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Oni – Dämon der japanischen Tradition

Oni ist Dämon der japanischen Tradition.

Großwüchsige, gehörnte Unholde der japanischen Volks- und Höllentradition.

Onis Setsubun-Ritual

Oni sind die großwüchsigen Hörnerteufel der japanischen Buddhismus-Volksreligion. Ikonographisch: rote oder blaue Haut, ein bis zwei Stierhörner, Reißzähne, Lendenschurz aus Tigerfell, eiserne Keule (kanabō). Im Setsubun-Fest (3. Februar, Frühjahrsbeginn nach altem Mondkalender) werfen Familien geröstete Sojabohnen aus den Fenstern und rufen: Oni wa soto, fuku wa uchi („Oni hinaus, Glück herein“). Der Brauch reinigt das Haus für das neue Jahr. Funktion im buddhistischen Höllen-Pantheon: Naraka-Wächter in Yamas Höllenreich, sie strafen die Verdammten mit Knüppel und Sägemühle. Ortsfeste Onis als Toranderes der Tempel-Eingänge: Aka-oni (rot, Begierde), Ao-oni (blau, Hass). Verwandte Volkstraditionen: Setsubun-Tänze, Oni-no-Pantomime, Namahage-Ritual auf Oga-Halbinsel (Akita) zu Neujahr.

DämonJapan

Inhaltsverzeichnis

Oni - Dämonen aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Oni

Oni (鬼) zählen zu den bekanntesten Gestalten der japanischen Dämonologie. In ihrer typischen Darstellung sind sie großgewachsen, muskulös, mit Hörnern, Fangzähnen und roter oder blauer Hautfarbe. Sie tragen häufig ein Tigerfell-Lendentuch und eine keulenartige Eisenstange (kanabō).

Der Begriff vereinigt zwei unterschiedliche Traditionsstränge: einen älteren shintō-nahen Volksglauben, in dem oni als unheilvolle Bergwesen und Totenwächter auftreten, und eine buddhistische Linie, in der oni die Wärter der Naraka-Höllen unter dem Totenrichter Enma-ō sind.

Kurzprofil: Oni

Typ: Unhold, Höllenwärter, Berggeist
Herkunft: Volksglaube und buddhistische Kosmologie
Texte: Konjaku Monogatarishū, Ōe no Masafusas „Honchō Shinsenden“, Noh-Dramen (z. B. „Rashōmon“)
Zeit: Belegt ab 9. Jh.; volle Ikonografie etabliert in der Muromachi-/Edo-Zeit
Abwehr: Setsubun-Bohnenwurf, Pfirsichholz, Wirbelsäulen-Mantra

Einordnung

Zeitraum der Texte

Die ältesten schriftlichen Belege für oni-artige Wesen finden sich ab dem 8. und 9. Jahrhundert. Der Begriff 鬼 stammt aus dem Chinesischen und bezeichnet dort zunächst Tote und deren Geister (guǐ). In Japan verschmilzt diese Bedeutung mit einheimischen Vorstellungen von Berg- und Wildniswesen.

Zwischen 10. und 14. Jahrhundert entwickelt sich in der setsuwa-Literatur das klassische Erzählprofil: oni als menschenfressende Wegelagerer an Bergpässen, Überfällen auf Reisende, Kindsraub. In der Muromachi-Zeit (14.–16. Jh.) werden sie in illustrierten Rollenbildern (emaki) ikonografisch fixiert.

Verbreitungsraum

Oni-Erzählungen sind flächendeckend über den japanischen Archipel verteilt. Regionale Varianten existieren besonders in den Bergregionen von Honshū, etwa auf dem Berg Ōe bei Kyōto, Schauplatz der Shuten-dōji-Sage, und am Berg Suzuka in der Präfektur Mie. In der nordöstlichen Region Tōhoku ist das Namahage-Ritual bekannt, bei dem Männer in Oni-Masken zum Jahreswechsel Häuser aufsuchen.

Typische Orte für oni-Begegnungen in der Literatur sind Bergpässe, Ruinen, verlassene Tempel und die Grenzbereiche zwischen Siedlung und Wildnis.

Quellenlage

Wichtige Textquellen sind das Konjaku Monogatarishū (12. Jh.), das zahlreiche Oni-Geschichten enthält, sowie die Muromachi-zeitlichen otogizōshi-Erzählungen (u. a. „Shuten-dōji“). Für die buddhistische Linie sind die Texte um Enma-ō und die zehn Höllenrichter relevant.

Bildlich greifbar werden oni in den Noh-Masken der hannya– und ja-Reihen sowie in den Yōkai-Bilderbüchern der Edo-Zeit. Toriyama Sekien katalogisiert mehrere oni-Varianten in seinen Werken (ab 1776).

Name

Der Begriff 鬼 (oni) vereint mehrere Bedeutungen: (1) großwüchsiger, gehörnter Unhold, (2) Totengeist, (3) Höllenwärter, (4) figurativ „etwas Außerordentliches“ oder „grausam Tüchtiges“ (etwa shigoto no oni, „Arbeitstier“).

