Astarte, Phönizische Göttin der Liebe, des Krieges und der Königsherrschaft

Astarte (phönizisch ʿštrt) ist die wichtigste weibliche Gottheit des phönizischen Pantheons und tritt in den Stadtstaaten Sidon, Tyrus, Byblos, Kition und im gesamten phönizischen Mittelmeer auf. Sie ist Göttin der Liebe, des Krieges, der Königsherrschaft und der Fruchtbarkeit.

GöttinPhönizischHochgottheit

Inhaltsverzeichnis

Astarte Phoenix - Götter aus der Phoenizisch-Tradition, historisch-illustrativ

Einordnung und Kurzprofil

Astarte (akkadisch Ištar, ugaritisch ʿAṯtartu) ist die phönizische Form einer der ältesten weiblichen Gottheiten des Vorderen Orients. Sabatino Moscati hat in Die Phöniker (1966) gezeigt, dass Astarte in fast jedem phönizischen Stadtstaat eine zentrale Stellung einnimmt, häufig als Gemahlin des lokalen Hauptgottes. In Sidon ist sie Gemahlin des Eshmun; in Tyrus tritt sie neben Melqart auf; in Byblos neben Baalat. Innerhalb der phönizischen Tradition ist sie die mit Abstand wichtigste Göttin.

Corinne Bonnet hat in Astarté (1996) die umfassendste Monographie zu dieser Gottheit vorgelegt. Sie zeigt, dass Astarte ein sehr breites Funktionsprofil hatte: Liebes- und Sexualgöttin, Kriegsgöttin, Königsschutzgöttin, Schutzherrin der Seefahrer, Heilgöttin und in manchen Kontexten chthonisch-unterweltliche Funktion. Diese Multifunktionalität ist für altorientalische Göttinnen der ʿAṯtart/Ištar-Familie typisch.

Religionsgeschichtlich gehört Astarte zum westsemitischen Göttinnen-Typus, der sich aus der altsyrisch-amoritischen Aṯtart-Tradition entwickelt hat. Sie wurde im 1. Jahrtausend v. Chr. mit der griechischen Aphrodite identifiziert; die zyprische Aphrodite-Tradition geht direkt auf die phönizische Astarte zurück, wie schon Herodot bemerkte.

Eine wichtige Stadtspezifikation ist die ‚Astarte vom Libanon‘, die in mehreren Inschriften erwähnt wird; sie war vermutlich identisch mit der Astarte von Beirut. Auch eine ‚Astarte vom Meer‘ ist in Tyrus belegt. Diese Hypostasen-Vielfalt ist typisch für die phönizische Religion und macht Astarte zur am weitesten differenzierten Göttin des Pantheons.

Astartes Stellung im phönizischen Pantheon ist mit der hethitischen Sonnengöttin von Arinna oder mit Hebat als oberster weiblicher Reichsgöttin vergleichbar.

Name und Etymologie

Der Name ʿštrt (Astarte) ist westsemitisch und gehört zur Wurzel ʿštr, die auch in ʿAṯtartu (Ugarit) und Ištar (Mesopotamien) zugrunde liegt. Die Etymologie ist nicht definitiv geklärt; eine plausible Deutung verbindet die Wurzel mit dem Begriff ‚Stern‘ und sieht Astarte als ‚die Stern-Göttin‘, vermutlich mit Bezug auf den Morgenstern (Venus).

In phönizischen Inschriften erscheint sie als ʿštrt, in punischen Texten ebenso. Eine wichtige hellenistische Form ist Aštart mit dem aramäischen Vokal-Wandel. Im Akkadischen wird sie mit Ištar identifiziert; in der hellenistischen Welt mit Aphrodite oder Hera (je nach Funktionsschwerpunkt); in Ägypten erscheint sie seit dem Neuen Reich als eigenständige importierte Gottheit unter dem Namen Astarte. Auch dort behält sie ihren westsemitischen Charakter.

Die griechische Aphrodite Urania entspricht direkt der phönizischen Astarte; Herodot leitet ihre Verehrung von Phönizien über Zypern nach Griechenland her. Diese Erbschaftslinie macht Astarte zu einer der religionsgeschichtlich einflussreichsten Göttinnen der Mittelmeerwelt.

In manchen Texten wird sie auch als ‚Heaven Lady‘ oder ‚Königin des Himmels‘ bezeichnet, ein Titel, der auch im biblischen Jeremia (Jer 7,18; 44,17, 19) erscheint und dort kritisch kommentiert wird. Diese ‚Himmelskönigin‘-Tradition ist religionsgeschichtlich von Saby Caves untersucht worden und stellt eine wichtige Verbindung zwischen kanaanäischer und biblischer Religionsgeschichte dar.

