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Die Lunula – das römische Mondamulett für Mädchen

Die Lunula war das Schutzamulett der freigeborenen Mädchen im alten Rom. Ihre mondsichelförmige Gestalt verband sie mit der schützenden Kraft des Mondes und machte sie zum weiblichen Gegenstück der Bulla.

SchutzsymbolRomApotropäikon
Lunula - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung

Die Lunula war ein Schutzamulett des alten Rom. Ihr Name leitet sich vom lateinischen Wort für den Mond ab und bedeutet so viel wie kleiner Mond oder Möndchen.

Das Amulett hat die Form einer Mondsichel. Diese sichelförmige Gestalt ist sein Kennzeichen und gab ihm seinen Namen. An den Spitzen der Sichel war meist eine Öse angebracht, durch die eine Schnur oder Kette lief.

Die Lunula wurde von freigeborenen Mädchen getragen. Sie war damit das weibliche Gegenstück zur Bulla, dem Amulett, das vor allem die freigeborenen Knaben trugen.

Wie die Bulla war die Lunula zugleich Schutzobjekt und Standeszeichen. Sie sollte das Kind vor Unheil bewahren und kennzeichnete zugleich seinen freien, nicht unfreien Stand.

In der Religionswissenschaft ist die Lunula ein gutes Beispiel für ein Kinderamulett und für die Schutzkraft, die der Mondsichel zugeschrieben wurde. Sie ist durch Funde und durch antike Quellen gut bezeugt.

Die Lunula gehört außerdem zu einer sehr alten und weit verbreiteten Gruppe von Schutzzeichen. Die Mondsichel als Amulett ist weit über Rom hinaus und lange vor Rom bekannt.

Die Mondsichel als Schutzzeichen

Die Lunula gehört zur großen Familie der Mondsichelamulette. Die Sichel des zu- oder abnehmenden Mondes ist ein sehr altes Schutzzeichen, das in vielen Kulturen begegnet.

Der Mond hatte für die Menschen früherer Zeiten eine große Bedeutung. Sein regelmäßiger Wechsel von Zunehmen und Abnehmen gliederte die Zeit. Der Mond war ein verlässlicher, wiederkehrender Begleiter der Nacht.

Mit dem Mond verbanden sich vielfältige Vorstellungen. Er wurde mit dem Wachsen und dem Vergehen in Zusammenhang gebracht, mit dem Wasser, mit der Fruchtbarkeit und mit weiblichen Schutzmächten.

Aus diesen Vorstellungen erwuchs die Verwendung der Mondsichel als Schutzzeichen. Ein Amulett in Sichelform stellte seinen Träger unter die Kraft des Mondes und unter die Mächte, die mit ihm verbunden waren.

Die Mondsichelamulette sind sehr alt. Schon lange vor Rom wurden sie im Vorderen Orient und im Mittelmeerraum getragen. Die römische Lunula steht in dieser langen Tradition.

Auch das europäische Hufeisen, das ebenfalls eine sichelartige, nach einer Seite offene Form hat, wird mit dieser alten Wertschätzung der Mondsichel in Verbindung gebracht. Die Lunula ist die unmittelbar als Mond verstandene Form dieses Gedankens.

Gestalt und Material

Die Lunula hat die klare Form einer Mondsichel. Sie ist ein nach oben oder zur Seite geöffneter Bogen, dessen beide Spitzen aufeinander zulaufen.

An einer der Spitzen oder zwischen den Spitzen war eine Öse angebracht. Durch sie wurde eine Schnur oder eine feine Kette gezogen, sodass die Lunula als Anhänger getragen werden konnte.

Das Material der Lunula richtete sich nach dem Vermögen der Familie. Für die Töchter wohlhabender Familien wurde sie aus Gold gefertigt. Eine goldene Lunula war ein kostbares Schmuckstück.

Ärmere Familien konnten sich kein Gold leisten. Für ihre Kinder bestand die Lunula aus einfacheren Stoffen, etwa aus Bronze oder anderen unedlen Metallen. Auch eine solche Lunula erfüllte ihren Zweck als Schutzamulett.

Goldene Lunulae waren oft kunstvoll gearbeitet. Ihre Oberfläche konnte mit feinem Dekor, mit Granulation und mit Verzierungen versehen sein. Sie waren Schmuck und Schutz zugleich.

