Das Om-Symbol – die heilige Silbe als Schutz- und Segenszeichen

Das Om, auch Aum geschrieben, ist die heilige Ursilbe des Hinduismus. Als gesprochener Klang und als geschriebenes Zeichen steht es am Anfang von Gebet und Schrift, und es gilt zugleich als Zeichen des Segens und des Schutzes, das Häuser, Menschen und Wege begleitet.

SchutzsymbolHinduismusSegenszeichen
Om-Symbol als goldfarbener Messing-Anhänger mit Ringelblumenblüten auf dunklem Stein

Einordnung

Das Om ist die wichtigste heilige Silbe des Hinduismus. Sie wird gesprochen, gesungen und geschrieben, und in jeder dieser Formen gilt sie als heilig. Als geschriebenes Zeichen, meist in der Devanagari-Schrift, ist das Om eines der bekanntesten Symbole der indischen Religionen.

Anders als ein Amulett, das vor einer bestimmten Gefahr schützen soll, ist das Om vor allem ein Zeichen des Segens und der heiligen Ordnung. Es wird dort angebracht, wo etwas geheiligt, gesegnet und unter eine gute Vorzeichen gestellt werden soll. Der Schutzgedanke ist darin eingeschlossen, aber er steht in einem weiteren Zusammenhang.

Religionswissenschaftlich gehört das Om zu den Zeichen, die nicht abwehren, sondern weihen. Es markiert einen Anfang als heilig und stellt einen Ort oder eine Handlung unter den Segen. Damit unterscheidet es sich von den apotropäischen Schutzobjekten, deren Aufgabe das Abwenden von Unheil ist.

Das Om gilt vielen als das heiligste Zeichen des Hinduismus überhaupt. Traditionell wird es an den Anfang von Handschriften, Briefen und Dokumenten gesetzt, um das Geschriebene unter ein gutes Vorzeichen zu stellen. Auch der Unterricht und das Studium heiliger Texte beginnen mit dem Om. In dieser Gewohnheit, jeden bedeutsamen Anfang mit dem Zeichen zu eröffnen, zeigt sich seine besondere Stellung sehr deutlich.

Om als Ursilbe und Urklang

Im hinduistischen Denken ist das Om weit mehr als ein Wort. Es gilt als der ursprüngliche Klang, aus dem die Welt hervorgegangen ist. In dieser Vorstellung steht am Anfang der Schöpfung ein Ton, und dieser Ton ist das Om. Die Silbe verbindet sich damit unmittelbar mit dem Ursprung des Daseins.

Die heiligen Texte des Hinduismus räumen dem Om einen hohen Rang ein. Schon die Veden und besonders die Upanishaden behandeln die Silbe ausführlich. Eine eigene Upanishade ist ganz der Deutung des Om gewidmet und legt seine Bedeutung Laut für Laut aus.

Aus diesem Verständnis ergibt sich der besondere Rang des Zeichens. Wer das Om spricht oder schreibt, bezieht sich auf den Urgrund der Welt selbst. Die Silbe ist damit kein beliebiges Symbol, sondern ein Zeichen, das nach hinduistischer Vorstellung die tiefste Wirklichkeit benennt.

Die Mandukya-Upanishade widmet sich ganz der Deutung des Om und beschreibt es als Sinnbild der höchsten Wirklichkeit, die im hinduistischen Denken Brahman genannt wird. Das Om ist demnach Brahman in Gestalt eines Klangs. Ein weiterer überlieferter Name der Silbe ist Pranava. In dieser Benennung schwingt der Gedanke mit, dass das Om den Lebensatem und die durchdringende Kraft des Heiligen zum Ausdruck bringt.

Die Gestalt des Zeichens

Das geschriebene Om hat eine unverwechselbare Form. In der Devanagari-Schrift besteht es aus mehreren geschwungenen Linien sowie einem Halbmond und einem Punkt im oberen Bereich. Diese Bestandteile bilden zusammen ein ausgewogenes, leicht wiederzuerkennendes Zeichen.

