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Lemures, Toten- und Hausgeister im römischen Glauben

Lemuren (lateinisch: Lemures), ruhelose Tote und das Mai-Fest der Lemuria. Toten- und Hausgeister im römischen Glauben, in der deutschen Schreibweise auch als Lemuren bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Lemures - Geister aus der Rom-Tradition, historisch-illustrativ

Lemures

Die Lemures sind die ruhelosen oder bösartigen Totengeister der römischen Tradition. Anders als die manes, die im regulären Ahnenkult verehrt werden, gelten die Lemures als potenziell gefährlich: Sie kehren in die Häuser zurück, stören Schlaf und Familie, verlangen nach Besänftigung.

Jedes Jahr im Mai, an den Tagen 9. 11. und 13. findet das Fest der Lemuria statt, bei dem der Hausvater die Lemures mit einem festen Ritus aus dem Haus vertreibt.

Die bekannteste literarische Beschreibung liefert Ovid im fünften Buch seiner Fasti. Das Ritual, Bohnen werfen, eine Formel sprechen, sich nicht umsehen, ist eines der detailliertesten antiken Rituale, die wir in schriftlicher Fassung besitzen. Es wirkt bis in moderne volkskundliche Beschreibungen nach.

Auf einen Blick: Lemures

Typ: Ruhelose Totengeister
Herkunft: Verstorbene mit unvollständiger Bestattung oder gewaltsamem Tod
Texte: Ovid (Fasti V), Horaz, Plautus, Persius
Zeitraum: Republik bis Spätantike
Verbreitung: Italien, römisches Imperium
Abwehr: Lemuria-Ritus (Mai), ordentliche Bestattung, Parentalia-Opfer

Einordnung

Zeitraum der Texte

Die Lemures sind bereits in der frühen Republik bekannt. Das Lemuria-Fest datiert nach Ovid auf die mythische Stiftung durch Romulus. Literarische Quellen reichen vom 3. Jh. v. Chr. (Plautus) bis in die Spätantike. Christliche Autoren übernehmen das Wort später für dämonische Geister allgemein.

Verbreitungsraum

Kern in Italien, mit der Ausdehnung Roms im gesamten Imperium. In den Provinzen verbindet sich die Vorstellung mit lokalen Geistertraditionen. Das Fest der Lemuria gehört zum festen römischen Kalender.

Quellenlage

Zentral ist Ovids Fasti V (479, 492) mit der ausführlichen Beschreibung des Lemuria-Ritus. Daneben Erwähnungen bei Horaz, Persius, Plautus, Augustinus. Inschriften zum Parentalia-Kult und Bestattungsrecht ergänzen das Bild.

Bezeichnung und Schreibweisen

Lateinisch: Lemures, meist Plural; Singular lemur selten.
Unterschieden von: manes (Ahnengeister, positiv), larvae (bösartige Geister, oft synonym mit Lemures), di inferi (Unterweltsgötter).

Die Etymologie ist unklar, Ovid leitet den Namen spekulativ von „Remus“ ab. Wahrscheinlicher ist eine Wurzel für „Schatten“ oder „Nachtgestalt“. Die Grenze zu den Larvae ist fließend; manche Autoren verwenden die Begriffe synonym, andere setzen Lemures für die neutralere Kategorie.

Beschreibung

Erscheinung

Schemenhaft, ohne eigene bildliche Tradition. Die Literatur beschreibt sie als bleiche, geräuschlose Gestalten, die in Träumen erscheinen oder durch Geräusche, Klopfen, Rascheln, Raunen, präsent werden.

Verhalten

Sie kehren zurück, wenn ihre Totenpflege versäumt wurde oder wenn sie gewaltsam gestorben sind. Sie stören Schlaf, bringen schlechte Träume, beeinflussen die Gesundheit der Familienmitglieder, machen Häuser unheimlich.

Wirkungsbereich

Das Haus der Familie und die Orte ihres Todes. In Reisegeschichten gelegentlich auch Gasthäuser und Fremdeorte mit Geschichte gewaltsamen Todes.

