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Schützende Handgesten: Feige, Hörnergeste und Abwehrhand

Schutzgesten sind bestimmte Handhaltungen, denen eine abwehrende Bedeutung zugeschrieben wird. Im Unterschied zum Amulett ist die Schutzgeste an keinen Gegenstand gebunden, sie wird allein mit der Hand und im Augenblick ausgeführt.

Dieser Artikel ordnet die Schutzgeste religionswissenschaftlich ein und verfolgt ihre Spuren von der Antike bis zur heutigen Rezeption. Dabei wird zwischen historisch dokumentiertem Brauchtum und moderner Deutung getrennt.

SchutzsymbolKulturübergreifendAbwehrgeste
Schutzgesten - Schutzsymbol, museale Illustration

Einordnung: Was eine Schutzgeste ist

Eine Schutzgeste ist eine festgelegte Handhaltung, die in einer als gefährdet empfundenen Lage ausgeführt wird, um schädliche Einflüsse abzuwehren. Sie ist eine körperliche Handlung und kein Gegenstand.

Das Besondere an der Schutzgeste ist ihre Unmittelbarkeit. Sie benötigt kein Material und keine Vorbereitung. Die Hand allein bildet das Zeichen, und die Geste ist im Augenblick verfügbar.

Drei Gesten sind besonders verbreitet. Die Feige besteht aus einer Faust, bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt wird. Die Hörnergeste streckt Zeige- und kleinen Finger aus. Die Abwehrhand zeigt die offene, flach erhobene Handfläche.

Diese Gesten richten sich in vielen Überlieferungen gegen den als schädlich geltenden Blick. Sie sollen einen solchen Blick abwehren oder vom Ausführenden weglenken.

Innerhalb der Schutzsymbole gehört die Schutzgeste zur Gruppe der körperlichen Schutzhandlungen. Sie steht damit neben Gegenständen, Zeichen und Stoffen.

Die Geste ist zugleich eng mit dem Bildmotiv verbunden. Die Feige und die Abwehrhand erscheinen auch als Anhänger und als gravierte Zeichen. Die Geste kann damit Handlung und Motiv zugleich sein.

Die Schutzgeste verbindet zwei Eigenschaften, die sie von anderen Schutzmitteln unterscheidet. Sie ist jederzeit verfügbar und sie hinterlässt keine Spur. Damit eignet sie sich besonders für Lagen, in denen ein Mensch unauffällig und ohne Vorbereitung reagieren wollte.

Herkunft und historische Tiefe der Schutzgesten

Gesten gehören zu den ältesten Ausdrucksmitteln des Menschen. Bestimmte Handhaltungen tragen in vielen Kulturen feste Bedeutungen, und einige davon haben eine abwehrende Deutung erhalten.

Die Feige ist seit der römischen Antike sicher belegt. Schriftliche Quellen und kleine Anhänger in Feigenform zeigen, dass die Geste und ihr Bildmotiv im römischen Alltag bekannt waren.

Die Geste hat in der römischen Welt eine doppelte Bedeutung. Sie galt einerseits als grobe, beleidigende Geste, andererseits als Mittel der Abwehr. Diese Doppelung begleitet die Feige bis in die Neuzeit.

Die Abwehrhand mit erhobener offener Handfläche ist in vielen Kulturen als Geste des Anhaltens und Fernhaltens bekannt. Sie erscheint zugleich als Bildmotiv, etwa in der weit verbreiteten Hand mit dem Augenmotiv.

Die Hörnergeste ist vor allem aus dem italienischen Raum bekannt, wo sie bis heute gegen den als schädlich geltenden Blick verwendet wird. Ihre genaue Geschichte ist schwerer zu fassen als die der Feige.

Insgesamt zeigt sich, dass mehrere Schutzgesten über lange Zeiträume belegt sind. Die Feige ist dabei am besten dokumentiert, weil sie früh auch als Anhänger fassbar wird.

Die Hörnergeste wird in der Forschung mit der weit verbreiteten Bedeutung des Horns als Zeichen von Kraft in Verbindung gebracht. Hörner erscheinen an Helmen, an Altären und als Anhänger. Die Geste reiht sich damit in ein breites Feld von Hornmotiven ein, das in vielen Kulturen mit Stärke verbunden wurde.

Die zugrundeliegende Vorstellung von der schützenden Geste

Ein verbreiteter Gedanke ist die Vorstellung, dass eine Geste einen schädlichen Blick auf sich ziehen und damit ablenken kann. Die auffällige Handhaltung soll die Aufmerksamkeit binden, die sonst dem Ausführenden gälte.

