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Phurba – der tibetische Ritualdolch zur Bannung

Phurba ist die Bezeichnung für den dreikantigen Ritualdolch des tibetischen Buddhismus. Seine Klinge hat drei Kanten und endet in einer Spitze, der Griff trägt häufig einen kunstvollen Knauf. Der Phurba dient nicht als Waffe, sondern als Ritualgerät zur Bannung und zur Festigung schädlicher Mächte.

SchutzsymbolTibetRitualgerät
Phurba - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Phurba ist die Bezeichnung für ein Ritualgerät aus dem Buddhismus Tibets. Es handelt sich um einen Dolch oder einen Pflock, der bei bestimmten Ritualen verwendet wird.

Das kennzeichnende Merkmal des Phurba ist seine dreikantige Klinge. Statt einer flachen Klinge mit zwei Schneiden besitzt der Phurba eine Klinge mit drei Kanten, die in einer Spitze zusammenlaufen.

Der Phurba ist keine Waffe im gewöhnlichen Sinn. Er wird nicht zum Kampf oder zum Schneiden verwendet. Er ist ein geistliches Gerät, das in Ritualen eine bestimmte Aufgabe erfüllt.

Seine Aufgabe ist die Bannung und die Festigung schädlicher Mächte. Im Ritual dient der Phurba dazu, schädliche Kräfte gleichsam an einen Ort zu heften und unschädlich zu machen.

Der Phurba gehört in den tibetischen Buddhismus, besonders in seine älteren Traditionen. Er wird von geschulten Ritualfachleuten in genau geregelten Handlungen verwendet.

In der Religionswissenschaft ist der Phurba ein gutes Beispiel für ein Ritualgerät, dessen Form und dessen Gebrauch eng zusammengehören. Seine dreikantige Gestalt ist auf seine rituelle Aufgabe bezogen.

Herkunft des Ritualdolchs

Die Herkunft des Phurba reicht weit zurück und ist nicht restlos geklärt. Verschiedene Wurzeln werden für dieses Gerät angenommen.

Ein Strang führt zu dem einfachen Pflock, der in Indien beim Errichten eines rituellen Ortes in den Boden geschlagen wurde. Ein solcher Pflock befestigte und sicherte den geweihten Bereich.

Aus diesem rituellen Pflock entwickelte sich der Gedanke eines Gerätes, das festheftet und festigt. Der Phurba übernahm diesen Gedanken des Festheftens.

Ein weiterer Strang führt in die ältere religiöse Welt Tibets vor dem Buddhismus. Auch dort sind Vorstellungen vom Bannen und Festheften schädlicher Mächte bekannt.

Der tibetische Buddhismus verband diese Wurzeln und gab dem Phurba seine ausgeformte Gestalt und seine genaue rituelle Bedeutung. Besonders die älteren Traditionen pflegten den Umgang mit ihm.

Die Herkunft des Phurba zeigt damit ein Zusammenwirken mehrerer Stränge. Aus dem rituellen Pflock und aus älteren tibetischen Vorstellungen wurde im Buddhismus das ausgeformte Ritualgerät.

Die dreikantige Klinge

Das auffälligste Merkmal des Phurba ist seine dreikantige Klinge. Diese Form unterscheidet ihn von jedem gewöhnlichen Dolch und ist für seine Bedeutung wesentlich.

Die Klinge des Phurba hat im Schnitt die Gestalt eines Dreiecks. Drei Flächen treffen in drei Kanten zusammen und laufen in einer scharfen Spitze aus.

Diese dreikantige Form wird gedeutet. Die drei Seiten werden mit drei schädlichen Geisteshaltungen verbunden, die nach buddhistischer Lehre die Wurzel des Leids bilden, mit der Gier, dem Hass und der Verblendung.

Der Phurba richtet sich damit im Sinne der Lehre nicht gegen Menschen, sondern gegen diese inneren Übel. Seine drei Kanten stehen für die Überwindung der drei Wurzeln des Leids.

Die Spitze, in der die drei Kanten zusammenlaufen, ist der Punkt, mit dem der Phurba im Ritual festheftet. In ihr sammelt sich die Wirkung des Gerätes.

Die dreikantige Klinge macht den Phurba damit zu einem Gerät, dessen Gestalt seine Bedeutung trägt. Schon die Form spricht von der Aufgabe, die schädlichen Mächte zu binden und festzuheften.

