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Der Taʿwīz – das islamische Amulett aus dem Wort Gottes

Der Taʿwīz ist ein verbreitetes Schutzamulett der islamischen Welt. Er enthält Verse aus dem Koran, Namen Gottes oder Gebete und soll seinen Träger vor Unheil bewahren. Sein Gebrauch wird unter Gelehrten allerdings unterschiedlich beurteilt.

Das Taʿwīz ist ein islamisches Schutzamulett, das meist mit Koranversen beschrieben wird.

SchutzsymbolIslamSchrifttalisman
Tawiz - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Der Taʿwīz ist ein Schutzamulett aus der Welt des Islam. In seiner verbreitetsten Form besteht er aus einem kleinen Behältnis oder einem gefalteten Stück Papier, das am Körper getragen wird.

Das Besondere am Taʿwīz ist sein Inhalt. Er enthält in der Regel Worte, nämlich Verse aus dem Koran, Namen Gottes oder Gebete. Der Taʿwīz gehört damit zur Gruppe der Schrifttalismane, deren Wirkung an das geschriebene Wort gebunden ist.

Die Aufgabe des Taʿwīz ist die Abwehr von Unheil. Er soll seinen Träger vor dem bösen Blick, vor schädlichen Geistern, vor Krankheit und vor Unglück bewahren. Damit ist er ein Schutzobjekt für den Alltag.

In der Religionswissenschaft ist der Taʿwīz ein gutes Beispiel für ein Schutzobjekt, dessen Gebrauch innerhalb der eigenen Religion umstritten ist. Er steht im Mittelpunkt einer fortdauernden Debatte unter den Gelehrten des Islam.

Diese Debatte gehört zu einer vollständigen Darstellung des Taʿwīz. Sie zeigt, dass der Umgang mit Schutzamuletten auch innerhalb einer einzelnen Religion nicht einheitlich sein muss, sondern Gegenstand eines ernsthaften Ringens sein kann.

Der Taʿwīz ist damit ein Schutzobjekt und zugleich ein Beispiel dafür, wie eine Religion über das richtige Verhältnis von Glaube, Wort und Gegenstand nachdenkt. Beide Seiten werden im Folgenden dargestellt.

Name und Form

Das Wort Taʿwīz stammt aus dem Arabischen und ist mit dem Gedanken des Schutzsuchens und der Zuflucht verbunden. Es bezeichnet das Amulett als einen Gegenstand, mit dem der Mensch Schutz sucht.

Der Taʿwīz tritt in verschiedenen Formen auf. Häufig ist er ein kleines Behältnis aus Metall, etwa eine zylindrische oder rechteckige Kapsel. In diesem Behältnis liegt das beschriebene Papier.

Daneben gibt es den Taʿwīz auch als bloßes, mehrfach gefaltetes Stück Papier, das in Stoff oder Leder eingenäht ist. In dieser Form ist er besonders schlicht. Das Behältnis kann an einer Schnur um den Hals oder am Oberarm getragen werden.

Die Größe des Taʿwīz ist gering, denn er ist zum Tragen am Körper bestimmt. Er soll den Menschen unauffällig durch den Tag begleiten und ist darum klein und handlich gestaltet.

In manchen Gegenden wird der Taʿwīz statt am Körper getragen im Haus angebracht oder bei sich geführt. Die Grundform aber bleibt gleich, ein beschriebenes Papier, das schützend umschlossen ist.

Damit folgt der Taʿwīz dem verbreiteten Muster der Amulettkapsel. Das eigentlich Wirksame, das beschriebene Wort, ist in einer Hülle geborgen. Hülle und Inhalt gehören zusammen.

Der Inhalt: das Wort Gottes

Das Entscheidende am Taʿwīz ist sein Inhalt. Auf dem Papier im Inneren stehen heilige Worte. Aus ihnen leitet sich nach der Vorstellung des Brauchs die Schutzwirkung ab.

