Das Sri Yantra ist ein geometrisches Diagramm aus ineinandergreifenden Dreiecken und Lotosringen. Es gehört zur Tradition des Hinduismus und dient der Meditation und der Verehrung. Als Bild einer vollkommenen Ordnung wird es zugleich mit Schutz und mit Segen verbunden.
Das Sri Yantra ist ein geometrisches Diagramm aus der Tradition des Hinduismus. Der Begriff Yantra bezeichnet im Hinduismus ein geometrisches Schaubild, das der Verehrung und der Meditation dient. Das Sri Yantra gilt als das bekannteste und am höchsten geachtete unter diesen Diagrammen.
Das Wort Sri ist ein verbreiteter Ehrentitel, der so viel wie heilig oder gesegnet bedeutet. Das Sri Yantra ist also gleichsam das ehrwürdige Yantra, das hervorgehobene Diagramm. Manche Texte nennen es auch Sri Chakra, was Diagramm oder Rad bedeutet.
Aufgebaut ist das Sri Yantra aus mehreren ineinandergreifenden Dreiecken, die von Ringen aus Lotosblättern und von einer quadratischen Umrahmung umgeben sind. Diese Form ist genau festgelegt und folgt einer durchdachten Ordnung.
In der religiösen Praxis dient das Sri Yantra der Verehrung der Göttin und als Hilfsmittel der Meditation. Es wird betrachtet, verehrt und in manchen Traditionen auch hergestellt und am Wohnort aufgestellt.
Über die Verehrung hinaus wird dem Sri Yantra eine ordnende und schützende Bedeutung zugeschrieben. Als Bild einer vollkommenen Ordnung gilt es als ein Zeichen, das Unheil fernhält und Segen anzieht.
In der Religionswissenschaft ist das Sri Yantra ein gutes Beispiel für ein religiöses Diagramm. Anders als ein Bild eines Gottes stellt es nichts Gegenständliches dar, sondern bringt durch reine Geometrie eine geistige Ordnung zum Ausdruck.
Der Aufbau des Sri Yantra folgt einer festen Ordnung. Im Mittelpunkt steht ein Punkt, der im Hinduismus Bindu genannt wird. Dieser Punkt gilt als der Ursprung, aus dem sich das ganze Diagramm gleichsam entfaltet.
Um den Mittelpunkt herum sind mehrere Dreiecke angeordnet. Ein Teil dieser Dreiecke weist mit der Spitze nach oben, ein anderer Teil mit der Spitze nach unten. Die Dreiecke greifen so ineinander, dass eine vielfach gegliederte Figur entsteht.
Die nach oben weisenden und die nach unten weisenden Dreiecke werden im Hinduismus mit dem männlichen und dem weiblichen Prinzip verbunden. Ihr Ineinandergreifen stellt das Zusammenwirken dieser beiden Prinzipien dar.
Um die Dreiecke legen sich Ringe aus Lotosblättern. In der überlieferten Form trägt ein Ring acht Blätter, ein weiterer Ring sechzehn Blätter. Der Lotos ist im Hinduismus ein wichtiges Zeichen der Reinheit und der Entfaltung.
Das Ganze wird von einer quadratischen Umrahmung eingefasst. Dieses Quadrat trägt an seinen Seiten Toröffnungen, die in die vier Himmelsrichtungen weisen. Es bildet die äußere Grenze des Diagramms.
Die genaue Konstruktion des Sri Yantra ist anspruchsvoll. Die ineinandergreifenden Dreiecke müssen so gezeichnet werden, dass ihre Schnittpunkte genau aufeinandertreffen. Eine sorgfältige geometrische Ausführung gilt darum als wesentlich.
Um das Sri Yantra zu verstehen, ist ein Blick auf den Begriff des Yantra hilfreich. Yantras sind im Hinduismus geometrische Diagramme, die der Verehrung, der Meditation und der Konzentration dienen.
Ein Yantra unterscheidet sich von einem Götterbild. Es zeigt keine menschengestaltige Figur, sondern besteht aus geometrischen Formen wie Punkten, Linien, Dreiecken, Kreisen und Quadraten. Diese Formen tragen eine sinnbildliche Bedeutung.
Yantras werden häufig einer bestimmten Gottheit zugeordnet. Das Diagramm gilt dann als eine geometrische Gestalt dieser Gottheit, gleichsam als ihr Bild in der Sprache der reinen Form.
Verwandt mit dem Yantra ist das Mandala, das vor allem aus dem Buddhismus bekannt ist. Auch das Mandala ist ein geordnetes Diagramm, das der Meditation dient. Yantra und Mandala gehören zu einer gemeinsamen Familie geordneter religiöser Schaubilder.
Im Hinduismus haben Yantras einen festen Platz in der religiösen Praxis. Sie werden gezeichnet, verehrt und betrachtet. In manchen Traditionen werden sie auf Metallplättchen graviert und getragen oder am Wohnort aufgestellt.
