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Glocken und Schellen: Lärmender Schutz gegen schädliche Geister

Glocken und Schellen gehören zu den verbreitetsten lärmenden Schutzmitteln. Die zugrundeliegende Vorstellung ist die der akustischen Abwehr gegen schädliche Geister: Lauter, heller oder anhaltender Klang soll schädliche Einflüsse vertreiben. Dieser Artikel ordnet den lärmenden Schutz religionswissenschaftlich ein und verfolgt seine Spuren von der Antike bis zur heutigen Rezeption. Dabei wird zwischen historisch dokumentiertem Brauchtum und moderner Deutung getrennt.

SchutzsymbolKulturübergreifendAbwehrritus
Glocken - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung: Glocken und Schellen als lärmender Schutz

Glocken und Schellen sind Klanggeräte, denen in vielen Kulturen eine abwehrende Bedeutung zugeschrieben wird. Die Glocke erzeugt einen vollen, weithin hörbaren Ton, die kleinere Schelle einen helleren, oft wiederholten Klang.

Der Grundgedanke ist die akustische Abwehr. Schädliche Einflüsse galten in vielen Volksglaubenssystemen als durch Klang vertreibbar. Lauter oder heller Klang sollte sie fernhalten oder verscheuchen.

Glocken und Schellen sind dabei nur die bekanntesten Beispiele. Auch Rasseln, Trommeln, Pfeifen und das laute Rufen von Menschen gehören zum lärmenden Schutz und folgen demselben Prinzip.

Die Verwendung reicht von der kleinen, an Kleidung oder Tier befestigten Schelle bis zur großen, am Gebäude angebrachten Glocke. Beide tragen denselben Grundgedanken in unterschiedlicher Größe.

Innerhalb der Schutzsymbole gehören Glocken und Schellen zur Gruppe der akustischen Schutzmittel. Sie wirken nicht über ein Bild oder einen Stoff, sondern über den Klang.

Der lärmende Schutz ist damit weniger ein Gegenstand als eine Handlung. Erst das Läuten oder das Schütteln macht die Glocke oder die Schelle zum Schutzmittel im engeren Sinn.

Glocken und Schellen unterscheiden sich nicht nur in der Größe, sondern auch in ihrer Verwendung. Die große Glocke ist an einen festen Ort gebunden und wird bewusst geläutet, die kleine Schelle begleitet einen Träger und klingt bei jeder Bewegung. Beide Formen tragen denselben Grundgedanken der akustischen Abwehr.

Herkunft und historische Tiefe des lärmenden Schutzes

Klanggeräte gehören zu den ältesten Gegenständen des Menschen. Rasseln und einfache Glöckchen sind aus sehr frühen Zusammenhängen bekannt, oft im Zusammenhang mit Kult und Ritual.

Die Glocke in ihrer entwickelten Form ist seit der Antike belegt. Aus China, dem Vorderen Orient und dem Mittelmeerraum sind metallene Glocken und Schellen erhalten, die teils kultisch verwendet wurden.

In China hat die Glocke eine besonders tiefe Geschichte. Bereits in der Bronzezeit wurden kunstvolle Glocken hergestellt, die in Musik und Ritual eine bedeutende Rolle spielten.

Im antiken Mittelmeerraum waren Schellen und Glöckchen als Klang- und als Schutzgeräte bekannt. Sie erscheinen an Kleidung, an Tieren und im kultischen Bereich.

Im europäischen Mittelalter wurde die Kirchenglocke zu einem zentralen Klanggerät. Mit ihr verbanden sich religiöse und volkstümliche Vorstellungen, von denen einige eine abwehrende Deutung tragen.

Insgesamt zeigt sich, dass dem Klang in vielen Kulturen eine über das Hörbare hinausgehende Bedeutung gegeben wurde. Der lärmende Schutz reicht über lange Zeiträume und viele Kulturen.

Mit der Christianisierung Europas wurde die Glocke zu einem festen Bestandteil des kirchlichen Lebens. Glocken wurden geweiht und mit Namen versehen, und ihr Läuten gliederte den Tag und das Jahr. An diese kirchliche Verwendung knüpften zahlreiche volkstümliche Vorstellungen an.

Die zugrundeliegende Vorstellung vom abwehrenden Klang

Ein verbreiteter Gedanke ist die Vorstellung, dass schädliche Wesen Lärm scheuen. Laute und plötzliche Geräusche galten als etwas, das solche Wesen vertreibt oder verscheucht.

