Yama ist Gott der hinduistischen Tradition.
Der erste Sterbliche, der Totengott und Richter der Seelen. Yama ist eine der ältesten indischen Gottheiten, nicht böse, sondern unvermeidlich wie der Tod selbst. Als der erste Mensch, der starb, wurde er zum Herrscher über das Jenseits, zum *Yamadharma*, dem Dharma des Todes. Mit seinem Stab (*Danda*) und seinem treuen Büffel *Nandi* durchstreift Yama die Welt, erfasst die Seelen der Sterbenden und führt sie vor das Gericht. Im Hinduismus ist er nicht Dämon, sondern eine notwendige Kraft der kosmischen Ordnung.
Typ: Hindu-buddhistische Hauptgottheit, Totenrichter und Herrscher der Unterwelt
Pantheon: Hinduismus, Buddhismus (Yamaraja), Tibet (Yama-Dharmaraja)
Funktion: Erster Sterblicher, der den Tod erfuhr; nun Richter aller Toten, Herr von Naraka
Hauptattribute: Schwarzer Büffel als Reittier, Keule (Danda), Schlinge (Pasha), Buch der Toten
Hauptkultorte: Yama-Tempel in Tamil Nadu, tibetische Klöster (Cham-Tanz), Japan (Enma-O)
Buddhistische Identifikation: Yamaraja (auch in Tibet), Enma-O (Japan), Yeomra (Korea)
Yama ist im Rigveda (1200–900 v. Chr.) als erster Sterblicher belegt, derjenige, der den Pfad in die Welt der Toten als erster ging und dort herrscht. In der späteren epischen Tradition (Mahabharata) wird er zum strengen Totenrichter. Im Buddhismus übernommen als Yamaraja, mit erweitertem Höllen-Kosmos. In Tibet seit dem 8. Jh. n. Chr. als Yama-Dharmaraja in den wrathful-deity-Pantheons. In Ost-Asien als Enma-O / Yeomra / Yanluo, jeweils mit lokalen Anpassungen.
In Indien Tempel zu Yama sind selten, der Totenrichter ist gefürchtet, nicht kultisch beliebt. Wichtigste: Yamadharma-Tempel in Tamil Nadu, Yama-Mandirs in Nepal. In Tibet zentral in den Cham-Tanz-Aufführungen der Gelug-Klöster (besonders Drepung, Gandän, Sera). In Japan in jedem buddhistischen Friedhof als Enma-O-Statue. In Korea: Yeomra in der schamanistischen Mu-sok-Tradition.
Zentrale Quellen: Rigveda X 14–18 (Yama als erster Toter), Atharvaveda, Mahabharata (Buch I, Sabha-Parva: die Yama-Sabhâ-Beschreibung), Markandeya Purana, Garuda Purana (Höllen-Beschreibungen). Buddhistisch: Devadhamma-Sutta, tibetisches Bardo Thodol. Sekundärliteratur: O’Flaherty, The Origins of Evil in Hindu Mythology; Doniger, Hindu Myths; Lopez, The Tibetan Book of the Dead.
Yama wird als grünhäutiger oder rötlicher Mann dargestellt, oft in königlicher Rüstung. Er trägt einen Stab (Danda), sein Attribut der Bestrafung und Ordnung, und häufig eine Schlinge (Pasha), um die Seelen zu binden. Sein Büffel Nandi ist sein wichtigstes Tier; manchmal reitet er auch auf Pferden oder mischt sich unter die Lebenden. In später ikonographischen Texten hat er ein grünes oder grau-schwarzes Gesicht.
Yama ist der unwidersprochene Richter. Keine Täuschung entgeht ihm. Wenn die Lebenszeit endet, kommt Yama persönlich, oder sein Abgesandter Chitragupta führt Buch, um die Seele zu holen. Die Seele wird dann ins Yamaloka gebracht, wo ihre Taten (Karma) abgewogen werden. Abhängig vom Karma erfolgt Bestrafung (Naraka) oder Belohnung (Swarga) vor der nächsten Wiedergeburt. Rituale für die Verstorbenen (Shraddha) sollen Yama besänftigen und die Seelen schneller ins nächste Leben führen.
Die wichtigsten Aspekte von Yama auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.