Griff und Knauf des Phurba

Über der dreikantigen Klinge erhebt sich der obere Teil des Phurba, der Griff und der Knauf. Auch dieser Teil ist kunstvoll gestaltet und trägt eine Bedeutung.

Der Griff ist häufig durch Wülste, Knoten oder Verzierungen gegliedert. Oft sitzt zwischen Klinge und Griff der Kopf eines Tieres, aus dessen Maul die Klinge hervortritt.

Der Knauf, der den Phurba nach oben abschließt, trägt häufig ein Gesicht oder mehrere Gesichter. Diese Gesichter werden mit einer Schutzgestalt verbunden, die dem Phurba zugeordnet ist.

In manchen Darstellungen trägt der Knauf drei Gesichter, die in verschiedene Richtungen blicken. Sie stehen für die Wachsamkeit der Schutzgestalt nach allen Seiten.

Den oberen Abschluss bildet mitunter ein kleines Pferdehaupt oder ein anderes Zeichen. Auch der Stoff des Phurba, häufig Metall oder hartes Holz, ist nach der Tradition geregelt.

Der gegliederte Aufbau zeigt, dass der Phurba ein durchdachtes Gerät ist. Klinge, Griff und Knauf greifen ineinander, und jeder Teil trägt zur Gesamtbedeutung des Ritualdolchs bei.

Der Phurba im Ritual

Der Phurba ist ein Ritualgerät, und seine Bedeutung entfaltet sich erst im Ritual. Er wird von geschulten Fachleuten in genau geregelten Handlungen verwendet.

Im Ritual dient der Phurba dazu, eine schädliche Macht gleichsam festzuheften. Die Macht wird durch das Ritual zunächst herbeigerufen und gebunden, dann mit dem Phurba festgehalten.

Der Übende stößt den Phurba dabei nicht in einen Menschen. Häufig wird er in ein Gefäß, in eine vorbereitete Stelle oder in ein Sinnbild der schädlichen Macht gesetzt.

Wichtig ist, dass der Phurba nach buddhistischer Deutung nicht aus Zorn gebraucht wird. Die Handlung geschieht im Sinne des Mitgefühls und richtet sich gegen das Übel, nicht gegen ein Wesen.

Das Ritual mit dem Phurba ist anspruchsvoll und setzt eine Schulung voraus. Es darf nach der Tradition nur von Menschen vollzogen werden, die dazu unterwiesen und ermächtigt sind.

Der Phurba zeigt damit, dass ein Ritualgerät seinen Sinn nur im Ritual besitzt. Außerhalb der geregelten Handlung ist er ein Gegenstand, im Ritual aber ein Gerät der Bannung und der Festigung.

Bannung und Festigung schädlicher Mächte

Die eigentliche Aufgabe des Phurba ist die Bannung und die Festigung schädlicher Mächte. Diese Aufgabe ist der Kern seiner Bedeutung und seines Gebrauchs.

Unter schädlichen Mächten versteht die tibetische Tradition Hindernisse und störende Kräfte, die der geistigen Übung und dem Wohlergehen entgegenstehen können.

Der Phurba bannt diese Mächte, indem er sie festheftet. Wie ein Pflock einen Gegenstand am Boden festhält, so soll der Phurba die schädliche Macht binden und an ihrer Wirkung hindern.

Die Festigung hat dabei auch eine bewahrende Seite. Indem die schädliche Macht gebunden ist, ist der geweihte Ort, das Ritual oder die übende Gemeinschaft vor ihr geschützt.

Im Sinne der buddhistischen Lehre richtet sich diese Bannung gegen das Übel selbst, nicht gegen Wesen. Die drei Kanten der Klinge erinnern daran, dass die eigentlichen Feinde die inneren Übel sind.

Der Phurba ist damit ein Gerät, das schützt, indem es bindet. Seine bewahrende Wirkung liegt darin, dass er das Schädliche festheftet und so den Raum für die Übung sichert.

Der Phurba als verehrtes Zeichen

Über seine Aufgabe als Ritualgerät hinaus ist der Phurba auch ein verehrtes Zeichen. Er gilt als geweihter Gegenstand und wird mit einer Schutzgestalt verbunden.