Bei der Feige spielt die Form eine Rolle. Der zwischen den Fingern hervorschauende Daumen wurde in der Forschung als Anspielung auf Geschlechtliches gedeutet. Solche Anspielungen galten in vielen Kulturen als abwehrend, weil sie den Blick auf sich zogen.

Bei der Hörnergeste verweist die Form auf Hörner. Hörner galten in vielen Kulturen als Zeichen von Kraft. Eine Geste, die Hörner nachbildet, sollte nach dieser Vorstellung dieser Kraft teilhaftig sein.

Bei der Abwehrhand ist die offene Handfläche zentral. Die erhobene flache Hand ist eine Geste des Anhaltens. Sie soll einen Einfluss aufhalten, bevor er den Ausführenden erreicht.

Allen Gesten gemeinsam ist die Idee der gerichteten Handlung. Die Geste wird bewusst gegen eine als gefährlich empfundene Richtung ausgeführt, etwa gegen eine Person, deren Blick gefürchtet wird.

Die hier geschilderten Vorstellungen sind kulturhistorische Erklärungen. Sie beschreiben, warum bestimmten Gesten eine abwehrende Bedeutung gegeben wurde, und dokumentieren einen Glauben. Sie sind kein Beleg für eine Wirkung. Die Forschung beschreibt die Vorstellung, ohne sie zu bestätigen.

Allen drei Gesten ist außerdem gemeinsam, dass sie sich leicht in ein dauerhaftes Bildmotiv überführen ließen. Die geformte Hand konnte als Anhänger nachgebildet und ständig getragen werden. Diese Nähe von Handlung und Gegenstand ist ein Kennzeichen der Schutzgeste.

Beispiele aus der Antike und dem Vorderen Orient

In der römischen Welt ist die Feige besonders gut belegt. Schriftsteller erwähnen die Geste, und kleine Anhänger in Feigenform wurden als Schmuck und als Amulett getragen, häufig von Kindern.

Diese Feigenanhänger zeigen, dass die Geste früh in ein dauerhaftes Bildmotiv überführt wurde. Aus der flüchtigen Handhaltung wurde ein Gegenstand, der ständig getragen werden konnte.

Im Vorderen Orient ist die offene Hand als Bildmotiv weit verbreitet. Die Hand mit dem Augenmotiv ist über viele Jahrhunderte und über mehrere Religionen hinweg belegt.

In der antiken Welt galt die offene Hand allgemein als Geste des Grußes, des Schutzes und des Anhaltens. Diese Bedeutung bildet den Hintergrund der abwehrenden Deutung der Abwehrhand.

Auch aus der griechischen Welt sind Hinweise auf abwehrende Gesten überliefert. Antike Quellen erwähnen Handlungen, mit denen ein als schädlich geltender Blick abgewendet werden sollte.

Diese Beispiele zeigen, dass Schutzgesten im antiken Mittelmeerraum und im Vorderen Orient bekannt waren. Die Feige und die offene Hand sind dabei am deutlichsten greifbar.

Auch aus dem etruskischen und frühitalischen Raum sind kleine Anhänger in Form einer Faust überliefert, die der römischen Feige vorausgehen oder neben ihr stehen. Sie zeigen, dass die abwehrende Deutung der Handform im Mittelmeerraum eine längere Vorgeschichte hat. Die Feige reiht sich damit in eine breite Tradition geformter Handzeichen ein.

Beispiele aus der europäischen Volksmagie

In der europäischen Volksmagie ist die Feige weit verbreitet. Volkskundliche Sammlungen berichten von der Geste als spontaner Abwehrhandlung, die bei einer Begegnung mit einer als gefährlich empfundenen Person ausgeführt wurde.

Häufig wurde die Feige verdeckt ausgeführt, etwa in der Tasche oder hinter dem Rücken. Auf diese Weise konnte die Geste gemacht werden, ohne dass das Gegenüber sie bemerkte.

Die Feige erscheint in Europa auch als Anhänger. Kleine Feigen aus Koralle, Bein oder Edelmetall wurden besonders Kindern angelegt. Sie verbinden die Geste mit der dauerhaften Form des Amuletts.

Die Hörnergeste ist vor allem aus dem italienischen Raum überliefert. Sie wird dort gegen den als schädlich geltenden Blick verwendet und ist bis heute bekannt.

