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Fujin, Gott der japanischen Tradition

Fujin ist Gott der japanischen Tradition.

Wind-Gott, wilder Sack der Luft, Wegweiser der Wolken. Fujin ist Japans Wwindgott, selten verehrt, aber ikonografisch unverwechselbar. Dargestellt als muskulöse, rote oder grüne Figur mit wildem Haar, trägt er einen riesigen Sack oder Beutel voller Winde auf seinem Rücken. Mit beiden Händen öffnet oder schließt er den Beutel, um die Winde freizulassen oder zu zügeln. Im Kunstwerken reitet er oft neben Raijin (dem Donner-Gott), eine inseparable Partnerschaft: Fujin bläst die Wolken zusammen, Raijin schlägt sie zu Donner auf. Zusammen erzeugen sie die gefürchteten Taifune des Pazifik.

GottJapan

Inhaltsverzeichnis

Fujin - Götter aus der Japan-Tradition, historisch-illustrativ

Fujin

Auf einen Blick: Fujin

Typ: Japanische Hauptgottheit (Shinto), Wind-Gott
Pantheon: Shinto und volksbuddhistische Tradition
Funktion: Wind, Sturm-Begleiter, Träger der Winde der Welt
Hauptattribute: Windsack auf den Schultern, grün-dämonische Züge, wildes Haar
Hauptkultorte: Sanjusangendo (Kyoto, gemeinsam mit Raijin), Senso-ji (Tokyo, Donnertor)
Begleitgottheit: Raijin (Donnergott)

Einordnung

Zeitraum der Texte

Fûjin ist seit dem 8. Jh. literarisch im Kojiki und Nihon shoki belegt. Hauptblütezeit der ikonografischen Tradition ist die Heian- und Kamakura-Zeit. Das berühmte Tawaraya-Sotatsu-Bildpaar von Raijin und Fûjin (17. Jh., Kennin-ji) ist die populärste Darstellung. Die Fûjin-Statue in Sanjusangendo gehört zu den herausragenden Kunstwerken der japanischen Sakralkunst. Im 13. Jh. spielte Fûjin eine besondere Rolle in der mythologischen Deutung des Kamikaze („Göttlicher Wind“), der die Mongolen-Flotten 1274 und 1281 versenkte.

Verbreitungsraum

Hauptkultorte: Sanjusangendo in Kyoto (mit den Statuen Raijin und Fûjin in der Eingangshalle), Senso-ji in Tokyo (Kaminari-mon, Donnertor, mit Raijin auf einer und Fûjin auf der anderen Seite), Kennin-ji in Kyoto (Sotatsu-Bild). Daneben in jedem Tempel oder Schrein, der Wetterschutz garantiert. Im ländlichen Volksglauben besonders bei Schiffern und Bauern angerufen.

Quellenlage

Zentrale Quellen: Kojiki (Buch I), Nihon shoki (Sturm-Mythen), Sotatsus Bildwerke (Kennin-ji, 17. Jh.), die Sanjusangendo-Tempel-Aufzeichnungen. Sekundärliteratur: Kasahara, A History of Japanese Religion; Aston, Shinto. The Way of the Gods; Kanda, Shinto in History; Bocking, A Popular Dictionary of Shinto.

Bezeichnung und Schreibweisen

Fujin ist eine stark physische Gottheit, eine muskulöse Gestalt, oft rot oder grün gefärbt, mit chaotischem Haar, das wie verwirbelter Wind wirkt. Die zentrale Ikone ist sein riesiger Sack oder Beutel (kaze-no-fukuro, Windsack), den er hinter sich trägt oder in den Händen hält. Mit einer Hand öffnet er den Beutel und lässt Winde ausströmen; mit der anderen zieht oder verschließt er. Sein Körper wirkt fragmentiert von Windwirbeln. Fujin wird selten allein gezeigt, gewöhnlich neben Raijin, in symmetrischer Komposition mit dynamischen, diagonalen Linien. Ihre Pairing symbolisiert das Zusammenspiel von Wind und Donner.

Wesenszüge

Fujin ist der Taifun-Gott, aber auch Spender des Nordwinds im Herbst, der die Ernte trägt. Seine Funktion ist ambivalent wie Raijins: Ohne Fujin keine Befruchtungs-Winde, aber Taifune töten Ernten und Menschen. Der Volkskult ist minimal-formal, es gibt wenige Fujin-Schreine, die ausschließlich ihm gewidmet sind. Stattdessen wird Fujin in Raijin-Kontexten verehrt, als integrale Komponente der Gewitter-Religion. Amulette gegen Taifune zeigen beide Götter zusammen. In buddhistischen Tempeln sind Bilder von Raijin und Fujin in Paare stilisiert, oft auf Türflügeln oder Wandbildern (ema = votive Bilder). Das Vertrauen ist funktional-magisch.

Erscheinung und Symbolik

Fujin wird als wildes, muskulöses Wesen mit rötlichem oder dunkelblauem Körper dargestellt. Er trägt eine Leoparden- oder Tigerhaut und trägt einen großen Sack mit Wind auf dem Rücken. Sein Gesicht ist oft grimmig oder lachend. Wolken oder Luft umwirbeln ihn. Er wird manchmal zusammen mit Raijin (rot) auf einer Wolke gezeigt.

4. Steckbrief: Fujin

Die wichtigsten Aspekte von Fûjin auf einen Blick. Die folgenden Felder fassen Herkunft, Funktion, Erscheinung, Verehrung, Symbole und kulturelle Parallelen zusammen.