Die einzelnen Teile des Zeichens werden traditionell gedeutet. Die Kurven werden mit verschiedenen Bewusstseinszuständen verbunden, der Halbmond mit der trennenden Erscheinungswelt und der Punkt mit dem höchsten, alles übersteigenden Zustand. Das Zeichen ist damit nicht nur Schriftbild, sondern ein verdichtetes Lehrbild.

Diese Gestalt hat das Om über die Grenzen der Schriftkundigen hinaus bekannt gemacht. Auch wer die Devanagari-Schrift nicht lesen kann, erkennt das Zeichen. Gerade diese klare und einprägsame Form trug dazu bei, dass das Om zu einem weithin sichtbaren Zeichen wurde.

Die heute weltweit bekannte bildliche Form des Om in der Devanagari-Schrift hat sich als Standard erst im Lauf der Zeit durchgesetzt. In den verschiedenen Schriften des indischen Raums wird die Silbe jeweils anders geschrieben, sodass es nicht ein einziges, sondern mehrere überlieferte Schriftbilder des Om gibt. Die Devanagari-Form ist die verbreitetste und prägt das Bild, das die meisten Menschen mit dem Zeichen verbinden.

A, U und M: die drei Laute

Gesprochen wird das Om als ein zusammenhängender Klang, doch die Überlieferung zerlegt es in drei Laute, A, U und M. Diese drei Laute werden mit Dreiheiten der hinduistischen Lehre verbunden, etwa mit dem Wachen, dem Traum und dem traumlosen Tiefschlaf.

Zu den drei hörbaren Lauten tritt ein viertes Element, die Stille nach dem Verklingen des Klangs. Diese Stille gilt als das Eigentliche, als der Hinweis auf einen Zustand jenseits aller Worte und Bilder. Das Om umfasst damit das Hörbare und das, was über das Hörbare hinausweist.

In dieser Deutung wird sichtbar, warum das Om als so umfassend gilt. Es schließt die Stufen der Wirklichkeit ein, vom Wachen bis zum höchsten Zustand. Wer das Om spricht, durchläuft im Klang gleichsam diese ganze Ordnung, und genau das macht die Silbe in der Vorstellung der Tradition so wirksam.

Die drei Laute des Om werden in der Tradition mit zahlreichen Dreiheiten verbunden. Verbreitet ist die Zuordnung zu den drei großen Göttern Brahma, Vishnu und Shiva und damit zu Schöpfung, Erhaltung und Auflösung der Welt. Ebenso werden die drei Laute mit den drei Veden in Verbindung gebracht. Diese Fülle der Deutungen unterstreicht, dass das Om als ein Zeichen verstanden wird, das die ganze Ordnung des Daseins umfasst.

Om im Ritual und im Gebet

Im religiösen Leben des Hinduismus steht das Om am Anfang und am Ende. Gebete, Rezitationen heiliger Texte und rituelle Handlungen werden mit dem Om eröffnet und beschlossen. Die Silbe rahmt damit das Heilige ein und hebt es vom Alltäglichen ab.

Das Om gilt zudem als Keimsilbe, als sogenanntes Bija-Mantra. Es ist Bestandteil zahlreicher längerer Gebetsformeln und Mantras und verleiht ihnen nach traditioneller Vorstellung ihre Kraft. In der Meditation wird das Om wiederholt gesprochen oder innerlich vergegenwärtigt, um den Geist zu sammeln.

Diese rituelle Verwendung ist die Grundlage der Schutz- und Segensbedeutung. Indem das Om eine Handlung eröffnet, stellt es sie unter ein heiliges Vorzeichen. Was mit dem Om beginnt, ist nach hinduistischem Verständnis von Anfang an in die heilige Ordnung eingebunden und damit bewahrt.