Mythologische Herkunft

Nach Ovid geht das Lemuria-Fest auf Romulus zurück, der seinem ermordeten Bruder Remus Ruhe verschaffen wollte. Historisch wahrscheinlich älter, aus vorstädtischer italischer Totenkult-Tradition.

Steckbrief: Lemures

Die wichtigsten Aspekte der Lemures auf einen Blick. Die Ausführung zu Name, Beschreibung, Abwehr und Parallelen finden Sie in den Kapiteln 2, 3, 5 und 6.

Lemures' Herkunft

Aus unsachgemäß bestatteten oder gewaltsam Gestorbenen. Kein geschaffenes Wesen, sondern ein menschlicher Verstorbener in der falschen Position.

Lemures' Zielgruppe

Vor allem die eigene Familie, die die Totenpflege versäumt hat. Auch Bewohner von Häusern mit gewaltsamer Geschichte.

Lemures' Erscheinung

Schemenhaft, bleich, geräuschlos. Kein feststehendes Bildprogramm. Erfahrung meist akustisch oder im Traum, seltener optisch.

Lemures' Wirkung

Schlafstörungen, schlechte Träume, Unruhe im Haus, Krankheit der Familie. Keine plötzliche Gewalt, sondern anhaltendes Leiden.

Lemures' Abwehr

Lemuria-Ritus im Mai: nachts barfuß durchs Haus gehen, schwarze Bohnen über die Schulter werfen, neunmal rufen „Manes exite paterni“ („Weicht, Geister der Väter“). Die Lemures folgen den Bohnen aus dem Haus.

Lemures' Parallelen

Edimmu (Mesopotamien), Keres (Griechenland), hungry ghosts (Ostasien), Wiedergänger (germanisch).

Schutzpraxis

Rituale zur Abwehr

Das jährliche Lemuria-Fest ist der zentrale Abwehrritus. Der Hausvater steht mitten in der Nacht auf, wäscht sich die Hände, geht barfuß durch das Haus und wirft neun schwarze Bohnen über die Schulter, ohne sich umzusehen. Er spricht neunmal die Formel „Manes exite paterni“. Die Geister folgen den Bohnen und verlassen das Haus.

Beschwörungen

Die Formel der Lemuria ist kurz und festgelegt. Daneben gibt es mündlich überlieferte Kurzformeln zur Hausreinigung und zum Schutz des Schlafs. Defixionen gegen persönliche Gegner können Lemures ausdrücklich anrufen.

Amulette und Schutzsymbole

Türmarkierungen aus schwarzem Bohnenpulver (selten). Hausaltäre mit Laren-Figuren, die zugleich die Hausordnung repräsentieren. Regelmäßige Parentalia-Opfer im Februar halten die Ahnen gnädig und halten so die Ruhelosen fern.

Lemures, Parallelen in anderen Kulturen

Mesopotamien

Der Edimmu ist die enge Parallele: ruheloser Totengeist durch versäumte Bestattung oder gewaltsamen Tod. Die Abwehr erfolgt in beiden Traditionen durch Nachholung der ritu­ellen Pflicht, in Mesopotamien besonders durch den kispuRitus.

Griechenland: Keres und spätere Begriffe für unruhige Seelen funktionieren ähnlich, ohne ein vergleichbar systematisches Fest wie die Lemuria. Der Totenkult ist in Griechenland dezentraler organisiert.

Europäischer Volksglaube: Wiedergänger, Poltergeist-Motive, Hausgeister, in allen diesen Traditionen wirkt die Grundstruktur der Lemures weiter: Versäumte Totenpflege als Ursache, Ritual als Lösung.

Die Lemuria: Ablauf des nächtlichen Hausritus

Die ausführlichste Schilderung des den Lemures gewidmeten Festes liefert Ovid in den Fasti (Buch 5, Verse 419 bis 492). Die Lemuria fielen auf den 9. 11. und 13. Mai, also auf ungerade Tage, die im römischen Kalender als ungünstig galten.

