iWell Guard

Belial, König und Engel der Worte

Belial gehört zu den ältesten und sprachlich ergiebigsten Figuren der jüdischen und christlichen Dämonologie. Anders als Bael oder Paimon, deren Linie über die phönizisch-orientalischen Götter führt, wurzelt Belial im hebräischen Sprachgebrauch und in der frühjüdischen Apokalyptik.

Aus einem moralischen Abstraktbegriff entwickelte sich über die Qumran-Schriften ein benannter kosmischer Widersacher. In der Goetia steht er als achtundsechzigster Geist und gilt als König mit Befehlsgewalt über achtzig Legionen.

Inhaltsverzeichnis

Belial, Dämon der christlich-okkultistischen Goetia-Tradition

Belial

Belial gehört zu den ältesten und sprachlich ergiebigsten Figuren der jüdischen und christlichen Dämonologie. Anders als Bael oder Paimon, deren Linie über die phönizisch-orientalischen Götter führt, wurzelt Belial im hebräischen Sprachgebrauch und in der frühjüdischen Apokalyptik.

Aus einem moralischen Abstraktbegriff entwickelte sich über die Qumran-Schriften ein benannter kosmischer Widersacher. In der Goetia steht er als achtundsechzigster Geist und gilt als König mit Befehlsgewalt über achtzig Legionen.

Schnellüberblick: Belial

Typ: Dämon, König-Geist der Ars Goetia
Herkunft: Hebräische Bibel, frühjüdische Apokalyptik
Rang: König, 68. Geist der Goetia, Befehl über 80 Legionen
Quellen: Qumran-Schriften, Testament der Zwölf Patriarchen, Lemegeton
Verwandt: Luzifer, Samael, Asasel, Mastema

Einordnung

Zeitraum der Texte

Die Belial-Überlieferung reicht über mehr als zwei Jahrtausende. In der hebräischen Bibel erscheint das Wort als Gattungsbegriff, ohne personale Gestalt.

Die spezifisch dämonologische Figur wird in den Qumran-Schriften des 2. und 1. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung greifbar. Eine literarische Konjunktur folgt im Spätmittelalter mit dem Liber Belial um 1382, die magisch-okkulte Ausformung schließlich im Lemegeton des 17. Jahrhunderts.

Verbreitungsraum

Der Ausgangsraum ist das antike Israel und das Frühjudentum Palästinas, greifbar vor allem in den Texten der Qumran-Gemeinde am Toten Meer. Über das Neue Testament gelangte der Name in die griechischsprachige christliche Welt.

Im lateinischen Mitteleuropa verbreitete sich Belial durch den frühen Buchdruck, in der frühen Neuzeit über die Grimoires bis in die heutige westliche Esoterik.

Quellenlage

Die wichtigste Quellengruppe sind die Qumran-Schriften, namentlich die Kriegsrolle (1QM), die Gemeinderegel (1QS) und die Hodayot. Hinzu treten das Testament der Zwölf Patriarchen sowie eine einzige neutestamentliche Stelle (2 Kor 6, 15).

Für die spätere Tradition sind der Liber Belial des Jacobus de Theramo und das Lemegeton maßgeblich. Die akademische Forschung bearbeitet Belial vor allem im Kontext der Qumran-Studien und der Liber-Belial-Tradition.

Name

Der Name ist sprachlich umstritten. Die verbreitetste Erklärung zerlegt das hebräische beliyya’al (בְּלִיַּעַל) in die Negation beli (ohne, nicht) und ein zweites Element. Wird dieses als ya’al im Sinne von Nutzen verstanden, ergibt sich die Bedeutung ohne Nutzen oder Nichtsnutzigkeit.

Eine andere Lesart verbindet das zweite Glied mit der Wurzel für hinaufsteigen und kommt zu einer, der nicht hinaufsteigt, was als Bezeichnung der Unterwelt gedeutet wurde. Die Septuaginta übersetzt belial häufig mit paranomos (gesetzlos) oder asebes (gottlos).

Im Neuen Testament erscheint der Name in der Form Beliar, mit r statt l. Diese Lautvariante ist gut bezeugt und findet sich auch in anderen frühjüdischen und frühchristlichen Texten.

