Wakan Tanka (Lakota: Wakan Thanka, Große heilige Macht) ist im religiösen Verständnis der Lakota und der weiteren Sioux-Sprachfamilie die höchste, alles umfassende numinose Realität. Sie ist weniger eine personifizierte Gottheit im westlichen Sinn als eine durchwirkende heilige Macht.
Wakan Tanka steht im Zentrum der religiösen Vorstellungswelt der Lakota, Dakota und Nakota, der drei Hauptzweige der Sioux-Sprachfamilie. Anders als der monotheistische Gott der abrahamitischen Religionen ist Wakan Tanka kein klar personifiziertes Hochwesen mit eigenem Willen, eigener Biographie und eigener Stimme, sondern die durchwirkende heilige Macht (wakan), die in allem Lebenden und Nichtlebenden anwesend ist.
Der Lakota-Theologe Black Elk hat in seinen aufgezeichneten Reden, vor allem in dem von John Neihardt zusammengestellten Werk Black Elk Speaks (1932), Wakan Tanka als Wakan Tanka unsi unkila (Mitleid-mit-uns-habender heiliger Großer) angesprochen. Der zeitgenössische Lakota-Religionswissenschaftler Vine Deloria Jr. hat in God Is Red (1973) gezeigt, dass die einfache Übersetzung von Wakan Tanka als Great Spirit, die in der populären Literatur seit dem 19. Jahrhundert gängig ist, die genuine Bedeutung verfehlt.
Strukturell gehört Wakan Tanka zur Klasse der pan-religiösen Allmächtigkeit-Hochwesen, ist aber stark spezifisch durch das Lakota-Verständnis der heiligen Macht wakan geprägt. Die Lakota kennen eine Vielzahl von wakan-Wesen (vergleichbar mit den Apu-Bergherren der Anden-Inka): die Vier Himmelsrichtungen, die Donner-Wesen (siehe Thunderbird), die Geister der Tiere, die Vorfahren-Geister, alle sind wakan, alle sind Teil der einen umfassenden heiligen Macht.
Im Vergleich zur westlich-monotheistischen Theologie ist eine wichtige Pointe der Lakota-Konzeption das Fehlen einer eindeutigen Geschlechtszuordnung. Wakan Tanka ist weder männlich noch weiblich; die personifizierten wakan-Aspekte zerfallen vielmehr in männliche, weibliche und androgyne Wesen. Diese geschlechtliche Neutralität der höchsten Realität ist eine genuine Differenz gegenüber der jüdisch-christlich-islamischen Tradition mit ihrem männlichen Gott-Vater-Bild und hat in der vergleichenden Religionswissenschaft wiederholt Aufmerksamkeit erfahren.
Der Lakota-Begriff wakan ist eines der zentralen religionsphilosophischen Termini der Sioux-Tradition. Er bedeutet wortwörtlich heilig, geheimnisvoll oder nicht-vollständig-zu-verstehen und wird über das gesamte Spektrum dessen verwendet, was wir als numinos bezeichnen würden. Der Lakota-Linguist Stephen Riggs hat in seinem Lakota-Englisch-Wörterbuch (1852) eine bemerkenswerte Liste von wakan-Anwendungen zusammengestellt, von der Frau im Wochenbett bis zum Blitzschlag, vom Tabak-Beutel des Heilers bis zum Sterben eines geliebten Pferdes.
Der Zusatz thanka oder tanka bedeutet groß im Sinne von umfassend, alles-enthaltend. Damit ist Wakan Thanka die umfassende, alles enthaltende heilige Macht. In den Lakota-Theologischen Texten wird unterschieden zwischen wakan kin (das Heilige im allgemeinen) und Wakan Thanka (das eine umfassende Heilige), wobei die Differenz nicht numerisch (eins gegen viele), sondern qualitativ (Teil gegen Ganzes) gefasst ist.
Eine wichtige theologische Differenzierung hat der Lakota-Heiler Sword (Sword’s Account) in den 1890er Jahren in Gesprächen mit dem Anthropologen James Walker gemacht: Er sprach von sechszehn unterschiedlichen wakan-Aspekten, die zusammen die Einheit Wakan Tankas bilden. Diese Liste ist im Werk James Walker, Lakota Belief and Ritual (1980, posthum herausgegeben) systematisch dokumentiert.