Das Sri Yantra ragt aus der Reihe der Yantras heraus. Es gilt als das vollständigste und als das bedeutendste von ihnen. In ihm ist die Ordnung des Yantra besonders reich und vielschichtig ausgeführt.
Das Sri Yantra ist mit der Verehrung der Göttin verbunden. Im Hinduismus wird das Göttliche auch in weiblicher Gestalt verehrt, und das Sri Yantra gehört in den Zusammenhang dieser Verehrung.
Das Diagramm wird der Göttin in ihrer segenspendenden, gütigen Gestalt zugeordnet. In den Traditionen, die das Sri Yantra hochhalten, gilt es als die geometrische Gestalt dieser Göttin.
Die ineinandergreifenden Dreiecke werden dabei sinnbildlich gedeutet. Sie stellen das Zusammenwirken des männlichen und des weiblichen Prinzips dar, aus dem nach hinduistischer Vorstellung die Welt hervorgeht.
Der Mittelpunkt des Diagramms, der Bindu, wird als Sitz der Göttin verstanden. Von diesem Punkt aus entfaltet sich das ganze Diagramm. Wer das Sri Yantra meditiert, richtet seine Aufmerksamkeit auf diesen Mittelpunkt hin.
Diese Zuordnung gehört vor allem zu einer Strömung des Hinduismus, die das Sri Yantra besonders pflegt. In dieser Strömung steht die Verehrung der Göttin im Mittelpunkt, und das Sri Yantra ist ihr zentrales Diagramm.
Das Sri Yantra ist damit kein bloßes geometrisches Muster. Es ist ein Verehrungsdiagramm, das die Göttin in der Sprache der Geometrie darstellt und das der Hinwendung zu ihr dient.
Das Sri Yantra dient in der religiösen Praxis vor allem zwei Zwecken, der Meditation und der Verehrung. Beide hängen eng zusammen.
In der Meditation wird das Diagramm betrachtet. Der Übende richtet seinen Blick und seine Aufmerksamkeit auf das Sri Yantra, häufig von der äußeren Umrahmung schrittweise nach innen, bis zum Mittelpunkt.
Dieser Weg von außen nach innen ist sinnbildlich gemeint. Er gilt als ein Weg der Sammlung, der von der Vielfalt der äußeren Welt zur Einheit des Mittelpunktes führt. Das Diagramm gibt der Meditation eine Ordnung und einen Weg.
In der Verehrung wird das Sri Yantra wie ein Bild der Göttin behandelt. Es kann mit den üblichen Gaben der hinduistischen Verehrung geehrt werden, etwa mit Blumen, mit Licht und mit gesprochenen Formeln.
In manchen Traditionen wird das Sri Yantra mit dem Aufsagen von heiligen Silben und Formeln verbunden. Das gesprochene Wort und das betrachtete Diagramm wirken dann zusammen. Verwandt ist hier die Bedeutung der heiligen Silbe, die auf der Seite zum Om-Symbol näher dargestellt ist.
Die Verehrung des Sri Yantra ist anspruchsvoll und folgt überlieferten Regeln. In ihrer ausgeführten Form wird sie unter Anleitung und im Rahmen einer bestimmten Tradition gepflegt.
Über die Meditation und die Verehrung hinaus wird dem Sri Yantra eine ordnende und schützende Bedeutung zugeschrieben. Diese Bedeutung beruht auf der Gestalt des Diagramms.
Das Sri Yantra ist ein Bild vollkommener Ordnung. Jede Linie, jedes Dreieck und jeder Ring hat seinen genau bestimmten Ort. Das Ganze ist um einen Mittelpunkt herum aufgebaut und folgt einer durchdachten Geometrie.
Eine solche vollkommene Ordnung galt als kraftvoll. Wo eine lückenlose Ordnung herrscht, hat das Unheil nach dieser Vorstellung keine Stelle, an der es ansetzen könnte. Das geordnete Diagramm wird so zu einem Zeichen, das Unheil fernhält.
In der Praxis wird das Sri Yantra darum auch am Wohnort und am Arbeitsort aufgestellt. Es soll dort eine günstige, geordnete Wirkung entfalten und Segen sowie Wohlergehen befördern.
Darin ähnelt das Sri Yantra anderen Schutzzeichen, die auf der Vorstellung von der schützenden Kraft der vollkommenen Ordnung beruhen. Magische Quadrate und geordnete Diagramme verschiedener Kulturen folgen demselben Grundgedanken.
Es ist jedoch redlich zu sagen, dass diese schützende und segensbringende Verwendung in der Praxis breiter ist als in den gelehrten Texten. Die alten Texte betonen vor allem die Meditation und die Verehrung. Die Verwendung als allgemeines Schutz- und Glückszeichen ist eine verbreitete, teils auch jüngere Ausweitung.