In der hebräischen Bibel begegnet die Wendung bene beli’al, Söhne Belials, als Bezeichnung für gewalttätige, gesetzlose Männer (Ri 19, 22; 1 Sam 10, 27), noch ohne jeden Bezug auf einen bestimmten Dämon.

Beschreibung

Belial ist im Frühjudentum kein Wesen mit fester körperlicher Gestalt, sondern eine personale Macht, die als Anführer der Finsternis gedacht wird.

In der Kriegsrolle steht er an der Spitze des feindlichen Heeres, die Gemeinderegel beschreibt eine begrenzte Herrschaft Belials, in der die Finsternis Macht über die Welt und über die Herzen der Menschen ausübt. Die Hodayot sprechen von den Stricken und Schlingen Belials, aus denen Gott die Beter errettet.

Erst die Goetia gibt ihm eine feste Bildform. Dort erscheint Belial als König-Geist von besonderer Prominenz, vom Text als unmittelbar nach Luzifer geschaffen bezeichnet. Die Ikonographie zeigt zwei strahlende Engel auf einem feurigen Streitwagen, eine Bildform, die an Ezechiels Thronwagenvision (Ez 1) anklingt und Belial mit den höheren Engelsklassen verbindet.

In der literarischen Rezeption wird Belial häufig als Verkörperung der Lüge und der schönen Worte ohne Substanz gezeichnet. John Miltons Paradise Lost macht ihn zu einem der eloquentesten gefallenen Engel im Höllenrat, einem eleganten Sprecher, der im Handeln zaghaft bleibt.

Diese Zeichnung ist nicht historisch belegt, knüpft aber an die alte qumranische Vorstellung an, Belial als Anti-Fürst der Wahrheit zu verstehen.

Steckbrief: Belial

Die folgenden Felder fassen die Goetia-Tradition zu Belial und ihre religionsgeschichtlichen Wurzeln zusammen.

Herkunft

Belial wurzelt im hebräischen Sprachgebrauch, wo beliyya’al zunächst ein moralisches Abstraktum mit der Bedeutung Verderben oder Bosheit war. Zur personalen Macht wurde die Figur erst in der frühjüdischen Apokalyptik, besonders in den Qumran-Schriften. Die Goetia bezeichnet ihn als unmittelbar nach Luzifer geschaffen und reiht ihn so in die gefallene Engelwelt ein.

Rang und Funktion

In der Goetia ist Belial ein König-Geist mit Befehlsgewalt über achtzig Legionen und steht als achtundsechzigster Geist im Verzeichnis. Er verleiht laut Lemegeton Würden, Senatorenränge und Gunstbeweise und sendet aufrichtige Antworten auf Fragen. In der Qumran-Tradition ist seine Funktion eine andere: dort führt er als Gegenspieler des Lichtfürsten die Söhne der Finsternis.

Erscheinung

Die Goetia beschreibt Belial nicht in tiergestaltiger Form, sondern als zwei strahlende Engel auf einem feurigen Streitwagen. Diese Bildform greift Ezechiels Thronwagenvision auf und betont seine Nähe zu den höheren Engelsklassen. In den Qumran-Texten bleibt er ohne Gestaltbeschreibung, eine reine Machtfigur der Finsternis.

Rituelle Anrufung

Charakteristisch für die Goetia-Darstellung ist die Forderung nach Opfergaben. Ohne eine entsprechende Geste, so der Text, werde Belial keine wahrheitsgemäße Auskunft geben. Diese Konditionierung der magischen Praxis ist im Lemegeton bei Belial besonders deutlich ausformuliert und unterscheidet ihn von Geistern, die ohne Vorbedingung antworten.

Sigill und Symbole

Das Belial-Sigill der Goetia zeigt ein geometrisch komplexes Muster aus Linien und Kreisen. Astrologisch wird Belial mit dem Wassermann assoziiert, als Element gilt Erde, als Planet Saturn. In der hermetischen Renaissance wurde er einem der vier Höllenfürsten der Erde-Region zugeordnet und mit der Trägheit der Materie verknüpft.

