Die Urquelle wird in vielen Traditionen als der Ursprung allen Seins beschrieben, als unteilbarer Grund, aus dem sich Bewusstsein, Materie und Form entfalten.
Der Begriff Urquelle bezeichnet in der vergleichenden Religionswissenschaft einen Topos, der in praktisch allen entwickelten religiösen und philosophischen Traditionen auftaucht: das Konzept eines unbedingten, vorzeitlichen, undifferenzierten Ursprungs, aus dem alle Vielheit, alle Wesenheiten und alle Manifestationen hervorgehen. Sie ist weder Person noch Gegenstand, sondern eine Strukturannahme, der logische und ontologische Punkt, der jeder weiteren Aussage über Welt, Wesen und Bewusstsein vorausgeht. Die Bezeichnungen variieren von Tradition zu Tradition, doch die Funktion bleibt vergleichbar: Sie markiert die Grenze, hinter die das menschliche Begriffsdenken nicht mehr zurückgehen kann, ohne sich selbst aufzulösen.
Charakteristisch für die Urquelle in allen Traditionen ist eine Kombination mehrerer Merkmale. Sie ist unaussprechlich oder zumindest nur negativ bestimmbar, die meisten Traditionen umkreisen sie mit einer Form von Apophatik, also einem Sprechen, das beschreibt, was die Urquelle nicht ist. Sie ist absolut einheitlich, vor jeder Differenzierung, vor jedem Gegensatz, vor Subjekt und Objekt. Und sie ist produktiv: aus ihr entspringen Welt, Götter, Wesen, Zeit und Raum, ohne dass sie selbst dadurch geringer würde. Diese drei Merkmale finden sich in den vedischen Upanishaden ebenso wie in der spätantiken Gnosis, in der jüdischen Kabbala oder im Daoismus.
Im Hinduismus ist die Urquelle als Brahman ausgearbeitet, das absolute, attributlose, formlose Sein, das in den Upanishaden mit dem Wort neti, neti („nicht dieses, nicht jenes“) nur in Negation umkreist wird. Aus Brahman geht in einigen Schöpfungsmythen das Hiranyagarbha hervor, der „Goldene Keim“ oder das kosmische Ei, in dem die Vielheit der Welten in noch ungefalteter Form ruht. Eng verwandt ist das Konzept des Aum als ursprünglicher Klangschwingung, die der manifesten Welt vorausgeht.
Im Daoismus übernimmt das Dao eine ähnliche Funktion. Bereits der erste Vers des Dao De Jing bestimmt das Dao apophatisch: „Das Dao, das ausgesprochen werden kann, ist nicht das ewige Dao.“ Aus dem namenlosen Dao gehen das Eine, das Zwei und das Zehntausend hervor, das übliche chinesische Bild für die volle kosmische Vielheit. Im Unterschied zur indischen Tradition wird das Dao stärker prozesshaft und weniger personal-ontologisch gedacht; es ist weniger ein Sein als ein durchgängiger Vollzug.
In der jüdischen Kabbala ist die Urquelle als Ein Sof bestimmt, das Unendliche, das jenseits aller Sephiroth liegt. Aus Ein Sof geht durch eine Kette von Emanationen die Welt der zehn Sephiroth hervor, die zugleich als Eigenschaften Gottes und als Strukturmomente der Schöpfung gedeutet werden. Die kabbalistische Theorie der Emanation hat sich später in die christliche Mystik (Eckhart, Cusanus) und in die Renaissance-Philosophie (Pico della Mirandola, Reuchlin) ausgebreitet und prägt bis heute das westliche Sprechen über göttlichen Ursprung.
Die für das europäische Denken wirkungsmächtigste Fassung der Urquelle stammt aus dem Neuplatonismus. Plotin (3. Jahrhundert n. Chr.) bestimmt das Eine (το ἕν, to hen) als jenseits von Sein, Denken und Vielheit. Aus dem Einen emaniert in einer dreistufigen Hierarchie zunächst der Nous (der Geist), dann die Psyche (die Weltseele), und schließlich die materielle Welt. Die Bewegung ist nicht zeitlich, sondern ein ewiger Hervorgang. Plotins Einfluss reicht über Augustin in die christliche Trinitätslehre, über Ibn Sina in die islamische Philosophie und über Eckhart in die deutsche Mystik.
