Literatur, religionswissenschaftliche Quellen
Literatur
Die Bibliographie versammelt die zentralen Werke, auf die sich die Beiträge des iWell-Guard-Lexikons stützen. Die Auswahl ist nicht erschöpfend, eine vollständige Bibliographie zur Religionsgeschichte würde leicht den Umfang der Webseite selbst übersteigen. Wir nennen die Werke, die als Standardreferenz für ein Sachgebiet gelten und die uns als Grundlage für die Einzeldarstellungen dienen.
Die Liste ist nach inhaltlichen Bereichen sortiert: Religionsgeschichte allgemein, Dämonologie und Mythologie, Esoterik und Theosophie. In den Einzelbeiträgen werden zusätzlich die jeweils einschlägigen Spezialwerke (Quellenausgaben, Kommentare) genannt; die hier geführten Titel sind die übergreifenden Standardwerke. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in den Einzelseiten der jeweiligen Kulturen, etwa Ägypten, Griechenland, Judentum, die spezialisierten Quellenangaben.
Quellen-Hierarchie auf iWell Guard
Die Bibliographie ist nach einer dreistufigen Quellen-Hierarchie aufgebaut. Erstens die Standardwerke der Religionswissenschaft: monographische Werke etablierter Autoren, die in der akademischen Forschung als Referenzpunkt gelten und über die deutsche und englische Sekundärliteratur breit rezipiert sind. Zweitens die Speziallitratur zu einzelnen Wesensklassen oder Praktiken: Werke mit klar abgegrenztem Fokus, die für die Detail-Pages der jeweiligen Wesen oder Praktiken Hauptquellen sind. Drittens die religionsgeschichtlichen Quellenausgaben: kritische Editionen der wichtigsten Primärtexte, von der Maqlu-Serie (Abusch/Schwemer) bis zum Lemegeton (Peterson, Skinner/Rankine).
Die einzelnen Detail-Pages auf iWell Guard verweisen jeweils auf die für sie zentralen Werke aus dieser Bibliographie. Die Bibliographie ist nicht vollständig; sie listet nur die Werke, die in der iWell-Guard-Dokumentation tatsächlich rezipiert wurden.
Religionsgeschichte (Auswahl)
Burkert, Walter: Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche. Stuttgart: Kohlhammer, 2., überarbeitete Auflage 2011. Standardwerk zur antiken griechischen Religion; deckt Kult, Mythos, Festkalender, Mysterien und Heroenkult systematisch ab. Für die Beiträge zu griechischen Wesen die wichtigste Einzelreferenz.
Eliade, Mircea: Geschichte der religiösen Ideen, 3 Bände. Freiburg: Herder 1978–1985 (Originalausgabe Paris 1976–1983). Vergleichende Religionsgeschichte vom Paläolithikum bis ins 20. Jahrhundert. Methodisch in der Phänomenologie der Religion verortet, mit dem Vorbehalt, dass Eliades Synthesen heute teilweise als zu glättend gelten, als Einstieg und Querverweis-Werk aber unverzichtbar.
Frazer, James George: The Golden Bough, A Study in Magic and Religion. London: Macmillan 1922 (Standard-Edition; Erstausgabe 1890). Klassiker der vergleichenden Religionswissenschaft, methodisch in vielen Punkten überholt, aber als Materialsammlung weiterhin relevant. Wir zitieren Frazer, wo es um Vergleichsbefunde geht; methodische Befunde Frazers werden nicht ungeprüft übernommen.
Smith, Jonathan Z.: Map Is Not Territory. Studies in the History of Religions. Leiden: Brill 1978. Methodische Selbstkritik der vergleichenden Religionswissenschaft; wichtig für das Verständnis, was eine religionsgeschichtliche Vergleichsoperation leisten kann und was nicht.
Bremmer, Jan N.: Greek Religion. Oxford 1994. Knappe, dichte Einführung in die griechische Religion; methodisch auf der Höhe der jüngeren Forschung.
Burkert, Walter: Homo Necans. Interpretationen altgriechischer Opferriten und Mythen. Berlin: de Gruyter 1997 (Erstausgabe 1972). Studie zur Anthropologie des Opfers, wichtig für das Verständnis religiöser Gewaltrituale in der griechischen Tradition.
Erweiterte Liste: Religionsgeschichte
Assmann, Jan: Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur. Hanser, München 1998. — Grundlagenwerk zur Frage des monotheistischen Sonderwegs.
Assmann, Jan: Tod und Jenseits im alten Ägypten. Beck, München 2001. — Ägyptische Totenreligion in religionsvergleichender Perspektive.
Bottéro, Jean: La religion babylonienne. Presses universitaires de France, Paris 1952. — Klassisches Standardwerk zur mesopotamischen Religion.
Burkert, Walter: Anthropologie des religiösen Opfers. Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München 1984. — Religionsphänomenologie des Opfers.