Die theologische Struktur Wakan Tankas ist nach den von James Walker dokumentierten Lakota-Heilern (Sword, Finger, Bad Wound, No Flesh) erheblich komplexer als die einfache Great Spirit-Auffassung der populären Literatur. Die Lakota-Theologie unterscheidet sechszehn wakan-Aspekte, die hierarchisch in vier Gruppen zu je vier Aspekten gegliedert sind.
Die obersten vier (Wakan akantu) umfassen: Wi (die Sonne), Skan (das Bewegende, kosmische Energie), Maka (die Erde) und Inyan (der Stein, das Ur-Material). Die zweite Gruppe (Wakan kolaya) umfasst die ihnen verbundenen Begleiter-Aspekte: der Mond (Hanwi), der Wind (Tate), die Schönheit (Wohpe) und der Donner-Vogel (Wakinyan). Die dritte Gruppe (Wakan kuya) sind die untergeordneten Aspekte: der Büffel-Geist (Tatanka), der Bear-Geist (Hununpa), der Vier-Winde-Geist (Tate) und der Wirbel-Geist (Yumni). Die vierte Gruppe (Wakan lakolapi) sind die hilfreichen Geister: der Geist (Niya), der Schatten (Nagi), der Lebensatem (Naula) und der Schwester-Geist (Sicun).
Diese sechszehnfache Aspekt-Struktur ist eine genuine Theologie-Konstruktion, die nicht der oberflächlichen Annahme einer einheitlich-monotheistischen Lakota-Religion entspricht. Vine Deloria Jr. und der Lakota-Religionswissenschaftler Joseph Epes Brown haben in ihren Werken die Bedeutung dieser strukturellen Komplexität wiederholt herausgestellt.
Die Sword-Walker-Texte sind methodisch komplex zu bewerten. James Walker war Reservats-Arzt in Pine Ridge zwischen 1896 und 1914 und hat in dieser Zeit umfangreiche Gespräche mit den letzten Lakota-Heilern der vor-Reservats-Generation geführt. Die Aufzeichnungen sind eine der wichtigsten Primärquellen, aber sie sind durch Walkers eigene theologische Hintergründe (er war Arzt mit westlichem Bildungshintergrund) und durch die Übersetzungs-Schwierigkeiten teilweise verzerrt. Die jüngere Forschung, insbesondere Raymond DeMallie und Vine Deloria Jr. hat diese methodischen Probleme systematisch diskutiert.
Die mythologische Überlieferung um Wakan Tanka ist, im Vergleich zu vielen anderen religiösen Traditionen, auffallend sparsam an personifizierten Erzählungen. Das liegt daran, dass Wakan Tanka selbst nicht eine handelnde Figur ist, sondern die hintergründige Wirklichkeit, in der die handelnden Figuren auftreten. Die mythologische Stoff-Flut der Lakota-Tradition betrifft daher eher die einzelnen wakan-Aspekte als Wakan Tanka selbst.
Eine zentrale Mythen-Konstellation ist das Erscheinen der White Buffalo Calf Woman, die im Auftrag Wakan Tankas die sieben heiligen Riten (siehe unten) und die heilige Pfeife chanunpa in die Lakota-Tradition gebracht hat. Diese Erzählung, überliefert insbesondere durch Black Elk, ist die zentrale Stiftungs-Geschichte der Lakota-Religion und wird in fast jeder Sweat-Lodge und Vision-Quest-Sitzung neu erzählt.
Eine zweite Erzähl-Konstellation umfasst die kosmogonischen Mythen um die tunkasila-Großväter (siehe Tunkasila) und die uncegila-Wasserschlange. Diese Mythen sind in den von George Bushotter im späten 19. Jahrhundert aufgezeichneten Texten erhalten und vom Anthropologen James Howard in The Dakota or Sioux Indians (1980) systematisch beschrieben worden.
Die Lakota-Tradition kennt sieben große heilige Riten (Owanka wakan), die alle im Bezug zu Wakan Tanka vollzogen werden und die der weiße Büffel-Mädchen-Frau zugeschrieben werden. Sie sind im Werk von Black Elk und Joseph Epes Brown The Sacred Pipe (1953) systematisch beschrieben.