Verwandte Geister

Im Frühjudentum steht Belial neben weiteren Namen für die widergöttliche Macht, darunter Satan, Mastema, Asasel und Sammael. Diese Namen bezeichnen nicht durchgängig dieselbe scharf umrissene Person, sondern überlappen sich je nach Text. In der Goetia gilt Luzifer als ihm unmittelbar vorgeordnet, mit Samael verbindet ihn die spätere kabbalistische Deutung.

Rezeption und Wirkungsgeschichte

Im Christentum verschmolz Belial weitgehend mit der Figur des Teufels, behielt aber genug eigenes Profil, um in bestimmten Textgattungen als eigenständiger Name weiterzuleben. Frühchristliche Schriften wie die Himmelfahrt des Jesaja setzen Beliar als Bezeichnung für die widergöttliche Macht ein, mitunter mit endzeitlichen, antichristlichen Zügen.

Eine bemerkenswerte spätere Karriere machte Belial im Spätmittelalter durch den Liber Belial, einen lateinischen Prozesstraktat des Jacobus de Theramo aus dem späten 14. Jahrhundert.

Darin klagt Belial im Namen der Hölle gegen Christus, weil dieser bei seinem Abstieg in die Unterwelt die Seelen entrissen habe. Mose und Salomo treten als Anwälte auf. Das Werk wurde zu einem der frühesten gedruckten deutschen Bücher.

In der frühneuzeitlichen Dämonologie reihten die Grimoires Belial in die Hierarchien der Höllenfürsten ein. Die Pseudomonarchia Daemonum des Johann Weyer und die Ars Goetia führen ihn als mächtigen König mit einer festen Zahl unterstellter Geisterlegionen.

Heinrich Cornelius Agrippa nennt ihn in De occulta philosophia (1533) als Zuständigen für falsche Götzendienste und teuflische Dispute. Diese Systematisierungen sind gelehrte Konstruktionen der frühen Neuzeit und keine Fortsetzung der antiken Überlieferung, sie haben aber das moderne Bild Belials geprägt.

Die Crowley-Mathers-Edition der Goetia (1904) hat ihn in der zeitgenössischen Esoterik populär gemacht, die Joseph-Peterson-Edition (2001) ihn philologisch zugänglich. Crowley deutet Belial als personifizierten Widerstand gegen den Willen, eine psychologische Lesart, die in der modernen Chaos-Magie aufgenommen wird.

Die religionswissenschaftliche Forschung sieht darin eine moderne Eigeninterpretation, die mit der jüdisch-christlichen Belial-Tradition wenig zu tun hat. Wer Belial heute begegnet, trifft meist auf diese späte, literarisch durchformte Gestalt, nicht auf den Belial der Qumran-Texte.

Belial, Parallelen in anderen Kulturen

Die Figur des Belial steht in einem religionshistorischen Geflecht. Im persischen Zoroastrismus findet sich der Aeshma Daeva, der Geist des Zorns, der die Wahrheit verschleiert, mit strukturell ähnlicher Funktion.

Die mesopotamische Lamashtu-Tradition kennt Wesen, die mit verführerischer Eloquenz das Versprechen brechen. Im hinduistischen Kontext entspricht dem Belial-Topos der Asura Vritra, der den Lebensfluss durch täuschende Versprechen blockiert.

Diese Parallelen sind keine Kausalketten, sie zeigen aber ein wiederkehrendes religionsphänomenologisches Muster: der Widerstand gegen das Heilige als verführerische Sprachgewalt, nicht als roher Schrecken. In der jüdischen Mystik selbst wandelt sich die Figur erneut.

Die lurianische Kabbala ordnet Belial dem Bereich der Sitra Achra zu, der anderen Seite, und versteht ihn als Strukturkraft im kosmischen Drama der Wiederherstellung der zerbrochenen Lichtgefäße. Die chassidische Tradition deutet Belial-ähnliche Kräfte schließlich vor allem als innere Hindernisse auf dem geistlichen Weg.