  • Akaoni, roter Oni, Symbol des Zorns.
  • Aooni, blauer Oni, Symbol der Kälte und Trauer.
  • Kimon, die „Dämonenecke“, nordöstliche Himmelsrichtung, aus der oni kommen.
  • Yaksha / yasha, buddhistische Parallelgestalten.

Beschreibung

Gestalt. Oni werden meist als mannshoch oder riesenhaft beschrieben, mit muskulösem Körperbau, einem oder zwei Hörnern, roter, blauer oder gelegentlich grüner Hautfarbe, spitzen Fangzähnen und drei Fingern an jeder Hand. Sie tragen Tigerfell-Lendenschurze, eine Anspielung auf die nordöstliche „Tigertor“-Richtung.

Ausrüstung. Typisches Attribut ist die Eisenstange (kanabō). Die Redewendung „oni ni kanabō“, „einem Oni eine Eisenstange geben“, bezeichnet das Verdoppeln einer ohnehin übermächtigen Lage.

Verhalten. Oni rauben Menschen, fressen Kinder, entführen Frauen. In der buddhistischen Höllenszene schlagen, zerreißen und kochen sie Sünder.

4. Steckbrief: Oni

Die wichtigsten Aspekte von Oni auf einen Blick. Die Angaben vertiefen und ergänzen die vorangehenden Kapitel.

Onis Herkunft

Volksglauben und buddhistische Höllenkosmologie; ikonografisch verbunden mit der nordöstlichen Himmelsrichtung (kimon).

Adressaten

Reisende in den Bergen, Bewohner einsamer Gehöfte, Kinder nach Einbruch der Dunkelheit; in der buddhistischen Linie die Toten bei der Jenseitsprüfung.

Erscheinungsbild

Großwüchsig, gehörnt, mit Fangzähnen und Tigerfell-Lendenschurz; rot oder blau; Eisenstange als Attribut.

Tätigkeit

Menschenraub, Kindsraub, Gewalttaten; in der Hölle: Folter der Sünder; metaphorisch auch Krankheit, Seuche, plötzliches Unglück.

Abwehrformen

Setsubun-Bohnenwurf („oni wa soto“), Pfirsichholz, Stechpalmen-Zweige mit aufgespießtem Sardinenkopf (hiiragi-iwashi), buddhistische Sutren, Mantra-Rezitation.

Pendants

Chinesische guǐ, koreanische dokkaebi; indische yaksha und rakshasa; tibetische tsen-Krieger-Geister.

Schutzpraxis

Setsubun. Zum Wechsel vom Winter zum Frühling werden geröstete Sojabohnen in die Wohnung und vor die Tür geworfen mit dem Ruf „oni wa soto, fuku wa uchi“. Das Ritual ist in ganz Japan verbreitet und lebt in Schreinen und Haushalten bis heute fort.

Hiiragi-iwashi. Ein Stechpalmenzweig mit aufgespießtem, gebratenem Sardinenkopf wird am Hauseingang angebracht, um Oni fernzuhalten, der scharfe Geruch und die stechenden Blätter gelten als wirksam.

Pfirsichholz. Nach der Izanagi-Mythe (Kojiki) vertrieb der Urgott die verfolgenden Höllenwesen mit Pfirsichen; Pfirsichholz gilt seither als apotropäisch.

Namahage. Im Oga-Gebiet (Akita) zieht das Namahage-Ritual zum Neujahr Männer in Oni-Masken von Haus zu Haus, die träge Hausbewohner und Kinder ermahnen, eine ambivalente Verbindung von Schreck und Segen.

6. Oni – Parallelen in anderen Kulturen

China. Das Schriftzeichen 鬼 und die Grundbedeutung „Totengeist“ stammen aus dem Chinesischen; siehe Gui auf der China-Seite.

Korea. Der Dokkaebi teilt Züge mit Oni, Hörner, Keule, Schalk-Natur, wurde in der Kolonialzeit fälschlich mit Oni gleichgesetzt, ist aber eigenständig.

Indien/Buddhismus. Yaksha und Rakshasa sind frühe Vorbilder der Oni-Ikonografie; mit dem Buddhismus wandert die Figur über China und Korea nach Japan.

Europa. Ogre und Trolle teilen die Größe und Wildnisbindung; eine direkte historische Verbindung besteht nicht.

Weiterführende Verlinkungen

Empfohlene interne Links:

Forschungsliteratur

Eine kompakte Auswahl zentraler Arbeiten zu Oni und zur japanischen Dämonologie:

  • Foster, Michael Dylan: M0 University of California Press, Berkeley 2015.
  • Komatsu Kazuhiko: M1 Japan Publishing Industry Foundation for Culture, Tokyo 2017.
  • Reider, Noriko T.: M2 Utah State University Press, Logan 2010.
  • Toriyama Sekien: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Übers. Hiroko Yoda & Matt Alt. Dover, Mineola 2016.
  • Yanagita Kunio: M3 Übers. Ronald A. Morse. Lexington Books, Lanham 2008 (erw. Ausgabe).