An diesen Nächten sollten die ruhelosen Toten, die keine ordentliche Bestattung oder keine Nachkommen zur Pflege ihres Andenkens hatten, durch das Haus streifen.

Ovid beschreibt den Ritus als Aufgabe des pater familias. Um Mitternacht stand dieser barfuß auf, machte mit Daumen und geschlossenen Fingern ein Zeichen, das den Schatten abwehren sollte, und wusch sich dreimal die Hände an einer Quelle.

Dann nahm er schwarze Bohnen in den Mund, wandte sich ab und warf sie über die Schulter. Dabei sprach er neunmal: haec ego mitto; his redimo meque meosque fabis. Das bedeutet ungefähr: „Diese werfe ich; mit diesen Bohnen löse ich mich und die Meinen aus.“ Die Schatten sollten die Bohnen hinter ihm aufsammeln, ohne dass er sich umsah.

Anschließend reinigte er sich erneut mit Wasser, schlug auf Bronzegefäße und forderte die Geister neunmal auf, das Haus zu verlassen: manes exite paterni. Erst dann durfte er sich umdrehen; der Ritus galt als vollzogen und das Haus als gereinigt.

Die Forschung sieht in dem Brauch ein apotropäisches Ritual, dessen einzelne Elemente, das Barfußgehen, die Schwellenüberschreitung, der Lärm aus Bronze und die Zahl Neun, in der antiken Magie breit belegt sind.

Bohnen galten in Rom als Speise mit besonderem Bezug zu den Toten; auch die Pythagoreer mieden sie. Ovids Darstellung ist die wichtigste, aber zugleich eine späte literarische Quelle, die ältere Praxis möglicherweise ausschmückt. Wie weit der Ritus tatsächlich verbreitet war, lässt sich aus ihr allein nicht sicher erschließen.

Lemures, Manen und Larven: die Abgrenzung der Totenklassen

Die römische Vorstellungswelt kannte mehrere Begriffe für Tote und Totengeister, die sich teils überschnitten und in der Forschung bis heute diskutiert werden. Die di manes waren die kollektiv verehrten, im Allgemeinen wohlwollenden Ahnengeister, denen Grabinschriften mit der Formel dis manibus gewidmet waren. Ihnen galt das Fest der Parentalia im Februar als Zeit der friedlichen Totenpflege.

Demgegenüber bezeichneten die lemures nach verbreiteter Deutung die ruhelosen, potenziell gefährlichen Toten, die nicht zur Ruhe gekommen waren. Der antike Grammatiker und spätere Autoren versuchten, eine weitere Klasse abzugrenzen: die larvae als schädliche, schreckende Gespenster, gelegentlich gleichgesetzt mit den Lemures.

Augustinus referiert in De civitate Dei (Buch 9) eine Systematik, die er bei dem Philosophen Apuleius findet: Die Seele eines Verstorbenen heiße lemur; falle sie den Nachkommen wohlgesinnt aus, werde sie zum lar familiaris, falle sie strafend aus, zum larva; bleibe ungewiss, ob gut oder böse, spreche man von di manes.

Diese Ordnung ist allerdings eine späte, philosophisch geprägte Konstruktion und gibt kaum die gelebte Vorstellung der älteren Republik wieder. Die Quellen sind uneinheitlich, und schon antike Autoren waren sich der Unschärfe bewusst.

Moderne Religionswissenschaftler wie Franz Cumont und später Forscher zur römischen Totenreligion betonen, dass die Begriffe weniger feste Kategorien als bewegliche Bezeichnungen für unterschiedliche Aspekte des Totseins darstellen.

Wer mehr zu den schützenden Hausgeistern sucht, findet weiterführende Hinweise bei den Laren; zur ägyptischen Parallele eines unruhigen Toten siehe die Vorstellungen rund um den geordneten Umgang mit dem Chaotischen.

Etymologie und antike Deutungsversuche

Die Herkunft des Wortes lemures ist nicht gesichert. Schon in der Antike kursierten Erklärungen, die eher volksetymologisch als sprachwissenschaftlich tragfähig sind.