Beschreibung und Ikonographie

Astarte erscheint in der phönizischen Ikonographie in mehreren Bildtypen: als nackte stehende Göttin (Pose der ‚Astarte-Plakette‘), als thronende Königin mit Polos-Krone, als Kriegsgöttin mit Speer und Schild, als Reiterin auf einem Löwen oder als himmlische Königin mit Sternenrahmen. Diese Bildvielfalt reflektiert ihre Multifunktionalität.

Ihr heiliges Tier ist der Löwe oder die Löwin; in Sidon und Karthago erscheint sie häufig auf einem Löwen thronend oder reitend. Auch die Taube wird ihr zugeordnet, besonders in zyprischen und mediterranen Kontexten; die Aphrodite-Tauben sind ein direktes Erbe der phönizischen Astarte. Eine weitere Tier-Assoziation ist die Schlange, die ihre chthonische Seite repräsentiert.

In den westmediterranen Kolonien, vor allem in Tartessos (Spanien), wurde Astarte besonders intensiv verehrt; die berühmte Bronzefigur ‚Astarte vom Carambolo‘ aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. zeigt sie als thronende Göttin mit phönizischer Weihinschrift. Auch in Sevilla, Cádiz und anderen Sites wurden Astarte-Figurinen gefunden, die die intensive Präsenz ihres Kults dokumentieren.

In Kition (Zypern) wurde ein riesiger Astarte-Tempel ausgegraben, der zu den größten Heiligtümern der eisenzeitlichen Mittelmeerwelt gehört. Die Ausgrabungen unter Vassos Karageorghis und in jüngerer Zeit unter Maria Iacovou haben das Bild des phönizischen Kults auf Zypern wesentlich erweitert.

Mythologische Erzählungen

In den ugaritischen Texten (KTU 1.92 und andere) erscheint Astarte als Jagdgöttin und Begleiterin Baals; im Baal-Zyklus spielt sie allerdings eine geringere Rolle als ihre Schwester Anat. In phönizischen Mythenfragmenten, vor allem bei Philon von Byblos (zitiert bei Eusebius), erscheint sie als Königin, die mit dem Stier nach Tyrus reist und dort den Königsthron einnimmt.

Philon berichtet, Astarte habe einen ‚Stierkopf gefunden‘ und ihn auf ihr eigenes Haupt gesetzt, womit sie ihre Göttlichkeit bestätigte. Diese Erzählung erinnert an die ägyptische Hathor-Tradition und an die mesopotamische Inanna-Anu-Geschichte. Albert Baumgarten hat in The Phoenician History of Philo of Byblos (1981) das Material kritisch ediert.

In hellenistischen Texten wird Astarte mit der Europa-Erzählung verbunden: Europa, die Tochter des Königs Agenor von Tyrus, wurde von Zeus in Stiergestalt nach Kreta entführt. Diese Verbindung ist religionsgeschichtlich eindrucksvoll: Astarte ist sowohl Mutter Europas als auch deren göttlicher Hintergrund. Die Europa-Mythologie ist damit eine helleno-phönizische Synthese.

Aus karthagischer Zeit ist eine Verbindung zwischen Astarte und der Heroengestalt Dido überliefert; die Königin Dido, Gründerin Karthagos, wird in manchen römischen Quellen als ‚priesterliche Inkarnation‘ der Astarte gedeutet. Diese Identifikation ist religionsgeschichtlich aufschlussreich.

Kult und Verehrung

Astartes wichtigste Kultzentren waren Sidon (Tempel der Astarte, von Eshmunazar II. erbaut), Tyrus, Byblos (mit der Baalat), Kition (Zypern, wo ein riesiger Astarte-Tempel die Insel beherrschte), Karthago und die mediterranen Kolonien. Maria Eugenia Aubet hat in The Phoenicians and the West (2001) die mediterrane Ausbreitung dokumentiert.

Der Kult umfasste Brandopfer, Trankopfer und das sogenannte ‚heilige Tanzfest‘, das in einigen phönizischen Quellen erwähnt wird. Eine besondere Rolle spielten die qedeshim und qedeshot, geweihte Männer und Frauen, deren genaue Funktion in der Forschung diskutiert wird; Annie Caubet, Corinne Bonnet und Stephanie Budin haben gegen die ältere Interpretation als ‚Tempelprostitution‘ argumentiert, ohne dass die Frage abschließend geklärt wäre.