Berichte über Schutzgesten dokumentieren die Erwartungen der Anwender und nicht eine belegte Wirkung. Sie zeigen, dass die Geste als unmittelbar verfügbare, Sicherheit stiftende Handlung verstanden wurde.

Mit dem Rückgang des magischen Hausbrauchs verlor die abwehrende Deutung der Gesten an Gewicht. Die Feige und die Hörnergeste blieben jedoch als Gesten bekannt, teils mit anderer Bedeutung.

In Spanien und Portugal ist die Feige als Anhänger unter dem Namen Higa bis in die Neuzeit verbreitet. Kleine Higas aus Jett, Koralle oder Silber wurden besonders Kindern angelegt und sind in volkskundlichen Sammlungen reich vertreten. Diese Beispiele zeigen, wie eng die flüchtige Geste und das dauerhafte Amulett miteinander verbunden blieben.

Beispiele aus Asien und weiteren Kulturen

In Süd- und Ostasien sind festgelegte Handhaltungen in religiösen Zusammenhängen weit verbreitet. In der hinduistischen und buddhistischen Tradition tragen solche Handzeichen feste Bedeutungen und erscheinen in Ritual und Bildkunst.

Einige dieser Handzeichen sind mit der Vorstellung von Schutz und Furchtlosigkeit verbunden. Die erhobene offene Hand erscheint dort als Geste, die Furcht nehmen und schützen soll.

Die offene Hand als Schutzmotiv ist über Asien hinaus bekannt. Im islamisch geprägten Raum und in jüdischen Zusammenhängen ist die Hand als Bildmotiv weit verbreitet und gehört zu den bekanntesten Schutzzeichen.

In verschiedenen Kulturen ist das Ausstrecken oder Spreizen der Finger als abwehrende Handlung überliefert. Die genaue Form der Geste ist dabei regional verschieden.

Über diese Räume hinweg zeigt sich, dass die Hand als Schutzzeichen kein Motiv einer einzelnen Kultur ist. Die offene Hand ist in besonders vielen Traditionen mit Schutz verbunden.

Die Vielfalt der Beispiele macht deutlich, dass die Schutzgeste als Prinzip zu verstehen ist. Sie entsteht überall dort, wo einer Handhaltung eine über den Alltag hinausgehende Bedeutung gegeben wird.

In der christlichen Bildkunst hat die erhobene offene Hand als Geste des Segens eine feste Stelle. Sie erscheint in Darstellungen segnender Gestalten und verband sich mit der Vorstellung von Schutz und Beistand. Diese religiöse Verwendung steht neben der volksmagischen Abwehrgeste und zeigt das breite Bedeutungsfeld der offenen Hand.

Anwendung in Ritual und Alltag

Die Schutzgeste wurde im Alltag meist spontan ausgeführt. Sie war in dem Augenblick verfügbar, in dem eine Lage als gefährdet empfunden wurde, etwa bei der Begegnung mit einer gefürchteten Person.

Häufig wurde die Geste verdeckt gemacht. Die Feige in der Tasche oder hinter dem Rücken ermöglichte eine Abwehr, ohne das Gegenüber offen zu beleidigen. Diese Verdecktheit gehört zum überlieferten Brauch.

Die Geste konnte mit gesprochenen Worten verbunden sein. Ein leiser Spruch oder eine Anrufung begleitete in manchen Überlieferungen die Handhaltung und gehörte zur vollständigen Handlung.

Als Anhänger wurde die Geste in eine dauerhafte Form überführt. Eine Feige aus Koralle oder eine Hand aus Metall trug das Motiv ständig mit sich und musste nicht im Augenblick ausgeführt werden.

In rituellen Zusammenhängen, vor allem in religiösen Traditionen Asiens, sind Handzeichen Teil festgelegter Abläufe. Die Geste folgt dort einer überlieferten Ordnung und einem festen Sinn.

Eine einheitliche Ritualordnung für Schutzgesten gibt es nicht. Im volksmagischen Bereich war die Geste meist spontan, im religiösen Bereich Asiens dagegen festgelegt. Die genaue Form hing von Tradition und Anlass ab.

Auch die Richtung der Geste war von Bedeutung. Die Feige und die Hörnergeste wurden gezielt auf eine als gefährlich empfundene Person hin ausgeführt. Diese Ausrichtung zeigt, dass die Geste nicht allgemein, sondern auf einen bestimmten Gegenüber bezogen verstanden wurde.