Am häufigsten enthält der Taʿwīz Verse aus dem Koran, der heiligen Schrift des Islam. Der Koran gilt den Muslimen als das Wort Gottes. Worte aus dem Koran am Körper zu tragen, bedeutet damit, das Wort Gottes bei sich zu haben.

Neben Koranversen können auf dem Taʿwīz auch die Namen Gottes stehen. Die islamische Überlieferung kennt eine Reihe von Namen, die Eigenschaften Gottes ausdrücken. Auch Gebete und Anrufungen können den Inhalt bilden.

In manchen Taʿwīz finden sich darüber hinaus Zahlen und Zeichen, etwa in Gestalt magischer Quadrate. Diese Bestandteile gehören zu einer älteren, gelehrten Tradition der Zeichen- und Zahlendeutung.

Der Kern des Taʿwīz aber ist das Wort Gottes. Genau hier setzt auch die theologische Debatte an, denn die Frage ist, ob die Schutzwirkung dem Wort Gottes oder dem Gegenstand zugeschrieben wird.

Wer den Taʿwīz im Sinne der Befürworter versteht, sieht in ihm nichts anderes als das getragene Wort Gottes. Die Schutzkraft kommt dann allein von Gott und seinem Wort. Papier und Behältnis tragen dazu nichts bei.

Die Schutzsuren und der Thronvers

Bestimmte Teile des Korans gelten als besonders schützend und werden darum häufig für den Taʿwīz verwendet. An erster Stelle stehen hier zwei kurze Suren am Ende des Korans.

Diese beiden Suren werden oft die Schutzsuren genannt. In ihnen sucht der Betende Zuflucht bei Gott vor dem Bösen in seinen verschiedenen Formen. Sie sind ausdrücklich Texte des Schutzsuchens.

Die islamische Überlieferung berichtet, dass der Prophet selbst diese Suren zum Schutz sprach. Damit haben sie eine besondere Stellung. Sie sind die Worte, mit denen ein Muslim sich im Gebet unter den Schutz Gottes stellt.

Ein weiterer häufig verwendeter Text ist der sogenannte Thronvers. Es handelt sich um einen einzelnen, besonders bedeutsamen Vers aus dem Koran, der die Größe und die Macht Gottes ausspricht.

Diesem Thronvers wird in der islamischen Frömmigkeit eine starke schützende Bedeutung zugeschrieben. Er wird gesprochen und auch geschrieben, etwa auf einem Taʿwīz oder an Hauswänden.

Die Verwendung gerade dieser Texte zeigt den Grundgedanken des Taʿwīz. Sein Schutz soll vom Wort Gottes ausgehen, und zwar von jenen Worten, die im Islam besonders eng mit dem Schutzsuchen und mit der Macht Gottes verbunden sind.

Wer den Taʿwīz herstellt

Ein Taʿwīz wird in der Regel nicht von jedem beliebig angefertigt. Seine Herstellung ist meist Personen vorbehalten, denen eine besondere religiöse Befähigung zugeschrieben wird.

Häufig sind es religiöse Gelehrte oder Lehrer, die den Taʿwīz schreiben. Sie kennen die heiligen Texte und die richtige Auswahl der Verse für das jeweilige Anliegen. Das Wissen um den Taʿwīz gehört zu ihrer Bildung.

In manchen Regionen sind es auch besondere Heiler oder Männer mit dem Ruf der Frömmigkeit, die Taʿwīz anfertigen. Die Vorstellungen darüber, wer einen Taʿwīz schreiben darf, sind je nach Region unterschiedlich.

Die Herstellung folgt häufig festen Regeln. Die Verse müssen richtig ausgewählt und sorgfältig geschrieben werden. Manchmal ist das Schreiben mit Gebeten oder mit einem bestimmten Zustand der Sammlung verbunden.