Eliade, Mircea: Geschichte der religiösen Ideen, 4 Bände. Herder, Freiburg 1978–1991. — Universale Religionsgeschichte in vier Bänden.
Heiler, Friedrich: Erscheinungsformen und Wesen der Religion. Kohlhammer, Stuttgart 1961. — Phänomenologische Religionswissenschaft.
Otto, Rudolf: Das Heilige. Trewendt & Granier, Breslau 1917. — Klassiker der religionsphilosophischen Tradition.
Pauly, August / Wissowa, Georg: Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, ab 1894. — Standardreferenz für die antike Mythologie und Religion.
Dämonologie und Mythologie
Russell, Jeffrey Burton: The Devil. Perceptions of Evil from Antiquity to Primitive Christianity. Ithaca: Cornell University Press 1977. Erster Band der vierbändigen Geschichte des Teufelsbegriffs; deckt die antiken Wurzeln und die frühchristliche Entwicklung ab.
Russell, Jeffrey Burton: Lucifer. The Devil in the Middle Ages. Ithaca 1984. Zweiter Band; mittelalterliche Dämonologie, Hexenglauben, scholastische Synthesen.
Walde, Christine (Hg.): Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Stuttgart: Metzler 1996ff. Standardwerk zur antiken Welt mit ausführlichen Artikeln zu Göttern, Heroen, Dämonen, Geistern und religiösen Praktiken; wichtigste Einzelreferenz für alle Beiträge zu griechisch-römischen Wesen.
West, Martin L.: Indo-European Poetry and Myth. Oxford 2007. Vergleichende Mythologie der indoeuropäischen Sprachfamilie; deckt die Querverbindungen zwischen vedischer, griechisch-römischer, germanischer und keltischer Tradition systematisch ab.
Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Stuttgart: Kröner 2., erw. Auflage 1989. Knappes Nachschlagewerk mit Stichwort-Artikeln zu Göttern und Dämonen aller Kulturen; für den Schnellzugriff im Lexikon-Stil das wichtigste Hilfsmittel.
Eliade, Mircea (Ed.): The Encyclopedia of Religion. New York: Macmillan 1987 (16 Bände). Englischsprachiges Standardwerk mit ausführlichen Sachartikeln; ergänzt für die nicht-europäischen Traditionen, wo der Neue Pauly schweigt.
Stuckrad, Kocku von: Geschichte der Astrologie. München: Beck 2003. Religionswissenschaftliche Einordnung der westlichen Astrologie-Tradition; relevant für die Schnittstelle von Mythologie und ritueller Praxis.
Erweiterte Liste: Esoterik-Forschung
Asprem, Egil: Arguing with Angels. Enochian Magic and Modern Occulture. SUNY Press, Albany 2012. — Religionsgeschichtliche Einordnung der enochianischen Tradition.
Asprem, Egil: The Problem of Disenchantment. Scientific Naturalism and Esoteric Discourse, 1900–1939. Brill, Leiden 2014. — Esoterik im Spannungsfeld zur naturwissenschaftlichen Moderne.
Faivre, Antoine: Accès de l’ésotérisme occidental, 2 Bände. Gallimard, Paris 1986/1996. — Klassiker der akademischen Esoterik-Forschung.
Hammer, Olav: Claiming Knowledge. Strategies of Epistemology from Theosophy to the New Age. Brill, Leiden 2001. — Wissens-Strategien der modernen Esoterik.
Hanegraaff, Wouter J.: New Age Religion and Western Culture. Esotericism in the Mirror of Secular Thought. Brill, Leiden 1996. — Standardwerk zur New-Age-Esoterik.
Hanegraaff, Wouter J.: Esotericism and the Academy. Rejected Knowledge in Western Culture. Cambridge University Press, Cambridge 2012. — Wissenschaftsgeschichte der westlichen Esoterik.
Kripal, Jeffrey J.: Authors of the Impossible. The Paranormal and the Sacred. University of Chicago Press, Chicago 2010. — Methodologische Reflexion über paranormale Phänomene.
Owen, Alex: The Place of Enchantment. British Occultism and the Culture of the Modern. University of Chicago Press, Chicago 2004. — Britische Esoterik um 1900.
Skinner, Stephen / Rankine, David: The Goetia of Dr Rudd. Golden Hoard Press, London 2007. — Kritische Edition des Goetia-Manuskripts mit Engel-Schutzschicht.
Esoterik und Theosophie
Hanegraaff, Wouter J.: New Age Religion and Western Culture. Esotericism in the Mirror of Secular Thought. Leiden: Brill 1996. Standardwerk zur New-Age-Bewegung; methodisch besonders gründliche religionswissenschaftliche Einordnung. Für alle Beiträge zu Lichtwesen und modernen esoterischen Traditionen die wichtigste Einzelreferenz.
Faivre, Antoine: Esoterik im Überblick. Geheime Geschichte des abendländischen Denkens. Freiburg 2001 (Originalausgabe Paris 1992). Knappe, methodisch klare Einführung in die westliche Esoterik vom Hellenismus bis in die Moderne.
