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Maitreya, der zukünftige Buddha

Maitreya ist im Buddhismus der zukünftige Buddha, der in einer kommenden Weltperiode auf der Erde erscheinen und die Lehre erneuern wird. Sein Name (Sanskrit Maitreya, Pali Metteyya) leitet sich von maitri ab, dem Sanskrit-Wort für güteorientiertes Wohlwollen, das im Pali als metta erscheint.

Er ist die einzige Bodhisattva-Gestalt, die im Theravada-Buddhismus ebenso verehrt wird wie im Mahayana, und nimmt damit eine Sonderstellung im gesamtbuddhistischen Pantheon ein.

Inhaltsverzeichnis

Maitreya - Götter aus der Buddhismus-Tradition, historisch-illustrativ

Kanonische Grundlage

Der älteste Beleg findet sich im Cakkavatti-Sihanada-Sutta (Digha Nikaya 26). Der Text beschreibt einen Zyklus von Verfall und Erneuerung der Lehre und kündigt das Erscheinen Metteyyas am Ende dieses Zyklus an. Er wird als universaler Lehrer beschrieben, der unter idealen sozialen Bedingungen wirken und das Rad der Lehre neu in Bewegung setzen wird.

Das gleiche Motiv erscheint im Anagatavamsa, einer mittelalterlich-pali-sprachigen Chronik der zukünftigen Buddhas, sowie ausführlicher im Sanskrit-Text Maitreyavyakarana (etwa 4. bis 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung), der in tibetischer und chinesischer Übersetzung erhalten ist.

Im Lotus-Sutra (Saddharmapundarika, Kapitel 1) erscheint Maitreya als der Bodhisattva, der die Versammlung zur Belehrung Shakyamunis hinführt. Im Maitreyasamiti, einem zentralasiatischen tocharischen Drama des 8. Jahrhunderts, wird sein zukünftiges Wirken in epischer Form dramatisiert.

Tushita-Himmel

Maitreya hält sich nach traditioneller Lehre im Tushita-Himmel auf, der vierten der sechs Götterregionen der Wunschwelt. Dort wartet er als Bodhisattva auf den Zeitpunkt seiner letzten Wiedergeburt.

Dieser Aufenthalt im Tushita ist ein religionsgeschichtlich wichtiges Motiv. Es spiegelt die Überzeugung, dass auch Shakyamuni vor seiner Inkarnation als Siddhartha im Tushita verweilte, und stellt damit Maitreyas Sonderstatus als legitimer Nachfolger heraus.

Klaus-Josef Notz («Buddhismus», Stuttgart 2002) beschreibt den Tushita als kosmologischen Ort, an dem die «Ankündigung» des zukünftigen Buddha bereits feststeht, ohne dass die Inkarnation schon erfolgt wäre.

Ikonographie

Die Darstellung Maitreyas unterscheidet sich deutlich von anderen Buddhas. Häufig erscheint er nicht im vollen Lotussitz, sondern in der europäischen Sitzhaltung (bhadrasana, «Königssitz») mit beiden Beinen aufrecht herabhängend, was seine Bereitschaft zum baldigen Aufstehen und Wirken auf der Erde verdeutlicht.

Auf seinem Kopf trägt er gelegentlich einen Stupa, der die Reliquien Shakyamunis symbolisiert und seine Funktion als Bewahrer der Lehre zwischen den Zeitaltern markiert.

Eine zweite, in Ostasien dominante Bildtradition zeigt ihn als wohlgenährten, lachenden Mönch mit großem Bauch und Sack. Dies ist der Budai oder Hotei, eine chinesische Figur des 10. Jahrhunderts, die mit Maitreya identifiziert wurde.

Edward Conze («Der Buddhismus», Stuttgart 1953) markiert diese Verschmelzung als religionsgeschichtlich aufschlussreich, da sie zeigt, wie buddhistische Lehrgestalten mit lokalen Volkstraditionen verschmelzen können.

Eschatologie und Erwartung

Maitreya ist die einzige im Buddhismus dezidiert eschatologische Figur. Verschiedene Traditionen geben unterschiedliche Zeiträume bis zu seinem Erscheinen an. Im Cakkavatti-Sihanada-Sutta sind es zahllose Generationen, in späteren Texten 5.670.000.000 Jahre nach dem Parinirvana Shakyamunis.