Die sieben Riten umfassen: erstens den Inipi, die Reinigungs-Schwitzhütte, die als rituelle Vorbereitung jedes anderen Ritus dient; zweitens den Hanblechiyapi, die Vision-Suche, in der ein Jugendlicher oder Erwachsener allein in den Bergen oder auf einem Hügel mehrere Tage und Nächte ohne Essen oder Wasser sucht eine Vision zu empfangen; drittens den Wanagi Yuhapi, das Halten der Seele (Trauer-Ritus); viertens den Hunkapi, das Machen-zu-Verwandten (Adoption); fünftens den Ishna Ta Awi Cha Lowan, die Pubertäts-Initiation der jungen Frauen; sechstens den Tapa Wankayeyapi, das Werfen-des-Balles (eine spielerische Versinnbildlichung kosmischer Verteilung); siebtens den Wiwanyag Wachipi, den Sonnentanz.
Letzterer, der Sonnentanz, ist die spektakulärste und religiös intensivste Lakota-Praxis. In ihm tanzen die Praktizierenden mehrere Tage lang ohne Essen oder Wasser im Kreis um einen heiligen Baum, einige von ihnen mit durch die Brustmuskulatur durchgesteckten Knochen-Spuegen, die mit Lederbändern am Baum befestigt sind. Der Tanz endet, wenn die Spuegen durch die Brustmuskulatur reißen und der Praktizierende von der Baum-Verbindung gerissen wird. Diese physische Erfahrung wird als höchstes Opfer für Wakan Tanka und als Tor zur Vision verstanden.
Die sieben heiligen Riten werden in den modernen Reservats-Gemeinden mit unterschiedlicher Häufigkeit praktiziert. Der Inipi (Schwitzhütte) wird in fast jedem Reservats-Haushalt regelmäßig durchgeführt; der Hanblechiyapi (Vision-Quest) findet bei Initiationen und in besonderen Lebenslagen statt; der Wiwanyag Wachipi (Sonnentanz) wird jährlich in den größeren Reservats-Versammlungen abgehalten und zählt zu den wichtigsten kollektiven Religions-Ereignissen der Sioux-Völker. Die übrigen Riten sind teilweise seltener geworden, werden aber von einer wachsenden Bewegung indigener Religionserneuerung aktiv reaktiviert.
Die Lakota-Tradition kennt keine direkte Anrufung Wakan Tankas in akuten Notlagen, weil Wakan Tanka als die überumfassende Realität zu allgemein ist, um in einzelnen Lebenssituationen direkt zuständig zu sein. Die schutzbezogene Verehrung gilt eher den einzelnen wakan-Aspekten, den Vier Winden, dem Büffel-Geist, dem Donner-Vogel.
Konkrete Schutzpraktiken umfassen das Tragen einer Medizin-Tasche (chanli) mit besonderen Steinen, Federn, Wurzeln und persönlichen Medizin-Objekten, die Anrufung der Vier Winde in den vier Himmelsrichtungen bei jedem rituellen Anlass, das Reinigungs-Beräuchern mit Büffel-Sage (Cedar) oder Süßgras (Sweetgrass), und die rituelle Verwendung der heiligen Pfeife chanunpa. Die Pfeifenraucherei ist nicht eine Verbrennung von Tabak, sondern eine kosmologische Tat: Der Tabak (kinnikinnick) wird in der Pfeife mit den Vier Winden, mit Erde und Himmel und mit den Vorfahren in Verbindung gesetzt; das Pfeifenrauchen wird selbst eine Form des wakan-Gebets.
In der Apotropäischen Tradition spielen die Lakota-Schilde eine besondere Rolle. Die Krieger trugen Bemalungen auf ihren Schilden, die in einer Vision empfangen worden waren und mit der wakan-Macht eines bestimmten Tieres oder eines bestimmten Wesens verbunden waren. Diese Schild-Bemalungen waren keine bloß ästetischen Verzierungen, sondern wirksame ritualpraktische Schutzobjekte. Joseph Epes Brown hat in The Spiritual Legacy of the American Indian (1982) die Lakota-Schild-Tradition systematisch beschrieben.
Wakan Tanka ist in der religionswissenschaftlich-vergleichenden Literatur oft als amerikanisches Beispiel einer pan-spiritualistischen Höchstwesen-Theologie aufgeführt worden. Strukturell vergleichbar sind das polynesische mana, das melanesische mana, das chinesische qi, das indische brahman und das west-afrikanische nyama bzw. nyam.