Die Gnosis spricht von Bythos, der „Tiefe“ oder dem Abgrund, als Urquelle des göttlichen Pleroma, der „Fülle“. Aus Bythos und seiner Paargenossin Sige (das Schweigen) entstehen in den valentinianischen Systemen die Äonen-Paare, die das Pleroma bilden. Erst durch eine Krise innerhalb des Pleromas, meist verbunden mit der Figur der Sophia, kommt es zur materiellen Welt, die in der Gnosis als Abfall oder Verkennung der Urquelle gedeutet wird. Hier kippt die Bewegung der Emanation in eine Spannung zwischen verlorener und wiederzugewinnender Heimat.
Wer die genannten Konzepte nebeneinanderlegt, erkennt eine erstaunliche Strukturähnlichkeit, ohne dass dadurch die historischen und kulturellen Unterschiede eingeebnet werden müssten. In allen Fassungen ist die Urquelle vor jeder Bestimmung, absolut einheitlich und produktiv. In allen Fassungen besteht eine doppelte Bewegung: ein Hervorgehen der Vielheit aus dem Einen und ein potenzieller Rückweg, ein Wieder-Eingehen der Vielheit in den Ursprung. Der Rückweg wird in den jeweiligen Traditionen unterschiedlich ausgestaltet, als moksha im hinduistischen Kontext, als devekut in der Kabbala, als henosis bei den Neuplatonikern, als gnosis in der antiken Gnosis, als kontemplative Einung in der christlichen Mystik.
Diese Strukturparallele hat in der vergleichenden Religionswissenschaft des 20. Jahrhunderts, bei Mircea Eliade, Henry Corbin, Frithjof Schuon und anderen, zu der Hypothese geführt, dass es so etwas wie eine philosophia perennis oder „immerwährende Philosophie“ gibt: einen Kern, der in den großen kontemplativen Traditionen unabhängig voneinander entdeckt und ausgearbeitet wurde. Die Forschung ist sich uneins, ob es sich dabei um eine echte universale Tiefenstruktur oder um eine Projektion westlicher Suchender auf disparate Traditionen handelt. Wer das Material liest, kann die Frage selbst stellen, die Befunde liegen offen vor.
Im Kontext von iWell Guard ist die Urquelle keine theologische Bekenntnisformel, sondern eine Arbeitshypothese: Wenn alle Wesen, Götter, Dämonen, Geister und Lichtwesen aus einer gemeinsamen, undifferenzierten Quelle hervorgehen, dann sind auch energetische Belastungen durch fremde Wesen prinzipiell bis zu diesem Ursprung zurückverfolgen und dort auflösen. Die Methodik nutzt diesen Gedankengang als strukturelle Grundlage; die mediale Prüfung im Bewusstseinsfeld beschreibt das praktische Verfahren, mit dem dies im Einzelfall geschieht.
Wichtig ist die Abgrenzung: die Urquelle ist keine Schutzgottheit, kein Wesen, an das man sich wenden könnte. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt von Wesen, von Wirkung und von Schutz gesprochen werden kann. damit liegt der Begriff in einer Reihe mit anderen religionswissenschaftlichen Grundtermini wie Bewusstseinsfeld, mediale Information oder Äther, Konzepten, die die Erfahrungswelt strukturieren, ohne selbst Erfahrungsobjekte zu sein.
Auch außerhalb der Hochreligionen findet sich das Konzept der Urquelle in vielen indigenen und schamanischen Traditionen, dort meist eingebunden in konkrete kosmologische Erzählungen. In sibirischen schamanischen Kulturen wird häufig von einer „Welteiche“ oder einem „Weltbaum“ gesprochen, dessen Wurzeln in einer Urquelle münden, aus der Lebenskraft, Seelen und Tiergeister hervorgehen. In nordamerikanischen indigenen Traditionen ist die Vorstellung eines „Großen Geistes“ oder einer „Quelle aller Wesen“ geläufig, bei den Lakota etwa als Wakan Tanka, bei den Algonkin als Manitou. Beide Begriffe kann man nicht auf eine personale Gottheit reduzieren; sie umschreiben eine umfassende ordnende und schöpferische Macht, die in allem Lebendigen wirksam ist.