Diese astronomischen Zahlen verdeutlichen, dass Maitreya weniger eine akute Heilserwartung als eine kosmologische Konstante markiert: die Lehre wird nicht endgültig erlöschen, ein neuer Buddha wird kommen.

In Krisenzeiten haben sich aus dieser Erwartung jedoch akute messianische Bewegungen entwickelt. In China entstanden ab dem 6. Jahrhundert mehrfach Aufstandsbewegungen, die einen baldigen Anbruch der Maitreya-Ära verkündeten. Der Weisse-Lotus-Aufstand der Yuan-Zeit (14. Jahrhundert) und mehrere Bauernrevolten der Ming-Periode (14. bis 17. Jahrhundert) trugen explizit maitreyanische Züge.

Erik Zürcher hat in «The Buddhist Conquest of China» (Leiden 1959) gezeigt, dass die staatliche Reaktion in China den Maitreya-Kult phasenweise unterdrückte, da er als sozial-revolutionär eingestuft wurde.

Maitreya in Indien und Zentralasien

In Indien sind Maitreya-Statuen aus Gandhara (1. bis 4. Jahrhundert) und der Gupta-Zeit (4. bis 6. Jahrhundert) zahlreich erhalten. Die monumentalen Maitreya-Skulpturen in Bamiyan (Afghanistan), bis zu ihrer Zerstörung 2001 zwei der größten stehenden Buddha-Statuen weltweit, repräsentierten in der Forschungsmehrheit Maitreya, obwohl die Identifikation umstritten ist.

In den Höhlenklöstern Zentralasiens, von Kucha über Turfan bis Dunhuang, ist Maitreya zentrales ikonographisches Programm; er steht für die Hoffnung der buddhistischen Pilger auf eine zukünftige Wiedergeburt im Tushita.

Asanga und die Maitreya-Lehre

Eine philosophiegeschichtlich bedeutsame Tradition verbindet den indischen Yogacara-Lehrer Asanga (4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) direkt mit Maitreya. Nach der hagiographischen Überlieferung soll Asanga durch jahrelange Meditation den Tushita-Himmel erreicht und dort von Maitreya selbst fünf grundlegende Lehrtexte empfangen haben.

Diese «fünf Texte des Maitreya» (Abhisamayalamkara, Mahayanasutralamkara, Madhyantavibhaga, Dharmadharmatavibhaga, Ratnagotravibhaga) bilden den Kanon des Yogacara und sind in Tibet bis heute Grundlage der monastischen Ausbildung.

Wissenschaftlich ist die Zuschreibung umstritten, die Texte werden in der westlichen Forschung Asanga oder einem historischen Lehrer namens Maitreyanatha zugeordnet. David Seyfort Ruegg hat in «The Literature of the Madhyamaka School» (Wiesbaden 1981) und in nachfolgenden Studien diese Frage ausführlich behandelt.

Maitreya im modernen Buddhismus

Im 19. und 20. Jahrhundert spielt Maitreya in mehreren neueren religiösen Bewegungen eine Rolle. Die Theosophische Gesellschaft Helena Blavatskys behauptete eine direkte Verbindung zu einem «Meister Maitreya», eine Aneignung, die in der wissenschaftlichen Religionsgeschichte nicht als Fortsetzung der buddhistischen Linie gilt.

Der vietnamesische Cao Dai-Synkretismus integrierte Maitreya in ein neureligiöses Pantheon. Im Westen wurde die Figur ab den 1980er Jahren durch Benjamin Creme bekannt, der ein baldiges Erscheinen Maitreyas verkündete; auch diese Behauptung wird von der akademischen Buddhismusforschung nicht als kanonisch anerkannt.

Religionswissenschaftliche Einordnung

Maitreya verbindet zwei Funktionen, die in anderen Religionen meist getrennt sind: die eines messianischen Erlösers und die einer kosmologischen Garantie für die Kontinuität der Lehre. Anne Lecornu hat in «Eschatology in the Buddhist Tradition» (Paris 2007) gezeigt, dass die buddhistische Erwartung kein einmaliges Endzeitereignis kennt, sondern in zyklische Weltzeitalter eingebettet ist.