Ein zweiter Gedanke betrifft die Reinheit und Helligkeit des Klangs. Der helle Ton einer Glocke wurde als klar und rein verstanden. Diese Klarheit galt als Gegenbild zu als unrein gedachten Einflüssen.

Hinzu kommt die Reichweite des Klangs. Eine Glocke ist weithin hörbar. Ihr Ton erfüllt einen ganzen Raum oder ein ganzes Gebiet. Diese Reichweite wurde als Bild eines weit ausgreifenden Schutzes gedeutet.

Beim wiederholten Klang einer Schelle spielt die Anhaltsamkeit eine Rolle. Ein an einem Tier oder an Kleidung befestigtes Glöckchen klingt bei jeder Bewegung. Es begleitet den Träger und sein Klang besteht fort.

Ein weiterer Gedanke ist die ankündigende Wirkung. Der Klang einer Glocke zeigt eine Bewegung oder ein Ereignis an. In manchen Überlieferungen sollte er auch das Herannahen eines schädlichen Einflusses unterbrechen.

Die hier geschilderten Vorstellungen sind kulturhistorische Erklärungen. Sie beschreiben, warum dem Klang eine abwehrende Bedeutung gegeben wurde, und dokumentieren einen Glauben. Sie sind kein Beleg für eine Wirkung. Die Forschung beschreibt die Vorstellung, ohne sie zu bestätigen.

Hinzu kommt die Vorstellung von der Glocke als Stimme. Eine geläutete Glocke wurde in vielen Überlieferungen wie eine rufende Stimme verstanden, die ein Gebiet erfüllt. Diese Deutung verband den Klang mit der Vorstellung einer Anrufung, die schädliche Einflüsse vertreiben sollte.

Hinzu kommt der Gedanke der plötzlichen Unterbrechung. Ein heller, unerwarteter Klang wurde als etwas verstanden, das eine Lage durchbricht und verändert. In manchen Überlieferungen sollte gerade dieses plötzliche Ertönen einen schädlichen Einfluss in seinem Wirken stören.

Beispiele aus der Antike und dem Vorderen Orient

Aus dem antiken Mittelmeerraum sind kleine Bronzeglöckchen und Schellen vielfach erhalten. Sie wurden an Kleidung, an Türen und an Tieren angebracht und teils mit einer abwehrenden Bedeutung verbunden.

In der griechischen und römischen Welt erscheinen Schellen an Amuletten und an Kinderschmuck. Der Klang sollte den Träger begleiten und schädliche Einflüsse fernhalten.

Im Vorderen Orient sind Glöckchen an festlicher und kultischer Kleidung überliefert. Aus religiösen Texten ist bekannt, dass Glöckchen am Gewand von Priestern eine Rolle spielten.

In Mesopotamien und in benachbarten Kulturen wurden Klanggeräte im rituellen Bereich verwendet. Trommeln und Rasseln gehörten zu Handlungen, die unter anderem der Abwehr dienen sollten.

Auch das laute Rufen und das Erzeugen von Lärm durch Menschen ist aus antiken Quellen bekannt. Bei bestimmten Anlässen sollte gemeinsamer Lärm schädliche Einflüsse vertreiben.

Diese Beispiele zeigen, dass der Klang im antiken Mittelmeerraum und im Vorderen Orient nicht nur der Musik diente. Er stand in einem Netz von Vorstellungen, an das die Abwehrdeutung anknüpfte.

Auch aus dem pharaonischen Ägypten sind kleine Metallglöckchen überliefert, die an Schmuck und an Kleidung befestigt wurden. Ihr Klang sollte den Träger begleiten und galt als bedeutsam. Sie reihen sich in das breite Bedeutungsfeld ein, in dem der Klang über das bloß Hörbare hinausweist.

Beispiele aus der europäischen Volksmagie

In der europäischen Volksmagie spielt der lärmende Schutz eine auffällige Rolle. Volkskundliche Sammlungen berichten von Lärmbräuchen, mit denen zu bestimmten Zeiten des Jahres schädliche Einflüsse vertrieben werden sollten.

Besonders bekannt sind Lärmumzüge in der dunklen Jahreszeit. Mit Glocken, Schellen, Peitschen und lauten Rufen zogen Gruppen durch Dörfer. Solche Bräuche sind in vielen Regionen des Alpenraums überliefert.

Schellen wurden an Tieren befestigt, vor allem an Vieh auf der Weide. Die Schelle diente dem Auffinden des Tieres und wurde zugleich mit einer schützenden Bedeutung verbunden.