Verwandte Schutzformen und Abgrenzung

Die Schutzgeste steht in enger Verwandtschaft mit dem Bildamulett. Die Feige und die offene Hand erscheinen sowohl als Geste als auch als Amulett oder Talisman. Geste und Motiv gehen ineinander über.

Eng verbunden ist die Schutzgeste mit der Abwehr des als schädlich geltenden Blicks. Wie die blaue Augenperle richten sich die Gesten häufig gegen diesen Blick, sie tun es jedoch mit dem Körper statt mit einem Gegenstand.

Vom Amulett unterscheidet sich die reine Geste durch ihre Flüchtigkeit. Ein Amulett ist dauerhaft und an Material gebunden. Die Geste ist eine Handlung im Augenblick und hinterlässt keine Spur.

Eine Grenze besteht zur Geste als bloßer Beleidigung. Die Feige und die Hörnergeste werden in manchen Zusammenhängen rein beleidigend verwendet. In dieser Verwendung fehlt die abwehrende Deutung.

Abzugrenzen ist die Schutzgeste ferner von der rein religiösen Ritualgeste. Handzeichen im Gottesdienst und im Gebet folgen einer kultischen Ordnung und tragen nicht in erster Linie eine abwehrende Bedeutung.

Die Einordnung in diese Nachbarschaft hilft, die Schutzgeste genau zu bestimmen. Sie ist eine körperliche Abwehrhandlung, die mit dem Bildamulett verwandt ist und sich von Beleidigung und reiner Ritualgeste unterscheidet.

Innerhalb der körperlichen Schutzhandlungen steht die Schutzgeste neben weiteren Handlungen wie dem Ausspucken und dem Berühren bestimmter Gegenstände. Auch diese gelten in volkskundlichen Quellen als spontane Abwehrhandlungen. Die Geste reiht sich damit in eine breite Gruppe körperlicher Reaktionen ein.

Heutige Rezeption der Schutzgesten

Einige Schutzgesten sind als Gesten bis heute bekannt, oft jedoch mit veränderter Bedeutung. Die Feige und die Hörnergeste werden in mehreren Ländern verstanden, teils als grobe Geste, teils als Brauch.

Die Hörnergeste hat in der Populärkultur eine eigene Verbreitung gefunden, vor allem im Umfeld bestimmter Musikrichtungen. Diese moderne Verwendung steht in keinem Zusammenhang mehr mit der alten Abwehrdeutung.

In der modernen Esoterik werden Handgesten mitunter als Mittel der Abwehr beschrieben. Solchen Praktiken werden Wirkungen zugeschrieben, die nicht belegt sind. Sie sollten kritisch betrachtet werden.

Als Bildmotiv ist die offene Hand bis heute weit verbreitet. Die Hand mit dem Augenmotiv erscheint auf Schmuck und Dekoration und ist als Schutzsymbol allgemein bekannt.

Für die Religionswissenschaft sind Schutzgesten ein lehrreiches Beispiel. Sie zeigen, wie eine flüchtige körperliche Handlung zu einem festen Zeichen werden und sogar in ein dauerhaftes Amulett übergehen konnte.

Wer sich heute mit Schutzgesten befasst, findet darin vor allem ein kulturgeschichtliches Thema. Ein sachlicher Umgang trennt die belegte Geschichte der Gesten von modernen Wirkungsversprechen, die einer Prüfung nicht standhalten.

In der Erforschung der Körpersprache werden Gesten heute systematisch erfasst und verglichen. Solche Untersuchungen zeigen, dass dieselbe Handform in verschiedenen Kulturen sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Dieser Befund macht deutlich, warum die abwehrende Deutung einer Geste an ihren kulturellen Zusammenhang gebunden bleibt.

Literatur (Auswahl)

  • Liselotte Hansmann, Lenz Kriss-Rettenbeck: Amulett und Talisman. Erscheinungsform und Geschichte (1966)
  • Alan Dundes (Hrsg.): The Evil Eye. A Casebook (1981)
  • Frederick Thomas Elworthy: The Evil Eye. An Account of this Ancient and Widespread Superstition (1895)
  • Desmond Morris: Bodytalk. Körpersprache, Gesten und Gebärden (1994)
  • Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (1927-1942)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Schutzgesten Feige Hörnergeste Abwehrhand Mano Cornuta offene Hand Handzeichen böser Blick apotropäisch Abwehrgeste.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch die Schutzgeste gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.