Maitreya ist daher nicht das «Ende der Geschichte», sondern der Beginn eines neuen Zyklus. Diese strukturelle Differenz zu den abrahamitischen Religionen ist religionsphänomenologisch von Interesse, sie zeigt, wie eine zyklische Kosmologie Heilshoffnung anders organisieren kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Primärquellen: Cakkavatti-Sihanada-Sutta (Digha Nikaya 26); Anagatavamsa; Maitreyavyakarana; Saddharmapundarika-Sutra (Lotus-Sutra); Maitreyasamiti; «fünf Texte des Maitreya» (Abhisamayalamkara, Mahayanasutralamkara, Madhyantavibhaga, Dharmadharmatavibhaga, Ratnagotravibhaga).

Sekundärliteratur: Edward Conze, «Der Buddhismus», Stuttgart 1953; Klaus-Josef Notz, «Buddhismus», Stuttgart 2002; Erik Zürcher, «The Buddhist Conquest of China», Leiden 1959; David Seyfort Ruegg, «The Literature of the Madhyamaka School», Wiesbaden 1981; Anne Lecornu, «Eschatology in the Buddhist Tradition», Paris 2007; Robert Buswell und Donald Lopez, «Princeton Dictionary of Buddhism», Princeton 2014.

Maitreya in der Kunstgeschichte

Die Maitreya-Darstellung gehört zu den ältesten ikonographischen Programmen des Buddhismus. Bereits in der Kunst von Gandhara (1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) ist Maitreya eindeutig identifizierbar, häufig durch ein kleines Stupa-Symbol auf dem Kopfknoten und durch die Position in den Buddha-Reihen.

In der Mathura-Kunst der Kushana-Zeit erscheint er mit dem Wasserkrug (kundika), einem Attribut, das auf seine vorbuddhistische brahmanische Erziehung verweist.

In der chinesischen Bildhauerei der Nördlichen Wei-Zeit (386 bis 534 unserer Zeitrechnung) sind monumentale Maitreya-Statuen in den Höhlen von Yungang ein Hauptelement, hier in der typischen «pensive» Pose mit gestütztem Kopf, die später vor allem in Korea und Japan zur kanonischen Maitreya-Bodhisattva-Form wurde.

Die berühmte koreanische Maitreya-Skulptur Nationalstaat-Schatz Nr. 78 (6. bis 7. Jahrhundert) gilt als eines der bedeutendsten Werke der ostasiatischen Buddhakunst.

Budai und die ostasiatische Volksform

Der lachende, dickbäuchige Mönch, der in westlichen Asien-Restaurants als «Glücksbuddha» verbreitet ist, ist ikonographisch Budai (in Japan Hotei). Dieser Budai war eine historische Person, ein wandernder Mönch des 9. bis 10. Jahrhunderts in der Provinz Zhejiang. Erst posthum wurde er mit Maitreya identifiziert.

Diese Identifikation ist im Chan-Buddhismus der Song-Zeit fest etabliert worden, sie war in Indien und im klassischen Mahayana unbekannt. In Ostasien wird Budai am Eingang vieler Tempel platziert, sein Lachen und seine offene Körperhaltung sollen die Besucher empfangen. Die Verwechslung mit Shakyamuni in westlichen Kontexten ist ikonographisch unbegründet, aber kulturhistorisch weit verbreitet.

Maitreya im Mongolenreich

Eine wichtige Phase der Maitreya-Verehrung war die Yuan-Zeit (1271 bis 1368). Die mongolischen Eroberer waren überwiegend für das tibetische Vajrayana empfänglich, und einige Khane ließen sich als Inkarnationen Maitreyas bezeichnen. Der spätere Roman «Investitur der Götter» reflektiert noch Reste dieser Konstellation, in der politische Macht durch Identifikation mit dem zukünftigen Buddha legitimiert wurde.

In der Mongolei selbst hat sich die Maitreya-Verehrung bis heute erhalten. Der Maidari Khural (Maitreya-Festtag) im Sommer ist eines der wichtigsten religiösen Feste der mongolischen Buddhisten, mit Prozessionen, in denen eine Maitreya-Statue rund um das Kloster getragen wird.

Maitreya im Theravada

Im Theravada-Buddhismus, vor allem in Sri Lanka, Myanmar und Thailand, hat Maitreya (Metteyya) eine weniger prominente, aber dennoch verlässliche Position. Er ist die einzige Bodhisattva-Figur, die im Theravada anerkannt ist. Die Erwartung seines Erscheinens am Ende des gegenwärtigen Dispensationszyklus ist im Cakkavatti-Sihanada-Sutta verankert und wird in der Predigt regelmäßig erwähnt.