Yama ist Sohn der Sonnengottheit Vivasvat (Surya) und der Saranyu, Zwillingsbruder der Yami. Im ältesten Mythos der erste Mensch, der den Tod findet, daher derjenige, der den Pfad in die Totenwelt als erster ging und nun darin herrscht. In späteren Traditionen mit der Frau Dhumorna verheiratet, hat zwei Hündinnen (Sarama-Nachfahrinnen) als Wegwächter. Sein Haus liegt im Süden.
Erster Toter, deshalb König der Toten. Dharmaraja (König der Pflicht), Richter, der nach dem Karma jedes Verstorbenen entscheidet. Verwalter der 21 Höllen (Naraka) und der himmlischen Belohnungen. Im Buddhismus formal Bewahrer des kosmischen Gesetzes (Dharma) im Hinblick auf die Tat-Folge-Logik. In Tibet als wrathful deity auch Beschützer der Schul-Tradition gegen Negatives.
In hinduistischer Tradition: dunkelhäutige (grün-blau-schwarze) Gestalt mit Buntem Schmuck, in der Hand Danda (Keule des Gerichts) und Pasha (Schlinge, mit der er die Seelen einfängt), reitet auf einem schwarzen Büffel. Roter Anzug. In Tibet als Yama-Dharmaraja: Büffelkopf, drei Augen, flammende Aureole, Knochenornament, geschwungene Haar-Krone, hält einen Schädel-Becher und ein Schwert. Begleitet von seiner Schwester Yami und einem Diener-Heer.
Wirkungs-Bereich: Yama wird in Indien selten direkt um Schutz angerufen, er ist gefürchtet als der Strenge. In Toten-Riten ist er aber zentral, die Hinterbliebenen bitten um milde Behandlung des Verstorbenen. Im Bardo Thodol (Tibetisches Totenbuch) erscheint er dem Verstorbenen im Bardo-Zustand als prüfende Gestalt. In Japan ist Enma-O Hauptfigur der Buddhismus-volkstümlichen Toten-Riten und auf jedem Friedhof zentral. In den Cham-Tänzen Tibets als furchterregender Maskenträger.
Schwarzer Büffel (Reittier), Danda (Keule), Pasha (Schlinge), Buch der Toten, Spiegel des Karmas (Karma-Darpana), Schädel-Becher (tibetisch), Büffel-Kopf (tibetisch), flammende Aureole, drittes Auge. Pflanzen: schwarze Asphodelos. Heilige Richtung: Süden.
Yamaraja (Buddhismus), Yama-Dharmaraja (Tibet), Enma-O (Japan), Yeomra (Korea), Yanluo (China, Erste der zehn Höllenkönige), Hades (Griechenland, König der Unterwelt), Pluto (Rom), Anubis/Osiris (Ägypten, Toten-Geleit + Toten-Richter), Hel (Germanisch, Unterweltsherrscherin), Mictlantecuhtli (Aztekisch). Die indogermanische Wurzel ist im Yama-Yima-Yumis-Stamm erkennbar (vedischer Yama, awestischer Yima, baltischer Yumis).
Yama wird in vedischen Hausritualen durch Opfergaben (Havis) verehrt, Milch, Butter, Getreide bei Ahnengedenkfesten (Pinda-Daan). Die Rigveda 10.14 dokumentiert Verehrungsformeln für einen würdevollen Tod. Im hinduistischen Bestattungsritual wird Yama-Mantra vor der Feuerbestattung rezitiert. Neuzeitliche Praxis: Meditationen am Sterbebett oder bei Ahnengedenkfesten zur Ehre des Dharma-Königs.
Die klassische Yama-Invokation aus Rigveda 10.14.1-2: „Yame pathivratah … „, „Mit Yama im Sinne des Dharma wandeln …“. Mantras zur Überwindung von Todesfurcht finden sich in der Katha-Upanishad (Nachiseta-Dialog mit Yama). Tibetische Tantrologie integriert Yamantaka (Yama-Besiegung) in Anrufungen der totalen Überschreitung.
Yama-Symbole sind selten als tragbares Amulett, die Verbindung ist eher konzeptuell. Histrorische Skarabäen in Ägypten, die Yama-Analogien zum Totengott Anubis tragen, bezeigen kulturelle Überlappung. Archäologische Belege für Yama-Verehrung finden sich in vedischen Ritualtexten und Inschriften in indischen Tempeln aus dem 3. Jh. v. Chr., nicht als Objekt-Amulette.