, der Ostwindgott Ägyptens
Henkhisesui

Henkhisesui, auch Henkhiseswi, ist der ägyptische Gott des Ostwinds und einer der vier Windrichtungsgötter. Er wird als geflügelte, oft widderköpfige Gestalt überliefert und gehört zum lebensspendenden Vierwinde-System der Tempeltheologie und der Totentexte.

Anders als sein bekannterer Bruder Qebui hat er kein eigenes ikonografisches Markenzeichen entwickelt: Seine widderköpfig-geflügelte Skarabäusform steht Chnum und Chnubis nahe, und schon seine Namensform ist unsicher zu umschreiben.

Im Überblick: Henkhisesui

Typ: Gott des Ostwinds, einer der vier Windrichtungsgötter
Herkunft: Vierwinde-System der Tempeltheologie und Totentexte
Texte: Dendera-Reliefs, Totenbuch (besonders Spruch 161)
Zeitraum: griechisch-römische Tempeltexte, Totenbuch-Tradition
Erscheinung: geflügelter Mann mit Widderkopf oder widderköpfiger Skarabäus

Quellenkontext

Zeitraum der Texte

Griechisch-römische Tempeltexte und die Totenbuch-Tradition tragen die Überlieferung; ältere Textstufen nennen den Ostwindgott nicht eigenständig.

Verbreitungsraum

Ägypten, besonders Dendera; darüber hinaus lebt Henkhisesui vor allem in der funerären Literatur.

Quellenlage

Dünn: Namensform und Ikonografie sind unsicher, die Belege verteilen sich auf Reliefs und Totenbuch.

Name und Varianten

Ägyptisch: Die Namensform ist unsicher zu umschreiben, ebenso ihre Bedeutung; neben Henkhisesui kursiert die Schreibung Henkhiseswi. Damit unterscheidet er sich von Qebui, dessen Name klar zur Wurzel qbb, kühl sein, gehört.

Beschreibung

Erscheinung

In der verbreiteten Überlieferung ist Henkhisesui ein geflügelter Mann mit Widderkopf oder ein geflügelter, widderköpfiger Skarabäus. Diese widderköpfig-geflügelte Skarabäusform ist ikonografisch eng mit Chnum und Chnubis verwandt.

Wirkung

Henkhisesui bringt den Ostwind und ist Teil des lebensspendenden Vierwinde-Systems, das dem Verstorbenen Atem zuführt.

Steckbrief: Henkhisesui

Die wichtigsten Aspekte des Ostwindgottes auf einen Blick.

Tradition

Mitglied des Vierwinde-Systems der ptolemäisch-römischen Tempeltheologie, gemeinsam mit Qebui, Hutchai und Shehbui.

Bezogen auf

Den funerären Kontext: In Spruch 161 des Totenbuchs führen die vier Winde dem Toten Lebensatem durch die Öffnungen des Himmels zu.

Darstellung

Geflügelter Mann mit Widderkopf oder geflügelter, widderköpfiger Skarabäus; die Form steht Chnum und Chnubis nahe.

Wirkungsbereich

Der Ostwind als Teil des lebensspendenden Vierwinde-Systems; eine eigenständige Mythologie hat sich um ihn nicht gebildet.

Umgang

Ein eigener Kult ist nicht belegt; eigene Riten oder Opfer speziell für Henkhisesui sind nicht überliefert.

Verwandtes

Die Geschwisterwinde Qebui, Hutchai und Shehbui; typologisch der griechische Euros.

Spruch 161 und die Öffnungen des Himmels

Henkhisesui ist einer der vier Winde der ptolemäisch-römischen Tempeltheologie, belegt in den Dendera-Reliefs und in der Totenbuch-Tradition. Zentral ist Spruch 161: Dort werden die vier Winde dem Toten als Lebensatem durch die Öffnungen des Himmels zugeführt, und der Ostwind hat daran seinen festen Anteil.

Die ägyptische Namensform ist unsicher zu umschreiben, ebenso ihre Bedeutung. Das ist kein Randdetail, sondern kennzeichnet die Quellenlage insgesamt: Der Ostwindgott ist eine Funktionsgestalt des Systems, kein Gott mit eigener Erzähltradition.

Ein Listengott der Spezialliteratur

Henkhisesui begegnet fast ausschließlich in ägyptologischen Spezialstudien; populär erscheint er meist nur als Listeneintrag Gott des Ostwinds.

Religionswissenschaftlich gehört er zum Vierwinde-System, dessen tierköpfige Zuordnung, hier Ost gleich Widder, aus der älteren Literatur, vor allem Budge, stammt und in den Reliefs nicht immer eindeutig auslesbar ist. Diese Unsicherheit ist offen zu benennen, statt eine Variante als gesichert auszugeben.

Kein Kult, aber eine Aufgabe

Ein eigener Kult ist für Henkhisesui nicht belegt; eigene Riten oder Opfer sind nicht überliefert. Seine Bedeutung liegt im funerär-kosmologischen Kontext, als Atem für den Verstorbenen. Das Vierwinde-System brauchte keinen Tempel: Es wirkte dort, wo die Totentexte gesprochen wurden, am Übergang vom Leben in das Jenseits.

Skarabäus, Widder und die Winde der Nachbarn

Innerhalb Ägyptens teilt Henkhisesui die widderköpfig-geflügelte Form mit Chnum und Chnubis. Übergreifend erinnern die vier Winde an die geflügelten Mischwesen Mesopotamiens; als Ostwind steht er typologisch dem griechischen Euros gegenüber. Seine nächsten Verwandten bleiben die Geschwisterwinde Qebui, Hutchai und Shehbui.

Häufige Fragen zu Henkhisesui

Welcher Wind ist Henkhisesui?

Der Ostwind; er ist einer der vier ägyptischen Windrichtungsgötter.

Wie sieht er aus?

In der verbreiteten Überlieferung als geflügelter Mann mit Widderkopf oder als widderköpfiger, geflügelter Skarabäus.

Wurde er verehrt?

Ein eigener Kult ist nicht belegt; seine Rolle liegt im funerären Kontext als Lebensatem für den Toten.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Literatur (Auswahl)

Eine Auswahl zentraler Quellen und Studien:

  • Wilkinson, Richard H.: The Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt. London 2003.
  • Budge, E. A. Wallis: The Gods of the Egyptians. London 1904.
  • Klotz, David: Adoration of the Ram. New Haven 2006.

Weitere Standardwerke im Literaturverzeichnis.

Als ägyptischer Ostwind gehört Henkhisesui zu den stillen Helfern des Totenglaubens: ein geflügelter Windgott, der weniger durch Mythen besteht als durch seine eine Aufgabe, dem Verstorbenen Atem zuzuführen.

Einordnung & Schutz

ISTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe I zu – Geringe Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

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