Im modernen Theravada gibt es eine Praxis, sich durch besonders gutes Karma und tiefe Verdienstwerke eine Wiedergeburt in der Zeit Metteyyas zu sichern, in der die Bedingungen für die Erleuchtung optimal sein werden. Dies ist eine Form der buddhistischen Heilshoffnung, die im theravadischen Kontext überraschend mahayana-ähnliche Züge annimmt.

Asanga und die Maitreya-Yogacara-Texte

Asanga (etwa 4. bis 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) gilt als Begründer der Yogacara-Schule. Nach der hagiographischen Tradition empfing er die fünf Maitreya-Lehrtexte (sogenannte «Fünf Lehrtexte des Maitreya») durch Visionen im Tushita-Himmel.

Diese sind: das Abhisamayalankara (Schmuck der klaren Verwirklichung), das Mahayanasutralankara (Schmuck der Mahayana-Sutren), das Madhyantavibhaga (Unterscheidung von Mitte und Extremen), das Dharmadharmatavibhaga (Unterscheidung der Dharmas und Dharmata) und das Ratnagotravibhaga (Unterscheidung der Juwelenlinie, auch Uttaratantra genannt).

Die historische Autorschaft ist umstritten. Erich Frauwallner («Die Philosophie des Buddhismus», Berlin 1956) hat argumentiert, dass mindestens drei der Texte tatsächlich aus der Hand Asangas oder seines Bruders Vasubandhu stammen, während das Abhisamayalankara einem anderen Maitreyanatha zuzuschreiben sei.

Die tibetische Tradition behandelt alle fünf als kanonische Maitreya-Werke und unterrichtet sie als Standardcurriculum in den großen Klosteruniversitäten.

Das Ratnagotravibhaga und die Tathagatagarbha-Lehre

Das Ratnagotravibhaga ist wissenschaftlich besonders wichtig, weil es die Lehre von der «Buddha-Natur» (tathagatagarbha) systematisch ausführt. Die Lehre besagt, dass alle Wesen den «Keim» des Buddha-Werdens in sich tragen.

Diese These wurde in Ostasien zur Grundlage der Tendai-, Zen- und Hua-yan-Schulen. David Seyfort Ruegg («La théorie du tathagatagarbha et du gotra», Paris 1969) ist die maßgebliche Studie.

Sie zeigt, dass die Tathagatagarbha-Lehre eine ältere Schicht des Mahayana repräsentiert, die später durch die Cittamatra-Synthese der Yogacara-Schule überarbeitet wurde. Die Zuschreibung an Maitreya hat in dieser Hinsicht eine theologische Funktion: sie verleiht der Lehre die höchste Autorität durch die direkte Übermittlung aus dem Tushita-Himmel.

Maitreya-Aufstandsbewegungen in der chinesischen Geschichte

Die Erwartung der baldigen Ankunft Maitreyas hat in China mehrfach revolutionäre Bewegungen ausgelöst. Im 6. und 7. Jahrhundert erhoben sich Sekten, die ihre Anführer als Maitreya-Inkarnationen ausgaben.

Besonders bekannt ist die Aufstandsbewegung von Faqing (515 unserer Zeitrechnung), der sich als «neugeborener Buddha» bezeichnete und gegen die Nördliche Wei-Dynastie kämpfte. Im Mongolenreich der Yuan-Zeit (13. bis 14. Jahrhundert) entstand die Bewegung des Weißen Lotus (Bailianjiao), die Maitreya-Erwartung mit politischem Widerstand verband.

Aus dieser Bewegung erwuchs der Aufstand des Roten Turbans, der 1368 die Ming-Dynastie an die Macht brachte.

Hubert Seiwert («Popular Religious Movements and Heterodox Sects in Chinese History», Leiden 2003) zeichnet diese politische Funktion der Maitreya-Eschatologie als kontinuierliches Phänomen der chinesischen Religionsgeschichte nach. Die Ming-Dynastie selbst unterdrückte die Bewegungen, die sie hervorgebracht hatten, weil sie deren Sprengkraft kannte.

