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Shezmu, Dämon der ägyptischen Tradition

Shezmu ist Dämon der ägyptischen Tradition.

Dämon des Schlachtens, der Salbung und des Weins, ambivalent und gefährlich. Shezmu ist die blutbefleckte Kraft des Übergangs: Schlächter, Öl-Presser, Wein-Macher. Mit breitem, wildem Lachen und Metzger-Werkzeugen, ist er schöpferisch ebenso wie destruktiv. Wein aus zerquetschten Trauben, Öl aus gepressten Saat, seine Handwerke erfordern Gewalt. Im Jenseits kann Shezmu zum Feind werden, wenn man seine Namen nicht kennt.

Shezmu ist ein ägyptischer Daemon des Schlachtens und der Weinpresse.

DämonÄgypten

Inhaltsverzeichnis

Shezmu - Dämonen aus der Ägypten-Tradition, historisch-illustrativ

Shezmu

Schnellüberblick: Shezmu

Typ: Ägyptische Hauptgottheit, Schlachthaus-Gott und Kelterer der Toten
Pantheon: Ägypten (alle Dynastien)
Funktion: Wein- und Salböl-Bereitung; in Toten-Kontext „Kelterer der Verdammten“
Hauptattribute: Löwen- oder Falkenkopf, Kelter (Sefshet), Messer, blutrote Hautfarbe
Hauptkultorte: Edfu, Dendera, Theben
Doppelfunktion: friedlicher Salböl-Bereiter / wrathful Toten-Kelterer

Einordnung

Zeitraum der Texte

Shezmu ist seit den Pyramidentexten (Spr. 246, 273–274, ca. 24. Jh. v. Chr.) belegt, einer der ältesten Toten-Wesen-Götter des ägyptischen Pantheons. Im Kannibalen-Hymnus der Pyramidentexte (Pyramide des Unas) zentrale Figur: er keltert die Verdammten für das ägyptische Königsmahl. In späteren Traditionen Aufweichung zur friedlicheren Funktion (Wein- und Salböl-Bereiter), Beibehaltung der Doppelnatur in Edfu und Dendera.

Verbreitungsraum

Verehrt im gesamten ägyptischen Land. Hauptkultorte: Edfu (Reliefs als Kelterer in der ptolemäischen Tradition), Dendera, Theben. Salböl-Werkstätten waren unter seinem Patronat. In den Toten-Bestattungs-Riten der ptolemäischen Spätzeit als wrathful Wächterfigur in Sarkophagen.

Quellenlage

Zentrale Quellen: Pyramidentexte (Spr. 246, 273–274, Kannibalen-Hymnus), Sargtexte, Totenbuch (Spr. 17, 64), Edfu-Tempel-Reliefs. Sekundärliteratur: Bonnet, Reallexikon; Wilkinson, The Complete Gods and Goddesses; Eyre, The Cannibal Hymn.

Name

Shezmu wird mit einem breiten, wilden Gesicht dargestellt, manchmal mit tierischen Merkmalen. Seine Farbe ist rot (Blut) oder schwarz (Verwesung). Er trägt oft ein großes Messer, eine Axt oder Zange, Werkzeuge des Handwerks und der Gewalt. Manchmal sind seine Arme mit Blut befleckt. In Papyri wird er als muskulös und aggressive Figur gezeigt. Der Uräus (Schlange) schmückt manchmal seine Stirn. Wein-Amphoren oder Öl-Gefäße können bei ihm sein.

Beschreibung

Shezmu opfert Tiere, presst Öl und Wein, und richtet über die Toten im Jenseits. Im Totenbuch wird er als Gefahr behandelt, sein Name muss gekannt und beschwichtigt werden. Wenn ein Verstorbener seinen Namen nicht kennt, kann Shezmu zum Peiniger werden. Wein und Öl waren kostbare Güter, Shezmu übersaw ihre Herstellung und ihren rituellen Gebrauch. Sklaven-Arbeiter in Öl- und Wein-Pressen beteten zu ihm, um sicher zu bleiben. Priester beschworenen ihn, um Opfertiere rituell geschlachtet zu bekommen. Seine Verehrung war weniger formell als bei größeren Göttern, aber kulturell durchdrungen.

Erscheinung und Symbolik

Shezmu wird dargestellt als muskulärer Mann, oft mit Merkmalen eines Löwen oder eines rohen, animalischen Wesens. Er trägt oder hält eine Weinpresse oder ein Presswerkzeug. Sein Körper ist oft mit Blut oder Wein gefärbt, was seine Dualität symbolisiert. Er kann mit rotem oder dunkelrotem Körper dargestellt werden. Shezmu hat intensiv blickende Augen, die gleichzeitig grausam und transformativ wirken. Sein Haar kann wild oder lockig sein. Der Weintraubenkammer oder das Presswerkzeug sind seine Attribute.

4. Steckbrief: Shezmu

Die wichtigsten Aspekte von Shezmu auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und Parallelen zusammen.

