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Gello, Kinderdämonin der griechischen Tradition

Gello - Dämonen aus der Griechenland-Tradition, historisch-illustrativ

Gello

Gello (Γελλώ) ist eine kindheitsbedrohende Dämonin der griechischen Tradition, mit Wurzeln in der spätantiken und byzantinischen Volksmagie. Sie gehört zu der breiten kulturanthropologischen Familie der Wesen, die Schwangere, Wöchnerinnen und Säuglinge bedrohen, verwandt mit der mesopotamischen Lamashtu, der jüdischen Lilith, der römischen Strix und der syrischen Lilitu. Wer den Komplex insgesamt verstehen will, findet in der Übersicht Kinderdämonen die kulturübergreifende Einordnung.

Der Name Gello taucht erstmals bei der griechischen Dichterin Sappho (um 600 v. Chr., Fragment 178 Lobel-Page) als Sprichwort auf, „kinderliebender als Gello“ war ein ironischer Ausdruck für eine grausame Person. Die spätere Tradition entwickelt aus diesem Hinweis ein vollständiges Wesensprofil: Gello ist eine vorzeitig gestorbene junge Frau, die als rachsüchtiger Geist in das Diesseits zurückkehrt und die Kinder anderer Mütter angreift, weil sie selbst keine Kinder bekommen oder großziehen konnte.

Gello in der griechisch-byzantinischen Tradition

Gello (auch Gylou, Gelloudes oder Gillo) ist eine weibliche Dämonenfigur der griechisch-byzantinischen Tradition, die strukturell zur erweiterten Sukkubus-Klasse gehört, mit Spezialisierung auf Bedrohung von Schwangeren, Wöchnerinnen und Säuglingen. Die älteste Erwähnung steht bei Sappho (Fragment 178), wo Gello als Wesen erscheint, das früh verstorbene Mädchen verkörpert. In der byzantinischen Tradition wird sie zur ausgearbeiteten Krankheitsdämon-Figur, gegen die Amulette und liturgische Schutzformeln eingesetzt werden. Die jüngere Forschung (Sarah Iles Johnston, Restless Dead, 1999; Richard Greenfield, Traditions of Belief in Late Byzantine Demonology, 1988) hat die religionsgeschichtliche Tiefe der Gello-Tradition aufgearbeitet.

Kontext und Hintergrund

Die Tradition stammt aus der spätantiken griechischen und byzantinischen Volksmagie und ist in der religionsgeschichtlichen Forschung als spätantiker Kinderdämonin-Komplex gut dokumentiert.

Mythologischer Hintergrund

Die wichtigsten Quellen zur Gello-Tradition sind die spätantiken und byzantinischen Schutz-Texte gegen Kinderdämoninnen. Der zentrale Text ist die „Erzählung der heiligen Sisinnios“, eine apokryphe Heiligenlegende, in der der Heilige Sisinnios und seine Brüder Synidoros und Sinodoros eine Kinderdämonin namens Gyllou (so die byzantinische Schreibvariante) verfolgen und ihre zwölf Namen erzwingen. Die Namens-Liste ist apotropäisch, wer alle zwölf Namen kennt, hat Macht über die Dämonin.

Daneben sind Bleitafeln aus dem 6.–10. Jahrhundert erhalten, die als Schutz-Amulette getragen wurden und auf denen Schutz-Sprüche gegen Gello eingraviert sind. Diese epigraphische Quellengruppe ist religionsgeschichtlich besonders wertvoll, weil sie zeigt, dass die Tradition literarisch, und zugleich in der konkreten Praxis verbreitet war. Wichtige philologische Studien sind A. Greenfield („Traditions of Belief in Late Byzantine Demonology“, 1988) und R. P. H. Greenfield („St. Sisinnios, the Archangel Michael and the Female Demon Gylou“, 1989).