Das Sri Yantra begegnet in mehreren Formen. Diese Formen reichen von der gelehrten Praxis bis zum verbreiteten Alltagsgebrauch.
In der überlieferten Praxis wird das Sri Yantra gezeichnet oder graviert. Es kann auf Papier, auf Stoff oder auf eine Metallplatte gebracht werden. Häufig wird es in Kupfer graviert, das im Hinduismus als geeignetes Material gilt.
Die genaue und sorgfältige Ausführung gilt als wichtig. Da das Sri Yantra ein Bild der vollkommenen Ordnung ist, soll auch seine Herstellung dieser Ordnung entsprechen. Eine ungenaue Zeichnung gilt als mangelhaft.
Im weiteren Gebrauch erscheint das Sri Yantra heute auf Anhängern, auf Bildern und auf Gegenständen der häuslichen Verehrung. In dieser Form ist es ein verbreitetes Zeichen geworden.
Als Anhänger getragen verbindet das Sri Yantra die Verehrung der Göttin mit dem Wunsch nach Schutz und nach Wohlergehen. Es gehört dann zu den getragenen Zeichen, ähnlich anderen hinduistischen Zeichen.
Bei diesem verbreiteten Gebrauch ist zu bedenken, dass das Sri Yantra in der gelehrten Tradition ein anspruchsvolles Verehrungsdiagramm ist. Der einfache Gebrauch als Schmuck und Glückszeichen ist davon abzugrenzen, auch wenn beide Formen heute nebeneinander bestehen.
Das Sri Yantra ist ein gutes Beispiel dafür, wie Geometrie zu einer religiösen Sprache werden kann. Es stellt das Göttliche nicht in menschlicher Gestalt dar, sondern in reiner Form.
In vielen Religionen wird das Göttliche durch Bilder von Göttern, von Heiligen oder von Erzählungen vermittelt. Das Yantra geht einen anderen Weg. Es übersetzt geistige Inhalte in Punkte, Linien und Flächen.
Der Mittelpunkt steht für den Ursprung, die ineinandergreifenden Dreiecke für das Zusammenwirken zweier Prinzipien, die Lotosringe für die Entfaltung, das umrahmende Quadrat für die geordnete Welt. Jede Form trägt eine Bedeutung.
Diese Verwendung der Geometrie als Sinnsprache ist nicht auf den Hinduismus beschränkt. Auch andere Traditionen kennen geordnete Diagramme, die geistige Inhalte in geometrischer Form ausdrücken.
Das Besondere am Sri Yantra ist die Dichte und die Vielschichtigkeit seiner Geometrie. In einem einzigen Diagramm sind zahlreiche Bedeutungsebenen zusammengeführt, die sich dem Betrachter erst nach und nach erschließen.
Das Sri Yantra zeigt damit, dass ein religiöses Zeichen nicht bildlich sein muss. Auch eine geordnete geometrische Figur kann ein tiefgründiges Verehrungs- und Meditationsbild sein.
Das Sri Yantra ist im Hinduismus bis heute ein lebendiges Zeichen. In den Traditionen der Göttinverehrung wird es weiterhin gezeichnet, verehrt und meditiert.
Darüber hinaus ist das Sri Yantra weit über den engeren religiösen Bereich hinaus bekannt geworden. Als Anhänger, als Wandbild und als Gegenstand der häuslichen Gestaltung ist es vielfach verbreitet.
In dieser weiteren Verbreitung wird das Sri Yantra häufig allgemein als Zeichen der Harmonie, der Ordnung und des Wohlergehens verstanden. Die genaue religiöse Bedeutung tritt dabei mitunter in den Hintergrund.
Auch außerhalb des Hinduismus hat das Sri Yantra Aufmerksamkeit gefunden, etwa in Zusammenhängen, die sich mit Meditation und mit geometrischen Mustern befassen. Hier ist eine sachliche Trennung wichtig zwischen der überlieferten hinduistischen Bedeutung und den jüngeren, ihr fremden Deutungen.
Eine redliche Darstellung benennt das Sri Yantra als das, was es in seiner Tradition ist, ein geometrisches Verehrungsdiagramm der hinduistischen Göttinverehrung. Die Verwendung als allgemeines Harmonie- und Glückszeichen ist eine spätere Ausweitung.
Das Sri Yantra bleibt damit ein eindrückliches Beispiel für ein religiöses Diagramm. In ihm verbinden sich eine durchdachte Geometrie, die Verehrung der Göttin und der Gedanke, dass eine vollkommene Ordnung Schutz und Segen gewährt.
Verwandte Schlüsselbegriffe: Sri Yantra Yantra Bindu Dreiecke Lotosringe Göttin Meditationsdiagramm Geometrie Hinduismus.
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