Levi, Eliphas (Alphonse-Louis Constant): Dogme et Rituel de la Haute Magie. Paris 1855–1856 (deutsche Ausgabe: Geschichte und Praxis der hohen Magie. München 1979). Schlüsseltext der modernen Hochmagie; Quellengrundlage für die ritualmagischen Traditionen des späten 19. und 20. Jahrhunderts.
Mathers, S. Liddell MacGregor (Hg./Üb.): The Goetia. The Lesser Key of Solomon the King. London 1904. Englische Übersetzung der frühneuzeitlichen Goetia; meistgenutzte Standardausgabe der modernen Goetie-Praxis.
Crowley, Aleister: Magick in Theory and Practice. London 1929. Hauptwerk Crowleys zur Hochmagie; rezeptionsgeschichtlich für das 20. Jahrhundert nicht zu überschätzen, methodisch eigenwillig und mit kritischer Distanz zu lesen.
Hanegraaff, Wouter J. (Ed.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Leiden: Brill 2005 (2 Bände). Stichwortwerk zur westlichen Esoterik; ergänzt das Hauptwerk Hanegraaffs zum New Age um den älteren esoterischen Kontext.
Blavatsky, Helena Petrovna: The Secret Doctrine. The Synthesis of Science, Religion, and Philosophy. London 1888. Theosophisches Hauptwerk; Quellengrundlage für die Aufstiegsmeister-Lehre und für viele moderne New-Age-Konzepte. Religionsgeschichtliche Distanz beim Lesen erforderlich; das Werk ist Quelle, nicht Wahrheits-Garant.
Goodrick-Clarke, Nicholas: The Western Esoteric Traditions. A Historical Introduction. Oxford 2008. Religionswissenschaftliche Gesamtdarstellung der westlichen Esoterik; eignet sich als zweiter Einstieg nach Faivre.
Yates, Frances A.: Giordano Bruno and the Hermetic Tradition. London 1964. Klassiker der Esoterikforschung; rekonstruiert die hermetische Tradition als eigenständigen Strang der westlichen Geistesgeschichte. Methodisch in der jüngeren Forschung teilweise revidiert, aber als Gesamtdarstellung weiterhin lesenswert.
Stuckrad, Kocku von: Was ist Esoterik? Kleine Geschichte des geheimen Wissens. München: Beck 2004. Knappe, methodisch klare Einführung, ein guter Einstieg für Leserinnen, die mit dem Begriff „Esoterik“ nicht systematisch vertraut sind.
Kilcher, Andreas B. (Hg.): Constructing Tradition. Means and Myths of Transmission in Western Esotericism. Leiden: Brill 2010. Methodische Untersuchung dazu, wie esoterische Traditionen sich rekonstruieren und überliefern; wichtig für die Einordnung der modernen Aufstiegsmeister-Lehren und der theosophischen Genealogien.
Bogdan, Henrik: Western Esotericism and Rituals of Initiation. New York: SUNY Press 2007. Studie zu Initiations-Strukturen in westlichen esoterischen Traditionen; relevant für das Verständnis der ritualmagischen Praxis von der Goetia bis zu modernen Magie-Schulen.
Hinweise zur Quellenarbeit
Die in dieser Liste genannten Werke sind als Standardreferenzen ausgewählt; sie unterscheiden sich erheblich in methodischer Stoßrichtung. Religionswissenschaftlich-historische Werke (Burkert, Bremmer, Russell) operieren mit klassischer Quellenkritik und schreiben in der Tradition der vergleichenden Religionswissenschaft. Esoterik-historische Werke (Hanegraaff, Faivre, Stuckrad) untersuchen die westliche Esoterik mit den Werkzeugen der Religionsforschung, sie nehmen die Selbstdeutung der Traditionen ernst, ohne ihnen zuzustimmen. Praktiker-Werke (Levi, Crowley, Mathers, Blavatsky) sind selbst Quelle, nicht Sekundärliteratur; sie werden als historische Texte gelesen, nicht als Sachreferenz für die jeweilige Tradition. Diese Unterscheidung ist beim Zitieren wichtig, und wir kennzeichnen sie in den Einzelbeiträgen, wo es um eine konkrete Tradition geht.
Wer einen Einstieg in eine bestimmte Kultur sucht, beginnt am besten mit dem in der jeweiligen Kultur-Landingpage genannten Standard-Überblickswerk und arbeitet sich von dort in die Spezialliteratur ein. Die religionsgeschichtlichen Standardwerke sind alle in größeren Universitätsbibliotheken zugänglich; einige sind als Open-Access-Editionen oder als günstige Studienausgaben zu haben. Bei spezifischen Quellenfragen, etwa zur akkadischen Beschwörungs-Literatur oder zur tibetisch-buddhistischen Schutzwesen-Tradition, empfehlen wir, mit der in der jeweiligen Wesens-Einzeldarstellung genannten Spezialliteratur zu beginnen.