Dem Phurba ist eine eigene Schutzgestalt zugeordnet, eine erleuchtete Gestalt, die für die Tätigkeit der Bannung und der Festigung steht. Der Phurba gilt als die geräthafte Gestalt dieser Macht.

Auf Altären und in Tempeln werden Phurbas darum als geweihte Gegenstände aufbewahrt und verehrt. Sie sind nicht bloß Werkzeuge, sondern Träger einer geistigen Bedeutung.

Manche Phurbas gelten als besonders kostbar, weil sie von einem bedeutenden Lehrer verwendet oder gesegnet wurden. Solche Stücke werden über Generationen bewahrt.

In kleiner Form wird der Phurba mitunter auch als Anhänger getragen. In dieser Form ist er ein Zeichen des Schutzes und der Bannung schädlicher Mächte.

Der Phurba ist damit zugleich Ritualgerät und verehrtes Zeichen. Aus dem Gerät der geregelten Handlung ist ein geweihter Gegenstand geworden, der für die Macht der Bannung steht.

Der Phurba im tibetischen Buddhismus

Der Phurba gehört fest in den tibetischen Buddhismus. Innerhalb seiner Schulen und Traditionen hat er eine bestimmte Stellung.

Besonders die älteren Traditionen des tibetischen Buddhismus pflegen den Umgang mit dem Phurba. In ihnen ist das Ritual mit dem Ritualdolch besonders ausgearbeitet.

Der Phurba steht dabei nicht für sich allein. Er gehört zu einer Reihe von Ritualgeräten, die der tibetische Buddhismus kennt. Zu ihnen gehören die Glocke, der Donnerkeil und weitere Geräte.

Der Donnerkeil, der Vajra, ist dabei das wichtigste dieser Geräte. Phurba und Vajra gehören beide in die Welt der tibetischen Ritualgeräte und ergänzen einander.

Innerhalb dieser Geräte hat der Phurba seine eigene, klar umrissene Aufgabe. Andere Geräte stehen für andere rituelle Handlungen, der Phurba aber für die Bannung und die Festigung.

Der Phurba ist damit ein gut umrissenes Gerät innerhalb einer reichen rituellen Welt. Er zeigt, wie genau der tibetische Buddhismus seine Geräte nach ihrer Aufgabe unterscheidet und ordnet.

Heutige Rezeption

Der Phurba ist im tibetischen Buddhismus bis heute ein gebräuchliches Ritualgerät. In den Klöstern und in der Übung der älteren Traditionen wird er unverändert verwendet.

In Tempeln und auf Altären sind Phurbas als geweihte Gegenstände zu sehen. Kunstvoll gearbeitete Stücke gehören zudem zu den geschätzten Werken der tibetischen Kunst.

Über die buddhistische Welt hinaus ist der Phurba mit dem Interesse am tibetischen Buddhismus auch im Westen bekannt geworden. Er ist in Sammlungen und in Museen vertreten.

In dieser weiteren Verbreitung wird der Phurba mitunter als dekorativer Gegenstand verstanden. Seine eigentliche Bedeutung als Ritualgerät kann dabei in den Hintergrund treten.

Eine sachliche Darstellung benennt den Phurba als das, was er ist, ein dreikantiger Ritualdolch des tibetischen Buddhismus, der im geregelten Ritual der Bannung und der Festigung schädlicher Mächte dient.

Der Phurba bleibt damit ein eindrückliches Beispiel für ein Ritualgerät. In ihm verbinden sich die dreikantige Gestalt, die genaue rituelle Aufgabe und die Vorstellung einer Schutzgestalt, die in dem Gerät gegenwärtig ist.

Literatur (Auswahl)

  • Robert Beer: Die Symbole des tibetischen Buddhismus (2003)
  • John C. Huntington: The Phur-pa. Tibetan Ritual Daggers (1975)
  • Detlef Ingo Lauf: Geheimlehren tibetischer Malereien (1979)
  • Giuseppe Tucci: Die Religionen Tibets (1970)
  • Loden Sherap Dagyab: Buddhist Symbols in Tibetan Culture (1995)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Phurba Ritualdolch dreikantige Klinge Tibet tibetischer Buddhismus Bannung Festigung Ritualgerät schädliche Mächte.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch der Phurba gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.