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Gebete als Schutz – Segensworte im Volksglauben

SchutzpraktikSchutz-Kompass

Neben Kräutern, Amuletten und Zeichen zählt das gesprochene Wort zu einem seit langer Zeit weit verbreiteten Schutzmittel. Schutzgebete richten sich an eine höhere Macht, meist Gott, Engel oder Heilige, mit der Bitte um Bewahrung vor Krankheit, Gefahr auf Reisen, nächtlicher Bedrohung oder bösen Mächten.

Von formelhaften Kirchengebeten wie Psalm 91 bis zu volkstümlichen Haussegen, die an Balken geschrieben wurden, reicht die Bandbreite dieser Praxis. Sie unterscheidet sich dabei deutlich vom Bannspruch, der ein Übel aktiv bannt und vertreibt, und vom Besprechen, der individuellen Heilformel einer kundigen Person gegen ein bestimmtes Leiden.

Gebete gelten im Volksglauben und in den Weltreligionen als Schutz durch das gesprochene Wort.

Wacholder – Räucherpflanze und Schutzstrauch, historisch-illustrativ

Schnellübersicht

Ein Schutzgebet ist ein an eine höhere Macht gerichtetes, häufig formelhaftes Wort mit dem Ziel, Unheil, Krankheit oder Gefahr abzuwenden. Die Bandbreite reicht von kirchlich anerkannten Texten wie dem Vaterunser oder Psalm 91 bis zu volkstümlichen Segenssprüchen mit religiösem Einschlag.

Feste Formen sind der Abendsegen vor dem Schlafen, der Reisesegen vor Antritt einer Fahrt und der Haussegen, der Haus und Bewohner dauerhaft unter Schutz stellen soll.

Herkunft und Überlieferung

Psalm 91 mit seinem bekannten Anfang „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt“ gilt seit dem Mittelalter als zentraler biblischer Schutztext und wurde in Zeiten von Seuchen und Kriegsgefahr besonders häufig gebetet, teils als sogenannter Pestpsalm bezeichnet. In manchen Regionen wurden einzelne Verse auf kleine Zettel geschrieben und in Kleidung eingenäht, eine Praxis, die den Übergang vom gesprochenen Gebet zum getragenen Amulett zeigt.

Der Abendsegen und der Reisesegen gehörten über Jahrhunderte zum festen Tagesablauf gläubiger Familien: Vor dem Einschlafen wurde um Bewahrung während der schutzlosen Nachtstunden gebeten, vor Antritt einer Reise um sicheres Geleit. Die kirchlichen Benediktionale des Mittelalters sammelten zahlreiche solcher formelhaften Segenssprüche für Haus, Feld, Vieh und Reisende.

Daneben lebte ein volkstümlicher Haussegen fort, der häufig als Spruch an Türsturz oder Deckenbalken geschrieben wurde, oft in Verbindung mit Schutzzeichen wie dem Kreuz. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens dokumentiert diese enge Verflechtung von gesprochenem Segen und sichtbarem Zeichen.

Wirkprinzip laut Überlieferung

Dem Schutzgebet wird eine Kraft zugeschrieben, die im gesprochenen oder geschriebenen Wort selbst liegt, verstärkt durch Wiederholung und feste Formelhaftigkeit. Anders als beim Bannspruch, der ein konkretes Übel befiehlt zu weichen, bittet das Gebet eine höhere Macht um Beistand, es befiehlt nicht selbst.

Diese Unterscheidung markiert zugleich die Grenze zum Besprechen: Während das Besprechen eine individuelle, meist mündlich von einer kundigen Person weitergegebene Formel gegen ein bestimmtes Leiden ist, ist das Schutzgebet in der Regel überregional bekannt, formalisiert und für viele Anlässe gültig.

Kulturübergreifende Verbreitung

Schutzgebete finden sich in allen großen Weltreligionen. Im Judentum markiert die Mesusa an der Türschwelle, in der ein Textabschnitt aus der Tora verwahrt ist, einen dem christlichen Türsegen verwandten Gedanken. Im Islam gelten Bittgebete, sogenannte Duas, sowie bestimmte Koranverse als Schutz auf Reisen und in Gefahr.

Im Christentum unterscheiden sich katholische, orthodoxe und evangelische Tradition in der Betonung formelhafter Gebete, halten aber alle an Grundformen wie dem Abend- und Reisesegen fest. Diese Verbreitung über Kulturen und Konfessionen hinweg zeigt das Schutzgebet als ein menschheitsübergreifendes Phänomen.

Wogegen es eingesetzt wird

Schutzgebete richten sich gegen ein breites Spektrum an Gefahren: Krankheit und Seuche, Gefahren auf Reisen, nächtliche Bedrohung durch böse Geister sowie allgemeines Unheil für Haus und Familie.

Der Schutz-Kompass ordnet Gebete häufig als Ergänzung zu anderen Schutzmitteln ein, etwa zusammen mit Weihwasser, einer Schutzkerze oder dem Aufsagen beim Anrufen des Schutzengels.

Anwendung und Grenzen

Überliefert ist die regelmäßige, oft tägliche Wiederholung fester Formeln, häufig auswendig gelernt und in Kombination mit einem Kreuzzeichen oder anderen begleitenden Handlungen gesprochen. Der Abendsegen wird traditionell vor dem Einschlafen, der Reisesegen vor Antritt einer Fahrt gesprochen.

Eine wichtige Grenze liegt in der klaren Abgrenzung zu verwandten Praktiken: Wer eine konkrete, aktiv bannende Formel gegen ein benanntes Übel sucht, findet diese eher beim Bannspruch; wer eine individuell weitergegebene Heilformel gegen eine bestimmte Krankheit sucht, beim Besprechen. Das Schutzgebet ersetzt zudem keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Literatur (Auswahl)

  • Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli. Berlin: de Gruyter, 1927-1942.
  • Adolph Franz: Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter. Freiburg: Herder, 1909.
  • Adolf Spamer: Romanusbüchlein. Berlin: Akademie-Verlag, 1958.
  • Will-Erich Peuckert: Deutscher Volksglaube des Spätmittelalters. Stuttgart: Kohlhammer, 1942.
  • Richard Beitl / Klaus Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart: Kröner, 1974.

Verwandte Schlüsselbegriffe: schutzgebete segen hausschutz psalm reisesegen.

iWell Guard und Schutztraditionen

Das Schutzgebet zeigt in reiner Form, worum es bei fast allen Schutztraditionen geht: den Wunsch, eine Grenze zwischen der eigenen Verletzlichkeit und einer als bedrohlich empfundenen Welt zu ziehen, hier ausschließlich mit dem Mittel des Wortes. Diesen Gedanken einer bewusst gesetzten, persönlichen Grenze überträgt der iWell Guard in ein Objekt.

Wo der Reisesegen einst vor Antritt einer Fahrt gesprochen wurde, steht der Anhänger für einen Schutz, der ohne Worte auskommt und dennoch an dieselbe alte Praxis anknüpft, sich vor dem Aufbruch bewusst mit dem eigenen Schutzbedürfnis auseinanderzusetzen.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.