In afrikanischen Traditionen finden sich vergleichbare Konzepte. Bei den Yoruba beispielsweise ist Olodumare oder Olorun der unbedingte, ferne Schöpfergott, der die manifeste Welt durch die Orishas wirken lässt, diese Struktur wurde in der Diaspora als Grundlage des Vodou und der Santería weitergetragen, wo die Loa beziehungsweise Orishas als Vermittlerwesen zwischen der Urquelle und der menschlichen Erfahrungswelt fungieren. Die strukturelle Parallele zur neuplatonischen Emanationskette ist offenkundig, ohne dass historische Beeinflussung nachgewiesen wäre, sie verweist auf die typologische Konstanz des Modells.
Wer sich mit dem Begriff der Urquelle vertieft auseinandersetzt, findet auf iWell Guard mehrere thematisch verbundene Einträge. Die Detailseite Sophia beschreibt die gnostische Figur, deren Krise das Verhältnis von Urquelle und manifestierter Welt strukturiert. Der Eintrag Äther behandelt das antike und frühneuzeitliche Konzept eines feinstofflichen Trägermediums, das die Brücke zwischen Urquelle und Materie schlägt. Die Klasse Lichtwesen versammelt jene Erscheinungen, die in vielen Traditionen als unmittelbare Ausstrahlungen der Urquelle gelten, von den Erzengeln der jüdisch-christlichen Tradition bis zu den Devas der indischen.
Als wissenschaftliche Einstiegsliteratur empfehlen sich für die hinduistische Tradition die Übersetzungen der zentralen Upanishaden durch Paul Deussen, für den Daoismus die Studien von Isabelle Robinet, für die Kabbala die Standardwerke von Gershom Scholem, für den Neuplatonismus die Plotin-Edition und die Studien von Pierre Hadot, für die Gnosis die kritischen Editionen der Nag-Hammadi-Schriften und die Gesamtdarstellung von Kurt Rudolph. Eine kommentierte Auswahl finden Sie in der Literaturübersicht.
Die Vorstellung einer Urquelle als unteilbarer Grund allen Seins gehört zu den ältesten religiös-philosophischen Konzepten überhaupt. In den vorsokratischen Spekulationen spricht Thales von arché (Ursprung), Anaximander vom apeiron (Unbegrenzten), beide meinen damit jenes erste Prinzip, aus dem alle bestimmten Erscheinungen hervorgehen. Im Hinduismus entspricht dies dem Brahman der Upanishaden, im Daoismus dem Dao als „Mutter aller Dinge“ (Daodejing 1), im Buddhismus dem Tathata oder Dharmadhatu. In der jüdischen Mystik der Kabbala ist es En Sof, das „Unendliche“ jenseits aller Eigenschaften (Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen, Frankfurt 1957). Im christlichen Neuplatonismus, insbesondere bei Plotin und Pseudo-Dionysius Areopagita, ist es das überseiende Eine, aus dem in einer Hierarchie der Emanationen alle Wirklichkeit fließt.
Religionsphilosophisch wichtig ist die Differenz zwischen Urquelle als Schöpfer (theistische Tradition) und Urquelle als Grund (mystisch-immanente Tradition). Im theistischen Verständnis steht die Quelle dem Geschaffenen gegenüber; im mystischen Verständnis ist alles Geschaffene noch immer in der Quelle und untrennbar mit ihr verbunden. Beide Verständnisse haben ihre eigene Spiritualität: Beten und Anrufen im einen, Versenkung und Erkennen im anderen. Das Affirmations-Mantra des iWell Guard arbeitet bewusst mit dem zweiten Modus, die Urquelle wird nicht als äußere Macht angerufen, sondern als immer-schon-gegenwärtiger innerer Grund vergegenwärtigt.
In modernen integralen Spiritualitäten, etwa bei Ken Wilber oder im Werk Sri Aurobindos, wird die Urquelle als Bewusstseins-Ursprung beschrieben, jener „leere“ Grund, der durch keine Form erschöpft wird, aus dem aber jede Form möglich ist. Phänomenologisch lässt sich dieser Grund nicht als Objekt der Erfahrung haben, sondern nur als deren Voraussetzung erschließen. Die Praxis vieler kontemplativer Traditionen besteht entsprechend nicht im Suchen nach einem fernen Ursprung, sondern im Loslassen aller Konzepte über den Ursprung, in dem Vertrauen, dass das, was bleibt, die Urquelle selbst ist.