Nuwa ist Göttin der chinesischen Tradition.
Schöpfergöttin, Reparateurin des Himmels, Urmutter der Menschheit. Nüwa ist eine der ältesten Göttinnen der chinesischen Mythologie, nicht ein Konzept, sondern eine handelnd-kreative Kraft. Mit dem Körper einer Schlange und dem Gesicht einer Frau erschuf sie die Menschheit aus Lehm oder Schlamm, formte sie mit ihren Händen oder durch Seilzug-Methoden. Sie war nicht einsam: Ihr Bruder und Gemahl Fuxi half bei der Schöpfung, und zusammen strukturierten sie Kosmos-Ordnung. Doch der Himmel kollabierte (eine Säule brach, der Kosmos verkippte), und Nüwa reparierte ihn, sie schmolz farbige Steine ein, säuberte den Himmel und rettet die Welt. Sie ist nicht nur Schöpferin, sondern Kosmische Ingenieurin, die Göttin, die handelt, wenn Götter versagen.
Typ: Chinesische Hauptgottheit, Schöpfungs-Göttin und Welt-Reparateurin
Pantheon: Daoismus, chinesische Volksreligion, Buddhismus (sekundär)
Funktion: Erschaffung der Menschen aus Lehm, Reparatur des zerbrochenen Himmels, Patronin der Eheschliessung
Hauptattribute: Schlangen-Unterleib, Zirkel oder Lineal, fünffarbige Steine, weibliche Oberkörper-Form
Hauptkultorte: Nuwa-Tempel in Shexian (Hebei), Nuwa-Heimstatt in Henan, sichändliche Schreine
Gemahl/Bruder: Fuxi (Fukasagi-no-Sho)
Nüwa (chin. Nüwa) ist eine der ältesten chinesischen Schöpfungs-Gottheiten. Erste literarische Belege im Shanhaijing (Klassiker der Berge und Meere, 4.–1. Jh. v. Chr.) und im Huainanzi (2. Jh. v. Chr.). Hauptblütezeit ihrer Mythologie: Han-Dynastie (in Han-Reliefs häufig dargestellt mit Fuxi). Im Volkskult bis heute präsent, besonders in Hebei und Henan. Im modernen Mainland-China teilweise als „Erste Mütter“-Symbol national gefeiert.
Hauptkultorte: Nuwa-Tempel in Shexian (Hebei, einer der wichtigsten Schöpfungs-Gottheits-Tempel Chinas), Nuwa-Heimstatt in Henan (mythische Wirkungsstätte), Schreine in Sichuan und Shaanxi. Im taiwanischen Volksglauben in einigen Daoismus-Tempeln vertreten. International in chinesischen Diaspora-Tempeln seltener als andere Hauptgottheiten.
Zentrale Quellen: Shanhaijing, Huainanzi, Liezi, Fengsu Tongyi (Han-Zeit). Spielereien in Tang-/Song-Lyrik. Sekundärliteratur: Birrell, Chinese Mythology. An Introduction; Yang/An, Handbook of Chinese Mythology; Werner, Myths and Legends of China; Lewis, The Flood Myths of Early China.
Nüwa wird als Hybrid dargestellt, Oberkörper einer schönen Frau, Unterkörper einer langen Schlange, oft grün oder silberfarben. Sie hat lange Haare, manchmal ein Diadem oder krone. In ihren Händen hält sie ein Kompass-Quadrat (die kosmische Messwerkzeug), oder sie ist umgeben von hunderten kleinen Menschenfiguren (ihre Schöpfungen). Der Himmelskollaps wird bildlich zeigt, eine zerbrochene oder schief geneigte Säule, die Nüwa repariert, während sie regenbogenfarbene Steine schmilzt. Oft wird Fuxi neben ihr dargestellt, mit Zirkel (das männliche Pendant zum Quadrat). Die Schlange ist nicht böse, sondern ursprünglich, sie symbolisiert Transformation, Häutung, Erneuerung. Künstlerisch wird Nüwa oft majestätisch, aber active, nicht thronend wie Yuhuang, sondern engagiert in Arbeit.
Nüwa ist in modernen Zeiten weniger aktiv-verehrt als historisch. Im antiken China gab es Nüwa-Schreine, besonders in Shandong und Shaanxi. Der Volksglaube sieht sie als kosmische Mutter, alle Menschen sind ihre Schöpfungen, daher Quelle von Mitgefühl. In Daoismus wurde Nüwa kanonisiert, aber als sekundäre Kraft zu den Sanqing (den Höchsten). Im Gegensatz zu Yuhuang (Administrator) oder Yanluo (Richter) ist Nüwa die Schöpferin, ohne sie gibt es keine Welt. Ihre Rolle ist primär mythologisch-theologisch, nicht rituell. Moderner Kult ist selten; statt dessen ist Nüwa kulturell omnipräsent, chinesische Literatur ruft sie an, Künstler nutzen ihre Mythologie, Wissenschaftler nennen sie als Wurzel von Schöpfungs-Konzepten. Sie ist mehr Archetypus als aktive Göttin.