Ovid leitet in den Fasti den Festnamen Lemuria von einer angeblichen älteren Form Remuria ab und verbindet ihn mit Remus, dem von Romulus erschlagenen Bruder, dessen ruheloser Geist durch einen Sühneritus besänftigt worden sei. Diese Verknüpfung ist eine literarische Konstruktion und gilt der Forschung als unhistorisch.

Sprachwissenschaftlich wird ein Zusammenhang mit griechischen Wörtern für nächtliche Schreckgestalten erwogen, doch bleibt die Etymologie umstritten. Manche Forscher vermuten eine vorlateinische, möglicherweise nichtindogermanische Herkunft, was angesichts der religiösen Sonderstellung des Begriffs nicht unplausibel ist; ein sicherer Beweis fehlt jedoch.

Aufschlussreicher als die Wortherkunft ist der Befund, dass lemures fast nie im Singular und kaum außerhalb ritueller oder gelehrter Zusammenhänge erscheint. Das Wort gehört zur Sphäre des Kalenders und der Hausreligion, nicht zur mythologischen Erzählung. Es gibt keine Lemures-Mythen im eigentlichen Sinn, keine Genealogien, keine Geschichten von einzelnen benannten Lemures.

Diese Eigenart unterscheidet sie deutlich von den Göttern und Heroen des griechisch-römischen Pantheons und stellt sie näher an rituelle Sammelbegriffe wie manes. Die moderne zoologische Verwendung des Namens für die madagassischen Lemuren geht auf Carl von Linné zurück, der die nachtaktiven, gespenstisch wirkenden Tiere 1758 nach den römischen Totengeistern benannte.

Mit der antiken Religion hat diese Namensübertragung nichts zu tun, sie zeigt aber, wie präsent die Vorstellung der Lemures in der gelehrten Tradition der frühen Neuzeit noch war.

Lemures in der lateinischen Literatur jenseits Ovids

Außerhalb der ovidischen Festbeschreibung sind die Lemures in der antiken Literatur nur sporadisch greifbar, was ihre Randstellung im erzählenden Mythos unterstreicht.

Horaz erwähnt sie in den Episteln (Buch 2, Brief 2) beiläufig in einer Aufzählung von nächtlichem Schrecken: neben Träumen, magischen Schrecknissen, thessalischen Wundern und Hexen stehen die nocturni lemures.

Die Stelle zeigt, dass das Wort im gebildeten Sprachgebrauch des frühen Prinzipats als Inbegriff des gespenstischen Spuks dienen konnte, ohne dass damit ein präziser Kult gemeint war.

Bei Persius und in der späteren Prosa taucht der Begriff vereinzelt im Sinn von „Gespenst“ oder „Schreckbild“ auf.

Der Komödiendichter Plautus nennt sein Stück über ein Spukhaus zwar Mostellaria nach mostellum, einem kleinen Ungeheuer, doch zeigt schon der Stoff, dass die Vorstellung vom ruhelosen Toten, der ein Haus heimsucht, im römischen Alltagsdenken fest verankert war.

Die christlichen Autoren der Spätantike griffen den Begriff auf, um heidnische Geistervorstellungen zu kategorisieren oder zu diskreditieren. Augustinus nutzt ihn, wie erwähnt, im Rahmen einer dämonologischen Systematik. Insgesamt ergibt sich ein Bild, in dem die Lemures literarisch eher als Stimmungselement und als gelehrte Vokabel präsent sind denn als Gegenstand ausgearbeiteter Erzählungen.

Diese Quellenlage zwingt die Forschung dazu, die religiöse Bedeutung der Lemures fast ausschließlich aus dem Ritual und aus dem Kalender zu rekonstruieren. Vergleichbare ruhelose Tote anderer Kulturen behandeln die Einträge zu verwandten Gestalten wie den Larven und den Manen.

Forschungsgeschichte: vom Geisterglauben zur Religionswissenschaft

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Lemures ist eng mit der Entwicklung der Religionswissenschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbunden.