Kulturkontext

Fûjin (jap. Fûjin, „Wind-Gott“) ist Sohn der Schöpfungsgöttin Izanami, entstanden aus ihrem zerfallenden Atem im Yomi (Unterwelt) parallel zu den Donner-Aspekten. In späteren Traditionen mit dem Donnergott Raijin als Bruder/Begleiter verbunden, das Wind-Donner-Paar ist ein zentrales ikonografisches Motiv der japanischen Kunst. In Volkstradition mit Susano-o (Sturmgott) verwandt.

Fujins Zielgruppe

Patron des Windes, sowohl gefürchtet (Taifun, Sturm) als auch erbeten (Reise-Wind für Schiffer, Erntewind). In der landwirtschaftlichen Tradition zentral, da reichliche Ernte günstigen Wind braucht. Im Mongolen-Krieg (1274, 1281) als „Göttlicher Wind“ (Kamikaze) interpretiert, der die mongolische Invasionsflotte versenkte, ein Mythos, der noch im 20. Jh. politisch-ideologisch reaktiviert wurde. In moderner Zeit Schutz vor Taifunen.

Form

Grüner, muskulöser Mannskörper mit dämonischen Zügen (Hörner, scharfe Zähne, wildes Haar). Charakteristisch: ein Windsack auf den Schultern getragen, aus dem die Winde aller Richtungen entweichen. Trägt nur Lendenschurz oder Tigerfell. Auf den klassischen Bildern (Sotatsu) auf einer Wolke schwebend, gemeinsam mit Raijin (rot, mit Trommelkranz). Im Senso-ji-Donnertor wuchtige Höhle mit aufgerissenem Mund.

Fujins Wirkung

Wirkungs-Bereich: Fûjin wird in Küstenregionen und auf den Inselgemeinden um Schutz vor Taifunen angerufen. Schiffer beten zu ihm vor jeder Reise um günstigen Wind. In der landwirtschaftlichen Tradition Anrufung um rechtzeitigen Wind in der Blütezeit. Im Senso-ji berühren Besucher die Donnertor-Lampe als Glücks-Ritual. Im modernen Volksglauben durch Anime und Pop-Kultur weiter präsent.

Fujins Abwehr

Windsack auf den Schultern, Hörner, scharfe Zähne, wildes Haar, Tigerfell-Lendenschurz, grün (manchmal blaugrün) Hautfarbe, Wolken-Untersatz. Heilige Tiere: Tiger (Pelz), Hirsch (in einigen Traditionen). Heilige Pflanzen: Bambus.

Pendants

Aiolos (Griechenland, Wind-König, hält die Winde in einem Schlauch, bemerkenswerte Parallele zum Fûjin-Windsack), Vâyu (Hinduismus, Wind-Gott), Stribog (Slawisch, Wind-Gott), Njord (Germanisch, Wind- und Meeres-Gott), Shu (Ägypten, Luft-/Wind-Gott), Enlil (Mesopotamien, Sturm-Gott), Adad/Hadad (Mesopotamien, Wettergott), Feng Bo (China, chinesische Variante des Wind-Gottes). Die Aiolos-Parallele ist besonders bemerkenswert wegen des Windsack-Motivs.

Schutzpraxis

Verehrungs-Rituale

Fūjin (japan. 風神, „Wind-Gott“) ist Wettergott des Shinto und Buddhismus, ikonographisch komplementär zu Raijin (Donner-Gott). Hauptdarstellungen: monumentale Fūjin-Raijin-Statuen im Sanjūsangen-do (Kyoto, 1164) und Sōtatsus berühmtes Wandschirm-Paar im Kennin-ji (17. Jh.), Schlüsselwerk der Rinpa-Schule. In Bauern-Regionen wurden ihm spezielle Wind-Schreine errichtet, oft auf Hügelkuppen.

Anrufungen

Norito-Gebete an Fūjin betonen die Bitte um Sturm-Beruhigung. Der buddhistische Begleitname Vāyu (skt. Wind-Gott) verbindet ihn mit dem indischen Pantheon. In der Edo-Zeit (17.-19. Jh.) erschien Fūjin in zahlreichen Genremalereien als ambivalente Naturmacht, Helfer und Bedroher zugleich.

Amulette und Schutzsymbole

Fūjin trägt einen großen Wind-Sack (kazebukuro) auf den Schultern, aus dem die Winde der vier Himmelsrichtungen entströmen. Grüne Haut, Hörner, ähnlich Raijin gestaltet, die beiden bilden ein ikonographisches Paar. Schutzamulette aus den Wind-Schreinen für Seefahrer und Reisende. Wind-Glocken (fūrin) an Häusern als symbolische Fūjin-Hommage und Sommer-Apotropäikon.

6. Fujin, Parallelen in anderen Kulturen

Fujin ähnelt dem griechischen Aeolus (Wind-Beherrscher), dem nordischen Njord (Wind und See), dem indischen Vayu (Luft-Element). Im Gegensatz zu Aeolus, der Wind in Säcken bewahrt (Odyssee), ist Fujins Sack aktiv, er lässt Wind frei oder behält ihn zurück, dynamisch. Mit dem mexikanischen Quetzalcoatl (Windgott) teilt Fujin Schöpfer-Aspekte (Wind erzeugt Leben). Einzigartig ist die untrennbare Partnerschaft mit Raijin: Sie sind nicht hierarchisch, sondern symbiotisch. Wind ohne Donner ist nutzlos; Donner ohne Wind ist fragmentiert. Fujin und Raijin sind japanische Beispiele für Kräfte, die nur zusammen sinn ergeben.

Literatur (Auswahl)

  • Aston, William G.: Shinto. The Way of the Gods. London 1905.
  • Kasahara, Kazuo (Hg.): A History of Japanese Religion. Tokyo 2001.
  • Kanda, Christine Guth: Shinto in History. Ways of the Kami. Honolulu 2000.
  • Bocking, Brian: A Popular Dictionary of Shinto. London 1995.
  • Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly (Lemma „Fûjin“).