In hellenistischer Zeit wurde Astarte mit Aphrodite identifiziert; das berühmte Aphrodite-Heiligtum von Paphos auf Zypern ist religionsgeschichtlich die direkte Fortsetzung phönizischer Astarte-Verehrung. Auch in Korinth, in Eryx (Sizilien) und in zahlreichen weiteren mediterranen Sites wurde die phönizische Astarte-Tradition unter griechischer Bezeichnung weitergetragen.

In Karthago wurde Astarte später zunehmend durch Tanit verdrängt, ohne ganz zu verschwinden; in den Tofet-Inschriften erscheinen beide Göttinnen gelegentlich nebeneinander. Diese Konkurrenz zweier weiblicher Hochgöttinnen ist eines der kennzeichnendsten Merkmale der punischen Religion.

Schutzpraxis und Apotropäisches

Astarte war Schutzgöttin der Königsfamilien, der Schwangeren, der Seefahrer und der kriegerischen Männer. In Sidon erscheint sie auf Königssiegeln als Schutzherrin des Königshauses; die berühmte Inschrift des Königs Eshmunazar II. (5. Jahrhundert v. Chr.) nennt sie zusammen mit Eshmun als oberste Schutzgöttin.

Apotropäisch wurden Astarte-Figurinen in Häusern aufgestellt; die sogenannten ‚Astarte-Plaketten‘, kleine Terrakotta-Reliefs einer nackten Frau, sind in tausenden von Exemplaren aus phönizischen Sites bekannt. Sie dienten vermutlich Schutz, Fruchtbarkeitsanrufung und Hausschutz. Die Funktion dieser Plaketten ist in der Forschung kontrovers diskutiert; ihre Häufigkeit ist jedenfalls Indiz für die intensive häusliche Astarte-Verehrung.

In phönizischen Reisritualen wurde Astarte als Schutzherrin der Schifffahrt angerufen; Kapitäne und Kaufleute brachten ihr Weihegaben vor und nach Seereisen dar. Diese ‚Reisefrömmigkeit‘ ist religionsgeschichtlich interessant, weil sie die internationale Mobilität der phönizischen Welt direkt religiös rahmt. Der iWell-Guard verzeichnet Astarte als historisch-religionsgeschichtliche Figur ohne aktuelle Heilversprechen-Bezüge.

Die phönizischen Skarabäen-Siegel des 7. und 6. Jahrhunderts v. Chr. zeigen häufig Astarte-Motive: nackte stehende Göttin, Astarte auf einem Löwen, Astarte mit Lotusblüte. Diese kleinformatigen Siegel wurden als persönliche Schutzamulette getragen und waren in der phönizischen Welt sehr weit verbreitet.

Parallelen in anderen Kulturen

Astarte gehört zur großen westsemitisch-mesopotamischen Göttinnen-Familie ʿAṯtart/Ištar. Sie ist eng verwandt mit der ugaritischen ʿAṯtartu, der mesopotamischen Ištar, der mittelaramäischen Atargatis (mit eigenständiger Entwicklung), der hurritischen Šaušga und der hethitischen Ištar von Šamuḫa. Im Akkadischen ist die Multifunktionalität bei Ištar von Uruk besonders gut dokumentiert.

Mit der griechischen Aphrodite ist Astarte religionsgeschichtlich identisch; die zyprische Aphrodite ist direkte Nachfolge der phönizischen Astarte. Auch die griechische Hera, die Athene und in manchen Aspekten die Artemis tragen Astarte-Erbschaft. In Karthago verschmilzt sie zunehmend mit Tanit, die ihre eigenständige Funktion entwickelt.

Im hebräischen Material erscheint Astarte als Ashtoreth, polemisch negativ besetzt (1 Könige 11,5; 2 Könige 23,13). Diese Polemik richtet sich gegen die kanaanäische Religion in ihrer phönizischen Form. Religionswissenschaftlich ist Astarte für das alte Israel ein konkurrierender Gott aus derselben kanaanäischen Tradition; der biblische Anti-Aštartismus ist die theologische Reaktion auf eine reale religiöse Nachbarschaft. Hethitische Parallelen finden sich in der Šaušga von Šamuḫa.

Die Identifikation Astarte = Aphrodite ist religionsgeschichtlich nicht beliebig; Pausanias und andere antike Autoren bezeugen die Ableitung der griechischen Aphrodite aus phönizischen Vorbildern. Die Studien von Walter Burkert in Die orientalisierende Epoche und von Vinciane Pirenne-Delforge sind in dieser Frage Standardreferenz.