In der älteren Forschung galten die Lemures als Beleg für einen vermeintlich primitiven, vorgöttlichen „Geisterglauben“, aus dem sich höhere Religion erst entwickelt habe. Diese evolutionistische Sicht prägte etwa die Arbeiten im Umfeld von Edward Burnett Tylor und seines Animismus-Konzepts.

Für die römische Religion im Besonderen waren die Studien von Georg Wissowa maßgeblich, dessen Handbuch Religion und Kultus der Römer (1902, zweite Auflage 1912) die Lemuria in den festen Kalender der römischen Staatsreligion einordnete. Wissowa und seine Nachfolger betonten den rituellen, formelhaften Charakter und warnten davor, aus den Lemures eine ausgearbeitete Jenseitslehre abzuleiten.

Spätere Forscher wie Kurt Latte in Römische Religionsgeschichte (1960) differenzierten das Bild weiter und ordneten die Totenfeste in die Hausreligion und die soziale Funktion der Ahnenpflege ein.

Die jüngere Forschung, etwa im Umfeld der Arbeiten von John Scheid zur römischen Opfer– und Festpraxis, betont weniger die Frage nach dem „Glauben“ als nach der rituellen Logik: Was tat der Hausvater, und welche soziale und kalendarische Ordnung stellte er damit her.

Offen bleibt bis heute die Frage nach dem Alter und der ursprünglichen Verbreitung des bei Ovid geschilderten Ritus. Da Ovid die einzige zusammenhängende Quelle ist und literarisch arbeitet, lässt sich nicht sicher entscheiden, wie viel davon gelebte Praxis und wie viel gelehrte Rekonstruktion der augusteischen Zeit ist.

Die Lemuria im römischen Festkalender und ihre soziale Funktion

Die Lemuria waren kein isolierter Brauch, sondern Teil eines durchstrukturierten Festkalenders, der die römische Beziehung zu den Toten in zwei Pole gliederte.

Im Februar standen die Parentalia, eine Zeit der friedlichen, pflegenden Zuwendung zu den eigenen Verstorbenen, abgeschlossen durch die Feralia. Die Lemuria im Mai bildeten dazu das Gegenstück: hier ging es nicht um Pflege, sondern um Abwehr und Trennung.

Der römische Kalender markierte die drei Lemuria-Tage als nefasti, also als Tage, an denen öffentliche Amtsgeschäfte ruhten. Auch heißt es in den Quellen, dass während der Lemuria die Tempel geschlossen blieben und keine Hochzeiten stattfanden; der Mai galt deshalb als ungünstiger Heiratsmonat, ein Aberglaube, der teils bis in die Neuzeit nachwirkte.

Die soziale Funktion des Festes lässt sich gut fassen. Der Ritus war Sache des Hauses, nicht des Staates, und er wurde vom pater familias stellvertretend für die gesamte Familiengemeinschaft vollzogen.

Damit bestätigte das Ritual jedes Jahr die Rolle des Hausvaters als religiöses Oberhaupt und zog zugleich eine klare Grenze zwischen den lebenden Hausbewohnern und den nicht integrierten Toten.

Wer richtig bestattet und durch Nachkommen erinnert wurde, gehörte zu den manes und damit weiter zur Familie; wer das nicht war, wurde als lemur Jahr für Jahr symbolisch aus dem Haus gewiesen.

Die Lemuria leisteten so eine doppelte Ordnungsarbeit, eine zeitliche im Kalender und eine soziale im Verhältnis von Lebenden und Toten. Diese Verbindung von Ritual und gesellschaftlicher Struktur ist für das Verständnis der römischen Hausreligion zentraler als jede Spekulation über das Aussehen der Lemures selbst.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

  • Rom
  • Larvae (enge Verwandte)
  • Edimmu (mesopotamische Parallele)
  • Parentalia und Lemuria (Festkalender)
  • Wiedergänger und Volksglaube

Forschungsliteratur

Eine Auswahl zentraler Arbeiten zu Lemures und zum römischen Totenkult:

Standardliteratur (Rom):

  • Walde, Christine (Hg.): Antike Mythologie. Personen, Themen, Motive. Stuttgart 2008.

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