Verwandtschaft zu Lilith und Lamia

Gello bildet zusammen mit der jüdischen Lilith, der griechischen Lamia und der mesopotamischen Lamashtu eine Klasse weiblicher Geburtshilfe-Dämonen, deren religionsgeschichtliche Verbindung in der vergleichenden Religionswissenschaft seit Bernhard Bare (The Demon Child Killer in Greek and Mesopotamian Tradition, 1976) systematisch untersucht ist. Die strukturellen Parallelen sind so eng, dass eine gemeinsame altorientalische Wurzel angenommen werden muss, die in den verschiedenen Mittelmeer-Kulturen je eigene Ausprägungen entwickelt hat. Die byzantinisch-orthodoxe Marien-Tradition kennt einen eigenen Apparat von Schutz-Anrufungen und Amuletten gegen Gello, die teilweise in der griechisch-orthodoxen Volksreligion bis in die Gegenwart fortgeführt werden.

Quellen

Hauptliteratur: A. Greenfield, „Traditions of Belief in Late Byzantine Demonology“ (1988); R. P. H. Greenfield zu Sisinnios und Gylou (1989); Karl Preisendanz, „Papyri Graecae Magicae“ für die spätantike Magie-Tradition. Daneben die archäologisch-epigraphische Quellengruppe der Bleiamulette aus dem 6.–10. Jahrhundert, die in mehreren Sammelpublikationen ediert wurden.

Gello im iWell-Guard-Schutzfeld

Gello fällt unter die zweite Schicht des iWell-Guard-Schutzfeldes (siehe Funktions-Übersicht): Versuche von Geistern und Dämonen, den Träger oder dessen Schwangerschaft, Geburt oder Säuglinge zu bedrohen, werden vom Schutzschild abgewiesen. Die historische Tradition des Gello-Schutzes bietet ein religionsgeschichtliches Lehrstück: Schutz-Praktiken gegen diese Klasse von Dämonen sind in fast allen entwickelten Mittelmeer-Kulturen ausgearbeitet, was die universale Erfahrungsbasis hinter den Berichten andeutet.

Parallelen

Gello hat zahlreiche Parallelen in benachbarten Traditionen: In der semitischen Welt entspricht sie weitgehend der Lilith und der akkadischen Lamashtu, mit denen sie die Profile teilt, kindheitsbedrohend, weiblich, mit hoher Mobilität (Reise durch die Lüfte), mit ambivalentem Status zwischen Geistwesen und Dämonin. In der römischen Tradition ist die Strix (eine vogelgestaltige Kinderdämonin) der nächste Verwandte; in der slawischen Tradition die Mora oder Mara; in der jüdischen Tradition Lilith mit ihren Vorgängerinnen.

Die kulturanthropologische Forschung sieht in dieser kulturübergreifenden Konstanz weniger einen Diffusions-Effekt als eine funktionale Konvergenz: Die hohe Säuglings- und Wöchnerinnen-Sterblichkeit in vor-modernen Gesellschaften erzeugte einen Erklärungs- und Schutzbedarf, der in zahlreichen Kulturen ähnliche Wesensprofile hervorbrachte. Die Schutz-Tradition gegen Gello und ihre Verwandten ist die historisch breiteste Grundlage für die spätere Schutz-Tradition insgesamt, die apotropäischen Amulette, die Schutz-Anrufungen und die ritualisierten Reinigungs-Praktiken haben hier ihre älteste und kulturell konstanteste Anwendungs-Domäne.

Bezüge auf iWell Guard

Auf iWell Guard ist Gello ein Eintrag im Lexikon der griechischen Tradition (siehe Griechenland) und gleichzeitig Teil der Klassen-Übersicht Kinderdämonen. Verwandte Einzelbeiträge sind Lamia als die prominenteste griechische Kinderdämonin, Empusa aus dem näher verwandten Sukkubus-Komplex und Lilith als jüdisches Pendant.

Die Gello-Tradition ist Teil der spätantiken griechischen Mythologie und volksglaublichen Kinderdämonen-Forschung.

Die Gello-Tradition ist Teil der spätantiken griechischen Mythologie und volksglaublichen Kinderdämonen-Forschung.

Die Gello-Tradition ist Teil der spätantiken griechischen Mythologie und Volksglauben-Tradition.