Im rituellen Alltag ist das Om allgegenwärtig. Es eröffnet die Rezitation der Veden, und es steht am Beginn vieler bekannter Gebetsformeln. In der Praxis des wiederholenden Gebets, der Japa, wird das Om mit Hilfe einer Gebetskette immer wieder gesprochen. Auf diese Weise verbindet sich die Silbe mit der täglichen Übung und wird zu einem ständigen Bestandteil des religiösen Lebens vieler Menschen.

Om als Schutz- und Segenszeichen

Aus der heiligen Bedeutung des Om ergibt sich seine Rolle als Schutz- und Segenszeichen im Alltag. Das Zeichen wird an Hauseingängen angebracht, über Türen gemalt und in Wohnräumen aufgehängt. Es markiert den Ort als gesegnet und stellt ihn unter ein gutes Vorzeichen.

Als Anhänger wird das Om am Körper getragen, und es findet sich an Fahrzeugen und an Gegenständen des täglichen Gebrauchs. In all diesen Formen wirkt es nicht als Abwehrwaffe gegen einen bestimmten Feind, sondern als ständige Vergegenwärtigung des Heiligen. Wo das Om ist, ist die heilige Ordnung gegenwärtig.

Damit gehört das Om zur Gruppe der Zeichen, die durch Weihe schützen. Es bewahrt, indem es heiligt. Diese Wirkungsweise verbindet das Om mit anderen Segenszeichen und unterscheidet es zugleich von den Schreck- und Abwehrzeichen, die das Böse durch Furcht vertreiben sollen.

Als Schutz- und Segenszeichen erscheint das Om an vielen Stellen des häuslichen Lebens. Zu Festen wie dem Lichterfest Diwali wird es gemeinsam mit anderen Glückszeichen an Türschwellen und auf den Boden gemalt, oft im Rahmen kunstvoller Bodenbilder. Auch Geschäftsbücher und neue Vorhaben werden mit dem Om eröffnet. Überall dort stellt das Zeichen einen Anfang unter ein gutes und heiliges Vorzeichen.

Om in den indischen Religionen

Das Om ist nicht auf den Hinduismus beschränkt. Auch der Buddhismus kennt die Silbe und verwendet sie, am bekanntesten in der weit verbreiteten Formel Om mani padme hum, die vor allem im tibetischen Buddhismus eine große Rolle spielt.

Ebenso gehört das Om zum Jainismus und zum Sikhismus, wenn auch jeweils mit eigenen Deutungen und in eigener Schreibung. In allen diesen Religionen gilt die Silbe als heilig und als Zeichen einer höchsten Wirklichkeit, auch wenn diese Wirklichkeit unterschiedlich verstanden wird.

Diese Verbreitung über mehrere Religionen hinweg macht das Om zu einem verbindenden Zeichen des indischen Kulturraums. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein heiliges Zeichen über die Grenzen einer einzelnen Religion hinaus Bedeutung gewinnen kann, ohne seine Heiligkeit einzubüßen.

In den anderen indischen Religionen erhält das Om jeweils eine eigene Färbung. Im Jainismus wird die Silbe als Zusammenfassung der fünf höchsten Wesenheiten gedeutet. Der Sikhismus stellt an den Anfang seiner heiligen Schrift die Formel Ik Onkar, die einen verwandten Gedanken ausdrückt, nämlich den des einen, alles durchwirkenden Göttlichen. Bei aller Verschiedenheit bleibt das Om in all diesen Traditionen ein Zeichen höchster Heiligkeit.

Material und Verwendung als Anhänger

Als getragenes Zeichen wird das Om aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Verbreitet sind Anhänger aus Gold, Silber und Messing, daneben gibt es Stücke aus Holz und Stein. Häufig ist das Zeichen plastisch herausgearbeitet, sodass seine geschwungene Form gut zur Geltung kommt.