Nüwa wird als Frau mit Schlangenschwanz dargestellt, oft mit nacktem Oberkörper und Brust sichtbar, was ihre Funktion als gebärende Mutter unterstreicht. In manchen Darstellungen trägt sie ein Zepter oder einen Kompass. Sie ist oft mit ihrem Partner Fuxi dargestellt, auch eine Schlangenfigur. Ihre Farbe variiert: oft rot oder gold.
Die wichtigsten Aspekte von Nüwa auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.
Nüwa entsteht in einer Tradition aus dem Urchaos selbst, in einer anderen ist sie Schwester (und später Gemahl) des Fuxi, ihr männliches Pendant, das die Trigramme des I-Ging schuf. In Han-Reliefs wird das Paar oft mit verflochtenen Schlangen-Unterleibern dargestellt, Symbol kosmischer Vereinigung. Hauptmythen: (1) Schöpfung der Menschen aus gelbem Lehm (zuerst kunstvoll geformt, dann massenhaft mit dem Strick aus dem Schlamm geschleudert, daher die soziale Hierarchie); (2) Reparatur des zerbrochenen Himmels nach dem Kampf zwischen Gong Gong und Zhuanxu, indem sie fünffarbige Steine schmilzt und die Himmels-Risse füllt; (3) Etablierung der Eheschließung.
Schöpferin der Menschen, Patronin der Frauen-Initiation und Eheschließung. Welt-Reparateurin, ein einzigartiges Konzept der chinesischen Schöpfungs-Theologie: nach der Schöpfung kommt eine Phase der kosmischen Brüchigkeit, die Nüwa heilt. Patronin der Geburt (in einigen Traditionen Geburtsgöttin). Im modernen China zunehmend als feministisches Symbol einer weiblichen Schöpfer-Tradition rezipiert.
Charakteristische Form: weibliche Oberkörper-Gestalt mit langem schwarzem Haar, langem Hofgewand, in der Hand Zirkel (gui) oder Lineal (Symbol der Welt-Ordnungs-Konstruktion). Unterleib als Schlange (oder Drachen) auslaufend. In Han-Zeit-Reliefs häufig mit Fuxi paarweise dargestellt, ihre Schlangen-Unterleiber sind verflochten (Vereinigung von Yin und Yang). Manchmal in der Hand auch fünffarbige Steine (Reparatur-Material). Hautfarbe meist hell.
Wirkungs-Bereich: Nüwa wurde im ländlichen Volksglauben besonders bei Geburten und Eheschließungen angerufen. In den Hauptkultorten (Shexian, Henan) jährliche Pilger-Festivals. Im modernen Festland-China zunehmend als „Erste Mutter“ in einer national-mythologischen Tradition rezipiert (oft im Schatten der häufiger angerufenen Mazu, Guanyin oder Yuhuang). In Hong Kong und Taiwan eher peripher.
Schlangen-Unterleib, Zirkel (gui), Lineal, fünffarbige Steine (Reparatur-Material), gelbe Lehm (Schöpfungs-Material), Stricke. Heilige Pflanzen: Pfirsich (Schwester-Symbolik mit Fuxi). Heilige Zahl: 5 (fünffarbige Steine, fünf Elemente). Heilige Farben: gelb, gold.
Fuxi (China, männliches Pendant), Tiamat (Mesopotamien, Schöpferin und Drachen-Form, bemerkenswerte Parallele), Izanami (Japan, Schöpfungs-Göttin), Sarasvati (Hinduismus, weibliche Schöpfungs-Funktion partiell), Eve (jüdisch-christlich, erste Frau, allerdings nicht Schöpferin), Pachamama (Inka, Erd-Mutter), Gaia (Griechenland, Erde-Mutter, Ur-Schöpferin). Die einzigartige Kombination „Mensch-Schöpferin + Welt-Reparateurin + Schlangen-Unterleib“ gibt es nur in der chinesischen Tradition.
Amulette und Schutzsymbole
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Nüwa wurde weniger in organisierten Kulten verehrt als andere chinesische Gottheiten, aber in Volksbräuchen als Schöpferin verankert. Es gibt Nüwa-Tempel in verschiedenen Gegenden Chinas. Ihr Festtag wird teilweise noch begangen. Sie repräsentiert eine Kontinuität über Konfuzianismus und Daoismus hinweg.
Nüwa ähnelt der hebräischen Eva (Mutter der Menschheit), der griechischen Pandora (Schöpferin von Menschen), der indischen Aditi (kosmische Urmutter). Im Gegensatz zu Eva (passiv, sündig) ist Nüwa aktiv-heilbar, sie repariert ihre Schöpfung. Mit Pandora (Scöpfungen, aber auch Unglück) teilt sie Ambivalenz. Mit Aditi (kosmische Mutter) teilt sie Ursprungs-Status. Mit dem ägyptischen Atum oder dem indischen Brahma (Schöpfer) teilt sie Schöpfer-Rolle, aber Nüwa ist weiblich, selten unter Schöpfergöttern. Mit dem mexikanischen Ometecuhtli (Dualität Schöpfer) teilt sie Co-Schöpfer-Aspekt (mit Fuxi). Einzigartig ist die Schlangen-Form: Sie verbindet primordiale Wildheit mit weiblicher Schöpferkraft, keine transzendente Göttin, sondern eine, die handelt, mit Leib und Seele.