Wer einen Taʿwīz wünscht, wendet sich an eine solche Person und nennt sein Anliegen. Der Gelehrte wählt dann die passenden Texte aus. Der Taʿwīz ist damit oft auf eine bestimmte Sorge zugeschnitten.

Diese Bindung an befähigte Personen zeigt, dass der Taʿwīz nicht ein beliebiges Stück Papier ist. Seine Herstellung verlangt Wissen, und dieses Wissen ist Teil der religiösen Bildung jener, die ihn schreiben.

Schutz gegen bösen Blick und Dschinn

Der Taʿwīz richtet sich gegen verschiedene Gefahren. Eine davon ist der böse Blick. Der Glaube an die schädliche Kraft eines neidischen Blicks ist in der islamischen Welt verbreitet und auch in der Überlieferung anerkannt.

Eine weitere Gefahr, gegen die der Taʿwīz schützen soll, sind die Dschinn. Die Dschinn sind in der islamischen Vorstellung Geistwesen, die neben den Menschen bestehen. Einige von ihnen gelten als schädlich.

Der Taʿwīz soll den Träger vor den schädlichen Wirkungen solcher Mächte bewahren. Darüber hinaus wird er auch gegen Krankheit, gegen Unglück und gegen allgemeine Bedrängnis getragen.

Besonders häufig wird der Taʿwīz für Kinder verwendet. Kinder gelten in vielen Kulturen als besonders verletzlich, und so werden gerade ihnen Schutzamulette angelegt. Auch der Taʿwīz folgt diesem verbreiteten Muster.

Damit deckt der Taʿwīz ein breites Feld von Gefahren ab. Er soll allgemein das Wohl des Trägers sichern und ist auf keine einzelne Bedrohung festgelegt.

In dieser Ausrichtung gleicht der Taʿwīz anderen Schutzamuletten der Welt. Der böse Blick, schädliche Geister und der Schutz der Kinder sind Anliegen, die in sehr vielen Schutztraditionen wiederkehren.

Die theologische Debatte

Der Gebrauch des Taʿwīz wird unter den Gelehrten des Islam unterschiedlich beurteilt. Diese Debatte ist alt und dauert bis in die Gegenwart an. Sie betrifft eine grundsätzliche Frage.

Im Mittelpunkt steht der Glaube an die Einheit und die alleinige Macht Gottes. Dieser Glaube ist der Kern des Islam. Aus ihm ergibt sich die Frage, ob das Tragen eines Amuletts mit diesem Glauben vereinbar ist.

Ein Teil der Gelehrten lehnt Amulette ab. Sie sehen die Gefahr, dass dem Gegenstand selbst eine Macht zugeschrieben wird. Wer einem Amulett eine eigene, von Gott unabhängige Wirkung zuschreibt, verstößt nach dieser Auffassung gegen den Glauben an die alleinige Macht Gottes.

Ein anderer Teil der Gelehrten beurteilt den Taʿwīz milder, sofern er allein Worte aus dem Koran und Namen Gottes enthält. Nach dieser Auffassung wird der Schutz dem Wort Gottes zugeschrieben, das der Gegenstand trägt, und gerade nicht dem Gegenstand selbst.

Die Trennlinie verläuft damit entlang der Frage, worauf die Schutzwirkung bezogen wird. Um ein Erlauben oder Verbieten schlechthin geht es dabei kaum. Wird die Wirkung auf Gott und sein Wort bezogen, beurteilen viele Gelehrte den Taʿwīz anders, als wenn sie dem Gegenstand selbst zugeschrieben wird.

Diese Debatte ist aufschlussreich. Sie zeigt, dass der Islam die Frage nach dem richtigen Umgang mit Schutzobjekten ernst nimmt und genau zwischen Frömmigkeit und einem als unzulässig geltenden Vertrauen auf Gegenstände unterscheidet.