Heutige Rezeption und Forschung

Die Astarte-Forschung ist heute auf hohem Niveau. Corinne Bonnets Monographie Astarté (1996) ist Standardreferenz; Stephanie Budins The Origin of Aphrodite (2003) behandelt die Aphrodite-Verbindung kritisch. Sabatino Moscati und Maria Eugenia Aubet sind Autoritäten für die mediterrane Verbreitung. Die Edition der phönizischen Inschriften durch Charles Krahmalkov und Wolfgang Röllig liefert die Primärtexte.

In der populären Rezeption ist Astarte vor allem durch ihre Aphrodite-Identifikation und durch die biblische Polemik bekannt. Eine spirituelle Wiederbelebung im neuheidnischen Sinne, vor allem in feministischen und neopaganen Kreisen seit den 1980er Jahren, hat Astarte als ‚Muttergöttin‘ rezipiert; diese moderne Rezeption ist religionsgeschichtlich problematisch, weil sie das historische Profil simplifiziert.

Religionswissenschaftlich gilt Astarte heute als eine der wichtigsten Studienobjekte der westsemitischen Religion. Aktuelle Forschungsschwerpunkte liegen auf der Differenzierung lokaler Astarte-Hypostasen (Astarte von Sidon, Tyrus, Byblos, Kition), auf der Verbindung zur Aphrodite-Tradition und auf der Frage nach den qedeshot im Astarte-Kult. Der iWell-Guard verzeichnet Astarte als zentrales Pantheon-Mitglied und nicht als gegenwärtigen Schutzadressaten.

Aktuelle archäologische Funde aus phönizischen Sites in Spanien (Sevilla, Cádiz) und Marokko (Lixus) erweitern das Bild ihrer westlichen Verehrung erheblich. Die Forschungen von María Belén Deamos und Manuela Marín haben in den letzten Jahren wichtige neue Belege publiziert.

Literatur und Quellen

Die folgende Auswahl bündelt die wichtigsten Standardwerke zur Astarte-Forschung. Sie umfasst Monographien, Inschrifteneditionen und religionsgeschichtliche Synthesen. Corinne Bonnets Astarté ist der erste Einstieg; Budins Aphrodite-Studie behandelt die griechische Linie; Aubet die mediterrane Ausbreitung. Krahmalkovs Grammatik des Phönizisch-Punischen liefert das sprachhistorische Material; Moscatis klassische Synthese den kulturgeschichtlichen Rahmen.

Astarte im Eschmunazar-Sarkophag und den Königsinschriften von Sidon

Eine der wichtigsten epigraphischen Quellen zu Astarte ist die Inschrift auf dem Sarkophag des Königs Eschmunazar II. von Sidon, datiert in das frühe 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Der Sarkophag selbst ist ägyptischer Herkunft und wurde 1855 gefunden; er befindet sich heute im Louvre. Die phönizische Inschrift gehört zu den längsten erhaltenen Texten dieser Sprache.

In ihr berichtet das Königshaus, es habe der Astarte einen Tempel gebaut. Genannt wird das Heiligtum der Astarte Schem Baal, der Astarte, Name des Baal, eine Wendung, die der Tanit pene Baal der punischen Inschriften nahesteht und eine theologische Verbindung zwischen Göttin und Gott ausdrückt. Die Inschrift nennt außerdem den Gott Eschmun und legt damit das religiöse Programm der sidonischen Königsdynastie offen.

Eine zweite zentrale Quelle ist die Inschrift des Königs Bodaschtart, ebenfalls aus Sidon, die ebenfalls von Bautätigkeit für Astarte und Eschmun spricht. Aus diesen Texten ergibt sich, dass Astarte die Hauptgöttin Sidons war und der Stadtkult eng mit der Legitimation des Königshauses verbunden war. Die phönizischen Königsinschriften sind deshalb so wertvoll, weil sie, anders als die mythologischen Texte aus Ugarit, unmittelbar aus dem phönizischen Kernland und aus dem realen Kultbetrieb stammen. Sie zeigen Astarte nicht als Erzählfigur, sondern als Empfängerin von Tempeln, Stiftungen und königlicher Verehrung. Editionen dieser Texte finden sich in den Standardsammlungen der phönizischen Inschriften, etwa bei Herbert Donner und Wolfgang Röllig.