Shezmus Herkunft

Shezmus genealogische Position ist nicht durchgängig festgelegt. In manchen Traditionen Sohn der Sechmet (löwenköpfige Mutter, passt zu seiner Doppelnatur). In anderen Sohn des Re (in seiner Funktion als Schützer der Sonnenbarke). Sein Doppelaspekt, friedlicher Salböl-Bereiter und wrathful Toten-Kelterer, spiegelt die männliche Pendant-Funktion zur Sechmet-Bastet-Doppel-Göttin wider.

Bezogen auf

Doppelfunktion: friedlicher Patron der Wein- und Salböl-Bereitung (rote Trauben wurden in Pressen ausgepreßt, eine Ähnlichkeit zur Toten-Kelterung) und wrathful „Kelterer der Verdammten“. Im Kannibalen-Hymnus überreicht er dem König die Köpfe der Verstorbenen, während Sechmet kocht. In späteren Traditionen mehr als Schutz-Wächter denn als aktiver Strafer.

Erscheinungsbild

Zwei Hauptformen:

Löwenköpfig: mit blutroter Hautfarbe, Kelter (Sefshet) in der Hand, Messer.

Falkenköpfig: als Sonnenbarke-Schützer dargestellt, mit Was-Zepter und Anch.

In Edfu in beiden Formen präsent, je nach Kontext. Auf manchen Reliefs auch reine Kelter-Szene ohne anthropomorphe Form, nur die Kelter mit Trauben (oder Köpfen).

Shezmus Wirkung

Wirkungs-Bereich: Shezmu wurde vor Salböl-Herstellung und Wein-Bereitung angerufen, sein Patronat sicherte qualitätsvollen Trank und Salbe. In den Toten-Bestattungen wurde er als Wächter angerufen, der die Verstorbenen vor Verschlingung durch ungeordnete Mächte schützt. In der ptolemäischen Tempel-Tradition hat er, wie Sechmet, eine Besänftigungs-Komponente.

Abwehrformen

Löwenkopf, Falkenkopf, Kelter (Sefshet), Messer, blutrote Hautfarbe, Was-Zepter, rote Trauben, Salböl-Krüge. Pflanzen: Trauben (besonders rote), Olive (für Öl), Lotos. Heilige Tiere: Löwe, Falke. Heilige Farben: rot, gold.

Shezmus Parallelen

Sechmet (Ägypten, Mutter, gleicher wrathful Aspekt), Anubis (Ägypten, Toten-Geleit), Apophis (Antagonist als Chaos-Schlange), Bhairava (Hinduismus, wrathful Schützer mit blutiger Konnotation), Yama-Dharmaraja (Tibet, Toten-Richter mit Büffel-Doppelnatur), Mahakala (Buddhismus). Funktional: jeder Toten-Wächter mit blutiger Konnotation teilt Shezmu-Funktionen.

Schutzpraxis

Apotropäische Rituale

Shezmu (ägypt. Šzm.w) ist Henker-Folter-Gott und zugleich Gott der Wein-, Öl- und Salbpressen, die Doppelgesichtigkeit von Töten und Salben prägt seine Rolle. Die Pyramidentexte (Spr. 273-274, „Kannibalen-Hymnus“) nennen ihn als Pressmeister, der die Götter dem Pharao als Speise bereitet. In der Spätzeit wandelt sich seine Rolle vom Henker zum schützenden Toten-Gott. Apotropäische Rituale gegen Shezmus zerstörerische Seite finden sich in der Edfu-Tempel-Liturgie, vor allem im Horus-Mythos-Drama (vgl. Wilkinson, Complete Gods and Goddesses; Otto, Egyptian Religion).

Beschwörungen

Im Toten-Buch (Kap. 17 und 175) erscheint Shezmu als Begleiter des Verstorbenen, der die Feinde des Toten in der Unterwelt zerstückelt, eine apotropäische Funktion. Ritualtexte aus Edfu (ptolemäisch) nennen ihn beim Salben des Pharao bei Krönungs- und Erneuerungsritualen.

Amulette und Schutzsymbole

Schezmu-Symbol ist die Wein-Press-Schraube (shesp), in Hieroglyphen als Bild eines Mannes mit Pressbalken dargestellt. Apotropäische Edfu-Tafeln mit seinem Namen schützten Vorratsräume mit Wein und Öl. Tonsiegel an Wein-Amphoren der Spätzeit tragen Shezmu-Inschriften, gegen Diebstahl und Verderb.

6. Shezmu, Parallelen in anderen Kulturen

Shezmu ähnelt Ares (Griechenland), Gott des Blutes und der Gewalt, aber prakmatischer. Er teilt mit Hecataeus-Dämonen (Griechenland) die ambivalente, handwerkliche Natur. Er erinnert an Loki (Skandinavien), ein trickster-daemon, der hilft und schadet. Das Konzept eines Dämons des Handwerks und der Grenze ist universal; Shezmu ist eine archetypische ägyptische Ausformung.

Forschungsliteratur

  • Eyre, Christopher: The Cannibal Hymn. A Cultural and Literary Study. Liverpool 2002.
  • Bonnet, Hans: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin 2000.
  • Wilkinson, Richard H.: The Complete Gods and Goddesses of Ancient Egypt. London 2003.
  • Allen, James P.: The Pyramid Texts. Atlanta 2005.
  • Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly (Lemma „Shezmu“).