Wichtig ist, dass Wakan Tanka kein Pantheismus im strengen Sinn ist: Die Lakota unterscheiden zwischen den einzelnen wakan-Aspekten und Wakan Tanka selbst, ohne dass sie miteinander identisch wären. Die Religionswissenschaftlerin Aase Hultkrantz hat in Belief and Worship in Native North America (1981) diese Differenzierung systematisch beschrieben und gezeigt, dass die Lakota-Theologie weder dem strengen Monotheismus noch dem klassischen Pantheismus entspricht, sondern einer eigenständigen panentheistischen Theologie.
Innerhalb der nordamerikanischen Indianer-Traditionen weist Wakan Tanka enge Parallelen zum Algonkin-Manitou, zum Cheyenne-Maheo, zum Apache-Yusen, zum Navajo-Schöpfer und zum Pueblo-Schöpfer auf. In allen diesen Fällen handelt es sich um Hochwesen-Konzepte, die einer alles-durchwirkenden heiligen Macht zugrunde liegen.
Eine bemerkenswerte religionshistorische Beobachtung betrifft die Kontinuität der Lakota-Theologie auch in der weiteren Sioux-Diaspora. Das Mdewakanton-Dakota in Minnesota, das Yankton-Sioux in South Dakota und das Assiniboine in Montana und Saskatchewan haben jeweils eigene wakan-Tanka-Traditionen entwickelt, die sich in Details unterscheiden, aber die strukturelle Hauptlinie der Lakota-Theologie teilen. Diese pan-Sioux-Kontinuität ist von dem Anthropologen Raymond DeMallie in seinen umfangreichen Sioux-Studien systematisch beschrieben worden.
Die Lakota-Religion ist seit der zwangsweisen Christianisierung der Reservats-Indianer im 19. Jahrhundert und vor allem nach der gewaltsamen Unterdrückung des Sonnentanzes (verboten 1881, 1934) durch die US-Regierung in einer komplexen Phase der Renaissance. Seit der Wiederzulassung des Sonnentanzes 1934 und der weiteren Anerkennung indigener Religionen durch das American Indian Religious Freedom Act (1978) hat die Lakota-Religion einen erheblichen Aufschwung erfahren.
Im akademischen Diskurs hat die Auseinandersetzung mit Wakan Tanka eine wichtige Rolle in der Dekonstruktion missionarischer Religionsbeschreibungen gespielt. Vine Deloria Jr. (God Is Red, 1973; The World We Used to Live In, 2006), George Tinker (American Indian Liberation, 2008) und der Lakota-Theologe Charles Eastman (The Soul of the Indian, 1911) haben die genuin lakotische Theologie gegen die christlich-missionarischen Verkürzungen behauptet.
Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist Wakan Tanka ein wichtiges Beispiel dafür, dass die einfache typologische Klassifikation indigener Religionen (Animismus, Polytheismus, Monotheismus) den theologischen Reichtum der jeweiligen Tradition meist verfehlt. Die genuine Lakota-Theologie ist weder Animismus noch Pantheismus, sondern eine eigenständige philosophisch-religiöse Konstruktion, die ihren Platz in der vergleichenden Religionsgeschichte verdient. Der iWell-Guard-Bezug zur Lakota-Tradition ist explizit religionsbeobachtend, ohne Wirkungsversprechen.
Im 21. Jahrhundert hat die Lakota-Theologie zudem Eingang in den interreligiösen Dialog erhalten. Lakota-Geistliche wie Arvol Looking Horse, der gegenwärtige 19. Generation-Hüter der heiligen White-Buffalo-Calf-Pipe, vertreten die Lakota-Tradition bei UN-Versammlungen, Weltreligionen-Treffen und ökumenischen Konferenzen. Diese internationalen Auftritte haben zu einer wachsenden globalen Wahrnehmung der Lakota-Religion geführt, gleichzeitig aber auch problematische Tendenzen der spirituellen Aneignung durch westliche New-Age-Gruppen befördert, gegen die der Lakota-Ältestenrat seit 1993 wiederholt offiziell protestiert hat.
Die folgende Auswahl listet zentrale Werke der Lakota-Religion und der nordamerikanischen Indianer-Forschung, die für das Verständnis Wakan Tankas zentral sind.