Weiterführende Verlinkungen

  • Dämonen: Übersicht der Dämonen
  • Goetia: die Tradition der Ars Goetia
  • Christentum: kulturelle Einordnung
  • Luzifer: der Belial unmittelbar vorgeordnete Geist
  • Samael: verwandte Widersacherfigur der jüdischen Tradition

Literatur (Auswahl)

  • Joseph H. Peterson (Hg.): The Lesser Key of Solomon, Weiser 2001.
  • Florentino García Martínez: The Dead Sea Scrolls Translated, Brill 1996.
  • Heinrich Cornelius Agrippa: De occulta philosophia libri tres, Köln 1533, Buch III.
  • Jeffrey Burton Russell: The Devil. Perceptions of Evil from Antiquity to Primitive Christianity, Cornell UP 1977.
  • Stephen Skinner, David Rankine: The Goetia of Dr. Rudd, Llewellyn 2007.

Die hier beschriebene Schutzpraxis ist wissenschaftliche Einordnung historischer Traditionen. iWell Guard knüpft an diese kulturhistorische Linie tragbarer Schutzobjekte an und stellt eine zeitgenössische Form davon dar. Mehr über den iWell Guard →

Häufige Fragen zu Belial

Wer ist Belial?

Belial gehört zu den ältesten Figuren der jüdischen und christlichen Dämonologie. Er wurzelt im hebräischen Sprachgebrauch sowie in der frühjüdischen Apokalyptik. Aus einem moralischen Abstraktbegriff entwickelte sich über die Qumran-Schriften ein benannter kosmischer Widersacher, der dort die Söhne der Finsternis anführt. In der Goetia steht Belial als achtundsechzigster Geist und gilt als König mit Befehlsgewalt über achtzig Legionen.

Woher stammt der Name Belial?

Der Name ist sprachlich umstritten. Die verbreitetste Erklärung zerlegt das hebräische beliyya’al in die Negation beli und ein zweites Element. Dieses wird als Nutzen verstanden und führt zur Bedeutung ohne Nutzen oder Nichtsnutzigkeit. Eine andere Lesart verbindet das zweite Glied mit der Wurzel für hinaufsteigen, was als Bezeichnung der Unterwelt gedeutet wurde. Im Neuen Testament erscheint der Name in der Form Beliar, mit r statt l.

Wie wird Belial in der Goetia dargestellt?

Erst die Goetia gibt Belial eine feste Bildform. Sie beschreibt ihn nicht tiergestaltig, sondern als zwei strahlende Engel auf einem feurigen Streitwagen. Diese Bildform klingt an Ezechiels Thronwagenvision an und verbindet ihn mit den höheren Engelsklassen. Der Text bezeichnet Belial als unmittelbar nach Luzifer geschaffen. Charakteristisch ist die Forderung nach Opfergaben, ohne die er laut Text keine wahrheitsgemäße Auskunft gibt.

Welche Quellen überliefern Belial?

Die wichtigste Quellengruppe sind die Qumran-Schriften, namentlich die Kriegsrolle, die Gemeinderegel und die Hodayot. Hinzu treten das Testament der Zwölf Patriarchen sowie eine einzige neutestamentliche Stelle in 2 Kor 6, 15. Für die spätere Tradition sind der Liber Belial des Jacobus de Theramo aus dem späten 14. Jahrhundert und das Lemegeton des 17. Jahrhunderts maßgeblich. Die akademische Forschung bearbeitet Belial vor allem im Kontext der Qumran-Studien und der Liber-Belial-Tradition.

Einordnung & Schutz

IVSTUFE
Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe IV zu – Schwere Einwirkung.

Gegen seine Einwirkung nennt die kulturübergreifende Überlieferung diese Schutzmittel:

Im Schutz-Kompass vergleichen →

Empfohlene Schutzmittel

iWell Guard

Das einfachste Schutzmittel dieser Sammlung: 41 Schichten aus Echtgold 999, Platin, Silber und Silizium, gefertigt in Ruhla/Thüringen. Muss nicht aktiviert werden, ist an keine Person gebunden und wirkt im Umkreis von rund 50 Metern, auch ohne getragen zu werden.

Alle Schutzmittel im Überblick →