Astarte, Aphrodite und die griechische Übersetzung der Göttin

Die Griechen, die mit den Phöniziern im gesamten Mittelmeerraum in Kontakt standen, setzten Astarte mit ihrer eigenen Liebes- und Schönheitsgöttin Aphrodite gleich. Diese Gleichsetzung ist mehr als eine bloße Übersetzung. Herodot berichtet von einem Heiligtum der himmlischen Aphrodite in Askalon und nennt es das älteste aller Heiligtümer dieser Göttin, von dem auch das auf Zypern abstamme. Damit verortet er den Ursprung der Aphrodite ausdrücklich im syrisch-phönizischen Raum.

Zypern spielt in dieser Geschichte eine Schlüsselrolle. Die Insel war früh von Phöniziern besiedelt, besonders die Stadt Kition, und der Kult der zyprischen Göttin, den die Griechen als Aphrodite verehrten, trägt deutliche Spuren der Astarte. Das Heiligtum von Paphos auf Zypern verehrte sein Götterbild in Form eines konischen Steins, ein Brauch, der eher dem vorderasiatischen als dem griechischen Kultverständnis entspricht.

Die Forschung diskutiert, wie weit Aphrodite überhaupt eine ursprünglich griechische Gottheit ist oder ob sie wesentlich aus der Übernahme der phönizischen Astarte hervorging. Walter Burkert hat in seinen Arbeiten zum orientalischen Einfluss auf die griechische Religion diese Verbindung stark betont. Andere Forscher sehen eine Mischung aus einer indogermanischen Morgenröten-Göttin und vorderasiatischen Elementen. Sicher ist, dass Astarte und Aphrodite über Jahrhunderte als zwei Namen einer als verwandt empfundenen Göttin behandelt wurden. Für Astarte bedeutet das, dass ihre Wirkungsgeschichte weit über die phönizischen Städte hinausreicht und sich in der griechischen und später römischen Religion fortsetzt.

Astarte und Aschtoret in der hebräischen Bibel

Astarte erscheint in der hebräischen Bibel unter der Form Aschtoret, im Plural Aschtarot. Die Vokalisierung dieses Namens gilt der Forschung als bewusste Entstellung: Die masoretischen Gelehrten sollen die ursprünglichen Vokale durch die des hebräischen Wortes für Schande ersetzt haben, ein Verfahren, das auch bei anderen fremden Gottheiten vermutet wird.

Die biblischen Texte nennen Aschtoret an mehreren Stellen. Im ersten Buch der Könige wird sie als Göttin der Sidonier bezeichnet, deren Kult König Salomo zugelassen habe. Häufig steht sie im Plural neben den Baalim, den Baalsgestalten, als Inbegriff der fremden Kulte, gegen die die biblischen Autoren polemisieren. Das Buch der Richter und die Samuelbücher verwenden die Wendung, dass das Volk den Baalen und Astarten gedient habe.

Diese Belege sind religionsgeschichtlich aus zwei Gründen wichtig. Erstens bestätigen sie von außen, dass Astarte tatsächlich die Hauptgöttin Sidons war, was die phönizischen Königsinschriften aus eigener Perspektive bezeugen. Zweitens zeigen sie, dass der Astarte-Kult auch in der Bevölkerung des israelitischen und judäischen Raums verbreitet war, sonst hätte die prophetische Polemik kein Ziel gehabt. Die Bibel ist hier eine feindliche, aber gerade darum aufschlussreiche Quelle. Sie überliefert nicht die Theologie der Astarte-Verehrer, wohl aber den indirekten Beweis, dass deren Kult lebendig genug war, um über Jahrhunderte als religiöse Konkurrenz empfunden zu werden. Die Frage, wie sich Aschtoret zur ebenfalls in der Bibel erwähnten Aschera verhält, wird in der Forschung weiterhin diskutiert.

Literatur (Auswahl)

  • Corinne Bonnet: Astarté (Rom 1996)
  • Stephanie Budin: The Origin of Aphrodite (Bethesda 2003)
  • Sabatino Moscati: Die Phöniker (Stuttgart 1966)
  • Maria Eugenia Aubet: The Phoenicians and the West (Cambridge 2001)
  • Stephanie Budin: The Myth of Sacred Prostitution in Antiquity (Cambridge 2008)
  • Charles Krahmalkov: A Phoenician-Punic Grammar (Leiden 2001)

Im phönizischen Mythos verbindet Astarte Liebe, Krieg und Königsherrschaft; ihr Kult reicht von Sidon und Tyros bis nach Karthago und prägt später hellenistische Aphrodite- und Hera-Identifikationen.

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Der Schutz-Kompass ordnet dieses Wesen der Einwirkungsstufe II zu – Spürbare Einwirkung.

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