Das Om wird oft mit anderen heiligen Zeichen und mit Gebetsketten kombiniert. Es erscheint auf Anhängern gemeinsam mit Darstellungen von Gottheiten oder mit weiteren Segenszeichen. In dieser Verbindung verstärken sich die einzelnen Zeichen in ihrer Bedeutung gegenseitig.

Die Verwendung als Anhänger zeigt, wie das Om vom rein rituellen Gebrauch in den persönlichen Alltag übergegangen ist. Es begleitet den Träger durch den Tag und hält die Verbindung zum Heiligen sichtbar aufrecht. Darin gleicht das Om den getragenen Schutzzeichen anderer Kulturen.

Als Anhänger wird das Om häufig mit weiteren Glück und Segen verheißenden Zeichen verbunden, etwa mit der im ursprünglichen Sinn als Glückszeichen verstandenen Swastika. Viele Menschen tragen das Om von Kindheit an, und es begegnet auch als Tätowierung. In all diesen Formen wird die Silbe nicht nur betrachtet, sondern getragen und damit zu einem ständigen, persönlichen Begleiter im Alltag.

Heutige Rezeption

Das Om hat über den indischen Kulturraum hinaus eine weltweite Verbreitung gefunden. Mit der internationalen Ausbreitung des Yoga und der Meditation wurde das Zeichen in vielen Ländern bekannt. Es erscheint heute auf Schmuck, Kleidung und in der Gestaltung von Räumen.

Mit dieser Verbreitung geht eine Verschiebung der Bedeutung einher. In vielen Zusammenhängen wird das Om vor allem als Zeichen für Ruhe, Achtsamkeit und eine allgemeine Spiritualität verstanden, gelöst von seiner genauen Stellung in den indischen Religionen. Aus einem heiligen religiösen Zeichen wird teilweise ein allgemeines Symbol.

Im Hinduismus selbst bleibt die ursprüngliche Bedeutung dagegen ungebrochen. Dort ist das Om weiterhin die heilige Ursilbe, das Zeichen des Urklangs und ein Segenszeichen, das den Alltag begleitet. Eine sachliche Darstellung sollte beide Ebenen benennen, die religiöse Tiefe des Zeichens und seine moderne, weltweite Rezeption.

Mit der weltweiten Verbreitung des Zeichens stellt sich auch die Frage nach einem angemessenen Umgang. Da das Om vielen Gläubigen als heilig gilt, wird ein achtloser oder rein dekorativer Gebrauch von manchen als wenig respektvoll empfunden. Eine sachliche Darstellung benennt darum beides, die religiöse Tiefe des Zeichens in den indischen Religionen und seine Rolle als weithin bekanntes Kurzzeichen für Indien und für Spiritualität.

Literatur (Auswahl)

  • Heinrich Zimmer: Philosophie und Religion Indiens (1961)
  • Jan Gonda: Die Religionen Indiens (1960)
  • Mandukya-Upanishad (klassischer Sanskrit-Text)
  • Axel Michaels: Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart (1998)
  • Annette Wilke, Oliver Moebus: Sound and Communication. An Aesthetic Cultural History of Sanskrit Hinduism (2011)

Verwandte Schlüsselbegriffe: Om Aum Pranava Ursilbe Devanagari Bija-Mantra Upanishaden Segenszeichen Hinduismus.

iWell Guard und Schutztraditionen

iWell Guard steht in der kulturhistorischen Linie tragbarer Schutzobjekte, zu der auch das Om-Symbol gehört. Ein moderner Begleiter für Menschen, die mit Schutzsymbolen leben: gefertigt in Deutschland, 41 Ebenen aus Echtgold, Platin und Silber, mit 30-Tage-Rückgaberecht.

Persönliche Erfahrungen können unterschiedlich sein. Kein Medizinprodukt. Kein Heilversprechen.

iWell Guard ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die hier dargestellten Inhalte sind religionswissenschaftliche und kulturhistorische Einordnung, keine spirituelle Wirkungszusage.