Der Ausdruck Wakan Tanka stammt aus den Sprachen der Lakota, Dakota und Nakota und ist in der englischsprachigen Literatur meist mit Großer Geist oder Großes Geheimnis wiedergegeben worden. Beide Übersetzungen sind problematisch. Wakan bezeichnet eine Qualität des Heiligen, Geheimnisvollen oder mit besonderer Kraft Erfüllten, und tanka bedeutet groß. Die Verbindung lässt sich nicht ohne Verlust in einen einzelnen Gottesnamen übersetzen.
Die frühe Missions- und Ethnographieliteratur neigte dazu, Wakan Tanka als Bezeichnung eines einzelnen höchsten Gottes zu verstehen, der dem christlichen Gott entsprach. Diese Lesart wurde durch die Übersetzungsarbeit der Missionare verstärkt, die einen Begriff für den christlichen Gott benötigten. Die Forschung des 20. Jahrhunderts hat dieses Bild korrigiert. Der Ethnograph James R. Walker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Lakota-Religionsspezialisten an der Pine-Ridge-Reservation arbeitete, zeichnete ein deutlich komplexeres Bild.
Nach Walkers Aufzeichnungen, die er gemeinsam mit Lakota-Gewährsleuten wie George Sword erstellte, ist Wakan Tanka kein einzelnes Wesen, sondern eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl heiliger Mächte und Wesen, die zugleich als Einheit gedacht werden können. Walkers Material spricht von verschiedenen Aspekten oder Klassen des Heiligen, die in ihrer Gesamtheit Wakan Tanka bilden. Die Forschung diskutiert bis heute, wie weit Walkers systematische Darstellung die Vorstellungen seiner Gewährsleute genau trifft und wie weit sie eine Ordnung in das Material bringt, die so nicht durchgehend bestand. Festhalten lässt sich, dass eine schlichte Gleichsetzung mit einem monotheistischen Gott den Quellen nicht gerecht wird.
Die Aufzeichnungen zu Wakan Tanka entstanden überwiegend in einer Zeit massiven Drucks auf die Lakota-Religion. Nach der Niederlage und der Einweisung in Reservate verbot die US-Regierung ab den 1880er Jahren zentrale Zeremonien, darunter den Sonnentanz. Religiöse Praxis fand teils im Verborgenen statt. James R. Walkers Sammeltätigkeit fiel in genau diese Phase, was bedeutet, dass seine Gewährsleute ihr Wissen unter den Bedingungen der Verfolgung weitergaben.
Dieser Umstand prägt die Quellenlage. Manche Religionsspezialisten gaben ihr Wissen bewusst weiter, weil sie befürchteten, es könne sonst verloren gehen. Andere Inhalte wurden zurückgehalten. Die Forschung muss daher damit rechnen, dass die überlieferten Darstellungen sowohl Lücken als auch bewusste Auswahl enthalten. Hinzu kommt der Einfluss des Christentums, das viele Lakota im Lauf des 20. Jahrhunderts annahmen, teils neben der älteren Tradition.
Seit den 1970er Jahren ist im Zuge des American Indian Movement und allgemeiner indigener Bürgerrechtsbewegungen ein deutliches Wiedererstarken der Lakota-Religion zu beobachten. Der Sonnentanz wird wieder öffentlich durchgeführt, und Begriffe wie Wakan Tanka sind feste Bestandteile religiöser Rede. Zugleich gibt es innerhalb der Lakota-Gemeinschaften Auseinandersetzungen darüber, wie Tradition weitergegeben werden soll und wer dazu befugt ist, sowie Kritik an der Aneignung der Begriffe durch nichtindigene esoterische Strömungen. Für die religionswissenschaftliche Darstellung folgt daraus, dass Wakan Tanka kein abgeschlossenes historisches Thema ist, sondern ein lebendiger und teils umstrittener Bezugspunkt heutiger Lakota-Identität.
Verwandte Schlüsselbegriffe: Wakan Tanka Lakota Sioux Sweat Lodge Sun Dance Black Elk Vision Quest Chanunpa.
iWell Guard knüpft an die kulturhistorische Tradition tragbarer Schutzobjekte an, in der Tradition von Native American und vielen anderen Kulturen weltweit. 41 Ebenen, Echtgold, Platin, Silber, gefertigt in Deutschland. 30-Tage-Rückgaberecht.
Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.