Maitreya in Korea

In Korea hat Maitreya (Miruk) eine eigenständige Tradition entwickelt. Die Hwarang-Krieger der Silla-Zeit (4. bis 10. Jahrhundert) wurden als Maitreya-Erscheinungen identifiziert. Die Tradition berichtet, dass der Hwarang-Jüngling als irdische Manifestation des Bodhisattva gilt. Riesige steinerne Maitreya-Statuen wie der Miruk-Bul am Tempel Beopju-sa (33 Meter hoch, modern, ersetzt eine ältere Statue) bezeugen die anhaltende Bedeutung.

In der Joseon-Zeit (1392 bis 1910) konzentrierte sich die Maitreya-Verehrung auf das einfache Volk und stand in einem Spannungsverhältnis zur staatstragenden konfuzianischen Elite. Robert Buswell hat in mehreren Studien die koreanische Sonderform des Maitreya-Kults im Vergleich zur chinesischen und japanischen Tradition herausgestellt.

Die Maitreya-Sutren des chinesischen Kanons

Im chinesischen buddhistischen Kanon (Taisho-Tripitaka) sind sechs Maitreya-Sutren enthalten. Drei davon beschreiben Maitreyas Geburt und Erleuchtung als zukünftiger Buddha (Maitreya-Vyakarana), drei weitere die Wiedergeburt im Tushita-Himmel. Der bekannteste Text ist das «Sutra über die Geburt Maitreyas im Tushita-Himmel» (Mile shangsheng jing), übersetzt von Juqu Jingsheng im 5. Jahrhundert.

Der Komplementärtext «Sutra über die Geburt Maitreyas in dieser Welt» (Mile xiasheng jing) beschreibt seine Wiederkehr. Diese beiden Texte bilden ein liturgisches Paar und werden in Tempeln zu speziellen Maitreya-Tagen gemeinsam rezitiert.

Die Übersetzungsgeschichte ist von Jan Nattier («Once Upon a Future Time», Berkeley 1991) detailliert rekonstruiert worden. Sie weist auf eine Schichtung der Erwartungstheologie hin, die ältere und jüngere Bestände kombiniert.

Die Maitreya-Statue von Bamiyan

Die im März 2001 von den Taliban gesprengten Buddha-Statuen von Bamiyan (Afghanistan, 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) wurden lange als Buddha-Shakyamuni-Darstellungen identifiziert. Neuere Forschungen, etwa von Deborah Klimburg-Salter («The Kingdom of Bamiyan», Neapel 1989), legen nahe, dass die größere Statue (53 Meter) den Buddha Vairocana zeigte, die kleinere (35 Meter) jedoch Maitreya.

Diese Identifikation stützt sich auf ikonographische Details, die unter der Übertünchung sichtbar geworden waren, sowie auf chinesische Reiseberichte des Pilgers Xuanzang (7. Jahrhundert), der die Statuen ausdrücklich beschrieb. Mit der Zerstörung ging eines der zentralen archäologischen Zeugnisse der zentralasiatischen Maitreya-Verehrung verloren.

Häufig gestellte Fragen

Ist Maitreya bereits geboren? Nach traditioneller Lehre nein. Er hält sich im Tushita-Himmel auf und wartet auf das Erscheinen in unserer Welt. Verschiedene Schulen geben Zeiträume zwischen mehreren tausend und mehreren Milliarden Jahren bis dahin an.

Wie unterscheidet sich der ikonographische Maitreya von anderen Buddhas? Häufig durch die europäische Sitzhaltung mit beiden Beinen herab, durch einen Stupa auf dem Kopf oder durch einen Wasserkrug (kundika) in der Hand. Im ostasiatischen Kontext durch die Identifikation mit dem dicken, lachenden Budai.

Welche Beziehung hat Maitreya zu Asanga? Der Yogacara-Lehrer Asanga (4. Jahrhundert) soll nach der Tradition Maitreya im Tushita-Himmel begegnet sein und von ihm fünf grundlegende Lehrtexte empfangen haben. Die historisch-kritische Forschung schreibt diese Texte allerdings Asanga selbst oder einem Lehrer namens Maitreyanatha zu.

Gab es Maitreya-Bewegungen in China? Mehrfach. Ab dem 6. Jahrhundert entstanden Bauernaufstände, die einen baldigen Maitreya-Anbruch verkündeten. Der Weisse-Lotus-Aufstand der Yuan- und Ming-Zeit war die bekannteste Bewegung dieser Art.

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