Wie bei der Bulla änderte der Wert des Materials nichts an der Schutzbedeutung. Die einfache Bronzelunula schützte ebenso wie die goldene. Entscheidend war die Sichelform und das Amulett selbst, nicht sein Stoff.

Das Amulett der freigeborenen Mädchen

Die Lunula war an einen bestimmten Stand und an ein bestimmtes Geschlecht gebunden. Sie war das Amulett der freigeborenen Mädchen.

Sie wurde dem Mädchen früh angelegt, in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt. Von da an begleitete die Lunula das Kind durch seine Kindheit.

Damit war die Lunula nicht nur ein Schutzobjekt, sondern auch ein sichtbares Zeichen. Wer ein Mädchen mit einer Lunula sah, erkannte daran seinen freigeborenen Stand.

Die Lunula trennte so die freigeborenen Mädchen von den unfreien. Sie war ein Zeichen der Zugehörigkeit zur freien römischen Gesellschaft.

In dieser Verbindung von Schutz und Standeszeichen gleicht die Lunula der Bulla. Beide Amulette bewahrten das Kind und ordneten es zugleich in die Gesellschaft ein.

Die römische Gesellschaft hatte den Schutz der Kinder damit genau geregelt. Es gab eigene Amulette, und ihre Verwendung war mit dem Geschlecht und mit dem Stand des Kindes verbunden. Die Lunula war das Zeichen für das freigeborene Mädchen.

Lunula und Bulla

Die Lunula lässt sich nur im Zusammenhang mit der Bulla verstehen. Die beiden Amulette bilden ein Paar, das die römische Kinderschutzpraxis bestimmte.

Die Bulla war ein gerundetes, linsenförmiges Behältnis. Sie wurde vor allem von freigeborenen Knaben getragen. Auf der Seite zur Bulla ist sie näher dargestellt.

Die Lunula war das sichelförmige Amulett der freigeborenen Mädchen. Wo der Knabe die Bulla trug, trug das Mädchen die Lunula.

Beide Amulette wurden früh angelegt und begleiteten das Kind durch die als gefährdet empfundene Zeit der Kindheit. Beide wurden beim Übergang in das Erwachsenenalter abgelegt.

Bei den Knaben war das Ablegen der Bulla mit der Annahme der Männertoga verbunden. Bei den Mädchen wurde die Lunula im Zusammenhang mit der Heirat abgelegt, dem Übergang in den Stand der erwachsenen Frau.

Lunula und Bulla zeigen damit ein durchdachtes System. Die römische Gesellschaft kannte für Mädchen und Knaben je ein eigenes Schutzamulett, und ihr Tragen war an den Lebenslauf gebunden.

Schutz gegen den bösen Blick

Die Lunula sollte das Mädchen vor Unheil bewahren. Eine besondere Gefahr, gegen die sie sich richtete, war der böse Blick.

Der Glaube an den bösen Blick war in der römischen Welt fest verankert. Nach dieser Vorstellung konnte ein Blick, oft getragen von Neid, Schaden verursachen. Die Römer hatten für diese schädliche Wirkung einen eigenen Begriff.

Kleine Kinder galten als besonders gefährdet. Sie wurden als verletzlich und zugleich als beneidenswert wahrgenommen. Genau für sie war der Schutz durch ein Amulett gedacht.

Die Lunula begleitete das Mädchen durch diese als gefährlich empfundenen Jahre. Sie sollte den bösen Blick und andere schädliche Mächte abwehren.

Mit dieser Ausrichtung auf den Schutz der Kinder steht die Lunula in einer großen, kulturübergreifenden Reihe. In sehr vielen Kulturen richten sich die wichtigsten Schutzobjekte auf die Geburt und die frühe Kindheit.

Die Lunula ist die römische Antwort auf diese verbreitete Sorge, eine Antwort, die eigens auf das Mädchen zugeschnitten war. Sie zeigt, dass auch in der hochentwickelten römischen Gesellschaft der Schutz des Kindes ein dringliches Anliegen war.

Der Mond und die weiblichen Schutzmächte

Die Mondsichelform der Lunula verband das Amulett mit dem Mond und mit den Mächten, die mit ihm in Zusammenhang standen. Diese Mächte waren überwiegend weiblich.

In der römischen Religion war der Mond mit Göttinnen verbunden. Die Mondgöttin Luna und die Göttin Diana, die mit dem Mond und mit dem Schutz in Zusammenhang gebracht wurde, gehören hierher.