Verwandte Schrifttalismane

Der Taʿwīz gehört zur großen Familie der Schrifttalismane. Damit sind Schutzobjekte gemeint, deren Wirkung an ein geschriebenes Wort oder Zeichen gebunden ist. Solche Talismane sind in vielen Kulturen verbreitet.

Innerhalb der islamisch geprägten Welt ist der Taʿwīz weit verbreitet, von Nordafrika über den Vorderen Orient bis nach Süd- und Südostasien. In jeder Region hat er eigene Namen und eigene Ausprägungen.

Über die islamische Welt hinaus gibt es verwandte Schrifttalismane in anderen Religionen. Die jüdische Tradition kennt beschriebene Schutzamulette, und auch in der christlichen Volksfrömmigkeit gab es getragene Schutztexte.

In Ostasien sind die Papiertalismane verbreitet, der chinesische Fu-Talisman und der koreanische Bujeok. Auch sie beruhen auf geschriebenen Zeichen, auch wenn ihr religiöser Hintergrund ein anderer ist.

Diese weite Verbreitung zeigt, dass der Schrifttalisman ein verbreitetes Grundmuster ist. Der Gedanke, ein heiliges oder kraftvolles Wort am Körper zu tragen, findet sich in vielen Religionen.

Der Taʿwīz ist die islamische Ausprägung dieses Grundmusters. Seine Besonderheit liegt darin, dass sein Inhalt das Wort Gottes ist, und darin, dass sein Gebrauch innerhalb der eigenen Religion sorgfältig bedacht und debattiert wird.

Heutige Rezeption

Der Taʿwīz ist in der islamisch geprägten Welt bis heute weit verbreitet. In vielen Regionen gehört er zu den selbstverständlichen Schutzbräuchen, besonders im Zusammenhang mit Kindern, mit Krankheit und mit der Sorge um das Wohlergehen.

Zugleich ist der Taʿwīz Gegenstand der fortdauernden Debatte geblieben. In manchen Strömungen des Islam wird sein Gebrauch betont abgelehnt, in anderen wird er, unter den genannten Bedingungen, weiterhin geübt.

Damit zeigt der Taʿwīz ein lebendiges Spannungsverhältnis. Auf der einen Seite steht eine alte, breit verankerte volksfromme Praxis. Auf der anderen Seite steht die theologische Sorge um den reinen Glauben an die alleinige Macht Gottes.

Für eine sachliche Darstellung ist es wichtig, beide Seiten zu benennen. Der Taʿwīz ist weder einfach ein anerkanntes Schutzmittel noch einfach ein verbotener Gegenstand. Er steht in einem Feld, das die islamische Gelehrsamkeit selbst sorgfältig auslotet.

Der Taʿwīz ist damit ein Schutzobjekt von besonderer Art. Er trägt das Wort Gottes und ist damit eng mit dem Kern des islamischen Glaubens verbunden. Und er ist zugleich Gegenstand eines ernsthaften Nachdenkens über die Grenze zwischen Frömmigkeit und unzulässigem Vertrauen auf einen Gegenstand.

In dieser Doppelnatur liegt seine Bedeutung. Der Taʿwīz zeigt, dass Schutzobjekte getragen und zugleich bedacht werden, und dass eine große Religion das Bedürfnis nach Schutz ernst nimmt und zugleich in geordnete Bahnen zu lenken sucht.

Literatur (Auswahl)

  • Tewfik Canaan: The Decipherment of Arabic Talismans (1937)
  • Emilie Savage-Smith (Hrsg.): Magic and Divination in Early Islam (2004)
  • Venetia Porter: Arabic and Persian Seals and Amulets in the British Museum (2011)
  • Constant Hamès (Hrsg.): Coran et talismans (2007)
  • Annemarie Schimmel: Die Religion des Islam (1990)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Taʿwīz Taweez Schrifttalisman Koranvers Thronvers Schutzsuren Dschinn böser Blick Islam.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der Taʿwīz gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.