Der Kirchenglocke wurde in der Volksmagie über ihre religiöse Funktion hinaus eine abwehrende Bedeutung zugeschrieben. Volkskundliche Quellen berichten vom Läuten bei Unwettern und in anderen als bedrohlich empfundenen Lagen.

Berichte über solche Lärmbräuche dokumentieren die Erwartungen der Anwender und nicht eine belegte Wirkung. Sie zeigen, dass der Klang als Mittel der Vertreibung verstanden wurde.

Einige dieser Bräuche, etwa die Lärmumzüge im Winter, sind bis heute als Brauchtum erhalten. Ihre ursprünglich abwehrende Deutung ist dabei oft in den Hintergrund getreten.

Volkskundliche Quellen verzeichnen ferner das Schellen an Pferdegeschirr und an Schlitten. Die Schellen dienten dem Anzeigen des herannahenden Gespanns und wurden zugleich mit einer abwehrenden Bedeutung verbunden. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens ordnet diesen Brauch der Vorstellung vom begleitenden Klang zu.

Beispiele aus Asien und weiteren Kulturen

In Ostasien spielen Glocken in religiösen Zusammenhängen eine bedeutende Rolle. An Tempeln werden Glocken geläutet, und dem Klang wird eine reinigende und ordnende Bedeutung zugeschrieben.

In der buddhistischen Tradition gehören Glocken und Schellen zum rituellen Gerät. Ihr Klang gliedert Handlungen und wird mit Vorstellungen von Reinheit und Aufmerksamkeit verbunden.

An ostasiatischen Gebäuden sind Windglöckchen verbreitet, die bei jedem Lufthauch klingen. Ihrem Klang wird teils eine schützende, teils eine das Glück begünstigende Bedeutung zugeschrieben.

In Südasien werden Glocken in Tempeln und im Hausgebet verwendet. Der Klang begleitet rituelle Handlungen und markiert ihren Beginn.

Über diese Räume hinweg zeigt sich, dass dem Klang von Glocken und Schellen in vielen Kulturen eine über die Musik hinausgehende Bedeutung gegeben wurde. Der lärmende Schutz ist kein Motiv einer einzelnen Tradition.

Die Vielfalt der Beispiele macht deutlich, dass der lärmende Schutz als Prinzip zu verstehen ist. Er entsteht überall dort, wo dem Klang eine vertreibende oder reinigende Bedeutung gegeben wird.

In Teilen Afrikas gehören Glocken und Rasseln zum rituellen Gerät und begleiten Tanz und Anrufung. Ihr Klang gliedert die Handlung und wird mit der Vorstellung verbunden, einen Bereich zu reinigen. Diese Beispiele zeigen, dass dem abwehrenden Klang auch über Eurasien hinaus eine feste Stelle zukam.

In der Mongolei und in Teilen Zentralasiens gehören Glöckchen und Schellen zum Gerät ritueller Spezialisten und sind an deren Gewand und Trommeln befestigt. Ihr Klang begleitet die rituelle Handlung und wird mit Reinigung und Abwehr verbunden. Auch diese Beispiele zeigen die weite Verbreitung des klanglichen Schutzes.

Anwendung in Ritual und Alltag

Der lärmende Schutz wurde im Alltag auf verschiedene Weise eingesetzt. Eine an einem Tier oder an Kleidung befestigte Schelle klang bei jeder Bewegung und begleitete ihren Träger fortlaufend.

An Gebäuden angebrachte Glocken und Windglöckchen klangen bei Wind oder beim Öffnen einer Tür. Ihr Klang war an einen Ort gebunden und ertönte, sobald dort eine Bewegung stattfand.

Lärmumzüge und gemeinsames Lärmen waren an bestimmte Zeiten gebunden. Vor allem in der dunklen Jahreszeit und an Übergängen des Jahres wurde gezielt Lärm erzeugt.

Das Läuten der Kirchenglocke folgte einer festen Ordnung, war aber auch an besondere Anlässe gebunden. Bei Unwettern und in als bedrohlich empfundenen Lagen wurde zusätzlich geläutet.

In rituellen Zusammenhängen, vor allem in den Religionen Asiens, ist das Läuten von Glocken Teil festgelegter Abläufe. Der Klang gliedert die Handlung und markiert ihre Abschnitte.

Eine einheitliche Ritualordnung für den lärmenden Schutz gibt es nicht. Die genaue Form hing von Region, Anlass und Tradition ab, was die volkskundliche Forschung mehrfach festgehalten hat.