Diana galt unter anderem als Schützerin der Frauen und als Helferin bei der Geburt. Eine Verbindung der Mädchenamulette mit dem Mond und mit solchen Göttinnen lag damit nahe.

Der Mond wurde außerdem mit dem weiblichen Lebenslauf in Verbindung gebracht. Sein regelmäßiger Wechsel wurde als Bild für Wachstum, Reife und Wiederkehr verstanden.

Aus diesen Verbindungen erklärt sich, warum gerade die Mädchen ein Mondamulett trugen. Die Lunula stellte das Mädchen unter die Kraft des Mondes und unter die weiblichen Schutzmächte, die mit ihm verbunden waren.

Die Lunula ist damit ein Amulett, dessen Form und dessen Trägerin zusammenpassen. Das Mondzeichen für das Mädchen verband den Schutz mit der Vorstellung von einer weiblichen, mit dem Mond verbundenen Schutzkraft.

Verbreitung und Herkunft

Die Mondsichelamulette sind sehr viel älter als Rom. Sie sind aus dem Alten Orient und aus dem Mittelmeerraum über lange Zeiträume hinweg bekannt.

Im Vorderen Orient war die Mondsichel ein bedeutendes Zeichen, das mit Mondgottheiten verbunden war. Von dort und aus benachbarten Kulturen verbreitete sich das Mondsichelamulett weiter.

Auch die Etrusker, von denen die Römer zahlreiche Bräuche und Zeichen übernahmen, kannten Mondsichelamulette. Die römische Lunula steht in dieser Linie der Übernahme und Weitergabe.

Innerhalb der römischen Welt war die Lunula weit verbreitet. Die zahlreichen Funde, von einfachen Bronzestücken bis zu kostbaren goldenen Exemplaren, bezeugen ihren breiten Gebrauch.

Mit der Ausdehnung des römischen Einflusses verbreitete sich auch die Lunula. Sie ist in vielen Teilen des römischen Reiches gefunden worden.

Die Lunula ist damit ein gutes Beispiel für ein Schutzzeichen mit sehr alten Wurzeln. Sie ist nicht eine römische Erfindung, sondern die römische Ausprägung eines uralten, weit verbreiteten Gedankens, der Schutzkraft der Mondsichel.

Heutige Rezeption

Die Lunula als römisches Kinderamulett ist heute kein lebendiger Brauch mehr. Mit dem Ende der römischen Antike verschwand das Tragen der Lunula in seiner alten Form.

Dennoch ist die Lunula gut bekannt. Sie ist durch zahlreiche Funde bezeugt und in den Sammlungen vieler Museen zu sehen, vor allem die kostbaren goldenen Stücke.

Für die Erforschung der römischen Alltagskultur ist die Lunula eine wichtige Quelle. Gemeinsam mit der Bulla zeigt sie, wie die römische Gesellschaft den Schutz ihrer Kinder gestaltete.

Die Mondsichel als Schmuckform ist darüber hinaus bis heute lebendig. Mondsichelförmige Anhänger werden weiterhin getragen, auch wenn die unmittelbare Verbindung zur römischen Lunula dabei meist nicht bewusst ist.

Die Lunula ist damit ein eindrückliches Beispiel für ein Kinderamulett der Antike. Sie war eigens für das Mädchen bestimmt und verband den Schutz mit der alten Vorstellung von der Kraft der Mondsichel.

Gemeinsam mit der Bulla bezeugt die Lunula, dass der Schutz der Kinder ein zentrales Anliegen der römischen Welt war. Für jedes freigeborene Kind, ob Mädchen oder Knabe, hielt diese Gesellschaft ein eigenes Schutzamulett bereit.

Literatur (Auswahl)

  • Beryl Rawson: Children and Childhood in Roman Italy (2003)
  • Fritz Graf: Gottesnähe und Schadenzauber. Die Magie in der griechisch-römischen Antike (1996)
  • Jérôme Carcopino: Das tägliche Leben im alten Rom (1939)
  • John R. Clarke: Art in the Lives of Ordinary Romans (2003)
  • Kurt Latte: Römische Religionsgeschichte (1960)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Lunula Mondamulett Mondsichel Bulla Apotropäikon Diana Kinderamulett Rom.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch die Lunula gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.