Auch das Material und die Herstellung der Glocke galten als bedeutsam. Das Gießen einer Glocke war ein aufwendiger Vorgang, der oft von Segensworten begleitet wurde. Diese sorgfältige Herstellung gehörte selbst zu den Vorstellungen, die dem Klang der Glocke seine besondere Bedeutung gaben.

Verwandte Schutzformen und Abgrenzung

Der lärmende Schutz steht in Verwandtschaft mit den am Körper getragenen Schutzmitteln. Eine an Kleidung befestigte Schelle ist zugleich ein Amulett oder Talisman, das jedoch über den Klang und nicht über ein Bild wirkt.

Eng verbunden ist der lärmende Schutz mit dem Schwellenschutz. Glocken an Türen und an Eingängen verbinden den Ort der Öffnung mit dem abwehrenden Klang.

Vom Bildamulett und vom apotropäischen Stoff unterscheidet sich der lärmende Schutz deutlich. Bild und Stoff wirken in vielen Vorstellungen dauerhaft und still. Der lärmende Schutz wirkt im Augenblick des Klangs.

Innerhalb der akustischen Schutzmittel stehen Glocken und Schellen neben weiteren Klanggeräten. Auch Rasseln, Trommeln, Pfeifen und das menschliche Rufen gehören zu dieser Gruppe.

Eine Grenze besteht zur rein musikalischen oder signalgebenden Verwendung. Eine Glocke, die nur die Zeit anzeigt oder Musik begleitet, trägt nicht notwendig eine abwehrende Deutung.

Die Einordnung in diese Nachbarschaft hilft, den lärmenden Schutz genau zu bestimmen. Er ist ein akustisches Schutzmittel, das im Augenblick des Klangs wirkt, und unterscheidet sich von stillen Amuletten und von der reinen Signalfunktion.

Innerhalb der akustischen Schutzmittel besteht zudem eine Verbindung zum gesprochenen und gesungenen Wort. Auch Anrufung, Segensspruch und Gesang wurden mit abwehrender Bedeutung verwendet. Glocke und Schelle reihen sich damit in ein breites Feld klanglicher Handlungen ein.

Heutige Rezeption des lärmenden Schutzes

Einige Lärmbräuche sind bis heute als Brauchtum lebendig. Lärmumzüge in der dunklen Jahreszeit werden in vielen Regionen des Alpenraums weiter gepflegt, oft als gemeinschaftliches Fest.

Bei diesen heutigen Bräuchen steht meist das gemeinschaftliche Erlebnis im Vordergrund. Die ursprünglich abwehrende Deutung ist bekannt, wird aber selten als wörtlich gemeintes Schutzmittel verstanden.

In der modernen Esoterik werden Klang und Glockenton mitunter mit reinigenden Wirkungen verbunden. Solchen Praktiken werden Wirkungen zugeschrieben, die nicht belegt sind. Sie sollten kritisch betrachtet werden.

Windglöckchen sind heute als Dekoration weit verbreitet. Ihre alte schützende oder das Glück begünstigende Deutung ist dabei meist in den Hintergrund getreten.

Für die Religionswissenschaft ist der lärmende Schutz ein lehrreiches Beispiel. Er zeigt, wie eine sinnliche Erfahrung, der Klang, zur Grundlage einer abwehrenden Deutung werden konnte.

Wer sich heute mit dem lärmenden Schutz befasst, findet darin vor allem ein kulturgeschichtliches Thema. Ein sachlicher Umgang trennt die belegte Geschichte der Bräuche von modernen Wirkungsversprechen, die einer Prüfung nicht standhalten.

In der Glockenkunde werden alte Glocken heute erfasst, datiert und nach Klang und Inschrift beschrieben. Viele tragen Inschriften, die einen Schutz vor Unwetter und Unheil anrufen. Diese Inschriften belegen unmittelbar, dass dem Klang der Glocke über die religiöse Funktion hinaus eine abwehrende Bedeutung zugeschrieben wurde.

Literatur (Auswahl)

  • Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (1927-1942)
  • Liselotte Hansmann, Lenz Kriss-Rettenbeck: Amulett und Talisman. Erscheinungsform und Geschichte (1966)
  • Percival Price: Bells and Man (1983)
  • Wolfram Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole (1983)
  • Dietz-Rüdiger Moser: Fastnacht, Fasching, Karneval. Das Fest der verkehrten Welt (1986)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Glocken als Schutz Schellen Klang Lärm akustische Abwehr Windglocke Lärmumzug Kirchenglocke apotropäisch Klangschutz.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch die Glocke gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.